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 Ansprache Sathya Sai Babas am 23.02.2006


Verkörperungen der Liebe!

Meinen Segen an euch alle. Ich bin glücklich darüber, dass ihr alle von der Grundschule bis zur 12. Klasse hier studiert habt, gute Noten bekommen und euch einen guten Ruf verdient habt. Zweifellos habt ihr euch alle in der Grundschulzeit gut verhalten und einen guten Charakter an den Tag gelegt. Aber ihr könnt euch selber den Wandel ausmalen, der über euch gekommen ist, nachdem ihr die Grundschule verlassen habt. Solange ihr in der Grundschule wart, habt ihr viele gute Eigenschaften wie Liebe, Mitgefühl, Freundlichkeit und Freude entwickelt. Ihr habt alle wie Brüder in gegenseitiger Liebe und Zuneigung zusammengelebt. Eure Worte, euer Spiel, eure Lieder waren alle voller Süße. Aber sobald ihr in die Oberstufe (Higher Secondary School) gekommen seid, nahm die Reinheit eurer Gedanken, Worte und Taten ab. Ich behaupte nicht, dass alle Jungen so sind. Es sind nur ein paar Jungen, die falsche Wege einschlugen und ihren Geist verdorben haben. Ihr könnt selber urteilen, wie rein euer Geist ist.

Menschsein besteht aus fünf Komponenten – dem grobstofflichen Körper, dem Geist, dem Intellekt, dem Bewusstsein und den Sinnen. Wenn ein Mensch Befreiung erlangen will, muss er zuerst seinen Geist reinigen. Nach dem zu verlangen, was einem nicht gehört, ist ein ernst zu nehmender Fehler. Wann immer der Geist sich etwas wünscht, sollte man erst fragen, ob das jeweilige Objekt einem selber oder jemand anderem gehört. Wenn ihr sicher wisst, dass es jemand anderem gehört, müsst ihr dafür sorgen, euren Geist von dem Objekt abzuwenden. Der Geist muss absolut rein und heilig gehalten werden. Man sollte den Geist nicht mit den Unreinheiten des Konflikts und der Aufregung verunreinigen. Diese Weisheit (jnâna) müsst ihr schon in diesen jungen Jahren entwickeln. Leider verderbt ihr alle heutzutage euer Leben, indem ihr euch alle möglichen Dinge wünscht. Das alles ist Verrücktheit und Selbsttäuschung. Was immer ihr tut, ihr müsst es mit dem Empfinden der Hingabe und Ergebenheit an Gott tun. Jede Arbeit, die ihr verrichtet, muss in diesem Geist getan werden. Verrichtet alle Werke, um Gott zu erfreuen.

Das, was ihr für euer haltet, gehört in Wirklichkeit nicht euch. Erforscht als Erstes euch selbst: „Wer bin ich?“ Das gesamte Universum, vom Mikro- bis zum Makrokosmos, ist vom Göttlichen durchdrungen. Zucker, Sand, Ameise, Moskito oder Elefant – alle sind Verkörperungen des Göttlichen. Gott nimmt all diese Formen wie verschiedene Rollen in einem Schauspiel an. Es gibt nichts in diesem Universum, das nicht von Gott durchdrungen wäre. Alles in diesem Universum ist Gott. Die gesamte Schöpfung ist eine Verkörperung des Göttlichen. Tatsächlich nimmt er alle Rollen in diesem kosmischen Stück an. Alle Dialoge und Lieder sind seine allein, obwohl die Rollen, die er annimmt, verschieden zu sein scheinen. Was immer wir tun, sehen und sagen – alles ist Gott. Diese Wahrheit muss man erkennen und sich entsprechend verhalten.

