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 Ansprache Sathya Sai Babas am 23.10.2004


Vijayâdashamî, Abschluss des Dasarafestes


Der Herr von Kailas hat seine Göttliche
Gestalt vor euren Augen manifestiert.
Die Mondsichel ziert sein Haupt,
das kühle Gangeswasser fließt
zwischen den verfilzten Locken,
in der Mitte der Stirn leuchtet
sein (drittes) Auge und
der purpurfarbene Nacken funkelt
wie eine schimmernde Brombeere.
Er trägt Armreifen aus Schlangen
und einen Schlangengürtel,
Sein gesamter Körper ist
mit Vibhuti eingerieben,
seine Stirn ist mit einem roten
Kumkumpunkt geziert und
seine rötlichen Lippen leuchten
vom Saft der Betel.
An seinen Ohren schwingen goldene
Ohrringe, mit Diamanten besetzt.
Sein dunkelhäutiger Körper strahlt
in göttlichem Glanz.

Verkörperungen der Liebe!

Ihr habt täglich verschiedenen Rednern zugehört, die sich mit dem göttlichen Prinzip befassten. Viele Leute stellen sich Îshvaras Form so vor, als habe er verfilzte Locken und trage Schlangen als Schmuck. Aber das ist nicht Îshvaras wahre Gestalt. Obwohl Îshvara allgegenwärtig ist, verleiht die Vorstellungskraft der Devotees ihm eine Form mit verschiedenen Attributen.

Die Bhâratîyas neigen dazu, die verschiedenen Formen Gottes, die sie verehren und die Idole, die sie anbeten, auf die Ebene von Bettlern herab zu bringen. In Wirklichkeit gibt es jedoch keine Bettler, und kann es in diesem heiligen Land Bhârat keine Bettler geben. Jemanden für niedriger als euch selbst zu halten und sich einzubilden, der andere würde Geld von einem erwarten, ist ein Zeichen von Schwäche. Aufgrund dieses engstirnigen Empfindens halten die Menschen aus anderen Ländern Indien für ein armes Land und glauben, es sei voller Bettler. Diese Vorstellung ist völlig falsch. Bhârat ist nie ein armes Land gewesen. Nur weil die Leute wirtschaftlich zurückgeblieben sind, kann man sie nicht als Bettler betrachten. Es gibt in dieser Welt keine Bettler. Wenn jemand finanzielle Hilfe sucht oder um Nahrung bittet, behandelt man ihn als Bettler. In Wirklichkeit sind wir es, die jemanden zum Bettler machen. Wir halten diese Menschen für minderwertiger als uns selbst und behandeln sie schlecht. Bhârat ist ein Land der Fülle und des Wohlstands. Ihr müsst erkennen, dass es in diesem Land keine Bettler gibt und euch entsprechend verhalten. Manche Menschen ziehen sogar Gott auf die Ebene eines Bettlers herunter. Wenn ihre Wünsche erfüllt werden, preisen sie Gott. Sie beten: „O Gott, wenn du meine Wünsche erfüllst, werde ich dir Geld oder Sachen geben.“

Gott ist nicht arm, und deshalb können die von ihm erschaffenen Menschen ebenfalls nicht arm sein. Es ist der Mensch, der aus seinen Mitmenschen Bettler macht und sie schlecht behandelt. Solche niedrigen Praktiken sollten aufgegeben werden. Manche Leute glauben, der Gott Venkateshvara brauche Geld. Sie denken, er werde für Geld ihre Arbeit verrichten und ihre Wünsche erfüllen. So ziehen sie ihn auf die Ebene eines Bettlers herab. Das ist ein schwerer Fehler. Gott ist kein Bettler. Ihr solltet Gott als euren Vater und eure Mutter betrachten. Entwickelt Liebe zu Gott und zu euren Mitmenschen. Seht nie jemanden als Bettler an und behandelt ihn niemals schlecht. Erweist denen eure Hilfe, die in Not sind. Entwickelt Liebe zu Gott und Furcht vor Sünde. Betrachtet jemanden nicht als schwach und unterlegen, nur weil er euch um Hilfe bittet. Demütigt ihn nicht. Wenn ihr Liebe und Achtung für jeden entwickelt, wird sich eure innewohnende Göttlichkeit vor euch manifestieren. Behandelt alle wie eure Brüder und Schwestern. Haltet niemals jemanden für einen Bettler. Zu glauben, ihr seid der Gebende und jemand anders der Nutznießer, ist ein großer Fehler.

