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 Ansprache Sathya Sai Babas am 26.02.2006


Shivarâtri


Ist es möglich, dem Einen einen Tempel zu errichten,
der den gesamten Kosmos durchdringt?
Kann irgendjemand dem Einen einen Namen geben,
der in allen Lebewesen anwesend ist?
Ist es möglich, den Einen zu baden, der in allen Flüssen gegenwärtig ist?
Kann irgendjemand dem Einen Essen opfern,
in dessen Leib sich der gesamte Kosmos befindet?
Der Mensch ist in seiner Unwissenheit nicht imstande, diese Wahrheit zu erkennen.
Er unterliegt der falschen Vorstellung, er sei vergänglich.
Tatsächlich aber ist er nicht vergänglich (nasvara),
sondern der Herr (îshvara) der ganzen Welt.

Prapanca ist die Bezeichnung, die wir der sichtbaren Welt gegeben haben. Sie wird Prapanca genannt, da sie aus den fünf Elementen (pancabhûta), nämlich Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther besteht. Pra bedeutet manifestieren, erblühen. Demzufolge bedeutet Prapanca die Manifestation nicht nur der fünf Elemente, sondern ebenso der fünf Lebensprinzipien [1] Prâna, Apâna, Vyâna, Udâna und Samâna. Sie bilden die Grundlage der gesamten Welt. Das göttliche Prinzip, Brahmatattva, ist in allen fünf Elementen als zugrunde liegende Strömung enthalten. Es ist ewig und unsterblich. Der Begriff Brahman bezieht sich auf das göttliche Prinzip, das die fünf Elemente, die fünf Hüllen (pancakosha) und die fünf Lebenshauche (pancaprâna) durchdringt. Aber in seiner Unwissenheit schreibt der Mensch Gott eine bestimmte Form zu und bringt dieser Form seine Gebete dar. Namen und Formen sind vergänglich. Brahmatattva, welches die Basis aller Namen und Formen ist, ist die einzige immerwährende Wesenheit. Durch unsere Unwissenheit und unser begrenztes Verstehen beschränken wir dieses kosmische Brahmanprinzip auf eine winzige Form und verehren sie. Wir sollten die kosmische Form des Göttlichen verehren. Der Kosmos (brahmânda – das „Ei“ des Brahman, aus dem alles entstanden ist; das Universum, der Makrokosmos) ist Gottes Form. Brahman, das Göttliche, durchdringt Anda, Pinda und Brahmânda. Anda ist die Kombination von Materie (padârtha) und Lebensprinzip (prâna). Pinda ist das, was aus dem Mutterleib geboren wird. Schließlich werden sie eins mit Brahmânda.

Verkörperungen der Liebe!

Liebe ist die Grundlage des Kosmos. Ohne Liebe (prema) gibt es weder Natur (prakriti) noch Welt (prapanca). Die Welt wird durch das Liebesprinzip erhalten, das in jedem der fünf Elemente vorhanden ist. Ihr mögt die Göttlichkeit auf vielerlei Weise anbeten, aber eure ganze Verehrung wird sich als nutzlos erweisen, wenn ihr das Liebesprinzip vergesst.

Die fünf Elemente sind für die Erhaltung des menschlichen Lebens und der gesamten Welt verantwortlich. Wenn nur eines der fünf Elemente fehlt, wird alles zum Stillstand kommen. Mit unseren Ohren hören wir den Klang. Mit unseren Augen sehen wir die Welt. Auf diese Weise sind wir fähig, die Welt durch die fünf Sinne zu erleben. Sie bezeugen die Existenz der Welt. Der Mensch hat das göttliche Prinzip der Liebe vergessen und will durch niedrige, weltliche Bestrebungen Glückseligkeit erlangen. Es heißt: Die menschliche Geburt ist die kostbarste aller Lebensformen. Tatsächlich ist das Wesen des Menschen göttlich.