Leider schlagen heutzutage manche Leute, als Auswirkung schlechter Eigenschaften, schlechter Gewohnheiten, schlechter Gedanken und durch das Betrachten von schlechten Dingen, falsche Wege ein. Wem auch immer ihr begegnet, behandelt ihn als Verkörperung des Göttlichen. Was immer ihr sagt, muss Göttlichkeit widerspiegeln. Wenn ihr euch so verhaltet, ist das selbst bereits Befreiung, Mukti. Man muss seine fünf Sinne reinigen. Man sollte sich so verhalten, dass man weder andere verletzt noch selber verletzt wird. Die Worte, die ihr verwendet, müssen heilig sein. Ihr solltet nicht nach dem Eigentum anderer trachten oder ein Verlangen danach entwickeln. Man muss Glauben an die Einheit des Göttlichen kultivieren. Alles ist göttlich. Leider sind einige Jungen nicht in der Lage, diese universale Sichtweise zu entwickeln. Sie ergehen sich im Gefühl des Getrenntseins. Sie trennen die Menschen in „mein“ und „dein“. Indiens alte Geschichte ist voller Beispiele für die negativen Auswirkungen solch trennender Tendenzen.

Ihr kennt alle die Geschichte der Kauravas und Pândavas im großen Epos Mahabharata. Die Kauravas waren die Söhne Dhritarâshtras und hundert an der Zahl. Die Pândavas waren fünf. Sie waren die Söhne Pândus, des jüngeren Bruders von König Dhritarâshtra. Zwischen den Kauravas und Pândavas entflammte ein heftiger Kampf. Aber wer war in diesem Kampf der Schuldige? Dhritarâshtra und Pându waren die Söhne desselben Vaters. Sie waren Brüder. Ihr Königreich war geeint, aber ihre Gedanken und Bestrebungen waren verschieden. Ein heimtückischer Wunsch von Seiten der Kauravas, sich das gesamte Königreich einzuverleiben, führte zu bösen Gedanken und trennenden Tendenzen. Genauso gab es im Ramayana zwei Brüder, Vali und Sugrîva. Auch sie waren Brüder, die demselben Vater geboren wurden. Aber ein paar unglückselige, selbstsüchtige Interessen ihrerseits führten zu einem heftigen Kampf zwischen den Brüdern. Während Vali, der tapfere König, in der Stadt Kishkindha königliche Bequemlichkeiten genoss, musste sein junger Bruder Sugrîva in den Hügeln und Wäldern hausen.

Es bringt nichts, monate- und jahrelang Mantren und Gottesnamen zu wiederholen und Askese durchzuführen, wenn man die trennenden Einstellungen nicht aufgibt. Eine solche Askese (tapas) verwandelt sich in reine Trägheit und Unwissenheit (tamas). Manche Leute geben aus Frustration und Verzweiflung ihre spirituelle Disziplin mittendrin auf. Sie denken, obwohl sie viele Jahre lang Mantren wiederholten, sei Gott nicht gnädig genug, sich ihnen zu offenbaren. Wenn ihr Gott schauen wollt, müsst ihr als Erstes ein Empfinden der Einheit mit Gott entwickeln. Tatsächlich ist euer eigener Geist eine Verkörperung des Göttlichen. Die Leute fragen oft: „Wo ist Gott?“ „Wer ist Gott?“ usw. Ich würde antworten: „Dein Geist (mind) ist Gott.“ Es heißt: Der Geist ist die Ursache sowohl für Bindung als auch Befreiung des Menschen. Bindung und Befreiung erfolgen allein aufgrund des Geistes. Demzufolge ist der Geist Gott. Entsprechend ist der Intellekt, ebenso wie das Bewusstsein (citta), Gott. Man kann oft erleben, dass die Leute eine Person mit scharfem Intellekt als Intellektuellen preisen. Aber Gott allein ist der wahre Intellektuelle. Wir müssen unser Bewusstsein (citta) Gott weihen. Einst sang ein großer Devotee: „O Gott! Lass mich dich mit reinem Bewusstsein anbeten!“ Ihr solltet deshalb alle mit reinem Bewusstsein zu Gott beten.