Einige Geschäftsleute meinen, ihre Arbeit zu tun, indem sie diejenigen, die an der Macht sind, zu bestechen versuchen. Bestechungsgelder anzubieten oder anzunehmen ist ebenfalls eine große Sünde. Bestechungsgelder zu fordern, ist dasselbe wie um Almosen betteln. Wir sollten solch niedrigen Praktiken keinen Raum geben. Seit alten Zeiten bewahrt Bhârat moralische und ethische Werte und ist der übrigen Welt ein Vorbild. Leider sind solche Werte heutzutage in Vergessenheit geraten. Speist die Hungrigen liebevoll, aber schaut nicht auf sie als Bettler herab. In diesem Land sollte weder gebettelt noch dazu ermutigt werden. Es kann sein, dass Leute zu euch kommen und um Nahrung bitten. Das bedeutet nicht, dass sie Bettler sind. Nur weil ihr ihnen Nahrung gebt, seid ihr ihnen nicht überlegen. Sprecht liebevoll mit ihnen und stillt ihren Hunger. Aber beleidigt sie niemals. Die Bhâratîyas bringen ihr eigenes Land in Misskredit, indem sie ihre Mitmenschen zu Bettlern machen. Bhârat ist kein armes Land. Wie sonst wäre die Invasion so vieler ausländischer Herrscher in der Vergangenheit zu erklären? Viele fremde Könige überfielen dieses Land und plünderten seinen Reichtum. Die Frage, ob man reich oder arm ist, stellt sich nur, wenn man sich mit jemand anderem vergleicht. Wenn jemand mit den Worten „bhavati bhiksham dehi – Mutter, gib Almosen“ an eure Tür kommt, behandelt ihn nicht wie einen Bettler, sondern wie ein anderes menschliches Wesen und fühlt mit ihm. Dass er zu euch kommt und um Nahrung bittet, macht ihn euch nicht unterlegen. Nur weil er kein Geld hat, sich zu ernähren, wird er deswegen nicht zu einem Armen und ihr nicht zu einem Millionär. Wenn ihr den Ruf eures Landes aufrechterhalten wollt, dann respektiert eure Mitmenschen. Entwickelt als Erstes Liebe zu eurem Mutterland. Seid stolz darauf, dass ihr ein Bhâratîya seid. Erkennt, dass ihr in einem heiligen Land geboren seid, das die Geburtsstätte vieler erhabener Seelen ist. Ihr habt gestern gehört, wie die Frauen Bhârat als das Land der Veden, Upanishaden und der Bhagavadgita rühmten. Ihr solltet euch der Herrlichkeit und Größe Bhârats immer bewusst sein und euch entsprechend verhalten. Nur dann seid ihr berechtigt, Bhâratîya genannt zu werden. Eure Handlungen sollten mit euren Worten übereinstimmen. Bhârats Herrlichkeit nur zu preisen und euch gleichzeitig schäbig zu verhalten, ist sinnlos.

Duldsamkeit ist die wahre Qualität
in diesem heiligen Land Bhârat.
Das nektargleiche Empfinden in
diesem Land ist das Gefühl (der Liebe)
zur eigenen Mutter.

