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 Ansprache Sathya Sai Babas am 23.11.2004


 

Geburtstagsansprache


Eure ganze Bildung, all eure Autorität,
eure barmherzigen Werke und euer
selbstloser Dienst sind wenig wert,
wenn ihr die vier Tugenden der Wahrheit (satya),
Rechtschaffenheit (Dharma),
der selbstlosen Liebe (prema) und
des Friedens (shanti) nicht besitzt.

Verkörperungen der Liebe!

Ihr vergesst alle den Zweck, zu dem ihr in diese Welt gekommen seid. Wo ihr euch auch befindet, es gibt drei Dinge, an die ihr denken müsst, und zwar: Woher seid ihr gekommen? Wo befindet ihr euch gegenwärtig? Und was ist der Zweck eures Kommens? Wenn ihr zum Beispiel ein Päckchen oder einen Brief in einen Postkasten werft, sollten der Absender und der Adressat angegeben sein. Wo werden Päckchen oder Brief ohne diese beiden Adressen landen? Sie enden im Kasten für unzustellbare Briefe. Entsprechend befindet ihr euch derzeit ohne diese beiden Adressenangaben in der Welt. Ihr könnt euch sehr gut ausmalen, was mit so einem Menschen geschehen wird! Ihr solltet deshalb wenigstens auf eine dieser drei Fragen eine Antwort finden; ansonsten wird euer Leben selbst zur Verschwendung.

Eine kleine Geschichte als Beispiel. In den Deltagebieten der Ost- und Westgodavaridistrikte im Staat Andrah Pradesh überqueren die Geschäftsleute den Fluss im Boot. Einst reiste ein Geschäftsmann in einem solchen Boot; er und der Bootsmann waren allein. Normalerweise unterhalten die Leute sich während der Reise gerne mit jemandem, um die Langeweile der Reise zu vertreiben. Deshalb fing der Geschäftsmann zum Zeitvertreib ein Gespräch mit dem Bootsmann an. Er fragte ihn: „Hast du eine Zeitung?“ Dieser erwiderte: „Nein, mein Herr, da ich weder lesen noch schreiben kann, besitze ich keine Zeitung.“ Daraufhin entgegnete der Geschäftmann: „O je! Wenn du weder lesen noch schreiben kannst, ist ein Viertel deines Lebens den Fluten des Ganges geweiht (d.h. vergebens) .“ Der Bootsmann bedauerte seine beklagenswerte Lage und hielt den Mund. Nach ein paar Minuten fragte der Geschäftsmann weiter: „Mein Lieber, kennst du den momentanen Stand der Gold- und Silberpreise am Bombaymarkt?“ Der Bootsmann erwiderte: „Mein Herr, da ich keinerlei Erfahrung mit dem Goldhandel habe, kenne ich den Stand der Preise nicht.“ Der Geschäftsmann bemerkte daraufhin: „Wenn du nichts vom Goldhandel verstehst, gehört dein halbes Leben den Fluten des Ganges.“ Die Unterhaltung setzte sich fort. Der Geschäftsmann bemerkte die Armbanduhr, die der Bootsmann trug, und fragte ihn: „Mein Lieber, wie spät ist es jetzt?“ Obwohl der arme Bootsmann eine Armbanduhr trug, war er nicht in der Lage, die Uhrzeit abzulesen. Der Geschäftsmann fragte weiter: „Warum trägst du dann eine Armbanduhr?“, woraufhin der Bootsmann antwortete: „Auch wenn man die Uhr nicht lesen kann, ist es heutzutage Mode, eine zu tragen, und deshalb trage auch ich eine.“ Da meinte der Geschäftsmann: „Wenn du nicht einmal die Zeit von der Armbanduhr ablesen kannst, sind drei Viertel deines Lebens den Fluten des Ganges geweiht!“ Mittlerweile kam ein kräftiger Sturm auf, der so hohen Wellengang verursachte, dass das Boot hin und her geworfen wurde. Daraufhin fragte der Bootsmann den Geschäftsmann: „Übrigens, mein Herr, können Sie schwimmen?“ Der Geschäftsmann erwiderte: „O je, nein, ich kann nicht schwimmen!“ Jetzt war es an der Reihe des Bootsmanns zu bemerken: „Dann ist dein gesamtes Leben den Wassern des Ganges geweiht!“

