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 Ansprache Sathya Sai Babas am 12.08.2006


Ati Rudra Maha Yajna


Der Körper besteht aus den fünf Elementen
und muss früher oder später vergehen,
aber der innere Bewohner des Körpers wird
weder geboren noch stirbt er.
Der Bewohner ist an nichts gebunden.
Er ist der ewige Zeuge.
In der Tat ist der Bewohner,
dessen Form der Atman ist, Gott selbst.

Der Körper gleicht einem eisernen Tresor, der das kostbare Juwel des Atman und Werte wie Wahrheit, rechtes Handeln (Dharma), Frieden und Liebe in sich birgt. Welchen Wert hat ein eiserner Tresor, wenn keine Juwelen in ihm aufbewahrt werden? Allein die Juwelen geben ihm den Wert. Wahrheit, Satya, ist eines der wichtigsten und kostbarsten Juwelen. Dharma ist ein anderes kostbares Juwel, einem Diamanten gleichend. Frieden ist für jeden Menschen wesentlich. Sogar ein Millionär verkündet, wenn er zu Swami kommt: „Swami, ich besitze alles, habe aber keinen Frieden.“ Ohne Frieden kann es im Leben kein Glück geben. Nur ein Mensch, der sich die Eigenschaften Wahrheit, Dharma, Frieden und Liebe zueigen macht, kann ein Leben der Losgelöstheit und Entsagung führen. Wer ist ein wahrer Entsagender? Derjenige kann als wahrer Entsagender bezeichnet werden, der den Früchten seiner Wünsche und Handlungen entsagt. Darin liegt wahrer Friede. Solange man Wünsche hat, kann man keinen wahren Frieden haben.

Ohne Wahrheit, Dharma, Liebe und Frieden
Ist eure gesamte Bildung wertlos.
Ohne Wahrheit, Dharma, Liebe und Frieden
Ist die Heiligkeit all eurer Taten der
Barmherzigkeit und Güte gleich null.
Ohne Wahrheit, Dharma, Liebe und Frieden
Nützen euch all eure Positionen und Macht nichts.
Ohne Wahrheit, Dharma, Liebe und Frieden
Ist das Ergebnis all eurer guten Taten nichtig.
Diese vier Werte bilden das Fundament
des menschlichen Lebens.

Die wertvollen Juwelen der Wahrheit, des Dharma, des Friedens und der Liebe befinden sich in jedem Menschen. Es ist die Pflicht eines jeden Menschen, diese Juwelen zu hüten. Ohne diese Werte gleicht der Körper einem leeren, wertlosen eisernen Tresor. Was ist Wahrheit? Wahrheit ist das, was sich im Lauf der Zeit nicht ändert und was ewig ist. Jeder weiß um die Wahrheit, dennoch versuchen die Menschen, sich von der Wahrheit fern zu halten. Um Schwierigkeiten zu entgehen, nimmt der Mensch zur Unwahrheit Zuflucht.

Der größte Dharma besteht darin, an der Wahrheit festzuhalten.

Was ist Dharma? Dharma ist wahrhaft das Fundament des Gebäudes des Lebens. Wenn ihr ein mehrstöckiges Gebäude ohne Fundament errichtet, wird es nicht lange halten. Dementsprechend ist Dharma die Grundlage des menschlichen Lebens. Es gibt zwei Arten von Dharma, weltliches (laukika) und spirituelles (âdhyâtmika). Weltliches Dharma unterliegt dem Wandel, spirituelles Dharma hingegen ist ewig. Wenn das Fundament schwach ist, werden die Mauern des Gebäudes nach kurzer Zeit zusammenbrechen. Deshalb ist Dharma der wahre Pfad, dem jeder folgen muss. Selbstlose Liebe, Prema, ist das Dach dieses Gebäudes und Frieden, Shânti, ist das Leben. In einem Haus ohne Dach kann der Mensch nicht leben. Leider scheinen Wahrheit, Dharma, Frieden und Liebe heutzutage völlig verschwunden zu sein. Heutzutage fehlt es sogar einem reichen Menschen an Opfergeist. Das Leben eines solchen Menschen gleicht einem Haus ohne Dach, das der Sonne und dem Regen ausgesetzt ist. Es ist deshalb notwendig, ein ordentliches Dach zu haben.

