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 Ansprache Sathya Sai Babas am 25.12.2006


Weihnachtsansprache


Ein überheblicher Mensch mit trübem Geist -

Welche Chance hat er, das wahre Selbst zu erkennen?

Nur ein reiner Intellekt ist in der Lage,
das Prinzip des  wahren Selbst zu erfassen.

Nichts Weiteres ist darüber zu sagen.

Alles ist in der Reinheit des Bewusstseins enthalten. Hier ist eine Blumengirlande (Swami nimmt eine Jasmingirlande in die Hand). Äußerlich erscheint sie wie eine Blume, doch in diesem Gebinde befinden sich viele Blumen. Entsprechend scheint die Welt eine einzige Wesenheit zu sein, aber sie besteht aus vielen Individuen mit unterschiedlichen Namen und Formen. All diese Einzelnen sollten wie die Blumen in einem Blumenstrauß zusammenkommen. Die fünf Elemente sind das wichtigste Charakteristikum der Welt. Die Welt ist eine Zusammenballung von Individuen. Alle sind eins. Es gibt nicht so etwas wie: „Ich bin Gott und du bist ein Individuum.“ Du und ich sind eines allein. Ihr erkennt das nicht und nehmt die Einheit als Vielfalt wahr.

Verkörperungen der Liebe!

Liebe ist eins. Dasselbe Empfinden der Liebe erfüllt alle Menschen. Dennoch nehmen die verschiedenen Menschen, je nach geistiger Natur, Zustand und Schicksal, verschiedene Formen an. Ein neugeborenes Kind wird Baby genannt. Wenn es heranwächst, wird es Mädchen genannt. Später, wenn es heiratet und in das Haus seiner Schwiegereltern einzieht, wird es als Schwiegertochter bezeichnet. Dieselbe Frau wird, nachdem sie Kinder geboren hat, Mutter gerufen, und später wird sie zur Großmutter.

Ist es nicht eine Tatsache, dass die Frau, die so viele Namen erhalten hat, ein und dieselbe ist? Entsprechend gehören alle Menschen, die in dieser Welt leben, nur einer Kategorie an. Jesus Christus mahnte: „Alle sind eins; verhalte dich allen gegenüber gleich.“ Wir sollten alle lieben. Wir sollten jeden in unsere Obhut nehmen. Das ist in der Tat meine Art. Doch manche Leute stimmen dem vielleicht nicht zu. Die Ursache ist ihr Mangel an Reife; es ist eine Widerspiegelung ihrer inneren Empfindungen. Gott nimmt in Übereinstimmung mit den inneren Gefühlen der Devotees verschiedene Formen an. Wenn mich jemand zum Beispiel Großvater nennt, erscheine ich ihm als solcher. Manche Menschen nennen mich Vater, und ich erscheine ihnen als Vater. Andere wiederum sprechen mich als „Swami“ an, und für sie werde ich Swami sein. Bei welchem Namen und welcher Form die Menschen auch an Gott denken, mit demselben Namen und in derselben Form wird er ihnen erscheinen.

In diesem Kalizeitalter scheint sogar das Gute schlecht zu sein. Derselbe Mensch liebt den einen und hasst einen anderen. Mit einem entwickelt er Feindschaft, mit einem anderen Freundschaft. Diese Art Freundschaft oder Feindschaft ist nicht etwas, das von außen zu ihm gekommen ist. Solche Gefühle entspringen seinem eigenen Herzen. Wenn ihr jemanden für euren Feind haltet, wird er zum Feind. Wenn ihr jemanden hingegen als euren Freund betrachtet, wird er es. Angenommen, ihr trefft ein Mädchen und nennt es Studentin. Wenn ihr sie nach einiger Zeit heiratet, bezeichnet ihr sie als „meine Frau“. Die Ehefrau von heute und die Studentin von damals sind ein und dieselbe Person, nicht wahr? So entwickelt der Mensch auf der Basis von Namen und Formen eine Reihe von Beziehungen. Tatsächlich ist der Geist (mind) für die vielen Veränderungen in der Welt verantwortlich. Der Mensch an sich ist makellos. Liebe durchdringt alle Menschen. Es ist wahr, Menschen legen manchmal Eigenschaften wie Zorn, Hass, Eifersucht, Prunksucht usw. an den Tag. Aber Gott wird davon nicht beeinflusst. Gott ist jenseits der Eigenschaften (guna), die Menschen hingegen haben Eigenschaften. Diese Eigenschaften können positiv oder negativ sein. Gut und Böse befinden sich nur im Menschen, nicht in Gott. Wir treffen oftmals Menschen, die zorniger Natur sind und die manchmal intensive Liebe zeigen. Im Kaliyuga begegnen wir etlichen Menschen mit solch paradoxem Verhalten. Wenn ihr Zeuge solcher Veränderungen seid, denkt ihr, Gott würde diese Veränderungen bewirken. Nein; Gott ist bloß ein Zeuge. Er ist nicht dafür verantwortlich. Gott gleicht Milch, die, wenn man sie mit Zusätzen vermischt, z. B. zu Kaffee wird. Dieselbe Milch kann auch zu süßem Pudding werden. Alle Veränderungen, die in den Menschen stattfinden, sind nur auf ihre Eigenschaften zurückzuführen.

