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 Sathya Sai Babas Ansprache am 01.01.2009

 

Ansprache in PDF Format

Sathya Sai Babas Ansprache am 1.1.2009, Neujahr

 

Die Sonne scheint heiter und friedvoll,
die Tage sind kürzer geworden und es weht ein kühler Wind.
Auf den Feldern ist die goldene Ernte herangereift.
Die Ringelblumen blühen gleich Perlenketten an den Ufern der Flüsse.
Die Bauern freuen sich und singen.
Das süße Sankrantifest ist im Monat Pushya gekommen
und füllt die Vorratskammern unserer Häuser mit frisch geerntetem Getreide.

Verkörperungen der Liebe!

Dies ist die Zeit des Sankrantifestes. Sankranti ist ein bedeutendes Fest. An diesem Tag bringen die Bauern die Ernte nach Hause, die aus den verschiedensten Körnern und Hülsenfrüchten besteht, welche für den Haushalt nötig sind. Nachdem die Bauern die hektische Zeit des Erntens abgeschlossen haben und nun von landwirtschaftlichen Tätigkeiten frei sind, genießen sie zu Hause gutes Essen und ruhen sich aus. Sie verbringen ihre Freizeit glücklich mit ihrer Familie und ihren Freunden und haben viel Freude. Sie laden die frisch verheirateten Schwiegersöhne zu sich nach Hause ein und schenken ihnen neue Kleider. Das ganze Haus ist von Freude erfüllt. In diesem Zusammenhang gibt es ein Volkslied in Telugu, welches die festliche Stimmung in den Dörfern beschreibt:

Da Sankranti das Fest der Feste ist,
besuche das Haus deiner Schwiegereltern,
o frisch verheirateter Bräutigam.
Komm und verbringe deine Zeit mit Spiel und Spaß
mit deinen Schwägern und Schwägerinnen.
Der gesamte Haushalt und die Nachbarschaft werden dich mit Liebe und Zuneigung ehren.

Früher war das Transportsystem nicht sehr entwickelt. Die Schwiegersöhne mussten das Haus ihrer Schwiegereltern zu Fuß oder mit Ochsenkarren besuchen. Deshalb zeigte das gesamte Dorf ihnen viel Zuneigung und kümmerte sich respektvoll um ihre Bedürfnisse. Sie wurden mit einer Vielfalt schmackhafter Speisen bewirtet.

Das Sankrantifest ist außerdem ein Anlass, bei dem die Ochsen kunstvoll geschmückt und zu verschiedenen Häusern im Dorf gebracht werden. Sie werden verehrt und als Ausdruck der Dankbarkeit für all die schwere Arbeit, die sie auf den Feldern geleistet haben, ausgiebig gefüttert. Sogar die Rinder des Haushalts werden gefeiert. Ein Stier und eine Kuh werden Rama und Sita genannt und symbolisch verheiratet. Sie werden die Straßen entlang geführt und zur Freude aller zum Tanzen gebracht. Die Kuh namens Sita wird gefragt: „Rama ist dunkelhäutig. Gefällt er dir?“ Daraufhin schüttelt Sita ablehnend das Haupt. Dann wird ihr der Rat gegeben: „Bitte sage nicht ‚nein’. Rama ist sehr bedeutend. Er sieht gut aus und ist verehrungswürdig.“ Daraufhin nickt Sita zustimmend mit dem Kopf. Ein älterer Bruder, der dieses wunderbare Schauspiel anschaut, lädt seinen jüngeren Bruder dazu ein, dieser symbolischen Hochzeit beizuwohnen und dem „Paar“ Geschenke darzubringen:

O mein lieber Bruder, hier kommt der Gangireddudasu.
Komm, lass uns hingehen und ihn ansehen.
Er trägt ein silbernes Medaillon und einen Gürtel um die Taille.
Er hat einen geschmückten Stab und auf der Stirn besondere Zeichen.
Er führt eine reich geschmückte heilige Kuh und einen Stier mit sich
und feiert ihre Hochzeit.
Lass uns die Hochzeitszeremonie miterleben und unsere Geschenke überreichen!

