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 Ansprache Sathya Sai Babas am 12.01.2004


Die Sonne scheint heiter und freundlich,
die Tage sind kürzer
und sanft weht der kühle Wind.
Auf den Feldern ist die goldene
Ernte herangereift
und die Ringelblumen blühen
gleich Perlenketten an den Ufern der Flüsse.
Die Bauern singen ihre Lieder voll Freude.
Die reifen Chilies kleiden die Felder
in leuchtendrote Farben.
Das süße Sankrântifest ist gekommen
und füllt unsere Häuser mit frisch
geerntetem Getreide und Hülsenfrüchten.

Das bevorstehende Sankrântifest ist das wichtigste aller Feste. An diesem Tag bringen die Bauern das geerntete Getreide heim, speisen die Armen und sind voller Freude. Die vedischen Gelehrten stehen zur heiligen Brahmamuhûrtazeit[1] auf, rezitieren die vedischen Mantren und reinigen dadurch das Herz eines jeden. Auch für die Familienoberhäupter hat dieses Fest eine besondere Bedeutung. Sie laden ihre frisch verheirateten Schwiegersöhne in ihr Haus ein und schenken ihnen neue Kleider. Das ganze Haus ist von Freude erfüllt. Davon erzählt das folgende Volkslied:

Sankrânti ist das Fest der Feste!
Deshalb komm, frisch verheirateter Bräutigam,
besuche das Haus deiner Schwiegereltern!
Verbringe deine Zeit mit deinen Schwägern
und Schwägerinnen in Spiel und Spaß.
Die ganze Familie und Nachbarschaft
wird dich liebevoll und mit Zuneigung ehren.

Bei diesem Anlass werden auch die Ochsen kunstvoll geschmückt und zu den verschiedenen Häusern im Dorf gebracht; sie werden, als Ausdruck der Dankbarkeit für all die schwere Arbeit, die sie auf den Feldern leisten, verehrt und reichlich gefüttert. Auch die Rinder, die zum Haushalt gehören, werden gefeiert: Eine Kuh und ein Stier werden Sîtâ und Râma genannt und zwischen ihnen wird eine symbolische Hochzeit gefeiert. Sie werden die Straßen entlang geführt und zum Ergötzen aller lässt man sie tanzen. Auf diese Weise schenkt das Sankrântifest Bauern, Haushaltsvorständen, Priestern und Kindern große Freude. Aber nicht nur die Menschen, sondern auch die Vögel und Tiere freuen sich über das heilige Sankrântifest. Bei Sonnenuntergang ist es ein wundervoller Anblick, die Vögel, zurück in ihre Nester fliegen zu sehen; dabei zwitschern sie laut in ihrer eigenen Sprache und erfüllen die Luft mit freudigem Summen. Genauso entzückend ist es zu sehen, wie die Kühe von den Wiesen zurückeilen, um ihre Jungen zu füttern und wie die kleinen Kälber voller Sehnsucht laut nach der Zuwendung ihrer Mütter muhen. Das Sankrântifest ist so bezaubernd und einem jeden lieb. Kühle Winde, der melodische Gesang der Vögel und die Ernte des süßen Zuckerrohrs künden die Ankunft von Sankrânti. Die Leute feiern dieses Fest, indem sie Süßigkeiten und Reispudding verteilen. Dieses Fest vertreibt alle Enttäuschung und Verzweiflung und füllt unsere Herzen mit Hoffnung und Begeisterung. Die Menschen stehen frühmorgens auf, nehmen ein heiliges Bad und verehren ihre erwählte Gottheit wie zum Beispiel Ganapati, Subrahmanya und Shiva.