Betrachtet Bhârat als eure Mutter. Entwickelt Liebe und Verehrung zu ihr und wahrt ihre Würde und Ehre. Wie könnt ihr euch selbst als reich betrachten, wenn ihr eure Mutter für arm haltet? Seit alten Zeiten hat Bhârat allen durch die heiligen Schriften und Epen den Reichtum des Wissens geschenkt. Wie kann so ein Land für arm gehalten werden? Eure physische Mutter mag arm sein, nicht aber euer Mutterland. Dieses heilige Land hat den Ruf, die größte aller Nationen zu sein. Ihr solltet einem solchen Land nicht Missachtung erweisen, indem ihr es für arm und schwach haltet. Die Moral und Integrität, die wir in Bhârat finden, ist in keinem anderen Land zu entdecken. Bhârat ist wie eine goldene Schatzkiste. Ihr seid in einem solchen Land geboren – weshalb sollte es dann notwendig sein, sich auf die Suche nach Gold und Silber zu begeben? Aber leider missachten die Menschen dieses goldene Land und schätzen es gering. Die Gebildeten sollten geloben, Bhârats alte Herrlichkeit zu neuem Leben zu erwecken. Aber traurigerweise sind nicht einmal die Gebildeten in der Lage, Bhârats Größe zu erkennen.

Wir finden heute deshalb Bettler in den Straßen, weil wir sie ermutigt haben, indem wir ihnen Geld geben. Ihr solltet Bettlern niemals Geld geben. Wenn sie Nahrung oder Kleider brauchen, könnt ihr sie ihnen sicherlich geben. Aber ermutigt nicht die Angewohnheit zu betteln.

Bhârat hat sich unter allen Nationen einen großen Namen und Ruhm erworben. Doch die Leute von Rang und in Machtposition bringen das Land durch ihre korrupten Praktiken in Verruf. Niemand sollte sich an der Unsitte beteiligen, zu bestechen oder sich bestechen zu lassen. Auch die Regierung sollte davor gewarnt werden. Sie sollte Mittel und Wege finden, diesen Brauch des Bestechens und Bettelns zu stoppen. Bettlern sollte kein Geld gegeben werden. Man sollte ihnen Gelegenheiten verschaffen, sich selbst ernähren zu können. Helft den weniger Glücklichen und zeigt ihnen, wie sie im Leben vorankommen können. Nicht alle in dieser Welt können gleich sein. Ungleichheit wird es immer geben.

Heutzutage haben die Leute aus Selbstsucht und Eigeninteresse sogar Gott auf die Ebene eines Bettlers heruntergezogen. Wenn ihr einen Tempel aufsucht, hält der Priester euch einen Teller hin und erwartet ein paar Münzen als Opfergabe (dakshinâ). Die Leute legen ihre Gabe auf den Teller und bekommen vom Priester Prasad. Diese Sitte, um Dakshinâ zu bitten, kommt ebenfalls dem Bitten um Almosen gleich. Lasst uns das Betteln nicht als gegeben betrachten. Lasst uns in unseren Gedanken, Worten und Taten reich werden. Auch wenn ihr aus Mangel an Geld sterbt, bettelt niemals um Geld. Die Gebildeten sollten jenen, die ihre Zeit bettelnd auf den Straßen verbringen, eine Lektion erteilen. Wenn ihr auf einen Bettler trefft, solltet ihr zu ihm sagen: „Mein Lieber, du bist der Sohn der Mutter Bhârat. Deine Mutter ist nicht arm, sondern in jeder Hinsicht reich. Seit ewigen Zeiten hat sie für alle Nationen gesorgt. Als ihr Sohn ist es nicht recht von dir, zu betteln.“

Tragt nicht Münzen in eurer Tasche, um sie Bettlern zu geben. Es gibt euch vielleicht etwas Befriedigung, Bettlern ein paar Münzen zu schenken, aber ihr bringt dabei euer Mutterland in Verruf. Ihr solltet das Prestige und die Ehre eures Mutterlandes wahren. Ihr solltet ein vorbildlicher und würdiger Sohn Bhârats werden. Seid davon überzeugt, dass ihr geboren wurdet, um die Ehre eures Mutterlandes zu schützen. Welchen Sinn hat es sonst, als Sohn der Mutter Bhârat geboren zu sein?