Wir befinden uns heutzutage alle in derselben Situation und werden im Fluss der Welt hin und her geschleudert. Aber leider bemühen wir uns überhaupt nicht, zu wissen, warum wir hier sind, was wir in dieser Welt zu lernen haben und wo wir hingehen müssen, welches Wissen uns dort hinbringen könnte usw. Da wir uns dieser Aspekte nicht bewusst sind, ist unser ganzes Leben für den Ganges bestimmt, d.h.: vergeudet. Deshalb müssen wir zuerst Antworten auf folgende Fragen finden: „Warum sind wir hierher gekommen? Was müssen wir wissen? Wohin begeben wir uns von hier aus?“ Wenn wir nicht wenigstens auf eine dieser Fragen eine Antwort finden können, ist unsere Lebensreise ohne Zweck und Ziel. Nur wenn wir den Absender (Herkunftsort), Empfänger (das Ziel) und die gegenwärtige Wohnadresse kennen, wird unser Leben sinnvoll und geheiligt sein.

Dr. Michael Goldstein (Vorsitzender des Prashanti Council und Swamis Devotee) und seine Frau besuchen Puttaparthi oft. Als ich eines Tages zum College fuhr, kam er zu mir und bat: „Swami, wenn du es mir liebenswürdigerweise gestattest, werde ich dich zum College begleiten.“ Ich sagte, er könne mitkommen. Als wir im Auto unterwegs waren, fragte ich Herrn Goldstein: „Wie sieht dein Programm aus?“ Er antwortete: „Swami, heute muss ich meine Rückreise antreten.“ Ich riet ihm, nicht an dem Tag abzureisen. Er erwiderte: „Swami, ich werde heute aufbrechen, aber den Flug von Bombay am nächsten Tag nehmen.“ Ich sagte ihm nachdrücklich: „Sprich nicht weiter über Einzelheiten mit mir. Wenn ich sage, fahre nicht, ist das endgültig.“ Goldstein konnte nicht erkennen, dass sein Leben in großer Gefahr war, wenn er am selben Tag fahren würde. Schließlich gab ich (auf sein Drängen hin) nach: „Okay, wenn du es durchaus willst, kannst du aufbrechen.“ Er kehrte in sein Zimmer zurück, packte seine Sachen, nahm den Flug nach Bombay und bestieg dort das Flugzeug nach Amerika. Kurz nachdem das Flugzeug startete, wurde ihnen klar, dass sich ein paar Flugzeugentführer im Flugzeug befanden. Die ganze Atmosphäre im Flugzeug war extrem angespannt. Zwei Flugzeugentführer bewachten den Eingang und zwei andere gingen mit geladenen Gewehren umher, die sie auf die Passagiere richteten. Da erkannte Goldstein, warum Swami nicht wollte, dass er an dem Tag flog. In dieser Situation konnte er nichts tun und so betete er zu Swami als seiner einzigen Zuflucht. Seine Ehefrau ist eine große Devotee von Swami. Sie begann, Swamis Namen zu rezitieren: „Sairam, sairam, sairam.“ Als das Flugzeug etwas an Höhe gewonnen hatte, fingen die Entführer an, die Passagiere zu erschießen. Die Passagiere erstarrten vor Schreck und wussten nicht, was sie tun sollten. Die Entführer begannen zu schießen und überall im Flugzeug lagen Leichen verstreut. Goldstein und seine Frau saßen im vorderen Bereich des Flugzeuges. Die Entführer begannen, die Passagiere um sie herum zu erschießen. Goldsteins dachten, sie wären als nächstes an der Reihe. Da gestand Goldstein seiner Frau: „Swami riet mir, nicht an diesem Tag zu fliegen, aber ich folgte seiner Anweisung nicht; deshalb befinden wir uns jetzt in dieser Situation.“ Mittlerweile richtete ein Entführer seine Augen auf das Paar. Goldsteins Frau hatte jedoch die ganze Zeit, alles andere vergessend, unaufhörlich Swamis Namen rezitiert. Das Rezitieren von Swamis Namen wirkte Wunder und Goldsteins Frau wurde verschont. Dann stand Goldstein auf und stellte sich an den Eingang des Flugzeuges. Obwohl er ein so kräftiger Mann war, konnten die Entführer ihn nicht sehen. So wurde durch Swamis Gnade Goldsteins Leben gerettet.

