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 Ansprache Sathya Sai Babas am 02.07.2004


Gurupurnima


Duldsamkeit ist die wahre Schönheit
dieses heiligen Landes Bhârat.
Von allen Ritualen ist Festhalten an
der Wahrheit die größte spirituelle Disziplin.
Das kostbarste Gefühl in diesem Land
ist das Empfinden der Liebe zur eigenen Mutter.

Verkörperungen der Liebe!

In diesem heiligen Land Bhârat ist Duldsamkeit die wahre Schönheit. Der moderne Mensch hat keine Ahnung, was Duldsamkeit ist und kann nicht erkennen, dass Duldsamkeit oder Toleranz die wahre Schönheit dieses Landes ausmacht. Ein Mensch ohne Toleranz ist überhaupt kein Mensch. Wir sollten Mitgefühl und Toleranz für die Armen und körperlich Behinderten empfinden; doch der moderne Mensch verachtet diese unglücklichen Menschen. In Wirklichkeit ist Toleranz das wertvollste heilige Mantra der Inder, aber aus Unwissenheit hat der Mensch dieses heilige Mantra aufgegeben und lässt sich von Yantra (Maschine, Instrument) und Tantra (Riten) beeindrucken.

Duldsamkeit oder Toleranz ist die Eigenschaft, die von einem Devotee am meisten erwartet wird. Was ist Hingabe, Bhakti? Etliche Menschen hegen die falsche Vorstellung, Hingabe bestünde darin, ein paar Statuen anzubeten, bestimmte Gelübde einzuhalten und einige Rituale durchzuführen. Es ist nicht so einfach. Die wichtigste Aufgabe eines jeden Devotees, insbesondere der Inder, liegt darin, die Eigenschaft der Toleranz und Duldsamkeit zu praktizieren.

An der Wahrheit festzuhalten, ist wahre Askese. Heutzutage hat der Mensch dieses Prinzip vergessen. Duldsamkeit ist eine Eigenschaft, welche die Menschen zu edlen Taten inspiriert. Sie sollte auch anderen gelehrt werden, damit sie diese edle Eigenschaft in sich aufnehmen können.

Liebe zur Mutter ist das erhebende Gefühl in diesem Land. Die Menschen vernachlässigen heutzutage die wichtige Pflicht, jede Frau wie die eigene Mutter zu betrachten. Es gibt in der Welt nichts Größeres und Süßeres als diese mütterliche Liebe. Wer diese erhabene Empfindung kultiviert hat, ist glücklich zu preisen. Dieses mütterliche Empfinden kann man nicht kaufen oder mieten, es entspringt vielmehr der natürlichen Liebe zur eigenen Mutter. Das indische Volk hat diese edlen Eigenschaften aufgegeben und versucht stattdessen, fremde Kulturen und Traditionen zu imitieren und zu kultivieren. In der Tat rennen die Inder der ausländischen Kultur mit übertriebenem Enthusiasmus nach, als wäre diese ihr Lebensatem selbst!

Verkörperungen der Liebe!

In dieser Welt ist nichts Heiligeres zu finden als Liebe. Heute trefft ihr überall auf weltliche und körperliche Liebe, es ist jedoch sehr schwierig, Liebe zu finden, die von atmischer Glückseligkeit erfüllt ist.

Verkörperungen der Liebe!

Liebe besteht nicht nur in der Beziehung zwischen zwei Menschen auf der Körperebene. Wahre Liebe strahlt von Herz zu Herz. Heutzutage vernachlässigen die Inder diese heilige erhabene Liebe. Allein die Liebe zu Gott hat die Menschen in diesem heiligen Land Bhârat seit alters her erhalten und geschützt, so wie die Augenlider das Auge beschützen. Diese göttliche Liebe erfüllt das gesamte Universum. Wo immer ihr nach ihr sucht, ist sie gegenwärtig. In dieser Welt existiert nichts anderes als göttliche Liebe. Alle anderen Arten der Liebe sind bloß vorübergehende Verblendung. Wahre Liebe steigt aus der Tiefe des eigenen Herzens empor. Diese göttliche Liebe zu kultivieren und mit anderen zu teilen, erfreut mich zutiefst. Heutzutage findet ihr überall weltliche und körperliche Liebe, die dazu dient, selbstsüchtige Ziele zu erreichen. Aber man kann das nicht wirkliche Liebe nennen. Wahre Liebe, die heilig, göttlich und selbstlos ist, muss dem eigenen Herzen entspringen.