Shivas göttliche Gestalt
wird folgendermaßen beschrieben:
Sein Haupt ist mit der Mondsichel geschmückt,
das kühle Wasser des Ganges fließt
zwischen den verfilzten Locken,
das strahlende Auge in der Mitte seiner Stirn
schimmert einer Brombeere gleich,
ebenso der purpurne Nacken.
Auf diese Weise hat der Herr von Kailas
seine göttliche Gestalt manifestiert.
Er trägt Schlangen als Armreifen
und einen Schlangengürtel,
der ganze Körper ist mit heiliger Asche bedeckt,
die Stirn mit einem Kumkumpunkt geziert,
seine Lippen leuchten rot vom Saft der Betelnuss,
goldene Ohrringe, mit Diamanten bestückt,
schmücken seine Ohren;
sein ganzer Körper leuchtet
dunkel in göttlichem Glanz.

Aber heutzutage feiern die Menschen Sankrânti nicht im wahren Geist dieses Festes, ihre Feier beschränkt sich vielmehr auf bloße Rituale. Es mangelt den Menschen an Reinheit und Heiligkeit und durch Hass, Eifersucht und Zwietracht sind sie nicht in der Lage, die Glückseligkeit von Sankrânti zu genießen. Anlässlich des segensreichen Sankrântifestes werden die fünfjährigen Kinder unter dem Singen heiliger vedischer Mantren in die Ausbildung initiiert.

Unsere alten Weisen erklärten:
Ich habe das höchste Wesen geschaut,
das mit der Leuchtkraft einer
Billion Sonnen scheint
und jenseits der Dunkelheit
der Unwissenheit (tamas) ist.

Die Veden haben das Höchste Wesen auf vielfache Weise gerühmt. Der Rigveda enthält Mantren, die Gott und seine glückselige Form preisen, welche auf jeden anziehend wirkt.

Die Leute sprechen (an diesem Festtag) ihre Ochsen mit Namen wie Ramudu, Bhimudu etc. an, und die Kühe werden entsprechend Sîtâ, Gaurî, Lakshmî etc. genannt. Die innere Bedeutung dieses Brauches liegt darin, dass auch Tiere mit derselben Anteilnahme und Fürsorge wie Menschen behandelt werden. Die Kühe und Ochsen werden mit Saris und Dhotis geschmückt und in einer Prozession hinausgeführt.

Heutzutage führen sogar Vögel und andere Tiere ihr Leben in Übereinstimmung mit ihren natürlichen Eigenschaften und sind daher fähig Glück zu erfahren. Der Mensch hingegen hat seine wahre Natur vergessen, verhält sich wie ein Tier und führt als Folge davon ein jämmerliches Leben. Vögel und Tiere sind besser als Menschen, da sie in Einheit und Harmonie leben. Der Mensch ist jedoch durch den Einfluss der modernen Erziehung und Bildung auf die Ebene eines wilden Tieres herabgesunken. Er hat die Tugenden der Ehrlichkeit und Integrität verloren. Vögel und andere Tiere handeln mit Sinn und Verstand, doch der Mensch hält sich weder an das eine noch das andere. In jedem Haus und bei jedem Unternehmen wird dem Geld die höchste Priorität eingeräumt. Die Leute sind um des Geldes willen bereit, auf jede Ebene herabzusinken. Die Tiere sind zufrieden, wenn ihr Hunger gestillt ist, aber der Mensch kennt keine Zufriedenheit. Je mehr er verdient, desto gieriger wird er.

Wenn ein Hund krank ist, frisst er nichts. Ihr habt es vielleicht bemerkt, wenn ihr ein Haustier habt: Selbst wenn ihr ihm gewaltsam Milch in den Mund flößt, weigert es sich zu trinken und zieht es vor, einen leeren Magen zu haben. Wenn der Mensch dagegen krank ist, hält er keine derartige Diät ein. Auch wenn er nur ein wenig Temperatur hat, will er sich ausruhen, legt sich auf sein Bett und deckt sich von Kopf bis Fuß zu. Er gibt jedoch seinem Magen keine Ruhe und hält selbst bei hohem Fieber, die nötigen Diätvorschriften nicht ein. Er liebt es, Süßigkeiten wie Mysorepak, Burfi, Gulab Jamun usw. zu essen, die seine Krankheit nur verschlimmern. Der Mensch verhält sich wie ein Tier und Tiere verhalten sich wie Menschen! Wenn jemand sich falsch verhält, tadeln die Älteren ihn mit den Worten: „Warum benimmst du dich wie ein Tier?“ Durch den Einfluss der modernen Erziehung und Bildung hat der Mensch Moral und Integrität verloren und ist schlimmer als ein Tier geworden. Er erwirbt hohe akademische Grade wie B.A. und M.A., aber was bringt es? Er fügt seinen Titeln den Buchstaben D hinzu und wird bad und mad, schlecht und verrückt. Diese Art pervertierten Verhaltens ziemt sich nicht für einen Menschen. Der Mensch sollte gute Gedanken, gute Eigenschaften und einen guten Charakter entwickeln. Im Gegensatz dazu schlägt er falsche Wege ein, um zu Geld zu kommen.