So wie Geist, Intellekt und Bewusstsein Verkörperungen des Göttlichen sind, ebenso sind es die Sinne. Deshalb sollte man seine Sinne nicht mit den sechs inneren Feinden (arishadvarga, nämlich Verlangen, Zorn, Gier, Täuschung, Stolz und Eifersucht) verunreinigen. Kâma bedeutet Wünsche. Ihr könnt eure Wünsche auf Gott richten und beten, dass ihr nur Gott und nichts anderes wollt. Liebt Gott allein. Nur eine solche Liebe ist geheiligt. Menschen um ihres Namens und ihrer Gestalt willen zu lieben, kann nicht wahre Liebe genannt werden. Das ist nur weltliche Liebe. Wenn ihr Gott liebt, wird euch alles andere hinzu gegeben werden. All eure Wünsche müssen auf Gott ausgerichtet sein. Jeder eurer Wünsche sollte darauf ausgerichtet sein, Gott zu erfreuen. Wenn ihr jemanden liebt, dann behandelt ihn nicht als gewöhnlichen Sterblichen. Ihr müsst stattdessen fähig sein, Göttlichkeit in ihm zu schauen.

In diesem Universum gibt es keine anderen Objekte als die fünf Elemente (pancabhûta: Erde, Feuer, Wasser, Luft und Äther). Wie sehr ihr auch versuchen und forschen mögt, ihr werdet kein sechstes Element finden. Zum Beispiel besteht diese Hand aus fünf Fingern. Es gibt keinen sechsten Finger. Falls jemand einen sechsten Finger hat, wird er zum Arzt gebracht, der ihn operativ entfernt. Entsprechend besitzen wir alle fünf Sinne. Was ist Befreiung, Mukti? Befreiung ist Kontrolle der Sinne. Bevor man nicht seine Sinne kontrolliert, ist Befreiung nicht möglich. Zu glauben, Gott befände sich irgendwo an einem fernen Ort, ist töricht. Wer ist, streng genommen, Gott? Die fünf Elemente sind Verkörperungen des Göttlichen.