Ihr habt sicherlich gehört, wie unsere Studenten Râmakathâ, die Geschichte Râmas, singen. Darin wird ein Vorfall beschrieben, wie Lava und Kusha ihre Mutter Sîtâ in gedrückter Stimmung vorfinden und sie zu trösten versuchen. Sie fragen sie: „Mutter, bitte lass uns die Ursache deines Schmerzes wissen. Welchen Sinn hat unser Leben, wenn wir deine Tränen nicht trocknen können? Unterschätze uns nicht, nur weil wir Kinder sind. Tatsächlich sind wir mächtiger als Râma. Deshalb, Mutter, vergieße keine Tränen! Wenn du Tränen vergießt, wird das ganze Land Schaden nehmen. Haben wir, als deine würdigen Söhne, nicht die Pflicht, dein Leid und deinen Schmerz zu beseitigen? Wir sind bereit, deine Interessen zu vertreten und dich glücklich zu machen, selbst wenn es unser Leben kosten sollte.“ Leider gibt es heutzutage keine solche vorbildlichen Söhne wie Lava und Kusha mehr. Die Menschen sind heutzutage geistig schwach geworden und es mangelt ihnen an Opfergeist. Selbst die so genannten großen und reichen Leute haben ihre niedrige Gesinnung nicht aufgegeben. Für mich sind sie es, die ihre Mitmenschen zu Bettlern machen. Wenn es darum geht, anderen zu helfen, sollte man nie „nein“ sagen.

Einst suchte ein Reicher einen Guru auf und bat ihn, ihm Weisheit zu schenken. Seine Taschen waren voll gestopft mit Banknoten. Während er dort saß, schickte der Guru einen seiner Schüler zu einem Laden, um einen fünf Rupienschein zu erbitten. Nach einiger Zeit kam der Schüler zurück und sagte, das Geschäft sei geschlossen. Der Guru schickte ihn zu einem anderen Geschäft und wieder kehrte der Schüler mit leeren Händen zurück. Das ging eine Zeitlang so weiter. Indessen bot der Reiche, der das alles mit ansah, keinen Fünfrupienschein aus seiner Tasche an. Da schalt ihn der Guru und sagte: „Obwohl deine Taschen voller Geldscheine sind, brachtest du es nicht übers Herz, dich von einem Fünfrupienschein zu trennen, als ich ihn sehr dringend brauchte. Wie erwartest du, Weisheit zu erlangen, ohne Opfergeist zu kultivieren?“

Sofort nahm der Geschäftsmann einen Fünfrupienschein heraus und bot ihn dem Guru an. Dieser akzeptierte den Schein nicht und sagte, man solle mildtätige Werke aus Liebe und nicht aus Zwang heraus tun.

Wenn jemand an eure Tür kommt und um Nahrung bettelt, solltet ihr ihn bereitwillig auf eure Veranda einladen und ihm ein reichliches Mahl geben, so dass er satt wird. Jeder hat den gleichen Anteil an allem, was in dieser Welt erhältlich ist. Heutzutage mangelt es den Menschen an Opfergeist. Sie sind Experten darin, Reden über Opfergeist zu schwingen, sind aber nicht bereit, sich auch nur von einem Paisa zu trennen, wenn es darum geht, das zu praktizieren, was sie predigen. Was nützt das Predigen, wenn ihr es nicht in Handlung umsetzen könnt?

Jene sind erhabene Seelen (mahâtma),
deren Gedanken, Worte und Taten sich
in völliger Harmonie befinden.