Verkörperungen der Liebe!

Entfaltet und stärkt diese göttliche Liebe. Wenn ihr diese Liebe entwickelt und nährt, wird es euch an nichts mangeln. Nur wenn ihr diese edle Liebe kultiviert, seid ihr berechtigt, „Verkörperungen der Liebe“ genannt zu werden. Gott ist allgegenwärtig. Wo befindet sich Gott? Tatsächlich seid ihr Gott selbst. Ihr müsst euch bemühen, dies zu erkennen. Obgleich Gott überall gegenwärtig ist, solltet ihr die Göttlichkeit in euch nicht vergessen. Manche Leute glauben, Gott existiere gesondert an einem fernen Ort.

Vishnus Devotee, das Kind Prahlâda, erklärte:

Glaube nicht, dass Gott nur hier,
aber nicht dort wäre.
Wo immer du nach ihm suchst,
dort ist er.

Das ist Bhârats wahre Kultur, die heute jedoch nicht mehr wahrzunehmen ist. Alle rezitieren Gottes Namen, aber wo ist Gott? In Wirklichkeit bist du selbst Gott! Du und Gott seid nicht voneinander getrennt. Doch der Mensch vergisst die in ihm verborgene Göttlichkeit und rennt nichtigen und weltlichen Dingen hinterher!

Verkörperungen der Liebe!

Gebt unter keinen Umständen die Liebe auf. Liebe ist euer größter Schatz, und wer diesen vergisst, ist kein Mensch! Wir lieben unseren Vater, unsere Mutter, Brüder, Schwestern usw., aber all diese Beziehungen sind nur Rollen im göttlichen Spiel. Ihr müsst versuchen, wahre Liebe zu erfassen. In Wirklichkeit ist sie immer in uns. Ihr braucht nicht in der Außenwelt nach ihr suchen. Leider jagen wir heute Dingen hinterher, die nicht wirklich und dauerhaft sind.

(Swami zeigt eine Blume):

Was ist dies? Jeder behauptet, es sei eine Blume, aber in Wahrheit ist es eine Manifestation des Göttlichen. Sie besitzt viele Blütenblätter, welche das Göttliche repräsentieren. Wenn man die Blütenblätter eines nach dem anderen abpflückt, kann man nicht mehr von einer Blume sprechen. Entsprechend kann ein Mensch ohne Liebe nicht „Verkörperung der Liebe“ genannt werden. Liebe ist der Ursprung und die erhaltende Kraft des gesamten Universums. Diese Eigenschaft der Liebe nimmt in den verschiedenen Individuen unterschiedliche Formen an, zum Beispiel zwischen Vater, Mutter, Brüdern und Schwestern, ihr nennt jedoch all diese Formen Liebe. Gemeinsam bilden diese Menschen eine Familie. Es genügt nicht, eure Liebe auf eure Familienmitglieder zu begrenzen, sondern das gesamte Universum muss wie eine Familie zusammenleben. Wen immer ihr trefft, grüßt ihn ehrfurchtsvoll mit Namaskar. Kennt ihr ein edleres Gefühl? Alle Formen, denen ihr in dieser Welt begegnet, sind Verkörperungen des Göttlichen. Es gibt in diesem Universum nichts, was nicht göttlich wäre. Ihr haltet die verschiedenen Objekte in diesem Universum für bloße Objekte. Nein, nein! Betrachtet sie als Verkörperungen des Göttlichen! Leider sind wir heutzutage töricht geworden und suchen in irgendeinem fernen Winkel nach Gott. Wo immer ihr hinschaut, dort ist Gott. Deshalb besteht das erhabenste Gefühl darin, alles im Universum als Verkörperung des Göttlichen zu sehen. Das Universum ist nichts als eine Form Gottes! Gott manifestiert sich in allen Formen. Betrachtet diese allgegenwärtige Göttlichkeit als Gott. Schenkt nicht der äußerlichen Gestalt eines Objektes Glauben, sondern glaubt fest an die göttliche Kraft in dem Objekt. In unseren täglichen Aktivitäten erfahren wir nichts anderes als Göttlichkeit. Wir empfinden zum Beispiel (brennenden) Durst. Durst ist ein Feuer, eine Manifestation des Göttlichen. Wir stillen unseren Durst, indem wir Wasser trinken, das eine andere Manifestation des Göttlichen ist.