Dharma, Artha (Wohlstand), Kâma (Wunscherfüllung) und Moksha (Befreiung) werden als die vier Ziele des menschlichen Lebens vorgeschrieben. Aber heutzutage hat der Mensch Dharma und Moksha aufgegeben und rennt Wohlstand und Wunscherfüllung hinterher. Gott hat diese Welt erschaffen. Eure Ehefrau, eure Kinder, eure Freunde und Feinde sind alle von Gott erschaffen. Es genügt nicht, wenn ihr mit eurer Frau, euren Kindern und Freunden eine gute Beziehung pflegt. Ihr müsst fähig sein, Gott in allen zu sehen. Das ist eure vorrangige Pflicht. Eure Frau, eure Kinder, Freunde und sogar Feinde sind alle Verkörperungen Gottes. Sogar Gott musste manchmal gegen Feinde kämpfen. Aber trotz ihrer Feindseligkeit gegen Gott gingen auch sie dank seiner Gnade schließlich in ihn ein. Es gibt in dieser Welt keinen Platz, wo Gott nicht existiert. Er ist überall gegenwärtig.

Seine Hände, Füße, Augen, sein Kopf, sein Mund und seine Ohren sind überall.
Er erfüllt das gesamte Universum.

Die Leute um euch herum können vielleicht nicht sehen, was ihr tut, aber Gott schaut euch zu. Andere mögen nicht hören, was ihr sprecht, aber er hört euch. Er ist der ewige Zeuge. Leider seid ihr unfähig, diese Wahrheit zu erkennen. Manche Menschen argumentieren: „Wie könnt ihr behaupten, Gott sei überall gegenwärtig, wenn wir ihn nicht tatsächlich sehen? Wie kann er unsere Gebete hören?“ Tatsächlich ist Klang Gottes Form. Es gibt keinen Ort ohne Klang. Da Klang seine eigene Form ist, kann er alles hören. Licht durchdringt die gesamte Welt. Gott kann alles in dieser Welt sehen, da dieses Licht seine Sicht ist. Hegt deshalb niemals die falsche Vorstellung, Gott wisse nicht, was geschieht. Zweifelt seine Existenz nicht an und verleugnet sie nicht, nur weil er für das bloße Auge unsichtbar ist. Wie entsteht in eurem Herzen ein Entschluss (sankalpa)? Es geschieht entsprechend dem Willen Gottes. Aus weltlicher Sicht mag es Höhen und Tiefen geben, aber das göttliche Prinzip bleibt immer beständig.

Loka, die Welt, und Lokesha, Gott, sind untrennbar. Die Schöpfung und der Schöpfer sind eins. Zwischen beiden besteht eine innige, untrennbare Verbindung. Atman ist die Bezeichnung, die dem göttlichen Prinzip gegeben wird. Es hat keine spezifische Form. Es durchdringt in der Form von Sankalpa die gesamte Welt. Dem Atman einen bestimmten Namen und eine bestimmte Form zuzuschreiben, ist ein schwerwiegender Fehler. Es ist wesentlich, dass wir die Einheit des Atman verstehen und sie erfahren. Alles ist göttlich. Sarvam kalvidam brahma…all dies ist wahrhaft göttlich. Weil ihr nicht in der Lage seid, das göttliche Prinzip in seiner Gesamtheit zu erfassen, begrenzt ihr Gott auf einen spezifischen Namen und eine spezifische Form wie Rama, Krishna, Vishnu usw. und betet ihn an. Ein Töpfer stellt die Götterfiguren von Rama, Krishna usw. her. Aber es ist bloß Ton, der die Formen verschiedener Gottheiten annimmt. Aus demselben Ton werden verschiedene Gestalten geformt.

Es gibt viele Schmuckstücke, aber nur ein Gold.
Es gibt viele Kühe, aber nur eine Milch.
Es gibt viele Lebewesen, aber der Atem ist eins.

Da ihr nicht in der Lage seid, das Prinzip der Einheit zu verstehen, werdet ihr von der sichtbaren Vielfalt getäuscht.

