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 Ansprache Sathya Sai Babas am 21.10.2007

 

Vijayadasami (Abschluss des Dasarafestes)

 

    Heute ist das Vijayadasamifest. Alle Menschen feiern dieses Fest mit großer Freude und Begeisterung. Manchen Menschen bescherte dieser Tag jedoch Kummer, denn an diesem Tag legte Sai (Shirdi Sai Baba) seinen „alten Körper“ ab. Selbstverständlich ist der menschliche Körper nur Materie.

    Einst kam eine langjährige Devotee namens Lakshmibai zu Baba. Baba gab ihr zwei Goldmünzen und wies sie an: „Lakshmi, behalte diese zwei Münzen bei dir und bewahre sie sorgfältig auf.“ Auf den beiden Münzen war das Datum von Babas Verlassen dieser vergänglichen Welt aufgedruckt. (Swami materialisiert mit seinen göttlichen Händen zwei Goldmünzen, zeigt sie den in der Sai Kulwant Halle sitzenden Devotees und sagt:) Schaut, hier sind diese beiden Münzen. Diese zwei Goldmünzen, die Shirdi Baba Lakshmibai schenkte, repräsentieren Satya (Wahrheit) und Dharma, die den spirituellen Fortschritt der Menschen fördern. Swami ruft die Devotees häufig dazu auf: Praktiziert auf eurer Lebensreise die menschlichen Werte. Lasst euer tägliches Leben von Wahrheit, Dharma, Frieden und Liebe erfüllt sein. Wahrheit ist Atman. Dharma ist die Pflicht oder Aufgabe, die wir erfüllen müssen. Führt deshalb eure Aufgaben mit Wahrheit aus. Tatsächlich sind diese beiden, Satya und Dharma, die spirituellen Disziplinen, die ihr anwenden müsst. Allein diese beiden werden euch in jeder Hinsicht beschützen. Sie lindern alle Leiden und Schwierigkeiten. Niemand sollte während seiner Lebensreise in dieser physischen Welt Wahrheit und Dharma aufgeben. Wahrheit muss im eigenen Herzen erfahren, Dharma in den eigenen Taten widergespiegelt werden. Diese beiden genügen. Es braucht keine anderen spirituellen Disziplinen. Die Namen Rama, Krishna, Govinda oder Narayana sind nur Bezeichnungen, die Gott gegeben werden; aber das Göttliche hat keinen spezifischen Namen und keine spezifische Form. Wahrheit kommt als Erstes, dann Rechtschaffenheit. Wenn auf Wahrheit Dharma folgt, werden alle Leiden und Schwierigkeiten beseitigt werden.

    In dieser Welt leben Millionen Menschen, das in allen anwesende Göttliche ist jedoch eines allein. In der Gita wurde dies folgendermaßen ausgedrückt: Der ewige Atman in allen Wesen ist Teil meines Wesens. Wie viele Menschen es auch geben mag, sie repräsentieren nur die Anzahl. Aber das eine Göttliche ist in ihnen allen gegenwärtig, und dieses Göttliche ist die alleinige Wahrheit. Welchen Namen ihr dem Göttlichen auch gebt, Rama, Krishna, Govinda, Allah oder Jesus - Gott ist einer und einer allein. Erkennt deshalb die Einheit des Göttlichen, sinnt über diese Wahrheit nach, betrachtet diese Wahrheit als Gott und verbreitet diese Wahrheit an alle. Von uns wird nicht erwartet, dass wir Almosen oder mildtätige Gaben geben. Welche Aktivität wir auch durchführen, sie muss von Wahrheit durchtränkt sein. Wenn die Menschen diesem Pfad folgen, werden alle glücklich sein. Das gesamte Universum repräsentiert nur eine Wahrheit, aber die Menschen drücken sie auf verschiedene Weise aus. Es gibt nur eine Wahrheit, aber die Weisen geben ihr verschiedene Namen. Wahrheit allein dauert in dieser Welt an, alle anderen Dinge sind vergänglich gleich den vorbeiziehenden Wolken. Namen und Formen sind nicht dauerhaft. Allein die Wahrheit ist ewig. Sie ist das unwandelbare Prinzip. Wenn ihr diese ewige Wahrheit in eurem Herzen bewahrt, wird, was immer ihr tut, Dharma sein.

