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 Ansprache Sathya Sai Babas am 26.07.2007

Eröffnung der Sri Sathya Sai Weltjugendkonferenz


Wir sehen in dieser Welt zahlreiche Lebewesen. Aber keines dieser Lebewesen besitzt die Größe, Weisheit und Unterscheidungskraft des Menschen. Deshalb heißt es: Das menschliche Leben ist die kostbarste aller Lebensformen.

Alles in dieser Welt besteht aus den fünf Elementen. Diese fünf Elemente sind nicht nur im Menschen, sondern ebenso in Tieren, Vögeln, Insekten und Bäumen gegenwärtig. Aber was nützt das, wenn der Mensch diese fünf Elemente nicht auf rechte Weise nutzt? Der Mensch strebt heutzutage nach Wissen. Wie ausgedehnt ist dieses Wissen? Es ist so weit wie das Meer. Außerdem bemüht sich der Mensch, den Verstand zu entwickeln. Sein Verstand hat Höhen gleich den Gipfeln des Himalaya erreicht; aber trotz seines ganzen Wissens und Verstandes ist das Unterscheidungsvermögen des Menschen gleich null. Was ist gut, was schlecht? Was sollte getan, was gelassen werden? Diese Fähigkeit des Abwägens ist im heutigen Menschen gleich null. Aus diesem Grund hat die Menschlichkeit so stark abgenommen. Der Wert des Menschseins beruht ausschließlich auf der Unterscheidungskraft. Der Mensch mag alles Mögliche besitzen – aber was nützt das, wenn er kein Unterscheidungsvermögen hat? Die Menschen vergleichen sich weiterhin in vielerlei Hinsicht mit anderen, aber niemand bemüht sich zu wissen, ob sein Unterscheidungsvermögen stärker oder schwächer ist. Der Mensch ist heutzutage damit beschäftigt, Geld anzuhäufen; aber er benutzt sein Unterscheidungsvermögen nicht, um zu erkennen, ob er so viel Geld braucht. Wo immer wir heute hinschauen, jagen die Menschen dem Geld hinterher.

Der Verstand des Menschen (mind) ist sehr mächtig. Aber heutzutage ist des Menschen Verstand verblendet. (Bhagavan zeigt sein Taschentuch.) Was ist das? Ein Stück Stoff. Wie kommt es zu dieser Form? Durch das Weben von Fäden entsteht der Stoff. Aber woher kommt der Faden? Er entsteht aus Baumwolle. Also kommt als Erstes die Baumwolle, als Zweites der Faden und als Drittes der Stoff. Entsprechend seid ihr nicht eine Person, sondern drei: Die, für die ihr euch selber haltet, die, für die andere euch halten, und die, die ihr wirklich seid. Faden und Stoff stammen allein von der Baumwolle. Auf ähnliche Weise besteht der Mensch aus den fünf Elementen.

Krishna verkündete in der Bhagavadgita: Der ewige Atman in allen Wesen ist Teil meines Wesens. Es bedeutet, dass wir alle Bestandteile des Göttlichen sind. Ihr alle seid auf der Suche nach Gott. Aber es ist nicht notwendig, nach Gott zu suchen, denn ihr seid selber Gott. Wenn ihr in eurem eigenen Haus Licht habt, warum solltet ihr die Häuser anderer auf der Suche nach Licht aufsuchen?

Aufgrund der Täuschung, deren Ursache die Bindung an den Körper ist, entwickelt ihr die Gefühle von Ich und Mein. Tatsächlich ist der Körper die Ursache aller Bindungen. Aber wie lange währt der Körper? Er ist nur erwünscht, solange Leben in ihm ist. Wenn das Lebensprinzip den Körper verlässt, wird der Körper gnadenlos den Flammen übergeben. Wem gehört dann dieser Körper? Ihr seid also nicht der Körper. Ihr behauptet: „Dies ist mein Körper, dies ist meine Hand, dies ist mein Bein, dies ist meine Denkweise, dies ist mein Intellekt.“ Ständig heißt es „mein, mein, mein.“ Wer ist dieses „Mein“? Wenn ihr „mein Bein“ sagt, heißt das, ihr seid von eurem Bein verschieden. Wer bist dann du? Du bist nur du. Auf diese Weise wird der Mensch heutzutage durch seine Bindung an den Körper und die Sinne in die Irre geführt. Aber du bist nicht der Körper, du bist nicht die Sinne, du bist nicht der Intellekt. Du bist Du. Du solltest erkennen: „Ich bin Ich.“ Dieses universale Ich-Prinzip ist eines allein. Die Wahrheit ist eine, aber die Weisen geben ihr verschiedene Namen. Das individuelle Ich repräsentiert jedoch Ego. Wenn ihr dieses Ich (I) durchstreicht, wird es zum Kreuz, welches die Christen anbeten. Es bedeutet: Wenn ihr euer Ego aufgebt, werdet ihr euer wahres Selbst.