Auf diese Weise wird das Sankrantifest mit großer religiöser Begeisterung und viel Vergnügen in den Dörfern gefeiert. Feste wie Sankranti und Shivarâtri sind dazu gedacht, sich auf die eigene innewohnende Göttlichkeit zu besinnen und diese zu verwirklichen.

Die Menschen sagen beiläufig: „Idi naa dehamu – dies ist mein Körper.“ Aber Menschen, die in Sanskrit gut bewandert sind, würden den Ausdruck „naa dehamu“ anders interpretieren. Sie erklären, „naa“ bedeute wörtlich „nein“, und kommen zu dem Schluss, „naa dehamu“ bedeute „ich bin nicht der Körper“. Entsprechend kann der Telugu-Ausdruck „naa manasu“, „meine Gedanken und Gefühle“, interpretiert werden als: „Ich bin nicht meine Gedanken und Gefühle.“ Das Gleiche gilt für den Intellekt, buddhi. Die Essenz all dieser Ausdrücke ist: „Ich bin nicht der Körper, ich bin nicht meine Gedanken und Gefühle, ich bin nicht der Intellekt“ usw. Derselben Logik folgend muss man zu allen Zeiten einen Zustand des vollkommenen Gleichmuts bewahren, unberührt von Schmerz und Freude, indem man sich versichert: „Diese Leiden und Schwierigkeiten sowie Glück und Freude gehören nicht zu mir. Ich bin jenseits dieser Gegensätze.“

„Dies ist mein Körper“ bedeutet, „ich bin vom Körper verschieden.“ Wenn ihr euch als vom Körper getrennt betrachtet, warum solltet ihr dann seinen Schmerz fühlen? Doch ihr seid nicht fähig, körperlichen Schmerz zu ertragen. Deshalb bleibt ihr auf der Ebene eines Menschen. Ihr seid unfähig, der Täuschung der Körperbindung zu entkommen. So lange ihr an den Körper gebunden seid, werden diese Leiden und Schwierigkeiten ebenso wie Schmerz euch verfolgen. Sie alle wurden von euch selbst erzeugt.

Angenommen, ihr werdet wütend. Woher kommt dieser Zorn? Er kommt nur aus euch. Genauso ist Eifersucht eine Eigenschaft, die sich aus eurem Gemüt (mind) manifestiert. So ist jede dieser schlechten Eigenschaften das Ergebnis eurer eigenen Gedanken. Wenn es euch deshalb gelingt, eure Gedanken angemessen zu beherrschen, werdet ihr fähig sein, alles im Leben zu erreichen. Verstand, Intellekt und Psyche sind Widerspiegelungen des Atman. Die Gedanken- und Gefühlswelt (mind) hat keinerlei Stabilität. Sie ist der Speicher von Gedanken und Wünschen. Es heißt:

Der Geist ist die Ursache von Bindung oder Befreiung.

Deshalb muss man seinen Geist angemessen kontrollieren, indem man seine Wünsche einschränkt.

Körper sowie Gedanken- und Gefühlswelt verändern sich ständig. Im Inneren gibt es jedoch eine unwandelbare Wesenheit: das ist der Atman. Er hat keine Form, aber einen Namen, Atman. Selbst und Atman bedeuten dasselbe. Der Atman wird auch Aham genannt. Man sollte sich in diesem Zusammenhang nicht verwirren lassen und Aham mit Ahamkara (Ego) verwechseln, das mit dem Körper identifiziert ist. Gott hat weder Name noch Form und auf ihn wird immer als Brahman verwiesen. Wenn Gott seine wahre Natur enthüllen wollte, würde er sagen: „Aham brahmasmi“ (ich bin Brahman). Dasselbe göttliche Prinzip (brahmatattva) durchdringt alle Wesen als das atmische Prinzip (atmatattva).