Es sind nur die Sinne, die uns Gutes oder Böses bringen. Deshalb sollte Sinneskontrolle unsere höchste Priorität sein. Ihr gebt oft dem Gefühl eurer Unfähigkeit Ausdruck und denkt: „Swami! Sind wir dazu fähig?“ Ich betone nachdrücklich, dass es möglich ist, vorausgesetzt, ihr bemüht euch fest entschlossen. Wenn es euch gelingt, Gott zu erfreuen und seine Gnade zu erhalten, ist Sinneskontrolle keine große Aufgabe für euch. Die Sinne sind sehr gewöhnliche Dinge. Ehe ihr nicht fähig seid, die Sinne zu beherrschen, verdient ihr es nicht, Mensch genannt zu werden. Es heißt: Die Geburt als Mensch ist die kostbarste aller Lebensformen. Als Mensch geboren zu werden, ist eine kostbare Gabe Gottes. Wenn man dieses seltene Geschenk erhalten hat, sollte man danach streben, Sinneskontrolle zu erlangen. Wenn ihr den Wünschen auch nur eines dieser fünf Sinne nachgebt, werdet ihr auf die Ebene eines Tieres herabsinken. Es heißt: Gott nimmt menschliche Gestalt an. Wenn ihr dieses kostbare, heilige menschliche Leben erlangt habt, wie töricht ist es dann, zu behaupten, ihr könntet eure Sinne nicht beherrschen! Wer sich den Wünschen der Sinne ergibt, ist wahrhaft ein Dämon (râkshasa)! Tatsächlich ist so jemand schlimmer als ein Dämon. Man muss sich zu einem edlen Menschen entwickeln. Ihr hegt vielleicht eine Vorliebe für eure Frau und Kinder. Aber ihr dürft andere deswegen nicht gering schätzen. Ihr solltet nicht das Gefühl hegen, soundso gehört mir und die anderen sind anders. Alle sind Verkörperungen des Göttlichen! Alle sind Gottes Kinder. Zwischen den Menschen dieser Welt existiert eine so innige Verbindung. Auf welches Objekt ihr in dieser Welt auch trefft, es gehört Gott allein. Es gehört keiner bestimmten Einzelperson. Jedem Ding, jedem Wesen, wohnt das Göttliche inne. Das Göttliche ist in jedem Sandkorn und in jedem Zuckerkrümel gegenwärtig. Es heißt: Das gesamte Universum ist die Verkörperung des Gottes Vishnu. Das gesamte Universum bildet eine Familie. Deshalb muss man diese universale Liebe entwickeln. Das ist wahre atmische Liebe. Nur wenn ihr diese Liebe kultiviert, verdient ihr es, Mensch genannt zu werden. Nur dann könnt ihr das Wesen des Atman (âtmatattva) schauen. Wenn ihr ohne Liebe seid und weiterhin schlechte Eigenschaften wie Zorn, Hass, Eifersucht und Unterschiede untereinander kultiviert, werdet ihr schlimmer als Tiere sein. Raubtiere und Tiere kämpfen miteinander. Wenn auch ihr wie sie kämpft, welcher Unterschied besteht dann zwischen euch und den Tieren? In Wirklichkeit sind Zorn und Hass nicht die Eigenschaften eines Menschen. Das Empfinden von Verschiedenheit entsteht dann in den Menschen, wenn der Mensch sich als von Gott verschieden betrachtet. Wo das Gefühl der Verschiedenheit aufkommt, erhebt der Hass sein Haupt. Welchen Tätigkeiten ihr auch nachgeht, ihr müsst sie im Geist der Hingabe an Gott tun. Wir preisen den Gott Shiva mit den Worten: Hiranyagarbhaya namaha…(Ich verneige mich vor Hiranyagarbha, dem goldenen Keim, aus dem die Schöpfung hervorgeht). Er ist die Verkörperung von Gold. In diesem Kontext bedeutet Gold Unveränderlichkeit. Ihr seid alle Goldkinder. Aber ihr vergesst eure wahre Natur und verbindet euch mit Staub und Rost. Deshalb müssen gelegentlich große Seelen in dieser Welt inkarnieren, um euch zu reinigen und euch eure innewohnende Göttlichkeit erkennen zu lassen. Wenn eine große Seele jedoch diese Mission auf sich nimmt, zweifeln manche Leute ihre Bemühung an und sagen: „Das ist alles Torheit. Kann die Erde zu Gold werden? Kann aus Sand Zucker werden?“ Der moderne Mensch ist voller Zweifel! Was könnte die Ursache dieser Zweifel sein? Zweifel entstehen nur dann, wenn man glaubt, man sei von Gott getrennt.