Verkörperungen der Liebe!

Niemand kann Gott als diese oder jene Form besitzend beschreiben. Er erfüllt das gesamte Universum. Ohne Name kann keine Form sein und umgekehrt. Das Prinzip der Göttlichkeit wird durch einen Namen und eine Form repräsentiert. Jedes Objekt und jedes Wesen in dieser Welt ist die Manifestation göttlicher Liebe. Betrachtet die Welt deshalb nicht nur aus dem physischen Blickwinkel. Betrachtet die Welt als Gottes Form und die Manifestation göttlicher Liebe. Aus eurem begrenzten Verständnis heraus beschränkt ihr dieses alles durchdringende göttliche Prinzip auf einen Namen und eine Form. Wie das Empfinden, so das Ergebnis (yad bhâvan tad bhavati). Gott reagiert entsprechend eurem Gefühl ihm gegenüber. Wenn ihr vollkommene Hingabe (pûrna bhakti) habt und Gott aus ganzem Herzen liebt, wird er euch vollkommene Glückseligkeit (pûrna ânanda) schenken. Gott transzendiert die Dualitäten von Geburt und Tod, Glück und Leid. Ihr denkt vielleicht, sogar Gott habe Schmerz und Leid. Aber aus Gottes Sicht existiert Schmerz überhaupt nicht. Er ist ein Aspekt des Göttlichen. Glückseligkeit ist ebenfalls ein Aspekt des Göttlichen. Gott ist jenseits von Freude und Schmerz, Verdienst und Sünde. Glück und Leid sind eure eigene Schöpfung. Freude ist ein Abschnitt zwischen zwei Schmerzen.

Betrachtet Gott nicht als ein gesondertes Wesen. Leider sind die Leute nicht fähig, das Prinzip des Göttlichen zu verstehen und geben sich deshalb allen möglichen Vorstellungen hin. Gott ist eins. Die Veden erklären: Es gibt nur eine Wahrheit, aber die Weisen geben ihr verschiedene Namen.

Wenn die Situation es erfordert, erscheinen jedoch göttliche Inkarnationen auf Erden und spielen eine Rolle in dem kosmischen Schauspiel. Als Draupadî am Königshof von Duryodhana und Dussasana gedemütigt wurde, schäumte Bhîma vor Zorn. Er wollte sie zu Mus zerstampfen. Aber sogar unter solchen Umständen tötete Gott sie nicht. Es ist sehr wichtig, dass ihr versteht, dass alles entsprechend seinem Willen geschieht. Was immer geschieht, ist zu eurem eigenen Besten. Mit dieser festen Überzeugung solltet ihr Freude und Leid, Gut und Böse mit Gleichmut annehmen. Es mag schwierig für euch sein, Missgeschicke zu ertragen. Ihr solltet zu Gott beten, er möge euch die notwendige Kraft geben, sie zu ertragen. Heute habt ihr vielleicht Schwierigkeiten, aber morgen wird es anders sein. Schwierigkeiten gleichen vorüber ziehenden Wolken. Sie werden sicherlich dem Glück Platz machen. Der Mensch strebt ständig nach Glück. Wie kann er es erhalten? Wahres Glück liegt in der Einheit mit Gott. In Wirklichkeit ist Gott jenseits von Freude und Leid. Was immer ihr auch tut, er sagt: „So sei es (tathastu).“ Er schüttet seinen Segen über euch aus mit den Worten: „Möge es zu deinem Besten sein.“ Wenn ihr einmal das Wesen des Göttlichen (bhagavattattva) versteht, werdet ihr frei von Leid sein. Lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr Schwierigkeiten erlebt. Habt das Vertrauen, dass Gott euch zu eurem Besten durch die Schicksalsprüfung gehen lässt. Glück und Leid existieren gemeinsam. Ihr könnt kein Glück erlangen, ohne Schwierigkeiten zu durchlaufen.