Wir sagen, Soundso ist meine Ehefrau, Soundso mein Sohn, Soundso meine Schwiegertochter usw. Es sind alles illusorische, körperliche Beziehungen. Wir eignen sie uns an, sie sind nicht von Gott gegeben. Genauso gewährt Gott euch weder Freude noch Schmerz. Diese sind eure eigene Schöpfung. Sie beruhen auf eurer Bindung an den Körper. Solange ihr an den physischen Körper gebunden seid, werdet ihr nur Schmerz erfahren. Wenn dieser physische Körper erst einmal den Flammen übergeben ist, begleitet euch nichts. Atman, Selbst, Ich – es sind verschiedene Namen, die demselben atmischen Prinzip gegeben werden. Die Identifikation mit dem Körper geschieht durch das Individuum, was zu Ahamkara, Ego, führt. Aus diesem Grund gab Jesus den Rat, das kleine Ich, das Ego, zu kreuzigen, um Gott selbst zu werden.

Euer eigenes Selbst, der Atman, lenkt all eure Aktivitäten von innen. Dieses Selbst kennt weder Geburt noch Tod, so wie Brahman weder Geburt noch Tod kennt. Es ist ewig, wahr und unwandelbar. Wir müssen uns an dieses immerwährende Prinzip binden, nicht an sich ständig verändernde, vergängliche Dinge. Angenommen, ihr habt ein Mädchen geheiratet und nennt sie eure Ehefrau. Wer war sie vor der Heirat? Wer warst du? Zwischen euch bestand überhaupt keine Beziehung. Erst nach eurer Hochzeit wurdet ihr Mann und Frau und seid eine eheliche Beziehung eingegangen. Die Beziehung wurde von euch begonnen. Gott hat nichts mit diesen weltlichen Beziehungen zu tun. Er ist jedoch der ewige Zeuge von allem, was in dieser Welt geschieht.

Meditation, die Wiederholung des göttlichen Namens (japa) oder Yoga helfen einem nicht dabei, das atmische Prinzip zu erkennen. Noch sind die neun Formen der Hingabe: Zuhören, Singen, über Gott kontemplieren, seinen Lotosfüßen dienen, sich ehrfurchtsvoll verneigen, Gottesdienst, Dienstbarkeit, Freundschaft, Hingabe an das Selbst, hilfreich. Sie sind verschiedene Formen der spirituellen Disziplin, die wir selber aufgegriffen haben. Sie sind nicht von Gott gegeben. Wie viele Asketen gibt es nicht in dieser Welt, die strenge Askese ausüben? Wie viele Menschen gibt es nicht, die ständig Japa durchführen? Sogar während sie schlafen, bewegt sich die Gebetskette in ihrer Hand. Verleihen all diese spirituellen Übungen einem Befreiung, Moksha? Niemals! Man muss deshalb ständig an das atmische Prinzip denken. Wenn jemand euch fragt, wer ihr seid, solltet ihr, mit allem Glauben und Vertrauen, die euch zur Verfügung stehen, antworten können: „Ich bin Gott.“ Die Verkörperung des Atman ist in allen Menschen ein und dieselbe. Der Atman ist ewig und unwandelbar.