Es ist wohl bekannt, dass ein bis zum Rand gefülltes Gefäß stabil ist. Ähnlich ist Gott allwissend und deshalb immer stetig. Viele Menschen, die hierher kommen, haben eine Reihe von Erfahrungen. (Swami rief einen Studenten nach vorne). Ich kenne die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines jeden, unabhängig von Schicht, Religion und Geburtsort. Manche Leute, die hierher kommen, denken vielleicht: „Möglicherweise weiß Swami nicht, wer ich bin.“ Aber es gibt nichts, was ich nicht weiß. Obwohl ich alles weiß, tue ich so, als wüsste ich es nicht.“ (Swami zeigt auf einen Studenten). Die Eltern, Brüder und Schwestern dieses Jungen besuchten vor einiger Zeit Prashanti Nilayam. Ich rief sie alle zum Interview und versprach dem Vater: „Mein Lieber, die Mutter dieser Jungen wird wohl nicht mehr lange leben. Tatsächlich stirbt sie vielleicht, noch ehe ihr euer Dorf erreicht. Sorge dich nicht. Ich werde die Verantwortung für all deine Kinder übernehmen.“ Die Kinder begannen zu weinen. Ich sagte zu ihnen: „Weint nicht. Warum sich fürchten, wenn ich da bin? Ich werde mich um alles kümmern.“ Von diesem Tag an habe ich mich, wie versprochen, um ihr Wohlergehen gekümmert. Die Mädchen sind alle verheiratet. Alle Kinder sind mit dem Nötigen versorgt worden. Keines von ihnen erlebte irgendeine Schwierigkeit. Einer der Jungen in unserer Musikkapelle ist der jüngste der Brüder. Als er vor einiger Zeit mit seinen Eltern hierher kam, war er sehr klein. Ich rief ihn zu mir und sagte: „Mein Lieber, du brauchst dich um nichts zu sorgen. Ich bin dein Vater, deine Mutter und alles. Ich werde mich in jeder Hinsicht um dich kümmern.“ Wann immer er hierher kam, rief ich ihn, sprach mit ihm und flößte ihm ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens ein. Jetzt leben alle Mitglieder der Familie glücklich. Dieser Junge war damals sehr klein. Jetzt ist er herangewachsen. So habe ich über alle und jeden meine Liebe und Gnade ausgeschüttet, ob ich speziell zu ihnen spreche oder nicht. Was ist mein Eigentum? Liebe, Liebe, Liebe! Ich bin nie auf irgendjemanden wütend. Nur um einen in die Irre gehenden Menschen zu korrigieren, tue ich, als sei ich zornig. Aber ich bin auf niemanden zornig. Mein ganzer Körper ist von reiner Liebe erfüllt. Es heißt: Gott wohnt allen Wesen inne. Wer ist Ishvara (Shiva)? Ishvara ist nicht nur der, der mit Rudrakshaketten an den Armen und Schlangen um den Nacken dargestellt wird. Das ist nur eine Form, geschaffen für den gewöhnlichen Menschen, damit er die Göttlichkeit in gewissem Maß begreifen kann. Die verschiedenen Namen wie Ishvara, Vishnu, Parvati, Lakshmi usw. wurden geschaffen, um es dem gewöhnlichen Menschen zu ermöglichen, Gott in der einen oder anderen Form zu verehren. Tatsächlich ist jeder Mensch eine Verkörperung Ishvaras. Es gibt nichts in dieser Welt, das nicht von Ishvara durchdrungen wäre. Die Erde ist Ishvara. Dieses Taschentuch ist ebenfalls eine Verkörperung Ishvaras. Alle Namen und Formen sind aus dem Shivaprinzip (îshvaratattva) hervorgegangen.

Tatsächlich kann nur derjenige die Göttlichkeit verstehen, der Kontrolle über die fünf Sinne erlangt hat. Göttlichkeit beschränkt sich nicht auf einen Namen und eine Form. Die Leute behaupten, sie hätten eine Vision von Rama, Krishna usw. gehabt, aber das ist nur eine Einbildung! Es gibt nur das eine Göttliche, und das wurde Ishvara genannt. In ihrer Unfähigkeit, das Göttliche zu erfassen, schreiben die Leute ihr verschiedene Namen und Formen zu und werden getäuscht. Heutzutage sind es die Devotees, die die von ihnen gewählten Gottheiten häufig wechseln. Aber Gott ändert sich nicht. Er ist einer allein. Er ist ewig. Wahre spirituelle Disziplin besteht darin, Kontrolle über die fünf Sinne zu erlangen. Diese Art spiritueller Disziplin muss man durchführen, statt sich mit Japa (Wiederholung von Mantren oder Gottesnamen mithilfe einer Gebetskette) und Dhyâna (Meditation) zu beschäftigen. Selbst wenn ihr mit Japa und Dhyâna befasst seid und eure Augen schließt, wird euer „Affengeist“ (monkeymind) in allen drei Welten umherschwirren. Die Leute erkennen diese Wahrheit nicht und führen verschiedene Arten spiritueller Übungen durch. In dieser Welt gibt es nichts als das Göttliche. Wo immer ihr hinschaut, was immer ihr hört, alles ist von Göttlichkeit erfüllt.

