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 Ansprache Sathya Sai Babas am 21.03.2004


Ugadi


Gutes und Schlechtes existieren gemeinsam.
Niemand kann sie voneinander trennen.
Aber ein Mensch mit beständigem
Glauben (shraddhâ) wird immer Gutes erfahren.
Was sonst ist dieser erhabenen Versammlung zu sagen?

Verkörperungen der Liebe!

Heute beginnt wieder ein neues Jahr. Viele neue Jahre sind vorbeigezogen, aber eure alten Gewohnheiten haben sich nicht geändert und das Leben bleibt das gleiche; denn ihr bemüht euch nicht, das Prinzip der Göttlichkeit zu erfahren, welches in allem in Gestalt der Liebe gegenwärtig ist. Liebe ist Gottes wahre Form. Dieses ewige Liebesprinzip zu erkennen, ist eure vorrangige Aufgabe.

Heute sucht ihr nach der Göttlichkeit. Warum sollte es notwendig sein, nach dem zu suchen, was überall und jederzeit gegenwärtig ist? Weil euch nicht bewusst ist, dass Gott immer bei euch und in euch ist, sucht ihr nach Gott und versucht, ihn durch Meditation zu schauen. Gebt euch jedoch nicht nur mit solchen spirituellen Übungen zufrieden. Was ist Meditation? Festhalten an der Wahrheit ist wahre Meditation. Das ewige, unsterbliche, wunderbare und glückselige göttliche Prinzip ist überall anwesend und ihr solltet euch bemühen, diese Wahrheit zu erkennen. Es ist der königliche Weg, um das Ziel des Lebens zu erreichen.

Die Menschen bemühen sich, die Wahrheit zu erkennen, aber ihre Bemühungen führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Göttlichkeit ist die Verkörperung ewiger Glückseligkeit, die in uns allen gegenwärtig ist. Wie könnt ihr sie schauen? Als erstes solltet ihr begreifen, dass es in dieser Welt keine höhere Kraft gibt als die Wahrheit. Eure vorrangige Aufgabe besteht darin, das Wahrheitsprinzip in euch zu erkennen, aber ihr vergesst eure angeborene Göttlichkeit und führt zahlreiche spirituelle Disziplinen durch, um die Göttlichkeit zu erfahren. In Wirklichkeit braucht ihr keine spezielle spirituelle Disziplin, um Gott zu schauen, der immer bei euch, in euch, über euch und um euch herum ist. Man braucht nicht nach ihm zu suchen!

Verkörperungen der Liebe!

Nach dem allgegenwärtigen Gott zu suchen, zeugt von Unwissenheit. Die Menschen führen verschiedene spirituelle Disziplinen wie yama, niyama, âsana, prânâyâma, pratyâhâra, dhâranâ, dhyâna und samâdhi[1] durch, um Göttlichkeit zu erfahren. Was ist unter samâdhi zu verstehen? Man sollte von sama – dhi sprechen, das ist der Intellekt, der in allen Situationen Gleichmut bewahrt. Tatsächlich ist dieser gleichmütige Intellekt in jedem Einzelnen vorhanden. Zu glauben, nur jene, die spirituelle Disziplin durchführten, könnten diesen Zustand erreichen, ist ein Irrtum.

Verkörperungen der Liebe!

Sucht ihr in der äußeren Welt nach euch selbst? Wer das tut, kann nur als närrisch bezeichnet werden! Um euch selbst zu sehen, solltet ihr eure Schau nach innen richten. Aber leider entfernt ihr euch von eurem heiligen Selbst, indem ihr verschiedene Dinge mit weltlicher Erwartung tut. Ihr seid mit dem heiligen Prinzip der Liebe ausgestattet. Diese göttliche Liebe ist eure innewohnende Natur; sie kommt nicht und geht nicht. Göttlichkeit unterliegt weder Geburt noch Tod und ist immer in euch gegenwärtig. Erkennt die Wahrheit „Ich bin Ich“, statt eure Zeit mit verschiedenen spirituellen Übungen zu verbringen. Wer diese Wahrheit erkennt, braucht keine spirituellen Übungen mehr durchzuführen.

Woher kommt dieses Ich? Es befindet sich in euch. Ohne das zu begreifen, sucht ihr in der äußeren Welt nach diesem göttlichen Selbst. Ihr müsst erkennen, dass diese Göttlichkeit in euch ist, aber durch eure Täuschung setzt ihr dieses Ichprinzip mit eurem Körper gleich. In Wirklichkeit seid ihr vom Körper verschieden. Versteht diese Wahrheit und handelt entsprechend. Wer die Anwesenheit Gottes in seinem Inneren erkennt, ist ein wahrer spirituell Suchender. Manche Leute setzen sich in eine Ecke, schließen die Augen und versuchen, über das Göttliche zu kontemplieren. Man braucht nicht nach seinem Schatten zu suchen, der immer bei einem ist. Entsprechend ist die Göttlichkeit, nach der ihr in der äußeren Welt sucht, in euch gegenwärtig.