Ich habe euch viele Male von Alexander dem Großen erzählt. Obwohl er große Teile der Welt erobert hatte, konnte er nicht einmal einen winzigen Bruchteil des Besitzes, den er angesammelt hatte, mit sich nehmen. Er musste diese Welt mit leeren Händen verlassen. Um der Welt diese Wahrheit vor Augen zu führen, gab er seinen Ministern die Anweisung, seinen Leichnam in einer Prozession durch die Straßen seiner Hauptstadt zu tragen, wobei beide Hände in erhobener Stellung Richtung Himmel weisen sollten. Als die Minister den Grund für diese eigenartige Anweisung vom Kaiser erfahren wollten, antwortete Alexander: „Ich habe viele Länder erobert und großen Reichtum angehäuft. Eine große Armee steht unter meinem Kommando. Dennoch begleitet mich nichts von alldem, wenn ich diesen sterblichen Körper verlasse. Ich gehe mit leeren Händen. Diese Wahrheit muss allen Leuten demonstriert werden.“

Wir mögen großen Wohlstand erwerben und ihn auf der Bank deponieren oder anderen Geld gegen Zinsen leihen; dennoch können wir, wenn wir unseren Körper verlassen, nicht einmal eine Handvoll Erde mit uns nehmen. Nichts von dieser Welt kommt mit uns. Wir mühen uns unnötig ab und entwerfen allerlei Pläne, über die wir unablässig Tag und Nacht nachdenken. Trotz all unserer Bemühung wird das, was unsere Hände zu verlassen hat, von uns gehen.

Der Körper gleicht einer Schaumblase. Der Geist ist wie ein verrückter Affe. Wenn ihr diesem verrückten Affen folgt, werdet ihr in Schwierigkeiten geraten. Wenn ihr hingegen euer Vertrauen in den Körper setzt, wisst ihr nicht, wann dieser Körper, der wie ein Schaumbläschen ist, platzen wird. Nichts ist dauerhaft. Der Atman allein ist ewig und unsterblich. Das ist Gott. Das Ich, Selbst, Gott, sind all die verschiedenen Namen, die das Göttliche bezeichnen. Der Atman, auf den als ‚Ich’ Bezug genommen wird, nimmt verschiedene Namen und Formen an. Gott hat sich als Rama, Krishna usw. verkörpert. Rama erlebte etliche Schwierigkeiten und zeigte große Ideale. Krishna demonstrierte zahlreiche göttliche Spiele und zog viele Menschen an. Schließlich verließ er seine sterbliche Hülle. Der physische Körper der Avatare durchläuft Veränderung, aber der göttliche Atman in ihrem Körper bleibt derselbe. Der Atman ist allgegenwärtig. Um dieses atmische Wissen (atmajnana) jedoch zu erlangen, müssen eure Entschlüsse (sankalpa) rein sein. Ihr müsst ständig an den göttlichen Atman denken. Eure Gedanken und Handlungen mögen sich verändern, ebenso die Methoden eurer Mantrenwiederholung, eurer Askese und eures Yoga, aber das Göttliche verändert sich nicht. Aus diesem Grund wurde das Göttliche als frei von Eigenschaften, rein, der höchste Wohnsitz, ewig, makellos, erleuchtet, frei und die Verkörperung der Heiligkeit beschrieben.

Die Menschen beten: „O Gott! Gewähre mir deinen göttlichen Darshan!“ Selbst wenn er euch seinen göttlichen Anblick gewährt, ist das nur vorübergehend. Er kommt und geht wie ein Blitz. Tatsächlich ist Gott sehr wohl in eurem eigenen Herzen anwesend. Er hört all eure Gebete. Er antwortet auf eure Gebete. Sogar wenn euer physischer Körper zu existieren aufhört, verbleibt der Atman. Dieser Atman ist ewig. Er nimmt verschiedene Formen an. Wir sehen in diesem Universum verschiedene Objekte wie die Sterne, die Sonne, den Mond usw. Obwohl sie gleich zu bleiben scheinen, durchlaufen sogar sie Veränderungen. Nur das Göttliche, welches die Grundlage von all diesem ist, ist unwandelbar und ewig.

Man sollte immer auf Reinheit bedacht sein. Tatsächlich hat sich dieses Land Bharat aufgrund seiner Reinheit und seines Charakters einen großen Namen und Ruf erworben.