Ihr solltet kein Geld leihen, um anderen zu helfen. Teilt das, was ihr habt, mit euren Mitmenschen. So solltet ihr die Ehre und Würde der Bhâratîyas wahren. Heutzutage hat der Ruf des Landes Schaden genommen durch jene Leute, die sich zur Ebene von Bettlern erniedrigt haben. Durch die Gebildeten nimmt die Zahl der Bettler zu. Was ist der Zweck von Bildung? Bettler zu produzieren? Ich befürworte eine solche Bildung nicht.

Jemand mag eine hohe akademische
Qualifikation und eine herausragende
Position haben,
Reichtum anhäufen, barmherzige Werke
verrichten und Namen und Ruhm erlangen,
körperlich stark sein und ein langes
gesundes Leben genießen,
ein großer Gelehrter sein, der die Veden
studiert und lehrt,
aber nichts davon kommt einem wahren
Devotee des Herrn gleich.

Es fehlt den Menschen an Stärke und ihr Geist ist schwach geworden, weil ihnen die Hingabe an Gott fehlt. Sie hegen keine Liebe zu ihrem Mutterland. Als Folge davon schaden sie dem Ruf ihres Landes . Nur wenn ihr die Würde und Ehre von Mutter Bhârat aufrechterhaltet, werdet ihr ein wahrer und würdiger Sohn Bhârats genannt werden. Auch wenn ihr ein großer Gelehrter seid, eure Gelehrsamkeit bringt euch nichts, wenn ihr sie nicht dazu nutzt, die Ehre eures Landes zu schützen. Wenn ihr die Biographien edler Menschen wie Râmakrishna Paramahamsa, Vivekânanda und Rabrindanath Tagore lest, entdeckt ihr, dass sie alle die Leute ermahnten, ihre niedrige Gesinnung aufzugeben. Ihr solltet voller Stolz erklären: „Ich bin der Sohn von Bhârat.“ Der Junge, der zuvor sprach, erwähnte das. Wenn ihr ein wahrer Sohn Bhârats sein wollt, solltet ihr ein Leben des Opfergeistes führen. Falls notwendig, solltet ihr sogar bereit sein, eure Mahlzeit zu opfern, um die Hungrigen zu speisen.

Der Opfergeist, den Bhârata im Ramayana vorlebte, ist unvergleichlich. Als Râma in den Wald ging, sollte Bharata zum König gekrönt werden. Aber Bharata zog in den Wald, um Râma anzuflehen, nach Ayodhyâ zurückzukehren und den Thron zu besteigen. Lakshmana, der mit Râma im Wald war, beobachtete aus der Entfernung das Kommen von Bharata und seiner Gefolgschaft. Er wurde wütend, weil er fälschlicherweise glaubte, Bharata sei gekommen, einen Krieg gegen Râma zu führen. In zornigem Ton behauptete er: „Mutter Kaikeyî hat uns in den Wald geschickt. Jetzt lässt ihr Sohn uns nicht einmal im Wald in Frieden leben. Deshalb kommt er mit seiner Armee hierher. Wenn du es erlaubst, werde ich ihm eine geeignete Lektion erteilen.“ Als Antwort auf Lakshmanas Ausbruch sagte Râma: „Lakshmana, ich glaube, du hast selbst Verlangen nach dem Thron von Ayodhyâ entwickelt. Es ist besser, du gehst nach Ayodhyâ und herrschst über das Königreich. Ich werde Bharata bei mir im Wald behalten. Bharata ist voller Opfergeist und Charakter. Sein Opfergeist ist unübertroffen. Du hast seine edle Absicht missverstanden.“