Du bist keine gewöhnliche Person; du bist Gott selbst. Es ist nicht nötig, nach Gott zu suchen. Wo immer ihr hinschaut, ist Gott. Dieses Stück Stoff ist Gott, diese Blume ist Gott, dieser Tisch ist Gott. Alles ist Gott. Es ist nur eure Unwissenheit, die Unterschieden wie „Ich“ und „Du“ Raum gewährt. Ihr seid kein separates Wesen. Ich bin Ich. Ich bin nicht Sathya Sai Baba. Sathya Sai Baba ist der Name, der diesem Körper gegeben wurde. Ich habe keinen bestimmten Namen. Euer Körper ist das Geschenk eurer Eltern. Dieser Körper ist mit den fünf Elementen (pancabhûta), den fünf Sinnen (pancendriyâh) und den fünf Lebensenergien (pancaprânâh) ausgestattet. Diese fünf Lebensenergien sind prâna, apâna, vyâna, udâna und samâna. Sie sind in allen gleich. Demzufolge seid ihr nicht von den anderen verschieden. Jene, die sich dieses spirituellen Prinzips nicht bewusst sind, werden Opfer der Unwissenheit und unterliegen der Täuschung.

Alles in dieser Welt ist Reaktion, Widerspiegelung und Echo. Von wo kommt das Echo? Ich spreche hier. Von wo kommen meine Worte? Sie kommen aus meinem Herzen. Ihr glaubt, ihr würdet mit euren Ohren hören. Aber das ist nicht der Fall. Tatsächlich sind all eure Sinne wie Verzierungen für euren Körper. Sie können aus sich selbst, ohne das Lebensprinzip in euch, nicht funktionieren. Es ist nicht nötig, nach Gott zu suchen. Habt den Glauben und das Vertrauen, dass Gott in euch ist. Wenn ihr Gottvertrauen habt, entwickelt ihr Liebe. Aus Liebe entsteht Frieden und aus Frieden geht Wahrheit hervor. Diese Wahrheit ist Gott. Wahrheit existiert nicht getrennt für sich. Es ist nicht nötig, nach Wahrheit zu suchen. Wahrheit hat keine Form. Wahrheit ist Wahrheit. Wer hat Frieden erschaffen? Friede ist Friede. Er hat ebenfalls keine Form. Liebe ist Liebe. Liebe ist niemandes Schöpfung. Liebe ist Gott. Lebt in Liebe.

Welches sind die menschlichen Werte? Wahrheit, Dharma, Frieden, Liebe und Gewaltlosigkeit. Sie haben keine Form. Diese formlosen Prinzipien sind eurem Herzen eingeprägt. Alles, was wir lesen und schreiben, hängt mit körperlicher und weltlicher Bildung zusammen. Man kann es nicht Bildung im wahren Wortsinn nennen. Educare ist das, was wahr ist. Educare bedeutet, unsere verborgenen Werte hervorzubringen. Sie sind in unserem Herzen, aber wir können sie nicht sehen. Sie müssen durch Selbsterforschung zum Ausdruck gebracht werden. Wahre spirituelle Disziplin besteht darin, den Frieden, die Wahrheit und den Opfergeist, die in unserem Herzen gegenwärtig sind, zu erkennen und zu manifestieren.