Verkörperungen der Liebe!

Schreibt der Göttlichkeit nicht Vielfalt zu. Betrachtet alle als Verkörperung der Göttlichkeit. Verankert dieses heilige Empfinden fest in eurem Herzen. Behandelt sogar die Person, die euch hasst, als euer eigen. Nachdem ihr als Mensch geboren seid, solltet ihr in der Lage sein, Schmerz und Leid mit Mut und Tapferkeit zu begegnen. Seid davon überzeugt, dass sie gut für euch sind. Alles, was Gott erschaffen hat, ist gut. In Gottes Schöpfung ist alles gut und heilig. Es gibt nichts, das Leid und Elend verursachen wird. Tatsächlich entsteht Elend aus menschlicher Täuschung. Der Irrtum liegt in der Identifizierung mit der Form. Was bedeutet der Begriff Mânava (Sanskritwort für Mensch)? Ma bedeutet Maya, na ohne und va sich zu verhalten. Deshalb ist derjenige ein Mensch, der sich frei von Täuschung und Illusion (mâyâ) verhält. Wenn ihr der Täuschung zum Opfer fallt, werdet ihr niemals fähig sein, die Wirklichkeit zu verstehen. Tatsächlich ist Täuschung die eigene Schöpfung des Menschen. Sie entsteht aus seiner Vorstellungskraft.

Wie sehr man es auch versuchen mag, es ist nicht möglich, Gott völlig zu kennen. Einst sagte Mutter Kuntî zu Krishna: „O Krishna, obwohl du wahrhaft Gott bist, werden wir manchmal getäuscht und glauben, du seiest ein Mensch wie wir.“ Auch der Heilige Tyâgarâja gab die gleichen Empfindungen im folgenden Vers wieder:

„O Herr, du hast Draupadîs Gebete erhört und sie vor Demütigung bewahrt.
Du hast aus der hässlich aussehenden Kubja eine Schönheit gemacht.
Du hast die Pândavas beschützt.
Ist es möglich, deine Herrlichkeit und deinen Ruhm zu ermessen?
Du bist jenseits aller Beschreibung und des menschlichen Verstehens.
Krishna, nicht einmal Brahma kann deine Herrlichkeit beschreiben.“

Gut und Böse befinden sich in eurer Vorstellung (mind), nicht im Außen. Korrigiert deshalb zuerst eure Wahrnehmungen. Befreit euch von allen tierischen Eigenschaften, damit in euch die Menschlichkeit erblühen kann. Wenn ihr auch nur eine Spur von Hass in euch wahrnehmt, vertreibt sie sofort. Nachdem ihr das menschliche Leben erhalten habt, ist es eine Schande, wenn ihr schlechte Eigenschaften wie Hass habt. Fallt nicht der Verblendung zum Opfer. Ihr solltet nur von Gott und nichts anderem angezogen werden.

Ihr liebt euren Sohn, weil ihr ihn als euer Spiegelbild betrachtet. Tatsächlich sind der, welcher euch liebt, der, welcher euch hasst und der, welcher euch kritisiert, alle eure eigenen Widerspiegelungen. Das eine Mal ist man vielleicht zornig und später macht der Zorn der Liebe Platz. Die Leute lassen sich von den Launen des Gemüts mitreißen. Da sie sich von Namen und Formen täuschen lassen, sind sie nicht in der Lage, das vergängliche Wesen der Welt zu erkennen. In Wirklichkeit habt ihr weder Freunde noch Feinde. Es ist nur eure Liebe oder euer Hass, die sich außen widerspiegeln. Nicht Gott gibt euch Glück oder Leid; sie sind eure eigene Schöpfung. Sie haben ihren Ursprung in euch.

Verkörperungen der Liebe!