Mittlerweile war Bharata eingetroffen und fiel Râma zu Füßen. „Mein Lieber, wie geht es den Eltern?“ lautete Râmas erste Frage an Bharata. Dann erkundigte er sich nicht nach dem Wohlergehen seiner eigenen Mutter Kausalya, sondern nach dem Wohlergehen Kaikeyîs. Als er den Namen Kaikeyî hörte, wurde Bharata wütend. „Diese böse Frau ist schuld daran, dass du im Wald leben musst. Die bloße Nennung ihres Namens erfüllt mich mit Widerwillen. Bitte erwähne ihren Namen nicht.“ Râma legte ihm die Hand auf die Schulter und besänftigte ihn mit den Worten: „Bharata, Mutter Kaikeyî ist eine edle Frau. Sie ist die Ursache dafür, dass mein Name gerühmt und überall verbreitet wird. Richte dich nicht nach dem äußeren Verhalten und sprich nicht schlecht über sie. Ihr Herz ist voll edler Absichten.“ Nachdem er so zu Bharata gesprochen hatte, ging Râma direkt zu Mutter Kaikeyî, fiel ihr zu Füßen und sagte: „Mutter, mit deinem Segen geht es mir gut hier. Mache dir meinetwegen keine Sorgen. Lass Bharata zum König von Ayodhyâ krönen. Lehre ihn die Regeln der Regierungskunst. Nach vierzehn Jahren werde ich zurück nach Ayodhyâ kommen und euch alle sehen. Es ist meine Pflicht, das Versprechen meines Vaters einzuhalten. Es genügt nicht, auf die Anweisung der Eltern zu hören. Man sollte sich strikt an die von der Obrigkeit festgelegten Regeln und Richtlinien halten und nach dem Wohlergehen und Glück der Mitmenschen streben. Nur dann kann man als idealer Bürger bezeichnet werden.“

Wir sollten als Bürger des Landes, das unter der Herrschaft Râmas steht, unser Leben seinem Vorbild gemäß führen.

Râmas Worte hinterließen einen unauslöschlichen Eindruck in Lakshmanas Gemüt. Er fiel Râma zu Füßen und bereute seinen Ausbruch. Er erklärte: „Bruder, als ich Bharata und seine Armee aus der Entfernung sah, überkam mich große Wut. Nachdem ich jetzt, die Wahrheit erfahren und deinen besänftigenden Worten gelauscht habe, ist mein Geist friedlich.“

Râma gab ihm den Rat, sich nicht vom Äußeren mitreißen zu lassen, sondern sich nach innen zu wenden und danach zu streben, Glückseligkeit zu erfahren. Als Bharata Râma anflehte, nach Ayodhyâ zurückzukehren, zog Râma ihn liebevoll an sich und antwortete: „Bharata, deine Absichten sind zweifellos edel, aber du solltest an die Anweisung unseres Vaters denken. Du musst dem Rat deiner Mutter folgen. Das ist die einzige Weise, wie du mich erfreuen kannst. Teile deine Liebe nicht nur mit deinen Freunden und Verwandten, sondern mit jedem. Denke daran, dass Opfergeist (tyâga) allein dir wahre Freude (bhoga) schenken kann.“

Der Weise Vasishtha vergoss Tränen, als er Râmas Worten lauschte. Er sagte: „Râma, ohne einen Fehler deinerseits bist du gezwungen, im Wald zu leben. Du hast sogar das dir zugefügte Unrecht vergessen und siehst in anderen nur das Gute. Deine Großherzigkeit bewegt uns tief. Dennoch bitten wir dich, deine Herrschaft in Ayodhyâ zu etablieren und allen Freude zu bereiten.“ Râma erwiderte lächelnd: „Jetzt leben wir unter Bharatas und nicht Râmas Herrschaft. In Zukunft wird das Land Bhâratadesha, das Land Bhârat, genannt werden.“