Beide blieben lange Zeit ohne Essen, Wasser und Schlaf als Geiseln im Flugzeug. Sie waren sehr deprimiert. Goldsteins Frau ist Swami sehr ergeben. Normalerweise haben Frauen mehr Hingabe als Männer. Es ist nicht so, dass Männer keine Hingabe hätten, aber sie zeigen sie äußerlich nicht. Goldsteins Frau gab ihm den Rat: „Mache dir keine Sorgen, sondern besinne dich auf Swami.“ Jetzt begannen die Entführer, Männer, Frauen und Kinder gnadenlos zu erschießen. Goldstein und seine Frau beteten jedoch weiterhin mit geschlossenen Augen still zu Swami: „Sairam, sairam, sairam.“ Mittlerweile war die ganze Munition in den Gewehren der Flugzeugentführer aufgebraucht und die Polizei konnte sie gefangen nehmen. Goldstein und seine Frau wurden freigelassen und in ein anderes Flugzeug nach Amerika gesetzt. Dennoch wurden sie weiterhin von der Erinnerung an das, was, sie durchlebt hatten, verfolgt. Nach ein paar Tagen kam die Polizei, um sie zu dem Vorfall zu befragen. Goldstein wurde eine Entschädigung angeboten, aber er nahm sie nicht an. Nach zwei oder drei Monaten kam Goldstein wieder nach Puttaparthi und hatte Swamis Darshan. Jetzt erkannte er durch seine eigene Erfahrung, dass er, wenn er Gottes Namen wiederholte, unter keinen Umständen irgendetwas zu befürchten hatte. Durch Swamis Darshan fand er seine Ruhe wieder. Von da an überließ er, wann immer Swami ihn nach seinem Rückreisetermin fragte, diesen Gottes Willen. Er erkannte, dass es besser ist, die Angelegenheit in Swamis Händen zu lassen. Von da an entwickelte Goldstein unerschütterlichen Glauben an Swamis Worte und hielt sich entschlossen an sie.

Heutzutage sind die Leute nicht in der Lage, zu erkennen, woher sie kamen und wohin sie gehen. Erst nach solchen Erfahrungen erkennen sie die Kraft des Glaubens. Die Menschen kommen in diese Welt und verbringen ihre Zeit irgendwie. Wenn jemand sie fragt, was sie mit ihrer Zeit machen, erwidern sie, sie seien auf die Welt gekommen, um sich am Essen zu erfreuen und bequem zu schlafen. Man sollte jedoch erkennen, dass der Mensch nicht nur geboren wurde, um Essen und Trinken zu genießen. Dieselbe Wahrheit hat Adishankara in seinem berühmten Lied Bhajo Govinda folgendermaßen erklärt:

O törichter Mensch, singe den Namen Govinda!
Wenn das Ende herannaht, werden die
Grammatikregeln nicht zu deiner Rettung kommen.

Wenn man die Leute fragt, warum ihnen das menschliche Leben gegeben wurde, antworten die meisten: zum Essen, Trinken, Schlafen und Sterben. Diese Annahme ist völlig falsch. Es gibt etliche Dinge im Leben, die man zu erreichen hat. Der Sinn des menschlichen Lebens liegt nicht im Genuss von Essen und Annehmlichkeiten. Es ist nicht einmal dazu gedacht, sich Bildung anzueignen. Der Sinn des menschlichen Lebens liegt in etwas völlig anderem, und die Menschen haben das vergessen. Ihr müsst euer Leben zur Vollendung bringen und es heiligen. Der Körper entsteht, wächst heran, stirbt und zerfällt schließlich. Man muss, ehe der Körper stirbt, den Zweck erfüllen, zu dem er in diese Welt gekommen ist.

Verkörperungen der Liebe!