Gott ist überall in Gestalt der fünf Elemente gegenwärtig. Jeder ist mit den fünf Elementen ausgestattet, und jeder ist eine Verkörperung der Liebe. Alle sind eins. Es gibt keine zweite Wesenheit. Wo immer ihr hinschaut, sind die fünf Elemente. Ihr findet nirgendwo ein sechstes Element. Das Liebesprinzip in euch repräsentiert das göttliche Prinzip, Îshvaratattva und Brahmatattva. Zu glauben, Gott wäre von euch getrennt, ist nur eine Illusion. Alles ist Gott. Alles ist die Manifestation von Atman und Ananda, göttlichem Selbst und Glückseligkeit. Deshalb wird Gott als die Verkörperung der ewigen Glückseligkeit (nityânanda), der höchsten Freude (paramasukhada) und absoluten Weisheit (kevalam jnânamurtim) gepriesen. Sogar die Handlung (karma), die ihr ausführt, ist die Manifestation Gottes. Wenn ihr mit solchen göttlichen Empfindungen handelt, wird dies gute Ergebnisse bringen. Kritisiert Gott niemals. Verleugnet ihn niemals. Alles ist die Manifestation von Brahma, Vishnu und Maheshvara. Alle sind göttlich. Das müsst ihr an diesem segensreichen Shivarâtritag lernen. Es gibt in dieser Welt nichts anderes als das Göttliche. Das Prinzip des Göttlichen, das in einem Sandkorn und einem großen Laddu (kugelförmige Süßigkeit) gegenwärtig ist, ist ein und dasselbe. Wenn ihr diese Wahrheit erkennt, werdet ihr wahrhaft Gott. Ihr braucht nicht irgendwo sonst nach Gott zu suchen. Ihr seid Brahma, ihr seid Vishnu, ihr seid Shiva, ihr seid die Verkörperung der göttlichen Dreieinigkeit. Es ist nur euer Empfinden, das die Form von Brahma, Vishnu und Maheshvara annimmt.

Aufgrund eures dualistischen Empfindens erlebt ihr Ruhelosigkeit und Leid. Statt die Einheit in der Verschiedenheit zu sehen, nehmt ihr die Einheit als Verschiedenheit wahr. Die Zahl eins ist die Grundlage aller anderen Zahlen. Genauso variieren Namen und Formen, aber alle sind im Wesentlichen eins. Es gibt keine zweite Person. Außer der Göttlichkeit gibt es keine zweite Wesenheit in dieser Welt. Viele spirituelle Aspiranten und Yogis haben sich gemeinsam bemüht, das Prinzip des Göttlichen zu verstehen. Sie erkannten schließlich: Es gibt nur eine Wahrheit, aber die Weisen nennen sie bei verschiedenen Namen. Da ihr diese Wahrheit nicht verstanden habt, lasst ihr euch von der sichtbaren Dualität täuschen. Um zu wissen, dass das Göttliche eines ist, solltet ihr die spirituelle Mathematik verstehen. Es ist sehr wichtig, dass ihr dieses Einheitsprinzip versteht und euch entsprechend verhaltet. Wenn ihr diese Einheit versteht, werdet ihr Göttlichkeit erfahren. Ihr werdet erkennen, dass der Einzelne nicht von Gott verschieden ist. Wenn ihr an die Eins eine Null hängt, wird zehn daraus; wenn ihr noch eine Null hinzufügt, hundert. Wenn ihr auf diese Weise weitere Nullen hinzufügt, erhöht sich der Wert auf 1.000, 10.000 und so weiter. Nullen erhalten nur dann Wert, wenn sie an die Zahl eins gehängt werden. „Ich“, „meine Frau“, „meine Kinder“, „mein Eigentum“ usw. gleichen Nullen. Sie haben nur dann einen Wert, wenn sie mit Gott verbunden werden, der wie die Zahl eins ist. Die ganze Welt ist wie eine Null (zero). Sie ist aus dem Helden (hero), Gott, hervorgegangen. Aufgrund eurer Täuschung haltet ihr die Null für den Helden. Solange ihr in Täuschung verstrickt seid, werdet ihr nie fähig sein, das Göttliche zu erkennen. Täuschung lässt Zweifel entstehen, die euch eure Glückseligkeit rauben. Sie vergiften euren Geist und bringen euch in Gefahr. Hegt deshalb, was die Göttlichkeit angeht, niemals Zweifel. Stärkt euren Glauben an Gott.