Ein Mensch namens Paul war zu Anfang Jesus Christus feindlich gesonnen. Dieselbe Person wurde später ein eifriger Jünger. Die Eigenschaften in einem Menschen bringen viele Veränderungen mit sich. Zum Beispiel ist dieser afrikanische Devotee mir von seiner Kindheit an ergeben. Von Anfang an liebte er mich intensiv. Da er noch jung ist, gab ich ihm den Rat, in sein Land zurückzukehren, um dort seinen Beruf auszuüben. Er beugte sich Swamis Wünschen und kehrte in sein Heimatland zurück. Aber seine Hingabe änderte sich in keiner Weise. Er hat ständig zu mir gebetet und „Baba, Baba“ gerufen.

Als ich vor einigen Jahren nach Ostafrika reiste, kamen viele Afrikaner zu mir zum Darshan. Sie alle baten: „Swami! Bitte verbringe etwas Zeit mit uns.“ Unter ihnen befanden sich einige hundert Kinder. Ihr Blick hing wie gebannt an meiner Form. Ihr kennt den damaligen Präsidenten von Uganda, Idi Amin. Er war Militäroffizier. Damals war er jung und sehr energisch. Er war groß und stattlich. Er hatte mehrere Ehefrauen. Er mochte Swami sehr. Morgens wie abends hatte er Swamis Darshan. Ich wirkte vor diesem Giganten sehr schmächtig. Der Anblick von mir an seiner Seite war wie der Anblick von einem Reh neben einem Kamel. Die Leute wunderten sich über seine Liebe und Hingabe zu Swami. Er war gebildet und Präsident seines Landes Uganda. Er war berühmt für sein unerbittliches Wesen. Dieser Mensch vergoss Tränen, als ich mich auf die Rückreise machte. Er sagte zu mir: „Swami, seit meiner Geburt habe ich keine Träne vergossen! Heute bin ich sehr traurig und empfinde den Schmerz der Trennung, weil Swami uns verlässt.“ Er bedeckte sein Gesicht mit einem Taschentuch, damit andere seine Gefühle nicht bemerkten. Er hatte sehr kräftige Hände. Meine Hände festhaltend, drückte er seinen Dank für meinen Besuch aus. Er verneigte sich auch vor mir. Er hielt meine Füße so fest, dass es mir später schwer fiel, die Treppe ins Flugzeug hochzusteigen. Er flehte mich bei meiner Abreise an: „Swami, ich werde sicherlich kommen, um bald deinen Darshan zu haben. Sonst besuche bitte wieder unser Land. Ich kann die Trennung von dir nicht aushalten.“ Die Situation in Uganda entwickelte sich dann so, dass er das Land nicht verlassen konnte.