Dank solch edler Menschen voller Opfergeist hat Bhârat sich weiterentwickelt und eine herausragende Position erlangt. Kein anderes Land kann Bhârat, was Würde, Ehre und Reputation betrifft, gleichkommen. Die Menschen des alten Bhârat führten um das Wohlergehen des Landes willen ein Leben des Opfergeistes. Es gibt kein größeres Opfer, als das Opfer für die eigene Nation. Größe besteht nicht darin, wohltätige Werke zu verrichten, und Abermillionen Rupien zu spenden. Eure Gedanken, Worte und Taten sollten von Liebe durchdrungen sein. Ihr solltet euch bemühen, das Leiden eurer Mitmenschen zu lindern. Liebt alle, so wie ihr euch selbst liebt. Das ist euer Dharma. Dharma bedeutet nicht nur wohltätige Werke. Ihr solltet euer Herz mit rechten (dharmischen) Empfindungen füllen und Selbstsucht und Gier aufgeben. Behaltet immer das Wohlergehen der Gesellschaft im Auge. Betrachtet eure Mitmenschen nicht als „andere“. Teilt eure Liebe mit allen. Lebt in Freundschaft und entwickelt Einheit. Allein durch Liebe könnt ihr die Herzen anderer gewinnen und sie transformieren. Deshalb besteht das Gebot der Stunde darin, Liebe zu kultivieren und sie mit anderen zu teilen. Entwickelt Liebe zu Gott und Mitgefühl für jene, die weniger gesegnet sind als ihr. Das ist die Essenz von Bildung. Dient euren Eltern und macht sie glücklich. Was nützt es, eure Liebe mit anderen zu teilen, wenn euch das Leid eurer Mutter zu Hause nicht kümmert? Eure vorrangige Pflicht besteht darin, eure Eltern zu lieben und ihnen zu dienen. Dann könnt ihr eure Liebe mit anderen teilen. Das lehrte Râma Bharata. Er sagte: „Bharata, die Schatzkammer mit Geld zu füllen, bringt nichts. Nur wenn du das Geld für das Wohlergehen der Menschen nutzt, wirst du dir einen guten Namen verdienen und das Herz deiner Untertanen gewinnen.

Lakshmana und Shatrughna waren die Söhne von Mutter Sumitra. Lakshmana folgte Râma, während Shatrughna immer bei Bharata war. Sie dienten ihren älteren Brüdern mit höchster Liebe und Hingabe. In schwierigen Zeiten standen sie ihren älteren Brüdern zur Seite, gaben ihnen gute Ratschläge und unterstützten sie in jeder Hinsicht. Das war der Zweck, zu dem Sumitra sie gebar. All das war Bestandteil von Gottes großem Plan. Râma ermahnte Bharata, den Hass auf seine Mutter aufzugeben und sie aus ganzem Herzen zu lieben. Er erklärte ihm, dass das alles so geschehen musste und sie nicht ihr die Schuld geben sollten. Da Râma nicht nachgab und bei seinem Entschluss blieb, nicht nach Ayodhyâ zurückzukehren, bat Bharat ihn, er möge wenigstens seine Sandalen (pâdukâ) geben, damit sie stellvertretend für ihn auf den Thron gesetzt werden könnten.

Der Name Sumitra findet im Râmayana nicht den ihr gebührenden herausragenden Platz. Sie war ein Muster an Tugend und, ihrem Namen gemäß, allen eine guter Freundin. Sumitras Opfer war größer als das Kausalyas. Manche von Sumitras Tugenden waren nicht einmal in Kausalya und Kaikeyî zu finden. Bevor sie sich in den Wald aufmachten, suchte Râma Kausalyas Segen. Danach begab er sich zu Sumitras Residenz, verneigte sich vor ihr und verkündete: „Mutter, ich bin sehr glücklich darüber, der Anweisung des Vaters zu gehorchen und in den Wald zu ziehen, aber es macht mich traurig, dich zu verlassen. Ich bitte dich, schütte deine Liebe und deinen Segen über mich aus. Ich brauche nichts anderes.“ Mit diesen Worten verneigte er sich wieder und wieder vor ihr, verabschiedete sich und machte sich auf in den Wald. Sumitra war die edelste der drei Königinnen. Sogar der Weise Vasishtha und der Weise Vishvamitra rühmten ihre edlen Qualitäten. Wir sollten die Größe der anderen anerkennen und nicht uns selbst verherrlichen. Manchmal müssen wir, um die Größe der anderen hervorzuheben, bescheiden sein und uns im Hintergrund halten.