Ein Auto kann nur dann sanft fahren, wenn in all seinen vier Reifen Luft ist. Wenn auch nur ein Reifen platzt, kann das einen Unfall verursachen. Der menschliche Körper gleicht dem Auto. Der Geist (mind) ist das Lenkrad. Dharma, Wohlstand, Wunscherfüllung und Befreiung sind seine vier Reifen. Sie sollten mit der Luft des Glaubens gefüllt werden. Wenn auch nur einer der Reifen platzt, ist euer Leben in Gefahr. Euer Geist sollte stetig und unter Kontrolle sein. Nur dann könnt ihr das Ziel des Lebens, Moksha, Befreiung, erreichen.

Verkörperungen der Liebe!

Die gesamte Welt ist von den fünf Elementen erfüllt. Ihr solltet zwischen den Elementen vollkommene Ausgeglichenheit und Harmonie bewahren. Wenn ihr Fahrrad fahrt und nicht das rechte Gleichgewicht bewahrt, fallt ihr runter. Entsprechend könnt ihr nur dann das Leben eines wahren Menschen führen, wenn ihr euren Geist im rechten Gleichgewicht haltet. Wenn euer Geist nicht in rechter Balance ist, nimmt eure Menschlichkeit Schaden. Es heißt: Die Geburt als Mensch ist die kostbarste aller Lebensformen. Nachdem ihr mit diesem kostbaren menschlichen Leben gesegnet worden seid, was für eine Schande ist es dann, wenn ihr euch wie ein Tier verhaltet! Ihr solltet wie ein Mensch leben! Haltet euren Geist unter Kontrolle. Das ist meine Botschaft für euch in dieser heiligen Shivarâtrinacht. Begreift, dass ihr als Mensch und nicht als Insekt oder Wurm geboren seid. Ihr seid weder ein Tier noch ein Vogel noch ein wildes Tier. Ihr solltet die Bedeutung des Begriffes Mânava verstehen. Ma bedeutet nicht und na bedeutet neu. Ihr seid nicht zum ersten Mal hier. Die Erde ist für euch nicht neu. Bevor ihr diese Geburt als Mensch erlangt habt, seid ihr durch viele Leben gegangen. Gebt eure alten, niedrigen Eigenschaften auf und beginnt euer Leben neu. Das menschliche Leben ist sehr heilig und geheimnisvoll. Nur Gott kann sein Mysterium enthüllen. Der Herr des Universums (vishvesvara) durchdringt das gesamte Universum (vishva). Er ist jenseits aller Beschreibung. Er ist in euch in Gestalt des Atman gegenwärtig. Es gibt nur einen Weg zur Verwirklichung des Atman: Gebt das Empfinden von mein auf. Ihr sagt: „Das gehört mir und jenes gehört mir.“ Wenn ihr euch von dieser weltlichen Bindung freimacht, werdet ihr Reinheit, Stetigkeit und Selbstlosigkeit erlangen. Ihr werdet frei von Leiden, Sorgen und Furcht sein. Schließlich werdet ihr Befreiung, Moksha, erlangen. Nachdem ihr das Menschsein (mânavatva) erreicht habt, solltet ihr euch bemühen, zur Ebene des Göttlichen (mâdhavatva) aufzusteigen. Das ist euer Ziel. Was bringt es, wenn ihr euch ewig im Menschlichen aufhaltet? Um zur Ebene des Göttlichen aufzusteigen, solltet ihr einen reinen Geist (sanmati) entwickeln. Einheit verleiht Reinheit, welche wiederum zur Göttlichkeit führen wird. Ihr müsst deshalb alle vereint zusammenhalten. Ihr gehört der menschlichen Rasse an. Ihr gehört zu einer Familie. Deshalb müsst ihr euch wie Brüder und Schwestern verhalten. Wenn dieser Geist der Einheit fehlt, wird dies die Reinheit verringern und euch von der Göttlichkeit abbringen.