Während meines Aufenthalts in Uganda plante er ein Abendessen zu meinen Ehren in seinem Haus. Er kam deshalb zu Dr. Patel, um sich persönlich über die diesbezüglichen Vorkehrungen zu informieren. Er informierte sich genau darüber, wie das Essen organisiert und wie das Menu aussehen sollte, wer als Gast eingeladen werden sollte usw. Er sorgte für brandneues Kochgeschirr zur Zubereitung der verschiedenen Speisen. Er ließ auch neue Becher für die Gäste bereitstellen. Als ich schließlich seinen Palast zum Abendessen besuchte, standen all seine Ehefrauen in zwei Reihen auf beiden Seiten und begrüßten mich ehrerbietig. Er stellte mir eine nach der anderen vor. Ich wohnte in Ugandas Hauptstadt Kampala. Der letzte Tag war Gurupurnima, ein wichtiger Anlass für Sai-Devotees. Ich hatte zuvor versprochen, zu diesem Datum nach Bombay zurückzukehren. Aber die Afrikaner erlaubten es mir nicht. Sie fielen mir zu Füßen und baten mit Tränen in den Augen: „Bhagavan! Bitte verbringe diesen heiligen Tag bei uns!“ Als Antwort auf ihre Gebete blieb ich noch, um Gurupurnima mit ihnen zu verbringen. An dem Tag wollten sie Fotoaufnahmen mit mir machen. Ich sagte ihnen, sie sollten still in ihrem Herzen beten, damit ihr Wunsch erfüllt würde. Zu ihrer Freude fand jeder von ihnen ein Foto mit Swami neben sich stehend. Die Hingabe der Afrikaner ist unbeschreiblich. Sogar jetzt noch fühle ich mich sehr beglückt, wenn ich an ihre Hingabe denke.

Mein nächster Besuch galt dem Land Tansania. Auch dort waren alle, die zu meinem Darshan kamen, sehr glücklich. Frauen wie Männer kamen in großer Zahl in ihren traditionellen Gewändern, um mich willkommen zu heißen. Als sie mich sahen, tanzten sie vor Begeisterung. Am Tag der Abreise, unmittelbar bevor das Flugzeug abhob, stellten sie sich alle vor das Flugzeug und flehten mich an: „Swami, du solltest nicht von hier weggehen. Du musst hier bleiben.“ Wie konnte ich ihrer Bitte nachgeben? Ich musste abreisen. Die Piloten und Offiziere im Flughafen trösteten sie mit den Worten: „Ihr solltet Swamis Flugzeug nicht auf diese Weise behindern. Das ist nicht gut.“ Daraufhin entfernten sie sich. Ich beobachtete das alles vom Fenster des Flugzeugs aus. Als das Flugzeug schließlich abzuheben begann, fielen viele von ihnen vor Schmerz beinahe in Ohnmacht. Die Szene blieb mir in lebendiger Erinnerung, bis ich Bombay erreichte.

Während jener Reise besuchte ich drei Länder, Kenia, Uganda und Tansania. Es sind Nachbarländer. Ich war sehr glücklich und die Hingabe der afrikanischen Menschen berührte mich tief. Auf meiner Rückreise war das Flugzeug voll gepackt mit den Geschenken der afrikanischen Devotees. Was für Geschenke waren es? Sie brachten allerlei Dinge wie z.B. Geschirre und goldfarbene Teeservice. Ich habe sie noch. Wir benutzen sie, wenn wir hohe Würdenträger wie Minister- und Regierungspräsidenten zu Gast haben.

Im Ausland gibt es viele Devotees, die Swami lieben. Ihre Liebe zu Swami ist unvergleichlich. Die Devotees von Ostafrika freuten sich sehr, als ich ihre Heimat besuchte. Ich habe damals bereits entschieden, keine weiteren Besuche im Ausland zu machen. Von da an besuchte ich niemals ein anderes Land. Für meinen Besuch Ostafrikas gab es einen Grund. Dr. Patel betete aus der Tiefe seines Herzens zu mir, ich solle Afrika einen Besuch abstatten. Er betete: „Swami! Dein Besuch gilt nicht ausschließlich uns. In diesen Gegenden gibt es viele wilde Tiere. Bitte, gewähre diesen Tieren das Glück deines Darshans und segne sie ebenfalls.“ Als ich dorthin kam, besorgte er ein paar kleine Flugzeuge für unsere Reise durch die Wildnis. Er achtete darauf, dass in jedem Flugzeug nur zwei Leute saßen, so dass viel Bewegungsfreiheit blieb. Von diesen kleinen Flugzeugen aus sahen wir viele Orte von großer landschaftlicher Schönheit. Der riesige Viktoriasee dehnt sich über ein weites Gebiet aus. Wir brauchten anderthalb Stunden, um diesen See mit jenen Flugzeugen zu überqueren. In dem See gibt es viele Krokodile von außergewöhnlicher Größe. Sie konnten nicht genügend Platz finden, um sich im See zu bewegen, und fielen übereinander. Später machten wir eine Bootsfahrt auf dem See. Während wir auf dem See herumfuhren, starrten uns die Krokodile mit offenen Mäulern an. Wir warfen ihnen Äpfel zu. Erstaunlicherweise verschlangen sie diese Äpfel nicht, ehe wir unsere Bootsfahrt beendet hatten. Sie hielten die Äpfel im Maul und starrten uns an. In jenem See gab es viele Nilpferde. Manche von ihnen säugten ihre Babys. Es war ein bezaubernder Anblick, diese wilden Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen.