Etliche Leute versuchten, Krishnas wahres Wesen zu erfassen und führten zu dem Zweck verschiedene spirituelle Übungen durch, aber letztlich konnte keiner das Krishnaprinzip verwirklichen. Wo ist Krishna in Wirklichkeit? Wo ist Gott? Er ist im eigenen Selbst gegenwärtig. Wer diese Wahrheit nicht erkennen kann und in der äußeren Welt nach ihm sucht, ist ein Ignorant. Krishna sagte einst zu Arjuna: „Ich bin dein und du bist mein. Ich und du sind eins.“ Diese Einheit nicht zu erkennen und in der äußeren Welt nach Gott zu suchen, ist töricht. Der Junge, der zuvor sprach, erzählte, er praktiziere Sadhana auf der Suche nach Gott. Man braucht nicht an irgendeinem fernen Ort nach Gott zu suchen.

Seine Hände, Füße, Augen, Ohren,
Köpfe und Münder sind überall.
Er durchdringt das gesamte Universum.

Wieso sollte man eigens nach dem allgegenwärtigen Gott suchen, wenn er doch allgegenwärtig ist? Was immer ihr seht, ist von Gott durchdrungen. Es gibt keinen einzigen Ort und keine Form, wo Gott nicht gegenwärtig ist.

Gott ist Liebe und Liebe ist Gott.
Allein durch Liebe könnt ihr
euch mit Gott verbinden.
Entwickelt Liebe und erreicht
den höchsten Zustand des Gleichmuts.

Es ist deshalb nicht nötig, speziell nach Gott zu suchen. Gott ist überall als Wahrheit gegenwärtig. Warum sollte man nach dieser Wahrheit suchen? Manche Leute glauben fälschlicherweise, Krishna wäre an einem bestimmten Ort geboren und hätte seine sterbliche Hülle an einem bestimmten Ort verlassen. Nein, diese Vorstellung ist nicht richtig! Krishna ist überall jederzeit gegenwärtig. Was immer ihr seht und wem immer ihr in dieser materiellen Welt begegnet, ist Krishnas Form. Nur die Namen ändern sich; Gott ist Eines allein. Es ist töricht, nach diesem allgegenwärtigen Gott zu suchen. Versucht, den euch innewohnenden Gott zu erkennen, statt außen nach Gott zu suchen. Fragt euch selbst, wer ihr seid. Gebt das Körperbewusstsein auf und identifiziert euch nicht mit dem Körper. Nur wenn ihr euch selbst mit dem Körper identifiziert, erhebt sich die Frage von Ich und Du. Wenn dieses Ich und Du ineinander aufgehen, herrscht Einheit. Aber leider sind die Menschen heutzutage unfähig, ihr egoistisches Ich zu vergessen. Wo immer ihr hinschaut, existiert nur das eine Ichprinzip, das in allen gegenwärtig ist. Wenn ihr erkennt, dass derselbe Atman jeden einzelnen Körper durchdringt, verschwinden die Unterschiede von Ich und Du. Aber ihr seid nicht in der Lage, eure falsche Identifizierung mit dem Körper aufzugeben, denn ihr seid es von Geburt an gewöhnt, euch mit eurem Körper gleichzusetzen.

Verkörperungen der Liebe!

Ob es um Liebe, Wahrheit, Frieden oder Göttlichkeit geht, es gibt keine Dualität. Sie sind alle eins. Nur wenn ihr den Geist der Einheit festigt, werdet ihr die Wahrheit erkennen können. Man kann Liebe nicht von außen erhalten; sie kommt aus dem Inneren. Wenn ihr diese Liebe mit jedem teilt, könnt ihr die Wahrheit erkennen, dass alle eins sind. (Swami zeigt sein Taschentuch und erläutert:) Das Taschentuch besteht aus Fäden, die wiederum aus Baumwolle hergestellt sind. Entsprechend besteht auch der Geist (engl. mind) aus Gedanken und Gegengedanken, Beschlüssen und Zweifeln (sankalpa – vikalpa).

Verkörperungen der Liebe!