Es wird während der Lebensreise verschiedene Prüfungen und Härten geben. Man muss die Kraft erwerben, durch die man ihnen mutig begegnen kann. Es ist die Kraft der Spiritualität. Man sollte nicht verzagen und mittendrin von dieser Bemühung ablassen. In diesem Meer des Lebens gibt es natürlich stürmische Wellen, die euer Boot hoch und nieder werfen.

O Herr, ich bin in diesem Kreislauf
von Geburt und Tod gefangen.
Immer wieder erfahre ich die Qual,
im Mutterleib zu liegen.
Es ist sehr schwierig, dieses Meer
des weltlichen Lebens zu überqueren.
Bitte bringe mich über dieses Meer
und gewähre mir Befreiung.

Der Sinn des menschlichen Lebens besteht nicht darin, immer wieder geboren zu werden, das Leben ziellos hinter sich zu bringen und schließlich diese Welt zu verlassen. Es gibt einen bestimmten Zweck, für den man in diese Welt geboren wurde. Man muss diesen Zweck erkennen und sein Leben heiligen. Unsere Bildung, unsere Tätigkeit und das Geld, das wir verdienen, müssen alle auf sinnvolle Weise genutzt werden. Die Studenten von heute erlangen Bildung, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie erwerben Abschlüsse mit dem alleinigen Ziel, Geld zu verdienen. Welche Größe liegt darin, sich abzumühen, um den eigenen Bauch zu füllen? Auch Hunde und Füchse füllen ihren Magen. Ihr habt vielleicht im Zirkus gesehen, dass sogar die Affen etliche Kunststücke lernen und vorführen. Ihr, die ihr als Menschen geboren wurdet, solltet euch nicht wie Hunde, Füchse und Affen benehmen. Wenn ihr das tut, welchen Sinn hat dann eure Bildung? Die Bildung, die ihr erlangt, muss auf rechte Weise genutzt werden. Nur dann ist sie sinnvoll und wird eure Persönlichkeit stärken. Der Zweck eures Lebens liegt nicht allein darin, Bildung und Abschlüsse zu erlangen. Ihr könnt selbstverständlich studieren, aber es genügt nicht, wenn ihr nur studiert, um Abschlüsse zu erlangen.

Kann man all jene,
die lesen und schreiben können,
gebildet nennen?
Kann man jemanden als gebildet
bezeichnen, nur weil er Titel erlangt?
Könnt ihr etwas Bildung nennen,
das keine Tugenden vermittelt?

Nur wenn ihr Bildung mit dem Ziel anstrebt, dass sie sowohl dem Leben als auch dem Lebensunterhalt dient, wird eure Bildung sinnvoll sein. Deshalb muss jeder Mensch den Sinn des Lebens im Auge behalten. Was nützt es, wenn ihr über euren Erfolg jubelt und denkt: „Ich habe mein Diplom (MBA) erhalten; ich habe verschiedene akademische Grade errungen?“ Diese Titel müssen auf rechte Weise genutzt werden. Allein der Mensch besitzt die Kraft, den Sinn seines Lebens zu erkennen. Wenn man sich mit dem Gedanken zufrieden gibt: „Ich wurde geboren, bin gebildet, habe Geld verdient und genug auf dem Konto, habe meine Kinder ausgebildet und zur weiteren Bildung ins Ausland geschickt“, ist das nicht der alleinige Zweck des Lebens. Ihr solltet niemals die Absicht vergessen, um deretwillen ihr in diese Welt gekommen seid. Leider habt ihr heute den Sinn eures Lebens vergessen und ergeht euch in sinnlosen Aktivitäten. Solange ihr lebt, bis zu eurem letzten Atemzug, solltet ihr Frieden erfahren. Ihr solltet wahre und ewige Glückseligkeit erlangen.