Studenten!

Setzt andere nie herab. Entwickelt Großherzigkeit und behandelt alle respektvoll. Betrachtet die anderen als eure Brüder. Wenn ein Hungriger zu euch kommt, heißt ihn mit offenen Armen willkommen und gebt ihm ein reichliches Mahl. Betrachtet niemals jemanden als einen Bettler oder Armen. Wenn man in diesem heiligen Land Bhârat geboren ist, kann man kein Bettler oder Armer sein. Alle sind reich. Wenn ihr jemanden für einen Bettler haltet, ist das nur ein Fehler in eurem Empfinden, der sich außen widerspiegelt.

Als Râma Sîtâs Bogen hob, war ihre Freude grenzenlos. Ihre Gebete waren erhört. Râma besaß als Verkörperung der Liebe und Rechtschaffenheit die Kraft, nicht nur einen Bogen Shivas, sondern zehn solche Bögen zu heben. Unter den vier Brüdern Râma, Lakshmana, Bharata und Shatrughna und ihren Gemahlinnen herrschte vollkommene Einheit und Harmonie. Sie glichen den verschiedenen Scheiben einer Orange. Eines Tages schälte Sumitra eine Orange und sagte, während sie Stück für Stück herausnahm: „Dies ist Râma, dies Lakshmana…“ Sie betrachtete jeden Teil der Frucht als Repräsentanten der vier Brüder und ihrer Ehefrauen. Sie war sehr froh, so tugendhafte Schwiegertöchter wie Sîtâ, Ûrmilâ, Mândavî und Shrutikîrti zu haben, und die Schwiegertöchter dienten ihren Schwiegermüttern sehr liebevoll und achtsam.

Die vier Brüder und ihre Ehefrauen waren immer derselben Ansicht. Deshalb verbreitete sich der Ruhm von Râmas Herrschaft überall hin. Da ihr in diesem heiligen Land Bhârat geboren seid, solltet ihr euch wie ein wahrer Bharatiya verhalten. Euer Herz sollte voller Süße sein. Meidet nicht jene, die eure Hilfe brauchen. Wartet stattdessen immer auf eine Gelegenheit, zu dienen. Diese Haltung des Opfergeistes (tyâga bhâva) allein kann euch wahre Freude (bhoga) vermitteln.

Wir feiern heute das heilige Fest Vijayâdashamî. Während der neun Tage des Navarâtrifestes führen die Menschen verschiedene Rituale durch. Wir sollten hoffen und beten, dass jeder Tag unseres Lebens so heilig wie diese neun Tage ist.

Lasst uns alle zusammen sein,
lasst uns gemeinsam wachsen,
lasst uns alle vereint bleiben und
unser Wissen teilen.
Lasst uns in Freundschaft ohne
Disharmonie zusammen leben.

Lebt in Einheit, nutzt eure Intelligenz auf rechte Weise und schenkt euren Eltern Glück. Wenn ihr euer Leben auf diese Weise führt, wird jeder Tag ein Fest- und Feiertag sein. Die ganze Welt wird jubeln! Ich wünsche, dass ihr alles, was ihr in diesen neun Tagen gelernt habt, in die Praxis umsetzt. Seid immer fröhlich. Erweckt niemals den Eindruck, als befändet ihr euch in tiefem Leid. Ich freue mich darüber, dass unsere Jungen niemals ein langes Gesicht ziehen, sie sind immer fröhlich. Vergesst von jetzt an alle Schwierigkeiten und teilt eure Liebe mit jedem. Dient allen.

Râma, Râma, Râma, Sîtâ….

Übersetzung der vom Ashram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Ansprache; S. B., Prashanti Nilayam.
(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. © , Dietzenbach)


    

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