Ihr müsst euch selbst fragen, in welchem Ausmaß ihr das Liebesprinzip verstanden habt, das in allen einheitlich gegenwärtig ist. Die Unterschiede entstehen aufgrund unserer Wahrnehmung und Gefühle. Von Anfang an wird der Mensch von seiner Identifizierung mit dem Körper bestimmt; daher nimmt er die Verschiedenheit in der Schöpfung wahr. In Wirklichkeit durchdringt Einheit allein die offensichtliche Verschiedenheit. Die Unterschiede sind nichts als Schöpfungen des Geistes. Um diese Unterschiede auszulöschen und das Prinzip der Einheit in der Vielfalt zu erkennen, muss man seine wahre Natur verwirklichen. Ihr erfahrt nur dann Verschiedenheit, wenn ihr eure Aufmerksamkeit von dieser Realität der Einheit abwendet. Richtet deshalb eure Wahrnehmungsfähigkeit auf das Prinzip der Einheit. Ich bin nicht dieser Körper; Ich bin Ich. Dasselbe Ich ist in jedem Einzelnen gegenwärtig. Wenn ihr mich (Sai Baba) mit der körperlichen Form identifiziert, trennt ihr euch von mir. Allein diese unterschiedlichen Gefühle schaffen die Unterschiede zwischen den Einzelnen. Das Ichprinzip ist das einzige in jedem Wesen anwesende grundlegende Prinzip. Jeder Mensch gleicht einem Spiegel und dasselbe Ich wird in jedem widergespiegelt. Die Spiegel sind verschieden, aber das Spiegelbild ist dasselbe. Diese Realität der Einheit müsst ihr erkennen.

Verkörperungen der Liebe! Schüler und Studenten!

Gott hat keine spezifische Form. Alle Formen sind sein, aber die Weisen beschreiben die Göttlichkeit auf verschiedene Weise. Deshalb heißt es:

Es gibt nur eine Wahrheit,
aber die Weisen geben ihr viele Namen.

Die Einheit als Verschiedenheit zu sehen, ist eine falsche Wahrnehmung, die aus Täuschung und Illusion (mâyâ) entsteht. In Wahrheit gibt es überall nur Einheit und keine Verschiedenheit. Was ihr als Vielfalt und Verschiedenheit wahrgenommen habt, ist nur eure Illusion. Vergesst diese Verschiedenheit und besinnt euch auf die Göttlichkeit, die Einheit. Egal, welchen Namen oder welche Form ihr der Göttlichkeit zuschreibt, Gott ist eines allein.

Einst hatte Krishnas glühendste Verehrerin Râdhâ erkannt, dass sie und Krishna aus atmischer Sicht eins sind. Aber durch ihr Körperbewusstsein (deha bhava) verlor sie dieses Gefühl der Einheit und glaubte, sie sei verschieden von Krishna.

Verkörperungen der Liebe!

Was immer ihr seht und wen immer ihr trefft, seht in jeder Form nichts anderes als die Manifestation der Göttlichkeit. Gebt Unterschieden von „Ich“ und „Du“ keinen Raum. Wo immer ihr in Gottes Schöpfung hinschaut, alles ist Reaktion, Spiegelbild und Echo. Ihr schaut in den Spiegel und behauptet, ihr befändet euch im Spiegel. In Wirklichkeit seid ihr nicht in dem Spiegel, sondern nur euer Spiegelbild erscheint im Spiegel. Wenn ihr hinter einen Berg geht und „oh!“ ruft, merkt ihr sofort, dass jemand mit derselben Intensität zurückruft. In Wirklichkeit ist es eure Stimme und nicht die eines anderen. So ist der Mensch heutzutage in falsche Vorstellung verstrickt. Wo immer ihr in dieser Welt hinschaut, es gibt nur Reaktion, Spiegelung und Widerhall. Was ihr außen seht, ist die Widerspiegelung eures inneren Wesens. Ihr begeht den Fehler, die Einheit als Verschiedenheit wahrzunehmen. Leider sind die Menschen heutzutage unfähig, ihr eigenes wahres Wesen zu verstehen.

Einst brachte ein junger Kuhhirte seine Herde zur Weide in den Wald. Während die Rinder grasten, begann er laut zu singen und das Lied hallte von den Bergen wider. Der naive Junge glaubte, jemand würde ihn aus Spaß nachahmen und wurde wütend. Als er heimkehrte, beklagte er sich bei seiner Mutter über den Vorfall: „Mutter, morgen bringe ich die Kühe nicht mehr in den Wald. Dort ist jemand, der nachäfft, was immer ich singe. Ich hasse ihn!“ Die Mutter versprach, am nächsten Tag mit ihm in den Wald zu gehen. Er nahm sie mit hinter die Hügel, begann laut zu singen und wieder konnte man den Widerhall desselben Liedes hören. Daraufhin erklärte die Mutter: „Sohn, niemand wiederholt aus Scherz dein Lied, sondern du hörst als Echo, was du selber singst.“ Gleich dem törichten Kuhhirten lässt sich der heutige Mensch von Spiegelung, Reaktion und Echo hinreißen.