Dieses Land Bharat war die Geburtsstätte vieler edler Frauen
wie Savitri, die ihren verstorbenen Ehemann ins Leben zurückholte;
Candramati, die mit der Macht der Wahrheit ein ungestümes Feuer auslöschte;
Sita, die ihre Keuschheit bewies, indem sie unversehrt aus dem lodernden Feuer hervorkam
und Damayanti, die einen bösen Jäger mit der Kraft ihrer Tugendhaftigkeit zu Asche reduzierte.
Dieses fromme, edle Land erlangte Fülle und Wohlstand
und wurde, wegen solch tugendhafter Frauen, zum Lehrer aller Nationen der Welt.

Ein guter Charakter ist sehr wesentlich, nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. Nur jemand mit Charakter kann als tugendhafter Mann oder tugendhafte Frau bezeichnet werden. Wir finden heutzutage Jungen und Mädchen, die sehr eng miteinander verkehren und sich verhalten, als wären sie Ehemann und Ehefrau. Aber wie lange? Nur kurze Zeit. Danach verändert sich die Situation. Wenn sie erst einmal verheiratet sind, wird der Junge an einen Ort gehen und das Mädchen wird woanders hingehen. Im göttlichen Wesen gibt es jedoch überhaupt keine Veränderung. Es ist üblich, dass Junge und Mädchen Diamantringe austauschen, wenn sie heiraten. Der Diamantring, der ein vergänglicher Gegenstand ist, ist Symbol des Göttlichen, das unwandelbar und jederzeit für die Menschen zugänglich ist. Wir sollten unseren Charakter wie einen Diamanten behüten. Auch in Übersee ist es Sitte, bei der Heirat Diamantringe auszutauschen. So hat nicht nur in Indien, sondern auch in allen anderen Ländern jede Sitte und Tradition eine Bedeutung.

Wie ich bereits zuvor erwähnt habe, sagt ihr alle: „Dies ist mein Körper (naa dehamu).“ Hier bezieht sich „naa“ auf die Sprache Telugu. Aber in Sanskrit bedeutet „naa“ „nein“. Demzufolge bedeutet es: „Ich bin nicht der Körper.“ So trägt jeder Ausdruck große Bedeutung in sich. Gott wird folgendermaßen beschrieben:

Das kosmische Wesen hat Tausende Köpfe, Augen und Füße.

Ihr habt nur einen Kopf, Gott hingegen Tausende. Was bedeutet das? Alle Köpfe in der gesamten Schöpfung sind sein! Ebenso unrichtig ist die Behauptung, Swami habe tausend Vollmonde gesehen (sahasra chandra darshan). Ich habe nicht nur eintausend, sondern Millionen und Abermillionen Vollmonde gesehen. Wie die Veden verkünden, ist der Mond die über euren Geist (mind) herrschende Gottheit. Ihr habt alle einen Geist. Ich habe all eure geistigen Zustände gesehen. Ich habe den Geisteszustand von Millionen Menschen auf der ganzen Welt gesehen. Also ist es so, als ob ich nicht nur eintausend, sondern Abermillionen Monde gesehen habe.

Die Jungen sangen vor ein paar Minuten das Lied: „Es ist das Band der Liebe, das uns mit dir vereint.“ Ihr solltet dafür sorgen, dass dieses Band der Liebe nie vergeht. Äußerlich legen wir vielleicht verschiedene Eigenschaften an den Tag. Aber die inneren Gedanken oder Werte sind nur fünf: Wahrheit, Rechtschaffenheit, Frieden, Liebe und Gewaltlosigkeit. Diese sind innewohnende Eigenschaften, sie sind nicht von außen auferlegt. Ebenso wenig können sie in irgendeinem Geschäft gekauft werden. Sie sind dem Kern unserer Persönlichkeit tief eingeprägt. Unsere Aufgabe ist es, diese Eigenschaften zu manifestieren und sie in unserem täglichen Leben widerzuspiegeln. Das ist Educare. Bildung (education) hingegen bedeutet, sich Wissen anzueignen, welches sich auf die physische, säkulare Welt bezieht.