Geld kommt und geht, Moral kommt und wächst.

Aber der Mensch verkauft um des Geldes willen seine Moral auf dem Marktplatz.

Verkörperungen der Liebe!

Bemüht euch wenigstens von diesem Sankrântitag an um die Entwicklung guter Eigenschaften. Wandelt euer Verhalten zum Besseren. Die indischen Festtage sind dazu gedacht, heilige Lehren zu vermitteln und das Verhalten des Menschen zu transformieren. Sie dienen nicht dazu, nur zu essen, zu trinken und vergnügt zu sein. Als erstes sollte eine Transformation auf der Ebene des Einzelnen stattfinden. In der Familie sollte Einheit herrschen. In alten Zeiten lebten die Menschen in Großfamilien. Die jungen Ehepaare lebten mit ihren Eltern, Schwiegereltern und anderen Respektspersonen der Familie harmonisch zusammen. Wenn das Ehepaar eine Meinungsverschiedenheit hatte, gaben die Älteren der Familie die rechte Anleitung und besänftigten sie. Die Schwiegertöchter folgten uneingeschränkt dem Rat der Familie der Schwiegereltern. Als Folge davon gab es in der Familie nie Raum für Konflikte. Aber der moderne Trend geht dahin, dass die Schwiegertochter nicht im Haus der Schwiegereltern leben will, sondern die Teilung der Familie wünscht. Aufgrund dieser trennenden Haltung vermehren sich die Konflikte in der Familie. Als Folge davon ist das Kaliyuga (das gegenwärtige dunkle Eiserne Zeitalter) zum Kalahayuga und Kalmâshayuga, dem Zeitalter der Konflikte und der Verschmutzung geworden. In jenen Tagen sprachen die Menschen immer auf gefällige Weise. Sie hießen ihre Gäste aus ganzem Herzen willkommen und sprachen liebenswürdige Worte: „Wie geht es dir? Bitte nimm an unserem Essen teil“, etc.. Die Wärme und Zuneigung des Gastgebers stillte den Hunger des Gastes noch mehr als das Essen selbst. Doch heutzutage wollen die Leute ihre Gäste nicht einmal an einem Festtag bewirten. Wenn ein Gast das Haus betritt, begrüßen sie ihn mit den Worten: „Bitte komm herein, ich hoffe, du hast schon gegessen; bitte setz dich.“ Der Mensch ist so engstirnig geworden, dass er den Gästen nicht einmal einen Happen Essen anbieten will. Wie könnt ihr bei diesem traurigen Stand der Dinge erwarten, dass die Kinder ideale Bürger werden? Durch den Einfluss der Eltern werden auch die Kinder engstirnig und engherzig. Die Eltern wollen, dass die Kinder eine moderne Bildung erhalten und viel Geld verdienen. Um die Kinder in teuren prestigeträchtigen Schulen ausbilden zu lassen, muss sogar die Mutter arbeiten gehen und die Kinder werden der Fürsorge von Kindermädchen überlassen, so dass die Kinder die Liebe der Mutter nicht erfahren können. Die Kinder vergießen Tränen, wenn die Kinderfrau, nicht aber wenn die Mutter stirbt! Die Kinder sollten unter der liebevollen Fürsorge der Mutter aufwachsen und ihren heiligen Lehren zuhören. Wie sonst können sie im Leben vorankommen? Die moderne Bildung kann dem Leben des Menschen keine Erlösung bringen.