Es ist die Liebe, die das Leben des Menschen erhält. Vom Zeitpunkt der Geburt an liebt ein Kind seine Mutter und die Mutter liebt das Kind. Die Tiefe der Liebe zwischen Mutter und Kind mit Worten zu beschreiben, ist schwierig.

Während des Zweiten Weltkrieges, als Rangoon von den Japanern befreit werden sollte, kamen viele Menschen durch Bomben um. Einer Mutter gelang es mit ihrem Sohn irgendwie, zu Fuß ein Dorf bei Chennai zu erreichen. Sie hatten all ihre Freunde und Verwandten verloren und hatten weder Unterkunft noch etwas zu essen. Deshalb suchten sie Schutz unter einem Baum. Die Mutter ging bettelnd von Haus zu Haus, gab das meiste des Erbettelten ihrem Sohn und aß das wenige, was übrig blieb. Wenn sie nicht genug zu essen bekam, gab sie das gesamte Essen ihrem Sohn und aß selber nichts. Als Folge davon wurde sie täglich schwächer. Eines Tages konnte der Sohn ihr Leid nicht mehr mit ansehen und sagte zu ihr: „Mutter, von heute an ruhst du dich aus und ich werde für uns beide Essen holen.“ Von da an ging er bettelnd von Haus zu Haus, gab das meiste seiner Mutter und aß das wenige, was übrig blieb. Manchmal log er seine Mutter an und behauptete, er habe bereits gegessen. Somit wurde auch er sehr schwach. Der Sohn besaß nicht die Kraft, sich um seine Mutter zu kümmern, noch hatte die Mutter die Kraft, ihren Sohn zu schützen.

Eines Tages stand der Sohn vor dem Haus eines Beamten und bettelte um Almosen. Der Beamte saß gerade entspannt in einem Lehnstuhl auf der Veranda und las die Zeitung. Der Junge tat ihm leid, er ging hinein und brachte ihm auf einem Bananenblatt etwas zu essen. Er wies den Jungen an, sich hinzusetzen und gleich zu essen. Aber der Junge sagte, er würde das Essen mit nach Hause nehmen. Der Beamte behauptete daraufhin: „Ich glaube nicht, dass du wirklich hungrig bist, da du es mit nach Hause nehmen willst.“ Als der Beamte diese barschen Worte sprach, wurde dem Jungen schwindlig und er fiel um. Der Beamte hörte ihn mit schwacher Stimme die Worte flüstern: „Zuerst für meine Mutter, zuerst für meine Mutter…“ Mit diesen Worten tat er seinen letzten Atemzug. Als die Mutter diese traurige Nachricht erfuhr, wurde sie von Schmerz überwältigt. Unfähig, den Kummer über den tragischen Tod ihres Sohnes zu verkraften, tat auch sie ihren letzten Atemzug. Mutter wie Sohn opferten beide ihr Leben aus Liebe zueinander. So tief war die Liebe zwischen Mutter und Sohn in jenen Tagen. Doch heutzutage nimmt aufgrund der Selbstsucht sogar die Liebe zwischen Mutter und Kind ab! Ein Leben ohne Liebe ist nicht lebenswert. Liebe ist Leben. Die Mutter sollte ihre Kinder und die Kinder die Mutter lieben. Auf diese Weise sollte die wechselseitige Liebe zwischen Mutter und Kind wachsen. Selbst ein Affe trägt, wo immer er sich hin bewegt, seine Kinder mit sich. Liebe ist eine Notwendigkeit. Dieses kostbare Juwel der Liebe befindet sich im eisernen Tresor des Körpers. Wo Liebe ist, ist Frieden. Wo Frieden ist, ist Gewaltlosigkeit. Zufriedenheit ist Frieden.

Buddha entsagte seinem Königreich, verließ Frau und Kind und verkündete das Prinzip der Gewaltlosigkeit. Er verbreitete das Ideal: Gewaltlosigkeit ist der höchste Dharma. Wir sollten Wahrheit, Dharma, Frieden, Liebe und Gewaltlosigkeit entwickeln, die die fünf Lebenshauche des Menschen sind. Nur wenn man diese fünf Werte besitzt, kann man Mensch genannt werden. Der Mensch sollte solche Aktivitäten durchführen, die die fünf Werte in ihm stärken. Yajnas, Yagas, Japa (Mantrenwiederholung mithilfe einer Gebetskette), Tapas (Askese) usw. sind nur dazu gedacht, diese Werte im Menschen zu entwickeln. Wer diese fünf Werte besitzt, ist ein verdienstvoller Mensch und sein Leben ist heilig. Wenn einem nur einer der Werte fehlt, ist das eigene Leben verschwendet. Der Mensch sollte zuerst ein Leben der Wahrheit führen und dem Weg des Dharma folgen, um Fortschritt auf dem spirituellen Weg zu erlangen.