Wahrheit ist ewig. Sie muss sich von innen manifestieren. Dasselbe gilt für Dharma. Es heißt: „Dharma ist die Basis der gesamten Welt.“ Tatsächlich ist Wahrheit die Grundlage dieser Welt. Wahrheit ist Rechtschaffenheit (Dharma). Alle anderen Werte sind in der Wahrheit enthalten und haben ihren Ursprung in der Wahrheit. Liebe ist eine weitere Eigenschaft, die dem Menschen zu Eigen ist. Sie sollte manifestiert und mit allen geteilt werden. Wo Liebe ist, kann kein Hass sein. Liebe verwandelt sich in Gewaltlosigkeit. Wenn ein Mensch von Liebe erfüllt ist, kann er sich an keiner Form von Gewalt beteiligen. Wo keine Liebe ist, fügen die Menschen einander Schaden zu. Aus Wahrheit geht Rechtschaffenheit hervor. Wenn diese beiden Eigenschaften zusammenkommen, ist Friede das Ergebnis. Friede manifestiert sich als ruhiges, gelassenes Verhalten. Ein Mensch in diesem Zustand sagt: „Ich bin friedvoll.“ Manche Menschen antworten, wenn sie nach dem Zweck ihrer spirituellen Disziplin gefragt werden: „Um inneren Frieden zu erhalten.“ Aber wo ist Friede (peace)? In der äußeren Welt ist nur Aufruhr (pieces). Eine Mutter liebt ihr Kind. Sie wird ihr Kind unter keinen Umständen im Stich lassen, auch wenn sie provoziert wird. Liebe vertreibt die Wut. Wenn Gewaltlosigkeit in der Welt herrschen soll, müssen alle die Eigenschaft der Liebe kultivieren.

Es reicht nicht aus, wenn ihr euch selbst liebt. Ihr solltet auch eure Nächsten (Nachbarn) lieben. Ihr müsst das Gefühl entwickeln, dass alle zu euch gehören und dass derselbe Atman allen Menschen innewohnt. Zum Beispiel steht nur ein Mond am Himmel. Derselbe Mond spiegelt sich in tausend Gefäßen wider. Ihr werdet den Mond gesondert in jedem der Gefäße gespiegelt sehen. Könnt ihr deshalb behaupten, es gäbe tausend Monde? Nein! Genauso gibt es in den verschiedenen Ländern wie Indien, USA, Japan usw. keine einzelnen Sonnen. Eine Sonne allein erleuchtet die gesamte Welt. Die Zeit des Sonnenaufgangs unterscheidet sich jedoch in den verschiedenen Teilen der Welt. Jetzt ist es bei uns sechs Uhr abends, in Amerika jedoch sechs Uhr morgens. In Japan ist es 12 Uhr mittags. Ihr könnt nicht auf der Basis dieser Zeitunterschiede behaupten, es gäbe mehr als eine Sonne am Himmel. Es gibt nur eine Sonne, die die ganze Welt erleuchtet. Genauso gibt es nur einen Gott, der sich in verschiedenen Menschen als der innere Bewohner befindet. Jeder verehrt ihn auf eigene Weise, indem er dem Göttlichen einen bestimmten Namen und eine bestimmte Form zuschreibt. Viele Leute versuchen, von mir den Geburtsplatz des Gottes Rama genannt zu bekommen. In den vergangenen Jahren traten viele Leute an mich heran und flehten mich an: „Swami, bitte sage uns, wo genau Rama geboren wurde.“ Ich sagte zu ihnen: „Rama wurde aus dem Schoß von Mutter Kausalya geboren.“

In der Tat, sucht ihr in der äußeren Welt nach euch selber? Nein! Eure wahre Natur ist nur in euch selbst zu finden. Ihr seid nur ihr selbst. Dem entsprechend ist es vergeblich, nach Gott zu suchen und zu fragen: „Wo kann ich Gott finden?“ Gott ist allgegenwärtig.