Einst führten die Pândavas das Râjasûya-Opferritual durch. Zum Abschluss des Rituals wurde Shrî Krishna von den Pândavas in Anwesenheit aller Könige am Hof geehrt. Shishupâla konnte diese Shrî Krishna gewährte Ehre nicht dulden. Er verspottete Krishna auf vielerlei Weise und kritisierte ihn für verschiedene begangene und nicht begangene Dinge. Einer seiner Kritikpunkte bestand darin, dass Krishna die Saris der Frauen stahl, die in einem See badeten. Die Pândavas konnten diese über ihren geliebten Krishna gehäuften Anschuldigungen nicht ertragen. Sie fühlten sich gedemütigt. Krishna versuchte daraufhin, ihnen zu erklären: „Er tat es aus Unwissenheit. Ich bin jenseits von Lob oder Verachtung. Ich bin der ewige Zeuge von allem, was in der Welt geschieht. Ihr solltet jedoch nicht auf diese Kritik reagieren und ihm mit derselben Münze heimzahlen. Lasst euch niemals auf eine tiefe Bindung mit jemandem ein. Wenn ihr ein solches Leben der Loslösung führt, werde ich bei euch sein und euch ständig beschützen und führen.“

Das Göttliche ermuntert nie Differenzen zwischen den Menschen. Gott ist Liebe und Liebe ist Gott. In dieser Halle haben sich mehrere tausend Leute versammelt. Aber die Liebe, die jeden Einzelnen erfüllt, ist eine allein. Namen und Formen der Menschen und ihre Beziehungen untereinander mögen verschieden sein, aber die Göttlichkeit, die alle Menschen durchdringt, ist ein und dieselbe. Deshalb sollten alle ein von Liebe erfülltes Leben gleich Brüdern und Schwestern führen. In Bildungseinrichtungen, in denen das System der gemeinsamen Erziehung Mode ist, sollten die Jungen und Mädchen wie Brüder und Schwestern zusammen sein. Nirgendwo sollte ein Unterschied auf geschlechtlicher Basis aufkommen. Wenn die Kinder in die Oberschule kommen, entstehen diese Unterschiede. Wer solche Unterschiede hegt, wird sicher in der Prüfung durchfallen, nämlich in der Prüfung der reinen Liebe. Es ist nichts Besonderes, weltliche Prüfungen zu bestehen. Jeder kann sie bestehen, sofern er sich etwas bemüht. Es nützt nichts, eine weltliche Prüfung zu bestehen und zugleich in der reinen, makellosen Liebe zum Mitmenschen zu versagen, der niemand anderer als Gott ist. Wer die Prüfung in göttlicher Liebe bestanden hat, ist der erfolgreichste Mensch im Leben.

Alle sind Gottes Kinder. Alle sind Widerspiegelungen von Hiranyagarbha, der sich im menschlichen Körper befindet. Deshalb sollten von jetzt an alle in gegenseitiger Liebe und Zuwendung wie Brüder und Schwestern leben. Nur dann verdient ihr es, vorbildliche Studenten genannt zu werden. Aber ich entdecke in den heutigen Studenten nicht dieses Gefühl der Verwandtschaft. Stattdessen kultivieren sie Unterschiede wie „Ich bin anders“ und „du bist anders.“ Kultiviert unter keinen Umständen Zorn und Hass. Zorn sollte kontrolliert und Hass aufgegeben werden. Eure Sicherheit und euer Wohlergehen bestehen darin, Zorn zu beherrschen. Jeder weiß, dass die Züge entgleisen, wenn die Kontrolleinrichtungen am Bahnhof nicht richtig funktionieren. In dieser Situation wird der Aufsichtsbeamte am Bahnhof verantwortlich gemacht. Genauso ist der Geist (mind) der „Aufsichtsbeamte“ für alle Gedanken und Gefühle, die in uns aufkommen. Wenn der Geist beherrscht wird, kommt der ganze Körper unter unsere Herrschaft.