Mögen sie auch hohe akademische
Grade wie B.A. und M.A.
und Ruhm erlangt haben,
allen Reichtum besitzen,
wohltätig handeln,
Verdienst und einen guten Ruf erwerben,
alle Körperkraft besitzen und
ein langes gesundes Leben führen,
Brahmanen sein, welche die Veden lehren
und spirituelle Praktiken wie Askese
und Meditation üben:
so kommt doch keiner von ihnen
einem Gottergebenen gleich.

Was hat es mit dieser Bildung auf sich? Sie führt nur zu Aufruhr. Die Leute erwerben nur Abschlüsse, ohne jedoch ihr Bewusstsein zu erweitern. Wahre Bildung bewirkt eine Transformation des Herzens. Liebe sollte sich ausweiten. Doch das gegenwärtige Bildungssystem führt zu Engstirnigkeit und Engherzigkeit. Die Leute sind aufgrund ihrer akademischen Qualifikationen hochgradig egoistisch und haben die Essenz der indischen Kultur, nämlich Moral und Integrität, aufgegeben. Wie kann man ohne die Tugend der Aufrichtigkeit Glückseligkeit erreichen? Wie kann Bildung ohne Moral euer Leben heiligen? Heutzutage wandern die Studenten, sobald sie ihre Studien abgeschlossen haben, in Länder wie Amerika, Japan, Deutschland usw. aus. Die Eltern reisen die weite Strecke, um Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und dann bitten die Kinder sie, im Restaurant zu essen! Die modernen gebildeten Leute sind nicht einmal so gesegnet, ihren Eltern mit ihren eigenen Händen Essen anbieten zu können. Sie zeigen ihren Eltern, die sie mit Liebe und Sorgfalt aufgezogen haben, keine Dankbarkeit. Das ist die schlimmste Sünde. Ihr solltet euch gut um eure Eltern kümmern, euch in ihrem fortgeschrittenen Alter ihrer Bedürfnisse annehmen und ihnen mit Liebe und Anteilnahme Schutz gewähren. Wenn die Eltern alt werden, verlangen die Kinder heutzutage einen Teil ihres Besitzes. Sie sind an Eigentum interessiert, nicht aber daran, einen rechten Geist zu entwickeln. Sie schrecken nicht einmal davor zurück, zum höchsten Gerichtshof zu gehen, um ihre Streitereien um den Besitz zu regeln. Man sollte stattdessen danach streben, den höchsten Seinszustand zu erreichen, indem man Tugenden kultiviert. (Swami spielt im Englischen mit den Worten Supreme Court, Supreme State, A. d. Ü). Je gebildeter man ist, desto tugendhafter sollte man werden.

Liebe Studenten!
Ihr habt gerade gesehen, wie ich einen amerikanischen Jungen zu mir rief. Dieser Junge geht in unserem Institut zur Schule und lernt zugleich die Veden. Ganz gleich welchen Abschnitt der Veden ihr abfragt, er kann das betreffende Mantra wunderbar rezitieren. Es ist wirklich das gute Los der Eltern, ein solches Kind zu haben, und nur dank solcher Eltern kann ein Kind gute Eigenschaften entwickeln. Obwohl die Eltern dieses Jungen in Amerika leben, haben sie ihn fern von ihrer Heimat in unser Institut geschickt, damit er gute Eigenschaften und gutes Verhalten erlernen kann. Eigentlich gibt es in Amerika alle Möglichkeiten, ihren Sohn dort ausbilden zu lassen, aber sie wollen nicht, dass ihr Sohn in Amerika erzogen wird. Sie lieben unser Land und die edlen Eigenschaften, die die Kinder hier aufnehmen. Hier erhalten die Kinder eine Bildung, die mit Liebe gepaart ist. Die Kinder verbeugen sich mit Respekt und Ehrfurcht vor ihren Eltern. Die Eltern waren durch diese edlen Eigenschaften so beeindruckt, dass sie ihren Sohn hierher brachten, damit er in unserer Einrichtung zur Schule geht.