Mit Händen, Füßen, Augen, Kopf, Mund und Ohren, die alles durchdringen,
erfüllt er das gesamte Universum.

Deshalb bringt es nichts, zu fragen: „Wo ist Gott?“ Versucht als Erstes euch selbst zu erkennen. Dann werdet ihr alles kennen. Leider versuchen die Menschen heutzutage, alles über die äußere Welt herauszufinden, ohne zuerst sich selbst zu kennen. Eine solche Übung ist zwecklos. „Erkenne dich selbst! Dann wirst du alles kennen.“ Erinnert euch selbst daran: „Ich bin die Verkörperung des göttlichen Atman, der Atman wohnt mir inne.“

Die Leute sagen oft: Dies gehört mir, dies ist mein …“. Aber wer ist dieses Mein? Auf wen bezieht es sich? Das Gefühl von mein ist eine Illusion. Die Menschen bemühen sich jedoch nicht, dies zu verstehen. Da ihr ein Individuum seid, sagt ihr „mein“. Aber Gott ist nicht auf einen bestimmten Namen und eine bestimmte Form begrenzt. Er ist das Ich-Prinzip, das alldurchdringend ist. Ihm werden verschiedene Namen und Formen zugeschrieben, aber er ist Einer und Einer allein! Es gibt nur eine Wahrheit, aber die Weisen drücken sie auf verschiedene Weise aus. Verschiedene Ausdrücke wie ich, ich bin Gott, ich bin Brahma, ich bin Vishnu, usw. beziehen sich auf nur einen Gott. Leider zerteilen die Leute das Göttliche (Swamis Wortspiel im Englischen: dividing the divine). Ihr solltet das Göttliche als eines allein behandeln.

Ihr solltet nicht zwischen den Menschen unterscheiden und sagen, dieser Mann ist mein Bruder, diese Person mein Schwiegersohn usw. Alle sind Brüder und Schwestern. Wenn ihr alle Menschen als eure Brüder und Schwestern betrachtet, wo bleibt dann das Gefühl der Unterschiedlichkeit der Einzelnen? Spiritualität lehrt genau dieses Gefühl der Einheit unter den Menschen. Die Leute behaupten, sie könnten Gott erkennen, indem sie Japa, Meditation und anderen spirituellen Übungen nachgehen. Aber wann und wo? Wie? Wenn sie die Augen schließen, werden sie nicht einmal die Person, die unmittelbar vor ihnen steht, sehen können. Wie können sie dann Gott in der Meditation schauen?

Diese spirituelle Übungen sind dazu gedacht, den Geist zu beherrschen. Der Geist ist sehr unstet. Er wird immer durch Höhen und Tiefen beeinflusst. Wie könnt ihr dann einen so unsteten Geist beherrschen? Es ist nicht möglich. Es gibt nur einen Weg, den Geist zu beherrschen, und das ist die ständige Besinnung auf Gott. Oft erleben wir, wie Leute die Namen und Formen Gottes für die Kontemplation häufig wechseln. An einem Tag kontemplieren sie über Rama, am nächsten über Krishna und an einem weiteren Tag über Venkateshvara usw. Durch eine solche Kontemplation ist Geisteskontrolle nicht möglich. Wenn ihr Rama als den Gott betrachtet, der euch gefällt, dann haltet bis zum letzten Atemzug an diesem Namen und dieser Form fest. Dann werdet ihr mit Sicherheit Rama schauen (sakshatkara bedeutet nicht bloß ein physisches Schauen, sondern die direkte Erkenntnis und Erfahrung Gottes, Verwirklichung, A. d. Ü.).