Die schöne Landschaft war ein Augenschmaus. Tiere haben Wünsche, so wie die Menschen. Aber ihre Liebe zu uns war unvergleichlich. Als wir das Seeufer erreichten, konnten wir große Elefantenherden umherstreifen sehen. Die afrikanischen Elefanten haben riesige Ohren gleich Fächern. Der von einer Bewegung ihrer Ohren hervorgerufene Wind reichte aus, um die Leute umzuwerfen. Ich fuhr in einem Wagen in ihre Mitte. Als sie mich im Wagen sitzen sahen, hoben sie ehrfurchtsvoll ihren Rüssel und grüßten mich. Die edlen Eigenschaften jener wilden Tiere sind nicht einmal bei Menschen zu finden. In jenen Tieren ist überhaupt kein Hass wahrzunehmen! All diese Tiere leben glücklich zusammen. Normalerweise fürchtet ein Elefant einen Löwen. Aber in jenen Wäldern leben Löwen und Elefanten glücklich zusammen.

Wir gingen zu einem kleinen Hügel, wo sich eine Gruppe von zehn Löwen aufhielt. Die Elefanten streiften furchtlos in ihrer Anwesenheit umher. Wir gingen nahe heran und machten Fotoaufnahmen. Menschen mögen hier und da Furcht und Angst empfinden, aber nicht ein einziges der wilden Tiere zeigte Angst, als sie uns erblickten. Einige Löwen lagen entspannt dort. Unser Jeep fuhr über ihre Schwänze, aber es kümmerte sie nicht. Stattdessen zogen sie ihren Schwanz nahe zu ihrem Maul und küssten ihn. Ihre Liebe und Zuneigung rührte mich wirklich tief. Ich konnte mich nicht von diesem Platz losreißen.

Solch ein intensives Gefühl der Liebe ist heutzutage nicht einmal unter Menschen zu finden. Die Menschen hassen einander. Sogar Mutter und Kind hassen einander. Ehemann und Ehefrau hassen einander. Aber wir konnten in jenen wilden Tieren keine Spur von Hass finden. Ich nahm in jenen Tieren ein unvergleichliches, intensives Gefühl der Liebe und Gleichheit wahr.

Es wurde Zeit für uns, diesen wunderbaren Platz und seine Menschen zu verlassen. Der Trennungsschmerz der Menschen bei unserer Abreise, speziell der Devotees, die in jenen Ländern leben, ist nicht zu beschreiben. Tatsächlich fühlte auch ich mich traurig, diese liebevollen Devotees zu verlassen.

Unser Flugzeug kam sehr spät in Bombay an. Herr K. M. Munshi wartete dort auf unsere Ankunft. Wisst ihr, wer Munshi war? Der Vorsitzende des Bhâratîya Vidyâ Bhavan. Nach einem Schlaganfall waren seine rechte Seite und sein Mund gelähmt. In dem Augenblick, als er mich aus dem Flugzeug steigen sah, konnte er seine Hand heben! Mit grenzenloser Freude rief er aus: „Bhagavan Shri Sathya Sai Baba ki jai!“ Die umstehenden Leute staunten darüber, dass Munshi seine Hand heben und sprechen konnte. Munshi brachte mich direkt vom Flughafen zum Bhâratîya Vidyâ Bhavan. Die Weltkonferenz der Sathya Sai Organisationen sollte dort stattfinden. Eine große Zahl von Devotees und viel Öffentlichkeit hatten sich dort versammelt. Munshi sprach ohne irgendeine Schwierigkeit zu der Versammlung. Er verkündete: „Der unsichtbare Herr steht unmittelbar vor uns und spricht heute zu uns.“ Er äußerte die kleine Bitte, ich möge drei Tage lang in seinem Haus wohnen. Seine Bitte erfüllend, wohnte ich drei Tage in seinem Haus. Jene drei Tage vergingen für ihn wie drei Sekunden. Er war sehr glücklich.