Ein kleines Beispiel. Es gab einst einen Hindigelehrten, der für seine literarischen Fähigkeiten berühmt war. Seine beiden Söhne studierten in Allahabad, er und seine Frau lebten in einer Kleinstadt. Eines Tages mussten er und seine Frau mit dem Zug reisen, um in einer anderen Stadt einen Besuch zu machen, dabei kamen sie auch durch Allahabad. Der Hindugelehrte schrieb seinen Söhnen, sie sollten kommen und sie zu einer bestimmten Zeit am Bahnhof treffen.

Der Zug hielt an der Station und die Eltern standen in der Tür des Waggons. Sie sahen ihre Söhne auf sie zueilen. Der Ältere berührte die Füße beider Eltern, bevor er mit ihnen sprach, aber der jüngere Sohn zeigte nicht diesen Respekt und diese Ehrfurcht. Als die Eltern sich nach ihrer Gesundheit und ihren Studien erkundigten, antwortete der ältere Sohn: „Es geht uns gut hier. Bitte sorgt für eure Gesundheit. Euer Glück ist unser Glück.“ Der jüngere Sohn hingegen fragte gar nicht nach ihrer Gesundheit, sondern bat um mehr Geld. Ehe sich der Zug in Bewegung setzte, verneigte sich der ältere Sohn noch einmal und berührte die Füße seiner Eltern, der jüngere dagegen winkte nur mit der Hand. Während der Zug den Bahnsteig verließ, beobachteten die Eltern ihre Söhne durch das Fenster. Der Ältere grüßte sie bis zum Schluss respektvoll (namaskâra), wohingegen der jüngere Sohn seine Hände in die Hosentasche steckte und gelangweilt umherschaute.

Als die Mutter das Verhalten des jüngeren Sohnes sah, war sie besorgt. Sie machte ihren Ehemann für das rücksichtslose Verhalten des Sohnes verantwortlich und sagte: „Du hast ihn um seiner Ausbildung willen fortgeschickt. Weil niemand da ist, der ihn richtig anleitet, verhält er sich wie ein Tier.“ Der Vater besänftigte sie mit den Worten: „Er ist schließlich jung, er wird lernen und sich im Lauf der Zeit bessern.“ Aber die Mutter ließ sich nicht versöhnlich stimmen, sondern stellte fest: „Er macht bereits seinen Abschlusskurs, wann wird er es lernen, wenn nicht jetzt?“ Sie konnte ihre Gefühle nicht beherrschen und weinte.

Die Worte der Mutter stellten sich als wahr heraus. Im Lauf der Zeit erreichte der ältere Sohn dank seiner Sorgfalt und seines guten Benehmens eine hohe Stellung in der Gesellschaft und wurde wegen seiner Manieren und seiner Höflichkeit sehr geachtet. Er verbeugte sich vor seinen Eltern und sagte: „Euer Segen ist die Ursache dafür, dass ich im Leben voran kommen konnte.“ Die Eltern vergossen Freudentränen und segneten ihn reichlich: „Sohn, dank deiner Tugenden hast du im Leben eine hervorragende Stellung erreicht.“ Und was geschah mit dem jüngeren Sohn? Er hatte keine guten Prüfungsergebnisse und musste sich schließlich mit einem kleinen Angestelltenjob zufrieden geben. Während der ältere Sohn von jedem gegrüßt wurde, musste der jüngere jeden grüßen. Wie kann jemand, der seine Eltern nicht respektiert, von anderen respektiert werden?

Wie man empfindet, so geschieht es.