Mahatma Gandhi reiste nach London und ihm wurde der Titel eines Anwalts verliehen. Er wollte Erfüllung im Leben finden, indem er seine Bildung für den Dienst an der Gesellschaft einsetzte. Deshalb schloss er sich nach seiner Rückkehr in sein Mutterland dem indischen Nationalkongress an. Er opferte sein gesamtes Leben, um die Unabhängigkeit des Landes zu erreichen. Er begann, einen einfachen Dhoti und ein Stück Stoff zu tragen, das seinen Oberkörper bedeckte. Er erlebte während des Freiheitskampfes in den nordindischen Staaten verschiedene Schwierigkeiten. In Lucknow wurde er von der Polizei mit Knüppeln geschlagen. Aber trotz mancher Schwierigkeiten und physischer Folter von Seiten der Polizei gab er seinen Entschluss nicht auf, die Unabhängigkeit für das Land zu erreichen. Er begann, als Anwalt zu arbeiten. Dennoch verlief sein Leben nicht glatt. Er schloss sich für den indischen Nationalkongress der Unabhängigkeitsbewegung an und erlebte viel Gewalt von Seiten der Briten. Dennoch verlor er nicht den Mut. Seine Frau Kasturba war eine edle Dame. Immer diente sie ihrem Ehemann mit großer Hingabe, sogar als er im Gefängnis war. Zugleich engagierte auch sie sich im Dienst am Land. Allein ihr Geist der Dienstbereitschaft schützte sie vollständig. In den Tagen ihrer Beteiligung am Unabhängigkeitskampf gab es Zeiten, da Ehemann und Ehefrau getrennt wurden. Aber Kasturba fand sich mit der Situation ab, in der Gewissheit, dass alles, was geschah, zu ihrem Besten war. So werden Menschen, die anderen mit edlem Herzen dienen, nur das Gute sehen. Schließlich erhielt das Land die Unabhängigkeit und Jawaharlal Nehru wurde der erste Ministerpräsident.

Subhash Chandra Bose war ein anderer großer Anführer der Freiheitsbewegung; er hatte ein gutes Herz und war ein großer Patriot. Nur aufgrund der Bemühungen solcher Männer voll Opfergeist konnte das Land die Unabhängigkeit erreichen. Aber wir sollten nicht nur die Unabhängigkeit (svatantrya) wünschen. Wir müssen svârâjya, die Selbstmeisterung, erreichen. Darin liegt Größe. Svatantrya ist eine vorübergehende Erscheinung der Freiheit von der Fremdherrschaft; Svârâjya betrifft das Herz und wird durch das Herz erlangt.

Liebe Studenten!

Ihr müsst bereit sein, sogar euer Leben für das Land zu opfern. Ihr seid nicht der Körper. Der Körper ist nur ein Instrument und Mittel, um etwas Höheres und Erhabenes zu erreichen. Der Körper muss dazu genutzt werden, diese höheren edlen Ziele zu erlangen. Der Körper ist wie das Kleid, das wir tragen. Eines Tages wird das Kleid zerfallen. Bis dahin muss der Körper angemessen erhalten werden. Allein durch Opfergeist kann man die Gottvereinigung, Yoga, erreichen. Die Veden haben das verkündet:

Unsterblichkeit wird nicht durch Handeln,
Nachwuchs oder Reichtum,
sondern allein durch Opfergeist erlangt.

Wir sind als Menschen geboren worden und müssen deshalb unser Leben dem Dienst an Gott und der ständigen Besinnung auf Gott widmen. Wenn ihr das tut, wird euch kein körperliches Leid behelligen.

Ich will euch ein kleines Beispiel erzählen: Als ich vor einiger Zeit in Bangalore war, fiel dieser Körper im Badezimmer hin. Dort gab es zwei Studenten namens Satyajit und Acintya, die sich für gewöhnlich um meine Bedürfnisse kümmern. Sie halfen mir sehr. Ich sagte zu ihnen: „Ich habe keine Bindung an den Körper. Ihr könnt an diesem Körper eine Operation durchführen, aber ich habe nichts mit diesem Körper zu tun. Ich bin nicht dieser Körper. Solange der Körper da ist, muss ich mein Werk verrichten.“ Die Ärzte wollten mich bandagieren, aber ich stimmte nicht zu. Sie rieten mir, mich operieren zu lassen, so dass der Bruch schnell heilen könnte. Ich übergab diesen Körper den Händen der Ärzte und ließ sie tun, was immer sie wollten. Ich ging weiterhin umher und tue es immer noch. Ich habe keine Schmerzen. Etliche Devotees sind besorgt, dass Swami unter großen Schwierigkeiten läuft und vielleicht starke Schmerzen hat. Ich möchte noch einmal wiederholen, dass ich weder Schmerzen habe noch leide. Bis heute habe ich keinerlei körperlichen Schmerz erlitten. Wenn ihr auf diese Weise eure Bindung an den Körper (dehabhimâna) opfert, könnt ihr alles im Leben erreichen. Was immer ich tue, es ist genau das, was ich sage. Man muss das tun, was man sagt und das sagen, was man tut. Das ist die Bedeutung der Aussage:

Jene sind erhaben, deren Gedanken,
Worte und Taten in vollkommener Harmonie sind;
jene, bei denen diese Übereinstimmung fehlt,
sind schlecht.