Große Maler wie Ravi Varma porträtierten Rama in einer bestimmten Form. Aber Rama und Krishna sind nicht nur auf solche Formen beschränkt. Tatsächlich hat Gott keine besondere Form. Er nimmt zum Wohle der Devotees zu einer bestimmten Zeit eine bestimmte Gestalt an. Danach verschwindet sogar diese Form. Auf dem Markt werden viele Bilder und Gemälde von Gott in einer bestimmten Gestalt verkauft; Künstler wie Ravi Varma fertigten sie an. Hat Ravi Varma Rama oder Krishna tatsächlich gesehen? Nein; er hat nur Geschichten über Rama und Krishna gehört und ihre Gestalten nach seiner Vorstellung gemalt. Diese Bilder und Gemälde erinnern euch nur an das Göttliche. Weder Ravi Varma noch irgendeine andere Person hat Gott tatsächlich gesehen. Ihr seid wahrhaft Gott! Denkt nicht, Gott sei irgendwo an einem fernen Ort. Ihr selbst seid Gott. Entwickelt dieses Vertrauen. Wenn ihr euch jedoch als Gott betrachtet, müsst ihr göttliche Eigenschaften entwickeln. Erst dann seid ihr dazu berechtigt, euch als Gott zu betrachten.

Da niemand das Wesen des Göttlichen jemals auf diese Weise erklärt hat, sind die Menschen in dogmatische Theorien verfallen. Gott wohnt jedem Menschen, sogar allen Lebewesen, inne. Es gibt keine Stelle, an der Gott nicht gegenwärtig ist. Wo immer ihr hinschaut, Gott ist dort gegenwärtig. Tatsächlich braucht ihr nicht hierher zu kommen, um Gott zu sehen. Er ist sehr wohl an dem Ort, wo ihr wohnt, gegenwärtig. Ohne diese Wahrheit zu erkennen, geben die Menschen viel Geld aus und begeben sich auf Pilgerreisen. Das ist nicht das, was von euch erwartet wird. Entwickelt in euch die Eigenschaft der Liebe und teilt sie mit allen. Dann können alle Menschen eins werden. Alle sind eins, seid zu jedem gleich. Kein Lebewesen kann jemals ohne Liebe leben. Leben ist nur mit Liebe möglich. Entwickelt deshalb ein liebevolles Wesen. Wenn ihr heimgeht, schließt die Augen und denkt an Gott. Ihr werdet ihn gewiss in eurem eigenen Herzen finden. Wenn ihr eure Augen der äußeren Welt öffnet, seht ihr alles Mögliche. Was glaubt ihr, zu welchem Zweck euch die Augen gegeben wurden? Nur, um Gott zu sehen.

Wenn ihr einen Arzt aufsucht und euch über ein Problem in eurem Körper beklagt, wird er ein Röntgenbild eures Herzens, eurer Leber oder Niere anfertigen und feststellen, an welcher Krankheit ihr leidet. Spiritualität ist wie ein Röntgenbild, das eure wahre Natur enthüllt. Verankert Gottes Form in eurem Herzen und denkt unaufhörlich an ihn. Wechselt niemals, aus welchem Grund auch immer, diese Form. Ihr könnt gewiss sein, Gott zu erkennen. Ihr müsst nirgendwo sonst nach ihm suchen. Wenn ihr Swami sehen wollt, dann verankert Swamis Form auf dem Altar eures Herzens. Ihr könnt Swami dort sicherlich schauen. Wenn ihr ein Gefühl der Einheit mit ihm entwickelt, wird sich alles als gut für euch erweisen. Das müsst ihr heute erkennen. Feste kommen und gehen. Sonntag, Montag, Dienstag – Tage vergehen einer nach dem anderen. Samstag geht in Sonntag über. Aber Gott wird sich niemals verändern. Er ist ewig. Erkennt diese Wahrheit.

Übersetzung der vom Sri Sathya Sai Sadhana Trust, Publications Division, herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Ansprache. Susan Boenke, Prashanti Nilayam.

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