Unsere Zukunft hängt von unserem gegenwärtigen Verhalten ab. In den westlichen Ländern erweisen sie heute Respekt und erhalten Respekt. Jedoch in unserem Land verschwindet diese Qualität. Wenn ihr eure eigenen Eltern nicht respektiert, wollen euch nicht einmal die Hunde anschauen. Deshalb solltet ihr, wohin ihr auch immer geht, niemals vergessen, eure Eltern zu achten. In unserem Land haben die Veden ebenfalls gemahnt:

Verehrt eure Mutter,
euren Vater,
euren Lehrer
und euren Gast wie Gott.

So förderten sie durch ihre Mahnung edle Eigenschaften. Wer seine Eltern respektiert und ihren Anweisungen gehorcht, wird im Leben sicherlich hohe Stellungen erreichen. Tatsächlich ruft das Sankrântifest uns dazu auf, diese edlen Qualitäten zu kultivieren. Krânti bedeutet Transformation. Deshalb sollte Sankrânti eine Transformation in unserem Leben bewirken. Aber wie reagieren wir darauf? Sind wir in der Lage, uns in unserem Leben zu transformieren? Nein. Der Zweck unserer Bildung besteht darin, von schlechten Eigenschaften frei zu werden und gute Eigenschaften und gutes Verhalten zu entwickeln. Dafür sind die indischen Festtage gedacht. Aber niemand erkennt die inneren Bedeutungen dieser Feste.

Verkörperungen der Liebe! Studenten!
Eure Eltern bemühen sich sehr, euch zu ernähren, auszubilden und im Leben voranzubringen. Selbst wenn sie dafür hungern müssten, würden sie irgendwie versuchen, euch zu ernähren und für euer Wohlergehen zu sorgen. Sie bemühen sich immer, euch bei guter Laune und in guter Verfassung zu halten. Sie geben euch gutes Essen, gute Kleidung und gute Ausbildung. Wie könnt ihr erwarten, dass die Gesellschaft euch achtet, wenn ihr solche Eltern nicht respektiert?

Ihr habt alle von Abraham Lincoln gehört. Er ging in seiner Kindheit mit wohlhabenden Jungen zur Schule, die kostspielige Kleidung und Schmuckstücke trugen. Lincoln jedoch musste mit abgetragenen, von seiner Mutter geflickten Kleidern zur Schule gehen. Eines Tages machten seine Freunde sich über seine armselige Kleidung lustig. Er war tief verletzt, ging sogleich weinend zu seiner Mutter und erzählte ihr: „Mutter, ich werde künftig nicht mehr zur Schule gehen. Meine Klassenkameraden machen sich über mich lustig und verachten mich als einen armen Jungen, der nicht in der Lage ist, sich angemessen zu kleiden.“ Daraufhin nahm die Mutter ihn liebevoll in ihre Arme und tröstete ihn mit den Worten: „Mein lieber Sohn! Du brauchst dich wegen einer solchen Belanglosigkeit nicht zu bekümmern. Dies alles wird dir in deinem zukünftigen Leben helfen. Bedenke unsere Familiensituation. Miss dem, was andere sagen, keine Bedeutung bei. Führe ein Leben des Selbstvertrauens und der Selbstachtung. Respektiere jeden Einzelnen und werde von jedem respektiert.“ Von dem Tag an setzte Lincoln den Rat seiner Mutter in die Tat um und fing an, jeden zu respektieren. Nach und nach konnte Abraham Lincoln sich durch sein gutes Verhalten die Achtung aller Leute verdienen und erwarb sich einen sehr guten Ruf. Etwas später wurden in Amerika Wahlen abgehalten. Lincoln wurde von seinen Freunden und Gönnern dazu überredet, sich für die Wahlen aufstellen zu lassen. Schließlich beugte er sich ihren Wünschen und kandidierte für die Wahlen. Er gewann mit überwältigender Mehrheit und wurde nach einiger Zeit Präsident von Amerika. Er erreichte diese herausragende Position, weil er dem Rat seiner Mutter uneingeschränkt folgte und jeden respektierte. Er hatte nicht viel Geld, aber er besaß den Schatz der Tugenden. Er freute sich über das Wohlergehen anderer, war zufrieden mit dem, was er hatte und verlangte nicht nach Geld und materiellem Besitz. Dank dieser edlen Eigenschaften stieg er zur Position des amerikanischen Präsidenten auf. Während seiner Amtszeit erließ er ein Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei der schwarzen Afrikaner in Amerika und beendete dadurch ihr unmenschliches Leid.