Ihr übt euch in verschiedenen spirituellen Disziplinen wie Meditation und Japa (Rezitation des göttlichen Namens mithilfe einer Gebetskette). Was versteht ihr unter Japa? Ihr glaubt, Japa bestünde darin, die Perlen eines Rosenkranzes zu zählen. Aber das ist nicht der Fall. All diese spirituellen Übungen sind nur unsere Einbildung. Sie sind alle künstlich, sie sind nicht wirklich. Die Wissenschaft lehrt viele Dinge. Sie vermittelt nur das Wissen, welches wir durch unsere Sinne erhalten. Ohne Sinne kann es keine Wissenschaft geben. Durch das Aneignen dieses Wissens führen wir ein künstliches, mechanisches Leben. Es ist kein wahres Leben.

Ihr müsst als Erstes Glaube und Vertrauen haben. Ihr könnt eure wahre Form nur dann erkennen, wenn ihr Glaube und Vertrauen habt. Von Vertrauen kommt Frieden. Aus Friede geht Wahrheit hervor. Diese Wahrheit ist Gott. Gott besitzt keinerlei gesonderte Form. Gott manifestiert sich aus der Wahrheit in euch.

Ihr führt zahlreiche spirituelle Disziplinen durch. Trotz all dieser Übungen seid ihr nicht in der Lage, die Wahrheit zu erfahren. Verschwendet eure Zeit nicht mit unnötigen Beschäftigungen. Verschwendete Zeit ist verschwendetes Leben. Ihr solltet vor allem begreifen, dass Wahrheit euer Ziel ist. Wenn die Wahrheit euch zur Seite steht, werdet ihr keine Hindernisse kennen. Wenn ihr jung seid, sind eure Sinne und euer Geist sehr stark. Auch euer Intellekt ist sehr scharf. Warum solltet ihr euch schwach und hilflos fühlen, wenn ihr doch mit solch großer Kraft versehen seid?

Liebe ist nicht euer persönliches Eigentum. Liebe ist universal und gehört allen. Liebe ist in allen. Liebe ist in euch, in mir und in allen. Wir geben dieser Liebe verschiedene Namen und versuchen, sie zu erfahren. Missversteht es nicht. Heute entwickeln sogar Schulkinder eine Neigung zur künstlichen Liebe. Aber das ist nicht richtig. Diese künstliche Liebe schwächt den Menschen. Diese Schwäche kann viele Krankheiten verursachen. Entwickelt keine derartige Liebe, die Krankheiten entstehen lässt.

Das Prinzip der Liebe ist das Prinzip des Göttlichen, nichts sonst. Nehmt jene Liebe an, die von Gott kommt. Akzeptiert nicht die Liebe, die von anderen kommt. Eure Liebe zu Gott ist wahre Liebe. Wen immer ihr darüber hinaus liebt - man kann das nicht wahre Liebe nennen. Der Mensch entwickelt zu vielen Menschen Bindungen, ist aber unfähig, wahre Liebe zu erfahren. Wahre Liebe entspringt nur aus Gott. Gott ist die Verkörperung der Liebe. Liebe ist Gott. Lebt in Liebe. Ihr solltet nur göttliche, nicht weltliche, Liebe erfahren. Ich werde eúch später dieses Liebesprinzip im Detail erläutern. Wir haben das Zeitlimit bereits überschritten. Ich will euch deshalb keine Unannehmlichkeit bereiten.

Gott zu erlangen, ist sehr einfach. Wenn ihr fragt, was in dieser Welt am leichtesten zu erringen ist, dann ist das Gott allein. Ihr könnt Gott im Nu, ohne irgendeine Anstrengung, erlangen. Liebe zu erfahren, ist sehr einfach. Liebe ist sehr machtvoll. Nichts in dieser Welt kann Liebe übertreffen. Liebe scheint, wenn ihr sie anschaut, sehr klein zu sein. Aber sie ist tief wie das Meer und hoch wie ein Berg. Sie ist unerschöpflich und unendlich. Ihr solltet dieses Liebesprinzip erkennen und verwirklichen. Aufgrund begrenzter Umstände und Erfahrungen ist es niemandem möglich, das Liebesprinzip zu beschreiben.

Aus Bhagavans Eröffnungsansprache in der Sai Kulwant Halle, Prashanti Nilayam, am 26. Juli 2007, anlässlich der Sri Sathya Sai Weltjugendkonferenz.

Übersetzung der vom Aschram herausgegebenen, gedruckten englischen Fassung der Ansprache. S. B., Prashanti Nilayam.

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