    In diesem Zusammenhang muss ich euch etwas mitteilen. In dieser Versammlung befinden sich viele Jugendliche. Sie sollten es nicht missverstehen. Im Namen der Modernität gewöhnen sich viele Jugendliche eine schlechte Lebensweise an. Diese Freizügigkeit ist nicht auf ein bestimmtes Land oder eine bestimmte Gesellschaft beschränkt. Sie ist, unabhängig von Kaste, Gemeinschaft, Religion oder Land, ein globales Phänomen geworden. Kinder von der Grundschule an bis hin zur Universität leiden an dieser mentalen Verirrung. Liebe ist Gott. Welche Handlung auch immer ihr mit Liebe ausführt, sie wird ein Erfolg. Leider wird heutzutage der Begriff Liebe hochgradig missbraucht, falsch verwendet und oft als sich auf den Körper beziehend missverstanden. Nein; das ist keine wahre Liebe, denn sie ist vorübergehend und endet mit der körperlichen Beziehung. Wahre Liebe ist von Herz zu Herz. Sie ist unwandelbar.

Der Körper besteht aus den fünf Elementen
und muss früher oder später vergehen,
aber der innere Bewohner des Körpers
wird weder geboren noch stirbt er.
Der innere Bewohner ist an nichts gebunden.
Er ist der ewige Zeuge.

    Der Körper ist nicht dauerhaft. Messt deshalb dem Körper keine Bedeutung bei. Der innere Bewohner ist wichtig. Er allein ist die Verkörperung der Wahrheit. Diesen Innewohnenden zu ignorieren, ist ein schwerwiegender Fehler. Wenn ihr euer Vertrauen auf diesen inneren Bewohner setzt und euch auf ihn verlasst, wird er selbst für alles sorgen. Wir sollten niemals den inneren Bewohner vergessen, der frei von allem Leiden ist.

    Shirdi Baba verließ am Vijayadasamitag seinen physischen Körper. In seinen letzten Augenblicken sagte er zu denen, die um ihn waren: „Verlasst euch nicht auf diesen physischen Körper. Er wird dahinschwinden und in Kürze vergehen. Warum behandelt ihr solch einen vergänglichen Körper als Wahrheit? Niemand sollte aus diesem Anlass Tränen vergießen. Es (Sterben) ist für den physischen Körper natürlich. Freut euch an diesem physischen Körper, so lange er lebt. Danach behandelt das Sterben dieses Körpers wie einen Traum.“

    Der physische Körper behält noch eine kurze Zeit nach dem Tod seine Form. Deshalb bewahrten die Leute um Babas Körper diesen für eine Zeitlang so wie er war, in der Hoffnung, Baba möge, wie es früher geschehen war, ins Leben zurückkommen. Mittlerweile traf einer der Devotees, Abdullah, dort ein und erinnerte sie: „Wir vergessen alle, was Baba uns gesagt hat. Babas Wort ist Wahrheit. Wir müssen dem folgen. Dementsprechend müssen wir seine Begräbnisriten durchführen. Es ist unsere Pflicht.“ Alle Devotees diskutierten jetzt untereinander, was zu tun sei, und kamen zu einem Entschluss. Sie brachten Babas Körper zum Wada (ein von einem Devotee errichtetes Steingebäude) und bauten dort seine Grabstätte (samadhi). Der Körper ist also vergänglich, wie lange jemand auch leben mag. Der physische Körper unterliegt gewissen Begrenzungen. Dieser Körper ist, so wie alle anderen Körper, durch bestimmte Beschränkungen gebunden. Jeder Körper hat seine eigene Begrenzung. Niemand kann diese Grenze überschreiten. Mit den dahingehenden Tagen naht die Grenze rasch heran.

Verkörperungen der Liebe!