Es ist die Selbstachtung, die den Menschen schützt und ihm eine hervorragende Position einbringt. Ihr mögt finanziell gesehen arm sein, aber wenn ihr eure Selbstachtung bewahrt, werden alle euch respektieren. Schaut nicht verächtlich auf die Armen herab. Respektiert sie und behandelt sie mit Liebe. Das entspricht der wahren menschlichen Natur. Lincolns Mutter lehrte ihren Sohn solche edlen Eigenschaften, und aus diesem Grund sah Lincoln seine Mutter als Gott an und verehrte sie. Wer immer euch heilige Qualitäten vermittelt, ist euer Gott. Man sollte nicht irgendwo sonst nach Gott suchen. Wenn ihr Selbstachtung entwickelt, wird Gott sich direkt vor euch manifestieren.

Liebe Schüler und Studenten!
Ihr müsst eure Eltern respektieren, egal wer und in welcher Verfassung sie sind. Achtet ihre Worte und gehorcht vorbehaltlos ihren Anweisungen. Nur dann könnt ihr euch die Achtung der Gesellschaft verdienen. In vergangenen Zeiten gehorchten alle großen Menschen ihren Eltern, respektierten sie und waren so ein Beispiel für die Welt. Kennt ihr die grundlegende Bedeutung der alten Sitten und Traditionen Indiens? Früher wurden zum Beispiel hohe Gebäude mit niedrigen Türen errichtet. Wisst ihr warum? Wir glauben, diese kleinen Türen dienten dem Zweck, Diebe davon abzuhalten, ins Haus einzudringen und leicht zu entkommen. Nein, das war nicht der Grund. Diese Türen wurden absichtlich niedrig gehalten, damit die Gäste der Tradition folgen konnten, die Häuser, als Ausdruck des Respekts für die Hausbewohner, mit gesenktem Haupt zu betreten. So diente jede Sitte und Tradition Indiens dazu, unter den Menschen gegenseitige Achtung und gegenseitiges Wohlwollen zu fördern. Diese Sitten wurden mit großer Sorgfalt und Weisheit festgelegt, aber sogar die Inder haben diese edlen Traditionen vergessen. Heutzutage findet man nicht einmal eine Schwelle vor der Tür des Hautpeingangs des Hauses, weil man glaubt, sie würde den Zutritt zum Haus unnötig behindern. Nein, es ist überhaupt keine Behinderung. Die alten Sitten und Bräuche Indiens dienen dazu, unter den Menschen Demut, Respekt und Ehrfurcht zu fördern.

Liebe Studenten!
Ihr müsst diese großen Traditionen lernen und beachten und euch den Respekt der Menschen verdienen. Bereitet euren Eltern durch euer Verhalten Freude. Die Eltern sollten glücklich sein, weil ihre Kinder ihnen gehorchen. Es genügt, wenn ihr euch diesen guten Ruf erwerbt. Gottes Gnade kann nicht durch bloße Rituale wie z. B. Gottesdienst erlangt werden. Wie qualifiziert ihr auch sein mögt, dies fördert nur euer Ego, nicht aber Demut und Respekt Eltern und Älteren gegenüber. Ihr müsst deshalb Demut, Respekt und Ehrfurcht entwickeln. Nur dann werdet ihr gute Bürger des Landes werden. Es ist nicht notwendig, Größe zu erlangen. Es genügt, wenn ihr gute Bürger werdet. Berühmtheit und Ruhm kommen heute und gehen vielleicht morgen schon verloren. Aber der gewonnene gute Ruf bleibt immer bestehen. Erwerbt euch deshalb einen guten Ruf.