Um Gott zu schauen, solltet ihr fest daran glauben, dass ihr nicht der Körper seid. Sich mit dem Körper zu identifizieren, ist nichts als eine Illusion. Die Studenten sollten das klar verstehen. Alles was außen gesehen wird, ist nur eine Spiegelung und nicht die Wirklichkeit. Ihr seht Sai Baba vor euch und identifiziert Sai Baba mit seinem Körper. Aber ich bin nicht der Körper. Ich und Du sind eins. Wenn ihr diese Wahrheit klar erkennt, gibt es überhaupt keinen Unterschied mehr. Wenn ihr jemanden auf die Wange schlagt, ist es, als ob ihr euch selber schlagt. Wenn ihr andere beschimpft, ist es, als ob ihr euer eigenes Selbst beschimpft. Ihr müsst die Folgen eurer Handlungen tragen. Ihr seid die Ursache eures Glücks oder Leids. Andere sind nicht dafür verantwortlich. In Wirklichkeit gibt es keine anderen. Alle sind eins. Wie können wir das behaupten? Angenommen, ihr habt 5000 Laddus zubereitet und an andere verteilt. Die Laddus mögen unterschiedlich sein, aber der Zucker in allen ist derselbe. Entsprechend ist dasselbe Atmanprinzip in jedem gegenwärtig. Bemüht euch, eure wahre Identität zu verstehen. Ihr seid die Verkörperung der Liebe. Das Prinzip der Liebe ist in allen ein und dasselbe. Ihr schenkt euren Kindern, Eltern und eurem Ehepartner eure Liebe. Euer Gefühl zu jedem von ihnen ist unterschiedlich, aber das grundlegende Prinzip der Liebe ist dasselbe. Der Atman ist die grundlegende Wahrheit. Er ist eines allein, ohne ein zweites.

Verkörperungen des göttlichen Atman!

Der Atman ist eines allein, er ist nicht dual. Wenn ihr die Wahrheit erkennt, dass derselbe Atman in allem gegenwärtig ist, werdet ihr von allen Unterschieden und Konflikten frei sein. Glaubt fest daran, dass ihr selbst in allen anwesend seid. Versteht dieses Prinzip der Einheit.

Alle Schüler und Studenten hegen unermessliche Liebe zu mir und sind glücklich, dass Baba sie liebt. Erkennt, dass Baba allein alle liebt. Ihr nehmt bei den einzelnen Menschen Unterschiede wahr, aber aus meiner Sicht sind alle eins. Ich und du sind eins. Glaubt fest an diese Einheit. Nur dann könnt ihr die Dualität transzendieren. Wenn ihr tief nachforscht, werdet ihr diese Wahrheit verstehen können. Habt Geduld. Seid nicht enttäuscht, dass ihr unfähig seid, die Vision des Göttlichen zu erhalten. Wenn ihr das Einheitsprinzip versteht und daran festhaltet, werdet ihr selber Sai Baba werden. Ihr seid göttlich, aber weil ihr trunken von dem Wein weltlicher Wünsche seid, könnt ihr es nicht erkennen. Alle sind Verkörperungen des Göttlichen. Ich bin nicht von euch verschieden und ihr seid es nicht von mir. Wir sind eins. Versteht und erfahrt diese Einheit.

Hari bhajana bina…

Übersetzung der vom Ashram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Rede.
(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)

[1] Aufgezählt sind die acht Disziplinen des Râjayogas, des achtgliedrigen Yogasystems von Patanjali:

1. yama: spirituelle Praxis der Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, des Nichtstehlens, der Enthaltsamkeit und des Nichtergreifens.

2. niyama: umfasst Reinheit, Zufriedenheit, spirituelle Praxis, Studium der Schriften, Hingabe an Gott.

3. âsana: rechte Körperhaltung und Körperübungen.

4. prânâyâma: Atemkontrolle.

5. pratyâhâra: Zurückziehen der Sinne und Vertiefung in das eigene innere Bewusstsein.

6. dhâranâ: Konzentration, Ausrichten der Aufmerksamkeit.

7. dhyâna: Meditation

8. samâdhi: Einheitserfahrung.


    

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