Das macht das wahre Menschsein (mânavatva) aus.

Ich kann unbegrenzte Zeit stehen, obwohl die Ärzte mir davon abrieten. Sogar jetzt bin ich lange gestanden. Ich leide überhaupt nicht. Ich nehme keine einzige Tablette ein. Ich trage keinen Verband. Mein ist Âtmabhâva (das atmische Sein), und Âtmabhâva allein. Ich gebe durch mein Handeln ein Beispiel.

Liebe Studenten!

Der Körper mag beliebig viel Leid erleben; er gleicht einer Luftblase. Gedanken und Gefühle (mind) gleichen einem verrückten Affen. Deshalb sollten wir weder dem Körper noch dem Mind folgen. Wir müssen unserem Gewissen, Antarâtman (wörtlich: das innere Selbst), folgen. Wir müssen Bindung an den Atman, Âtmabhimâna, entwickeln. Wenn wir diese Bindung an den Atman entwickeln, kann uns kein Schmerz beunruhigen. Ich durchlaufe diese ganze Schwierigkeit nur, um euch über diese Bindung an Atman zu belehren. Ich empfinde überhaupt keinen Schmerz. Ich erzähle euch die Wahrheit. Ich halte nichts zurück. Tatsächlich kenne und empfinde ich keinen Schmerz. Wir müssen den Schwierigkeiten mutig begegnen. Ich habe diesen Schmerz nur deswegen auf mich genommen, um euch diese Beständigkeit und diesen Mut zu lehren. Ihr müsst meinem Ideal folgen. Schenkt dem körperlichen Leiden niemals Beachtung. Gebt die Bindung an den Körper auf. Beschäftigt den Körper mit sinnvollen Aktivitäten. Benutzt den Körper dafür, Gott zu dienen. Unser Körper ist ein Geschenk Gottes. Zu welchem Zweck hat Gott uns diesen Körper gegeben? Allein, um ihn dem Dienst an Gott zu weihen.

Verkörperungen der Liebe!

Der Körper wurde euch gegeben, um heilige Handlungen durchzuführen. Viele Leute wundern sich, warum Swami nicht müde ist, obwohl er körperlich so sehr leidet. Vor allem die Damen können Anzeichen von Schwäche schnell wahrnehmen. Ich versichere euch, dass ich ein beständiges Körpergewicht und ständig gute Gesundheit bewahre. Ich habe weder zugenommen noch bin ich schwach geworden. Ich kann schnell gehen, verzichte aber darauf, damit die Ärzte zufrieden sind. Die Ärzte drängen mich vor allem, nicht schnell zu gehen. Sie rieten mir: „Swami, bitte gehe nicht schnell. Behalte immer zwei Studenten bei dir, die dir helfen.“ Nur um die Ärzte zu erfreuen und zufrieden zu stellen, habe ich diese zwei Studenten bei mir. Ich bereite diesen Jungen keinerlei Umstände. Die beiden Jungen, Arun und Prusty kümmern sich nicht nur um meine Bedürfnisse, sondern gehen auch, in ihre Büros und arbeiten dort. Wenn ich Prusty rufe, kommt er sogleich herein. Ich bitte ihn, mir ein Glas Wasser zu reichen und trinke es. So sorgen beide Jungen ständig für mich. Sie dienen mir mit großer Hingabe und Liebe. Ich bereite niemandem Unannehmlichkeiten.

Verkörperungen der Liebe!