Nach meiner Rückkehr von der Ostafrikatour versuchte ich, den Menschen hier die intensive Liebe und Hingabe der Afrikaner und der dort lebenden wilden Tiere zu schildern. Wenn die Tiere diese intensive Liebe entwickeln konnten, warum nicht auch die Menschen? Die Tiere besitzen weder Weisheit (prajnâna) noch Unterscheidungsvermögen (vijnâna) oder Erkenntnis (sujnâna). Aber in den Menschen, die diese edlen Eigenschaften besitzen und viele Texte lesen, ist keine Spur von Liebe! Deshalb, ihr Menschen, wünsche ich, dass ihr alle ein Leben in gegenseitiger Liebe führt. „Liebt alle, dient allen.“ Das ist mein Aufruf an euch. Mit Liebe könnt ihr alles erreichen. Liebe ist alles. Liebe ist Leben, Leben ist Liebe.

Das Leben ist mit Liebe, nicht mit Hass, verbunden. Wo immer ihr heute hinschaut, ist Hass, Hass, Hass! Das ist kein gutes Zeichen. Da ihr als Menschen geboren wurdet, ist es nicht richtig, tierische Eigenschaften zu besitzen und die menschlichen Eigenschaften in den Wind zu schlagen. Tiere scheinen in der Hinsicht manchmal besser als Menschen zu sein. Die Tiere scheinen menschliche Eigenschaften zu besitzen. Die Tiere verwandeln sich heutzutage in Menschen und die Menschen entarten zu Tieren. Das ist nicht richtig. Die Menschen sollten das Leben von Menschen führen. Sie sollten ihre menschlichen Eigenschaften stärken.

Der Redner, der vor kurzem sprach, ist Afrikaner. Er befasst sich mit der Verbreitung menschlicher Werte. Die Welt ist voll solcher Leute. Aber Menschen, die die menschlichen Werte in sich aufgenommen haben, sind sehr selten. Tatsächlich wissen manche Menschen nicht einmal, wie man höflich spricht. Selbst wenn man sie liebevoll fragt: „Mein Herr, woher kommen Sie?“, werden sie schnippisch antworten: „Ich kam von irgendwoher.“ Was immer sie sagen, ist unhöflich und barsch. Das ist nicht richtig. Ein Mensch sollte liebevoll und sanft sprechen. Die Worte müssen von Liebe erfüllt sein. Nur dann werdet ihr Frieden erfahren. Wenn euer Verhalten und eure Worte schlecht sind, wie könnt ihr erwarten, dass in eurem Herzen Friede herrscht? Friede befindet sich nicht in der äußeren Welt, sondern in eurem eigenen Herzen. Im Außen ist nur Zerstückelung (pieces), aber kein Friede (peace). Ihr sagt: „Ich will Frieden.“ Lasst euer Verhalten gut und höflich sein. Dann wird Friede aus euch strömen.

Woher erhaltet ihr Wahrheit? Aus den Büchern, die ihr lest? Nein! Wahrheit ist in euch. Wahrheit, Rechtschaffenheit, Friede, Liebe und Gewaltlosigkeit sind die angeborenen Eigenschaften eines Menschen. Liebe ist Gottes Form! Nur mit Liebe von unserer Seite aus können wir Gottes Liebe erfahren. Liebe und Frieden sind für einen Menschen die wichtigsten Eigenschaften. Ein Millionär mag verschiedene Residenzen errichten, zahlreiche Autos kaufen und viele Annehmlichkeiten haben. Aber wem ihr auch begegnet, sie geben zu, dass sie keinen Frieden haben. Was nützen all dieser Reichtum, dieser Luxus und diese Annehmlichkeiten, wenn im Inneren kein Friede ist?

Heutzutage wächst im ganzen Land die Nachfrage nach Besitz von Grund und Boden. Wie viel Land braucht ein Mensch? Nur sechs Fuß, nicht mehr! Ein reicher Landbesitzer machte sich auf die Suche nach Land. Er wollte ein zusätzliches Stück Land erwerben. Jemand, der von seinen Bemühungen erfuhr, kam zu ihm und sagte: „Mein Herr, gehen Sie in die Himalayaregion, wo reichlich Land kostenlos zur Verfügung steht.“ Dieser Mann reiste in den Himalaja und nahm Kontakt mit dem König jener Region auf. Der König sagte zu ihm: „Ich verspreche, dir alles Land zu geben, über das du schreitest, wenn du von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang läufst.“ Der Landbesitzer freute sich sehr. Am nächsten Morgen begab er sich begeistert auf seine Expedition. Tatsächlich begann er voller Gier loszurennen, um mehr Land zu erhalten. So rannte er ununterbrochen von morgens bis abends. Es war Sonnenuntergang. Er war sehr müde und schwach. Dennoch gab er seine Gier nicht auf. Gerade als er sechs Fuß von seinem gesteckten Ziel entfernt war, wurde er ohnmächtig und fiel hin. Der König kam zu dieser Stelle, sah seinen Zustand und bemerkte: „Oh je! Alles, was dieser Mann jetzt braucht, sind nur sechs Fuß Land!“ Tatsächlich braucht jeder Mensch nur so viel Land.