Wir müssen Gottes Gnade (grace) verdienen. Aber im Gegensatz dazu verlangen die Leute nach dem Gras (grass) der weltlichen Wünsche. Vieh frisst Gras. Ihr solltet nicht zu Vieh werden, indem ihr Geschmack an solchem Gras entwickelt. Strebt danach, Gottes Gnade zu erlangen und werdet dadurch zu guten Menschen.

Liebe Studenten!
Dies sind die heiligen Tage des Sankrântifestes. Bei dieser Gelegenheit müssen wir die Eigenschaft kultivieren, andere zu achten und von ihnen geachtet zu werden. Ich gebe euch ein kleines Beispiel. (Swami ruft den amerikanischen Jungen, einen Schüler der Shri Sathya Sai Higher Secondary School und sagt:) Dieser Junge erhält nicht nur in den Schulfächern den ersten Platz, sondern auch beim Studium der Veden. Durch sein gutes Verhalten hat er seinen Eltern unglaubliche Freude bereitet. Sein Vater ist sehr glücklich, weil sein Sohn sich einen sehr guten Ruf verdient hat und von allen geschätzt wird. (Swami ruft den Vater des Jungen herbei und überschüttet ihn mit Segen.) Die Mutter des Jungen arbeitet in unserer Grundschule und ist die ganze Zeit glücklich. Die Eltern haben dank seines vorbildlichen Verhaltens die Liebe und Achtung aller erworben. Auf diese Weise sollte jeder von euch sich bemühen, seinen Eltern einen guten Ruf zu bringen. Nur dann werden eure Eltern die wahre Freude erleben, euch zum Sohn zu haben. Auch wenn ihr viel Geld verdient und große Gebäude errichtet, kann euch das keinen guten Ruf verschaffen. Diese Dinge sind vergänglich. Wenn ihr euch einen guten Namen macht, wird dieser euch immer begleiten. Bringt der Institution, in der ihr studiert habt, einen guten Ruf. Anhand eurer edlen Eigenschaften sollten die Menschen euch als Sathya Sai Studenten erkennen können.

Wie ihr wisst, verlangen wir keinen Paisa Gebühren von unseren Studenten. Darüber hinaus stelle ich bedürftigen und verdienstvollen Studenten Bücher und andere Hilfsmittel zur Verfügung. Die Studenten empfinden überwältigende Liebe zu Swami und auch Swami überschüttet sie mit seiner Liebe und Gnade. Wenn sie ihre Eltern verlassen und hierher kommen, vergießen sie keine Tränen, doch wenn ich nach Brindavan gehe und von dort nach Puttaparthi zurückkehre, weinen die Brindavanstudenten, weil sie die Trennung von mir nicht ertragen können. Wie entstand diese intensive Liebe? Swamis Liebe ist dafür verantwortlich. Es ist Liebe allein, die ich an alle austeile. Mein Besitz besteht nicht aus stattlichen und prächtigen Gebäuden. Liebe ist mein größter Besitz. Ich gebe meine Liebe und erhalte wiederum eure Liebe. Ich sage den Studenten oft: „Schenkt mir eure Liebe und ich werde euch geben, was immer ihr wünscht.“ Deshalb hegen die Studenten eine so intensive Liebe zu mir. Entwickelt immer mehr Liebe. Liebt eure Eltern. Folgt ihrer Anweisung. Dann wird euer Leben mit Sicherheit geheiligt.

Denkt immer an Gott. Wo auch immer ihr euch befindet, ob im Wald oder im Himmel, im Dorf oder in der Stadt, auf einem Berg oder mitten im tiefen Ozean, Liebe allein kann zu eurer Rettung kommen. Sie ist immer bei euch, in euch, um euch herum, über euch und unter euch.

Chala santosham – Sehr glücklich!

Hari bhajana bina…

Übersetzung der vom Ashram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Rede, S. B., Prashanti Nilayam.
(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)

[1] Die Zeit morgens zwischen 3 und 6 Uhr, A. d. Ü,


    

Copyright Sathya Sai Vereinigung e. V.