    Bitte behandelt deshalb Liebe als euer vorrangiges Anliegen. Verankert die Wahrheit unerschütterlich in eurem Herzen. Welche Handlung ihr auch ausführt, vollbringt sie mit Dharma. Es ist die Wahrheit, die Dharma aufrechterhält, und Dharma wiederum wird Wahrheit beschützen. Aus diesem Grund behielt Lakshmibai die ihr von Baba gegebenen zwei Goldmünzen bei sich. Sie war überzeugt: „Baba hat mir diese Münzen gegeben. Es sind Goldmünzen. Diese Münzen sind sehr wertvoll, wertvoller als Diamanten. Es kann nichts Wertvolleres geben als diese Münzen. Ich brauche nichts. Diese beiden Münzen repräsentieren Wahrheit und Dharma.“

    Wahrheit und Dharma allein beschützen die Welt. Damit die Welt geschützt wird, führen wir verschiedene spirituelle Übungen durch. Aber es sind alles nur pompöse spirituelle Disziplinen! Ihr müsst diese beiden Werte in eurem Herzen verankern und sie ständig, tagein tagaus, befolgen. Gegenwärtig wiederholt ihr diese Worte nur mit dem Mund. Das genügt nicht. Wenn ihr diese Werte mit aller Aufrichtigkeit, die euch zur Verfügung steht, praktiziert, werdet ihr die gewünschten Ergebnisse erhalten. Es nützt nichts, diese Worte papageienhaft zu wiederholen. Sogar ein Schallplattenspieler vollbringt diese Übung. Man muss mit aller Aufrichtigkeit die Überzeugung von diesen Werten entwickeln. Nur dann prägen sie sich eurem Herzen auf immer ein. Sie bleiben immer in euch und bei euch. Ihr müsst euch anstrengen, um diese Form spiritueller Disziplin zu erreichen.

    Eines Tages ging Lakshmibais Tochter zu ihr und bat sie: „Mutter, bitte überlasse mir diese beiden Münzen, welche Baba dir vor einiger Zeit gegeben hat.“ Aber Lakshmibai weigerte sich und sagte: „Nein, ich kann diese Münzen nicht an dich weitergeben. Sie stehen der Person zu, die sie mir gegeben hat, und niemandem sonst. Ich habe kein Recht, sie dir auszuhändigen. Sie werden Baba, der Verkörperung der Wahrheit und Rechtschaffenheit, gegeben.“

    Gleichgültig, wie viele Namen und Mantren ihr rezitiert und wie viele Rituale und Opferzeremonien (yâga, yajna) ihr durchführt, was letztlich bleibt, sind Satya und Dharma. Folgt diesen beiden. Ihr seid nicht von mir getrennt. Ihr seid alle meine Glieder, so wie es in der Bhagavadgita verkündet wird. Satya und Dharma folgen euch seit zahlreichen Leben. Ihr führt heutzutage vielfältige spirituelle Disziplinen durch. Am Ende erweisen sich alle als nutzlos. Ihr rezitiert Ramas Namen „Ram, Ram, Ram“. Die Japamala bewegt sich in eurer Hand, aber euer Geist ist nicht auf Rama ausgerichtet. Nur wenn euer Geist auf den Namen, den ihr rezitiert, fixiert ist, trägt eure Japa Frucht. Mit welcher Aktivität ihr auch beschäftigt seid, lasst sie wahrhaftig sein. Haltet immer und unter allen Umständen an der Wahrheit fest. Tatsächlich ist Wahrheit euer Lebensprinzip! Sie ist euer Lebensatem. Ohne Wahrheit und rechtes Handeln werden alle Vorträge, Upanischaden, das Rezitieren der Gita, das Lesen von spirituellen Texten und dergleichen eine vergebliche Übung sein. Sie sind vielleicht nützlich, um euch die Zeit zu vertreiben. Solche Übungen können euer Leben nicht heiligen. Wahrheit und Dharma sind die beiden wichtigsten spirituellen Disziplinen, die euch von dieser irdischen Welt erlösen werden. Denkt immer daran, dass ihr ein Teil von Gott seid. Ihr solltet euch eurer Verbindung mit Gott bewusst werden. Es ist die einzige Beziehung, die immer andauern wird, egal, welchem Land oder welcher Religion ihr auch angehört. Haltet jedoch nicht auf dieser Basis an Unterschieden fest. Alle Religionen lehren dieselbe Wahrheit und werden zum selben Gott führen. Keine Religionsrichtung ist schlecht, vorausgesetzt, euer Intellekt ist gut! Haltet deshalb euren Intellekt in guter Verfassung. Ihr müsst Religion in ihrer richtigen Perspektive verstehen. Auch wenn euer Geist sich ständig ändert, die Religion ändert sich nicht. Gebt deshalb nicht jedem Zweifel Raum. Hegt keinerlei Zweifel. Bewahrt nur eines in eurem Geist – Wahrheit und Liebe. Wahrheit ist Atman. Was bedeutet das Wort „Ich selbst – myself“? Es bedeutet Atman. Folgt eurem Atman. Das ist euer Dharma. Wenn ihr das tut, wird euch kein Unglück zustoßen. Alles wird in diesen göttlichen Atman eingehen. Erkennt die Wahrheit. Dann wird euer Leben heilig sein.