Verkörperungen der Liebe!

Als Studenten des Sathya Sai Colleges müsst ihr anderen mit eurem Geist der Einheit ein Beispiel sein. Ihr verdient nur dann, Sai-Devotees genannt zu werden, wenn ihr Einheit entwickelt. Liebt Gott aus ganzem Herzen. Liebe zu Gott wird euer Herz transformieren. Sie wird Hass und andere schlechte Eigenschaften vertreiben. Durch Liebe könnt ihr alles erreichen.

Bhagvan sang den Bhajan „Prema mudita…“ und setzte seine Ansprache fort:

Verkörperungen der Liebe!

Seit undenklicher Zeit hat Ramas göttlicher Name die Devotees beschützt und sie auf den rechten Weg geführt. Man kann sich die göttliche Kraft von Ramas Namen sehr gut ausmalen, da er durch alle Zeiten hindurch den Herzen der Menschen eingeprägt blieb. Das ist in sich ein Mysterium. Seit Ramas Herabkunft sind Tausende von Jahren vergangen, dennoch ist sein Name immer frisch und immer neu. Ob man sich auf einer Bergspitze oder in einem Dorf oder einer Stadt aufhält, alle beziehen immense Freude aus dem Singen von Ramas Namen. Ramayatîti râmah…Das Ramaprinzip ist das, was Freude bringt.

Einst fand am Hofe von Krishnadevaraya eine Debatte statt, an der sich acht Gelehrte des königlichen Hofes beteiligten, die allgemein als „Ashta Diggajas“ bekannt waren. Krishnadevaraya wollte wissen, wer von ihnen der Beste war. Er wollte, dass sie aus fünf Silben einen sinnvollen Satz formten, und jede der fünf Silben sollte in fünf verschiedenen Sprachen dieselbe Bedeutung haben. Er fügte hinzu: „Wer bis morgen früh um sieben Uhr eine Antwort auf diese Frage hat, wird entsprechend belohnt werden.“

Da sein eigenes Haus weit weg war, beschloss Tenali Ramakrishna, die Nacht im Haus seines Schwagers zu verbringen. Als ihm ein bequemes Bett für die Nacht bereitgestellt wurde, weigerte sich Ramakrishna, darin zu schlafen. Er sagte: „Ich muss bis morgen früh eine Antwort auf die vom König gestellte Frage finden. Ein Bett wie dieses wird mich sicherlich im Nu zum Einschlafen bringen. Bereitet mir deshalb im Kuhstall ein Lager.“ Als er dort auf der Ruhestätte lag, gebar eine der Kühe im Stall um ein Uhr nachts ein Kalb. Ramakrishna rief laut, um seinen Schwager davon zu informieren. Sein Schwager wollte wissen, welche Kuh geboren hatte; er hatte seinen Kühen verschiedene Namen wie Parvatî, Lakshmi und Sarasvati gegeben. Also fragte er Ramakrishna: „Ye aav ra bava?“ – „Welche Kuh ist es, oh Schwager?“

Als Ramakrishna diese Worte vernahm, war seine Freude grenzenlos, denn er hatte eine Antwort auf die Frage des Königs gefunden. Deshalb wiederholte er den Satz wieder und wieder. Sein Schwager glaubte, Ramakrishna verhalte sich wegen des Schlafmangels so eigenartig.