Ihr seid alle die Verkörperungen reinen Goldes. Ihr seid alle Goldkinder. Eure Worte sind lieb. Lasst, in Übereinstimmung mit euren Worten, auch euer Verhalten lieblich sein. Als Studenten der Sri Sathya Sai Bildungseinrichtungen müsst ihr euch, wo immer ihr hingeht, beispielhaft verhalten. Nur weil ihr weiße Kleidung tragt, verdient ihr es nicht, Studenten der Sri Sathya Sai Bildungseinrichtungen genannt zu werden. Haltet, in Übereinstimmung mit eurer weißen Kleidung, euren Geist rein und euer Herz heilig. Nur dann werdet ihr vorbildliche Studenten werden. Swami wird immer bei solchen Studenten sein, sie schützen und führen. Ich werde ihnen alles geben. Tatsächlich schütze ich viele Menschen auf vielerlei Weise; aber niemand hat bisher diese Tatsache erkannt.

Euer eigener Atman ist Göttlichkeit. Das ist Ishvara. Entwickelt festen Glauben an dieses Gefühl. Wie könnt ihr Mensch genannt werden, ohne diesen Glauben zu entwickeln? Liebe ist Gott; lebt in Liebe. Eure Liebe sollte nicht auf einen Einzelnen oder ein paar Familienmitglieder begrenzt sein. Ihr müsst sie mit allen teilen. Wenn ihr diese Weitsicht entwickelt, könnt ihr ein Führer werden und anderen ein Beispiel sein. (Als Swami die Studenten fragte, ob sie Swamis Worten glauben würden, antworteten sie alle einstimmig mit lauter Stimme: „Ja, Swami“). Es genügt nicht, nur mit den Lippen ja zu sagen. Die Überzeugung muss aus der Tiefe eures Herzens kommen. Ihr macht einen Fehler und sagt: „Es tut mir leid“. Aber das genügt nicht. Ihr solltet denselben Fehler nicht wiederholen. Wahrheit ist der Lebensatem des Menschen. Wahrheit ist Gott. Sprecht keine Unwahrheit. Wenn ihr in eurem Leben beständig der Wahrheit folgt, könnt ihr alles erreichen. Wahrheit gleicht einem Schutzschild, das euch beschützen wird. Wahrheit ist eure Stütze. Wenn ihr diese edle Eigenschaft der Wahrheit aufgebt und die Unwahrheit sprecht, wie könnt ihr dann Mensch genannt werden? Ihr solltet in eurem Leben niemals der Falschheit Raum geben. Gott ist der einzige Leiter des gesamten Universums. Gott ist der einzige Führer und Richter. Gott allein kann über Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit entscheiden. Ihr solltet diesen allgegenwärtigen, allmächtigen und allwissenden Gott nicht vergessen. Haltet nicht an Unterschieden wie mein und dein fest. Entwickelt Gleichmut. Mögen alle Menschen glücklich zusammenleben und sich und dem Land einen guten Ruf bringen. (Bhagavan materialisierte einen goldenen Ring mit grünem Stein und schenkte ihn dem Studenten, der vor ihm stand.) Jeder sollte so Gottes Gnade verdienen. Die grüne Farbe ist ein Zeichen von Frieden und Wohlergehen. Ich wünsche, dass ihr alle diesen Frieden, dieses Wohlergehen, diese Liebe, diese Hingabe und Gottes Gnade verdient. Nur wenn ihr die schlechten Eigenschaften aus euch vertreibt, werdet ihr fähig sein, in der göttlichen Gegenwart zu leben. Möget ihr die fünf Elemente auf rechte Weise nutzen. Möget ihr eure fünf Sinne kontrollieren. Dann wird Gott immer mit euch sein und euch schützen und führen. Göttlichkeit kann nicht erlangt werden, indem man bloß Gebete darbringt und Bhajans singt. Gemeinsam mit diesen spirituellen Praktiken müsst ihr ein reines Herz entwickeln und es Gott darbringen. Lasst, wo immer ihr seid und welche Arbeit ihr auch durchführt, Geist (mind), Intellekt und Bewusstsein (citta) ständig mit Gott verbunden sein. Dann werden euer Geist, Intellekt und Bewusstsein in das Göttliche transformiert werden. Wenn Gott sich in Gestalt der fünf Elemente unmittelbar vor euch befindet, wo liegt dann die Notwendigkeit, gesondert nach ihm zu suchen? Für eine solche Einstellung besteht kein Raum! Zu glauben, Gott sei von den fünf Elementen getrennt, ist ein großer Fehler. Betrachtet Gott als euer Ein und Alles, eure einzige Zuflucht und weiht ihm eure Sinne. Das ist eine einfache Methode, um Gott zu erreichen. Wenn ihr einem so leichten Weg folgt, werdet ihr die Befreiung, Moksha, erreichen. Was ist Moksha letztlich? Moha kshaya, das Auflösen der Täuschung, ist Moksha. Es nützt nichts, „Ram, Ram, Ram“ zu rezitieren, wenn euer Geist voller Täuschung ist. Welche Arbeit ihr auch durchführt, tut sie mit der Einstellung, Gott zu erfreuen. Wem immer ihr begegnet, betrachtet denjenigen als die Verkörperung Gottes. Sogar der Bettler, der vor eurer Tür steht, ist eine Verkörperung Gottes. Aus der Sichtweise des Körpers mag er ein Bettler sein. Aber aus atmischer Sicht ist er wahrhaft eine Verkörperung des Göttlichen. Ob jemand ein König oder Kaiser oder Bettler ist, dieselbe Göttlichkeit durchdringt jeden Einzelnen. Möget ihr euer Leben dem Ziel weihen, Gottes Liebe und Gnade zu gewinnen. Führt jede Tätigkeit als Opfergabe an Gott durch. Ihr könnt sogar eure Studienbücher in dieser Haltung der Hingabe an Gott lesen. Ihr werdet sicherlich eure Prüfungen mit der Note eins bestehen. Ich bin glücklich darüber, dass ihr alle gute Jungen seid. Aber, dies zur Warnung, ihr müsst in der Oberstufe dasselbe gute Verhalten an den Tag legen wie in der Grundschule.