Verkörperungen der Liebe!

    Möget ihr alle an den beiden Prinzipien Wahrheit und Dharma festhalten! Dharma bedeutet nicht Mildtätigkeit. Ihr müsst den Anweisungen eures Gewissens folgen, welches auf Wahrheit und Rechtschaffenheit beruht. Ihr seid alle Verkörperungen der Wahrheit! Ihr seid alle Verkörperungen von Sathya Sai! Denkt an diese Wahrheit und schreitet auf eurer Lebensreise voran. Oftmals sorgt ihr euch: „Swami hat während dieser Dasaratage nicht einmal gesprochen.“ Heute ist Vijayadasami. An diesem Tag legte Sai den alten Körper ab. Heute erzählt Sai, der einen neuen Körper angenommen hat, euch Vorfälle, die geschahen, während er im alten Körper war.

    Schließt euch nicht der Gesellschaft von schlechten Freunden an. Wenn ihr das tut, werdet auch ihr schlecht werden. Ihr müsst euch immer in guter Gesellschaft aufhalten. Was ist unter guter Gesellschaft zu verstehen? Wahrheit und Dharma. Haltet euch deshalb immer in der Gemeinschaft von Wahrheit und Rechtschaffenheit auf. Wenn ihr beständig an diesen beiden Werten festhaltet, wird euer Leben glücklich und sanft verlaufen.

    Sehr bald wird das ganze Land vereint werden und, ein für alle mal, alle trennenden Tendenzen ablegen. Tatsächlich wird die ganze Welt eins werden, die Unterschiede von Nation, Religion, Kaste und dergleichen abwerfen, und alle Menschen werden das Göttliche erfahren. Alle Menschen werden wie Brüder und Schwestern leben. Ihr sprecht euch mit „Bruder“ und „Schwester“ an und grüßt euch mit „hallo“. Aber was bringt das, wenn das Innere hohl und leer ist? (Swamis Wortspiel im Englischen: hello – hollow). Ihr solltet einander immer mit einem freundlichen Lächeln begrüßen. Gebt niemals euren Gefühlen mit wildem Gelächter „hahaha…“ Ausdruck. Zeigt ein liebliches, sanftes Lächeln auf eurem Gesicht. Das ist wahres Lachen. Wenn ihr lauthals lacht, kommt das einer Beleidigung anderer gleich.

    Ihr seid sehr gesegnet, hier zu sein. Ich habe die wahre Bedeutung der beiden Goldmünzen, die Shirdi Sai Baba Lakshmibai schenkte, erläutert. Einige Menschen versuchten alles, ihr jene Münzen zu entreißen. Aber sie ließ es nicht zu. Sie gab sie Baba mit den Worten zurück: „Diese Münzen gehören dir. Ich gebe sie dir zurück. Weder meine Kinder noch sonst jemand haben irgendetwas mit ihnen zu tun.“

    Kinder werden geboren. Die Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau entsteht erst nach der Heirat. Ohne den Hochzeitsbund gibt es weder Ehefrau noch Ehemann. Ohne Ehemann und Ehefrau gibt es keine Gelegenheit zur Geburt eines Kindes. Also ist niemand mit irgendjemandem verwandt. Jeder und jede steht für sich allein! Das ist die Botschaft des berühmten, von Adi Shankara verfassten, Liedes „Bhaja Govindam“.

Bhagavan beendet seine Ansprache mit dem Lied Bhaja Govindam…

Übersetzung der vom Aschram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Ansprache. S. B., Prashanti Nilayam.

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