Verkörperungen der Liebe!

Wo immer man heutzutage hingeht, findet man die Gier nach Geld. Sogar alte Menschen, deren Lebensende herannaht, sind verrückt nach Geld. Heutzutage vervielfältigen sich die Wünsche des Menschen. Wir leben nicht im Kalizeitalter, sondern im Kalahazeitalter, dem Zeitalter des Konflikts. Geld ist die Wurzel von all dem. Wir messen dem Körper, der einem eisernen Safe gleicht, zu viel Bedeutung bei. Stattdessen sollten wir den inneren kostbaren Juwelen der menschlichen Werte mehr Bedeutung geben. Ohne diese Juwelen hat der eiserne Tresor nur einen geringen Wert. Werte sollten das vorrangige Anliegen des menschlichen Lebens sein. Ohne Werte dient das menschliche Leben keinem Zweck. Vögel und Tiere tragen Liebe in sich, aber sie haben keine Wünsche. Sie sind zufrieden, wenn ihr Hunger gestillt ist. Der Mensch ist jedoch anders. Er will alles. Selbst wenn er fünf Gebäude besitzt, will er zehn weitere. Wozu braucht er so viele Häuser? Reicht ein Haus nicht aus, um bequem zu leben? Aber er will viele Wohnsitze. Er wird von seinen eigenen grenzenlosen Wünschen getäuscht. Heutzutage ufern die Wünsche des Menschen aus. Der Mensch muss seine Wünsche reduzieren. Weniger Gepäck schafft mehr Bequemlichkeit und macht das Reisen zum Vergnügen.

Wir leisten eine Menge Arbeit für andere, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Ich besitze kein einziges Haus. Wo immer ich hinreise, wohne ich in den Häusern der Devotees. Ebenso sollten die Leute ihre Wünsche reduzieren. Sobald ihr eure Wünsche reduziert, könnt ihr in Frieden leben. Aber verringert niemals eure Liebe zu Gott. Entwickelt immer mehr Liebe zu Gott. Wenn ihr Gott liebt, werdet ihr alles haben.

Verkörperungen der Liebe!

Ihr habt heute den Ansprachen zugehört, die die Älteren gehalten haben. Ihr solltet alles Gehörte in die Tat umsetzen. Verankert die Werte Wahrheit, Dharma, Frieden und Liebe dauerhaft in eurem Herzen. Wenn ihr Frieden und Liebe besitzt, könnt ihr im Leben alles erreichen. Fragt irgendeinen unserer Studenten und ihr werdet herausfinden, dass keiner von ihnen Wünsche hat. All diese Jungen sind hoch qualifiziert. Sie haben höhere Studienabschlüsse wie Master of Arts, Master of Business Administration, Master of Science und Doktor der Philosophie. Sie hegen nicht den Wunsch, nach Hause zu gehen. Wenn sie nach draußen gehen, bekommen sie ein sehr hohes Gehalt. Ein MBA-Student kann ein oder zwei Lakhs (hundert bis zweihunderttausend Rupien) im Monat verdienen. Aber sie wollen nicht weggehen, sondern fragen: „Was kann Geld uns geben? Kann es uns glücklich machen?“ Sie wollen hier arbeiten. Sie betrachten Arbeit als Gottesdienst und Pflicht als Gott. Sie sind sehr pflichtbewusst. Diesen starken Glauben sollten die Studenten besitzen. Wo immer ihr hinschaut, begegnet ihr Menschen, die voller Wünsche sind. Was erreichen sie durch ihre vielen Wünsche? Letztlich ruinieren sie ihr Leben. Es ist deshalb notwendig, dass wir unsere Wünsche kontrollieren. Wie weit könnt ihr wandern, wenn ihr schweres Gepäck auf dem Kopf tragt? Reduziert euer Gepäck, damit eure Lebensreise angenehmer wird. Wie glücklich und sorgenfrei ihr als Junggeselle seid! Wenn ihr heiratet, geht ihr praktisch auf vier Beinen. Wenn ihr ausgehen wollt, macht ihr euch Sorgen, weil eure Frau allein zuhause ist. Nach einem Jahr habt ihr einen Sohn. Jetzt geht ihr statt auf vier auf sechs Beinen. Je mehr Beine ihr habt, desto schwerfälliger werdet ihr. So verlangsamt sich das Tempo eurer Lebensreise.