Lasst mich euch daran erinnern, dass die Lehrer der Oberstufe nicht zögern werden, wann immer es nötig ist, euch zu bestrafen, wenn ihr falsche Wege einschlagt. Sie haben gegen niemanden etwas, aber es ist ihre Pflicht, euch auf den rechten Weg zu bringen. Wenn ein Lehrer diese Verantwortung scheut und euer schlechtes Verhalten übersieht oder verzeiht, ohne euch zu bestrafen, ist er ein blinder Lehrer. Er kann nicht Lehrer (Guru) im eigentlichen Sinne genannt werden. Die Rolle des Schulleiters ist ebenfalls wichtig. Tatsächlich ist er das Haupt (vom englischen Wort head-master) aller Lehrer. Deshalb sollte er die Arbeit aller Lehrer überwachen.

Bildung besteht nicht bloß im Lesen von Büchern. Durch das Erlangen eines akademischen Abschlusses wird man nicht groß. In Wirklichkeit sind nicht Abschlüsse groß, sondern Gott ist groß. Entwickelt deshalb dieses göttliche Wesen. Nur dann wird euer Leben geheiligt werden und eure Bildung bedeutungsvoll. Auch eure Eltern werden glücklich sein. Euch ist vielleicht bewusst, dass eure Eltern euch mit großen Hoffnungen in die Sri Sathya Sai Bildungseinrichtungen eingeschrieben haben. Ihr dürft sie nicht enttäuschen. Ihr müsst das Lob eures Vaters, eurer Mutter, eures Lehrers und Gottes verdienen – das Lob aller vier. Macht euer Leben durch gute Gedanken, gute Empfindungen, gute Gewohnheiten und gute Verhaltensweisen bedeutungsvoll und heilig.

Übersetzung der vom Aschram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Ansprache. S. B., Prashanti Nilayam.

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. ©, Dietzenbach)


    

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