König Alexander eroberte viele Länder und marschierte schließlich in Bhârat ein. Als er einen Fluss überquerte, erlitt er einen Herzanfall. Die Ärzte, die ihn untersuchten, bestätigten, dass sein Ende herannahe und keine Arzneien etwas nutzen würden. Da klagte König Alexander: „Ich bin der König eines so weiten Reiches, habe Gold in Hülle und Fülle erworben und eine große Armee an meiner Seite. Gibt es niemanden, der mich vor den Klauen des Todes erretten kann?“ Sogleich rief er seine Minister herbei und wies sie an: „O ihr Minister, bringt meinen Leichnam nach meinem Tod in mein Heimatland. Hüllt ihn in ein weißes Tuch, haltet meine Hände hoch und tragt den Leichnam durch jede Straße.“ Gemäß dem Wunsch des Königs wurde sein Leichnam in einer Prozession durch die Straßen getragen. Die Leute wunderten sich über dieses eigenartige Geschehen und fragten: „Warum tragt ihr den Leichnam des Königs mit erhobenen Händen durch die Straßen?“ Die Minister erwiderten: „Alexander der Große, der so großen Reichtum besaß, verließ diese Welt mit leeren Händen. Dem letzten Wunsch des Königs entsprechend und um den Menschen diese Tatsache bewusst zu machen, wird sein Leichnam so durch die Straßen getragen.“

Nicht nur Alexander, jeder Mensch muss diese Welt schließlich mit leeren Händen verlassen. Man mag ein großes Königreich erobern, eine große Armee hinter sich haben und zahlreiche Freunde und Verwandte haben; doch nichts davon wird einen auf der eigenen letzten Reise begleiten.

Etliche Könige und große Seelen verbreiteten in jenen Tagen diese Wahrheit und mahnten die Leute, ihre Bindung an den Körper aufzugeben. Leider lest ihr nicht die Geschichten solch großer Menschen. Was ihr derzeit lernt, ist nicht Geschichte, History, sondern Hysterie. Niemand liest Geschichte. Was ist Geschichte im wahren Sinn? His Story, Seine (Gottes) Geschichte, ist History! Der Mensch bemüht sich heutzutage um höhere Bildung. Er studiert Wissenschaft und Technologie. Aber die heutige Technologie ist bloße Tricknologie. Was ihr lest, bleibt euch vielleicht nicht im Gedächtnis hängen. Nur was ihr tatsächlich in die Praxis umgesetzt habt, ist von Dauer. Es genügt, wenn ihr wenigstens einen Aspekt von dem, was ihr gelesen habt, in die Tat umsetzt. Das wird euch in jeder Hinsicht helfen.

Verkörperungen der Liebe! Liebe Schüler und Studenten!

Ihr könnt nach jeder erdenklichen Bildung trachten, aber vergesst die menschlichen Werte nicht. Wahrheit, rechtes Handeln, Friede, Liebe und Gewaltlosigkeit sind die fünf menschlichen Werte, die ein Mensch hegen und pflegen sollte. Lernt diese fünf menschlichen Werte und setzt sie in die Tat um. Dann wird euer Leben sanft verlaufen. Das will ich euch heute als wichtige Botschaft mitgeben. Wahrheit ist ewig. Nur wenn ihr dieser ewigen Wahrheit folgt, wird euer Name auf immer in den Annalen der Geschichte verbleiben. Ewige Wahrheit wird euch ewigen Frieden bringen. Wenn ihr euch schlechten Eigenschaften wie Zorn, Eifersucht, Neid, Arroganz usw. ergebt, wird euer ganzes Leben durch Ruhelosigkeit und Aufregung elend werden.

Übersetzung der vom Aschram herausgegebenen, gedruckten englischen Fassung der Ansprache. S. B., Prashanti Nilayam

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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