Verkörperungen der Liebe!

Hegt die Liebe in eurem Herzen wie einen Schatz. Liebt alle. Aber belastet euch nicht über Gebühr mit Verantwortung. Das wird eure Sorgen und Schwierigkeiten noch vermehren. Unsere Lehrer wissen sehr wohl um diese Schwierigkeiten. Ihr könnt nur dann ein glückliches Leben führen, wenn ihr eure Last reduziert. Dann bleibt weniger Raum für Schwierigkeiten und Leid. Auch Dakshinâmûrti lehrte die Botschaft des Opfergeistes, um diese Wahrheit zu vermitteln. Dakshinâmûrti übermittelte seine Lehren durch Stille. Er lächelte immer, denn er hatte keine Sorgen und Verantwortlichkeiten. (Swami griff jetzt wieder die Geschichte von der Mutter und ihrem Sohn auf, die ihr Leben aus Liebe zueinander aufgaben. Swami betonte, dass wir die Liebe nicht aufgeben sollten, selbst wenn wir unseren Körper aufgeben müssen,). Der Tod wird eines Tages mit Sicherheit eintreten. Auch wenn wir den Körper jetzt fit halten, müssen wir ihn eines Tages loslassen. Wir sollten uns, auch auf Kosten unseres Lebens, einen guten Ruf verdienen. Betrachtet das Erringen eines guten Rufs als euren Lebensatem. Der gute Ruf wird bleiben, selbst wenn der Mensch die Welt verlässt. Ihr solltet euch deshalb einen guten Ruf in der Gesellschaft erwerben. Es bringt nichts, sich einen großen Namen zu machen, sondern ihr solltet euch einen guten Namen verschaffen. Ein Millionär mag als groß angesehen werden, aber auch er isst nur Getreide und kein Gold. So lange ihr lebt, seid ihr von Nahrung abhängig, um euren Körper zu ernähren. Aber verringert zugleich eure Bindung an den Körper. Teilt eure Liebe mit jedem. Beschränkt eure Liebe nicht nur auf eure Familie und führt kein selbstsüchtiges Leben. Selbst ein Fisch ist besser als ein selbstsüchtiger Mensch (Wortspiel im Engl.: Fish is better than selfish; A.d.Ü.). Ein Fisch bewegt sich frei und fröhlich im Wasser und führt ein angenehmes Leben. Der Mensch hingegen belastet sich mit zu vielen Verantwortlichkeiten und Bindungen. Aufgrund seiner schweren Last ist er so tief gesunken. Reduziert deshalb eure Last und verbringt immer mehr Zeit in der Besinnung auf Gott. Wenn ihr Liebe zu dem Paramâtman entwickelt, könnt ihr in der Schöpfung Glück erfahren.

Pflicht ist Gott. Arbeit ist Gottesdienst. Folgt im Leben diesen Zwillingsprinzipien. Belastet euch nicht unangemessen mit Verantwortlichkeiten. Gott ist da, um die Verantwortung eines jeden auf seine Schultern zu nehmen. Gibt es Grund zur Sorge, wenn Gott da ist, um sich um uns zu kümmern? Wir sorgen uns ständig, weil unser Verständnis dieser Wahrheit nur theoretisch ist. Dies sollte nicht so sein. Sobald wir Gott alles übergeben, werden wir sorgenfrei sein. Nur wenn ihr frei von Sorgen seid, könnt ihr Frieden erfahren. Egal, wie viele Yajnas und Yagas und spirituelle Übungen ihr durchführt, sie sind alle sinnlos, wenn ihr die zugrunde liegende Bedeutung nicht versteht. Ihr könnt alles in dieser Welt vergessen, aber vergesst niemals Gott. Haltet euren Geist immer auf Gott gerichtet, Das ist meine heutige Botschaft an euch.

Bhajo Govindam, bhajo Govindam…

Übersetzung der vom Aschram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Ansprache, S. B., Prashanti Nilayam.
(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. ©, Dietzenbach)


    

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