Am nächsten Morgen ging Ramakrishna an den Königshof und stellte fest, dass niemand die Frage lösen konnte. Alle waren davon überzeugt, es wäre nicht möglich, so einen Satz zu bilden. Er sagte: „Die Antwort lautet: ‚Ye aav ra ba va’.“ Alle waren verblüfft. Daraufhin erläuterte er: „Ye in Marathi, aav in Hindi, ra in Telugu, ba in Kannada und va in Tamil bedeuten alle dasselbe, nämlich ’Komm’. In diesem Satz sind fünf Sprachen vertreten.“

Schüler, Studenten!

Die Worte, die ihr sprecht, haben manchmal verschiedene Bedeutungen. Deshalb solltet ihr beim Sprechen sehr achtsam sein. Entwickelt Tugenden und führt ein vorbildliches Leben. Nur dann wird Swami zufrieden mit euch sein. Wenn ihr mich durch euer vorbildliches Verhalten glücklich macht, werde ich euch noch viel mehr Glück schenken. Euer Glück ist mein Glück. Wo immer ihr hingeht, erwerbt euch einen guten Ruf. Euer Charakter ist mir sehr wichtig. Unternehmt deshalb jegliche Anstrengung, euren Charakter zu formen und anderen ein Vorbild zu sein. Diese Botschaft möchte ich euch gerne an diesem segensreichen Shivarâtritag geben. Der Tag, an dem ihr ewige Glückseligkeit erfahrt, ist für mich Shivarâtri.

Einst gab Tyâgarâja in Thanjavur ein Konzert. Viele bedeutende Musiker und Gelehrte waren im Konzertsaal versammelt. Zu Beginn des Programms begrüßte Tyâgarâja alle mit seiner berühmten Komposition „Endaro mahanubhavulu, andariki vandanamulu…hier sind viele große Seelen, die die Erfahrung des Göttlichen gemacht haben; ich verneige mich vor ihnen allen.“ Jeder, der seinem melodiösen Gesang lauschte, war selig. Er zeigte durch sein Beispiel, dass man jedem in der Versammlung vor einem Auftritt Achtung erweisen solle, denn in allen ist Gott.

Vor vielen Jahren wurde in Prashanti Nilayam ein Gelehrter eingeladen, vor einer Versammlung zu sprechen. Zu Beginn seiner Rede sprach er die Zuhörerschaft folgendermaßen an: „Brüder und Schwestern, mit Ausnahme einer Person!“ Dann erklärte er, dass sich unter der Zuhörerschaft auch seine Frau befände. Sogar während er zu einer Versammlung sprach, dachte er an seine Frau! Man sollte, wenn man in der Öffentlichkeit spricht, nicht an solchen Unterschieden festhalten. Man sollte einem jeden seinen Gruß darbringen.

Verkörperungen der Liebe!

In dieser heiligen Shivarâtrinacht schütte ich meinen Segen über euch alle aus. Singt die ganze Nacht hindurch den göttlichen Namen. Verbringt, soweit wie möglich, die Nacht in der Besinnung auf Gott. Nur dann könnt ihr göttliche Glückseligkeit erfahren. Ihr könnt sogar die Manifestation des göttlichen Glanzes erleben. Singt aus ganzem Herzen den göttlichen Namen. Ihr könnt jeglichen Namen singen, aber ihr solltet seine innere Bedeutung verstehen.

Zum Beispiel ist Digambara einer der Namen des Gottes Shiva. Im herkömmlichen Sprachgebrauch meint Digambara jemanden, der nackt ist. Aber wenn ihr nach der inneren Bedeutung forscht, erkennt ihr, dass Digambara der ist, dessen Gewand (ambara) die vier Himmelsrichtungen (dikkulu) sind. Es ist möglich, dass die Leute dieses Wort missverstehen und denken, Shiva trage nichts an seinem Körper. Deshalb ist es besser, ihr verwendet dieses Wort in den Bhajans nicht.

Übersetzung der vom Aschram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Ansprache; S. B., Prashanti Nilayam.
(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)

[1] Pancaprânâh, die fünf Lebenshauche oder -kräfte, die den Körper erhalten, anregen und beleben.


    

Copyright Sathya Sai Vereinigung e. V.