Ihr feiert heute Swamis Geburtstag. In Wirklichkeit hat nur der Körper Geburtstag. Dieser Körper hat bereits 78 Jahre gelebt und beginnt sein 79. Lebensjahr. Aber sehe ich aus wie ein 79-jähriger Mann? Nein, nein. Nicht nur jetzt, sogar nach 80 oder 90 Jahren werde ich so wie jetzt sein. Ich werde niemals von jemandem abhängig sein. Meine Augen und Zähne sind in perfekter Verfassung. Normalerweise hat jemand, der 79 Jahre alt wird, alle Zähne verloren und sein Augenlicht ist durch Katarakt beeinträchtigt. Seine Haut ist voller Falten, doch ich habe überhaupt keine Falten. Ich werde nicht altern. In Wirklichkeit altere ich nicht. Entwickelt auch ihr diesen Mut und dieses Vertrauen, und ihr werdet euch mit Sicherheit gut fühlen. Nicht nur ich selbst, ihr alle solltet bei guter Gesundheit sein. Aber ihr verderbt eure Gesundheit. Ihr missbraucht eure Körperkraft auf so vielerlei Weise. Wenn ihr euren Körper auf rechte Weise nutzt, könnt ihr durch Swamis Gnade gut vorankommen. Mit einem gesunden Körper und einem gesunden Geist könnt ihr beliebig vielen Leuten dienen. Ihr müsst deshalb euren Körper in guter Verfassung halten, nicht, um eure Schönheit zur Schau zu stellen, sondern um anderen zu dienen. Selbst ich benötige diesen Körper, um anderen zu dienen. Ich bin im Dienst an der Menschheit zu allem bereit, selbst dazu, mein Leben zu opfern. Entsprechend müsst auch ihr immer bereit sein, anderen zu dienen. Messt dem Körper niemals große Bedeutung bei. Vergeudet nie die körperliche Kraft. Ihr müsst den physischen Körper auf rechte Weise nutzen. Ihr müsst auch genug geistige Stärke gewinnen. Ihr müsst in eurer Ausbildung gut vorankommen und euer Leben im Dienst an der Menschheit heiligen. Ihr müsst immer bereit sein, jeglicher Situation im Leben kühn zu begegnen. Das ist das wahre Wesen der Menschheit. Wann immer eure Dienste erforderlich sind, müsst ihr sofort reagieren und sagen: „Ich bin bereit, ich bin bereit, ich bin bereit.“ Entwickelt diesen Mut und dieses Vertrauen und seid der Welt ein Vorbild.

Dieser Körper ist ein Gefäß voller
Schmutz und Krankheiten unterworfen.
Gemäß der Zeit unterliegt er dem Wandel.
Er kann das Meer des Kreislaufs von Geburt
und Tod (samsâra) nicht überqueren.
Er ist nichts als ein Knochengerüst.
O Mensch, täusche dich nicht im Glauben,
der Körper sei von Dauer
Nimm stattdessen Zuflucht zu den
göttlichen Lotosfüßen.

Sucht Zuflucht bei den Lotosfüßen des Herrn. Scheut keinerlei körperliches Leid. Dient dem Land, so gut es euch möglich ist. Nutzt jede noch so kleine Gelegenheit, dem Land und der Gesellschaft zu dienen. Sogar eine kleine Hilfe, die ihr einer alten Frau, der ihr unterwegs begegnet, erweist, ist ein Dienst. Denkt nie: „Was habe ich davon, wenn ich dieser alten Frau helfe?“ Auch in einer so kleinen Hilfe liegt großer Verdienst! Dient deshalb anderen weiterhin. Es gibt keine größere spirituelle     Disziplin, als seinen Mitmenschen zu dienen.

Ohne Seva, selbstloses Dienen,
gibt es keine Erlösung (Nirvana).

Keine Unbequemlichkeit, die ihr während des Dienens vielleicht erlebt, sollte euch etwas ausmachen.

Ich habe nicht die Absicht, meinen Geburtstag in großem Stil zu feiern. Meine einzige Absicht besteht darin, dass der Körper in der rechten Verfassung gehalten wird und man mit Hilfe des Körpers anderen dienen kann. Ihr müsst immer bereit sein, euer Leben dem Dienst an der Gesellschaft zu weihen. Das ist wahrer Dienst.

Hari bhajana bina…

Übersetzung der vom Aschram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Ansprache. S. B., Prashanti Nilayam
(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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