So sind die fünf Elemente im Universum, die fünf Sinne, die fünf Lebenshüllen und die fünf Lebenshauche im Körper alle Manifestationen des Göttlichen. Wir missbrauchen heutzutage unsere Sinne. Das ist eine große Sünde. Alle Sinne sind rein, heilig und selbstlos. Die Sinne unterscheiden nicht zwischen Kaste, Bekenntnis, Religion, Landeszugehörigkeit etc. Obwohl sich in unserem eigenen Selbst so edle Eigenschaften befinden, suchen wir in der äußeren Welt nach Gott. Wie beklagenswert! Was glaubt ihr denn, was die menschlichen Werte sind? Nichts anderes als göttliche Eigenschaften. Gott besitzt keine gesonderten Eigenschaften. Die einzige Eigenschaft ist die Göttlichkeit selbst. Wir lassen uns täuschen, indem wir das eigenschaftslose Göttliche als Gott mit Eigenschaften wahrnehmen.

Verkörperungen der Liebe!

Was immer ich spreche, ist Liebe allein. Ich kenne kein anderes Wort. Es gibt keine höhere Qualität als Liebe. Deshalb müssen wir diese Qualität der Liebe, die Gott selbst ist, lieben.

Wir beschreiben Gott auf unterschiedliche Weise: als eigenschaftslos, rein, der höchste Wohnort, ewig, makellos, erleuchtet, frei, die Verkörperung der Reinheit und Heiligkeit, doch das dient nur unserer eigenen Befriedigung. Diese Worte können Gott nicht angemessen darstellen. Tatsächlich ist Gott jenseits jeglicher Beschreibung. Liebe ist das einzige Wort, mit dem wir Gott beschreiben können. Nichts kennzeichnet ihn besser.

Verkörperungen der Liebe,

ihr alle verkörpert Liebe. Liebe ist eure Form. Gottes Form ist ebenfalls Liebe. Es bekümmert mich sehr, diese körperlich behinderten Kinder auf den dreirädrigen Fahrzeugen [1] sitzen zu sehen. In Wirklichkeit sind sie Verkörperungen des Göttlichen. Es ist eine große Sünde, auf diese göttlichen Kinder verächtlich herabzublicken. In Wirklichkeit gibt es in der Welt überhaupt keine niedrigen Menschen! Diese niedrige Gesinnung befindet sich allein in uns, und nicht in Gott. Gott hat nur ein Attribut: Liebe. Liebe ist seine Form. Wenn sich jemand liebevoll mit mir unterhält, ist meine Freude grenzenlos. Wenn die Leute hingegen leere Rhetorik ohne Liebe benutzen, um meine Eigenschaften zu beschreiben, erfreut und beeindruckt mich das überhaupt nicht. Sprecht mit liebendem Herzen zu mir. Betet aus liebevollem Herzen zu mir. Um was auch immer ihr mit liebendem Herzen bittet, ich werde bereitwillig antworten. Ruft mich liebevoll „Sai“, und ich werde bereitwillig mit „oyi“[2] antworten. Unzählige Gebete ohne Liebe können mich nicht rühren. Wenn ihr mich liebevoll ruft, werde ich, wo immer ich bin, sofort antworten. Es gibt nichts Größeres als Liebe. Wenn ihr also Gottes Darshan haben und Gott erfahren wollt, dann betet liebevoll zu ihm. Egal wie viel Reichtum und Tugenden ihr besitzt, sie kommen der Eigenschaft der Liebe nicht gleich. Die im Wort Prema liegende Süße ist nirgendwo sonst in der Welt zu finden. Je mehr ihr diese Liebe kultiviert und lebt, desto lieblicher wird eure Persönlichkeit sein. Entwickelt deshalb Liebe als eure herausragendste Qualität.

Wo immer ihr euch befindet,
ob im Wald, im Himmel,
in einer Stadt oder einem Dorf,
hoch auf dem Berg
oder mitten im tiefen Meer,
Liebe ist eure einzige Zuflucht.

Liebe ist nicht auf einen bestimmten Platz oder Wohnort beschränkt; sie ist universal. Hegt und pflegt deshalb diese universale Liebe. Sie ist mit keinem Geldbetrag zu kaufen. Nur ein von intensiver Liebe erfülltes Herz kann sie erlangen. Deshalb muss der Mensch diese reine selbstlose Liebe entfalten. Hingabe ist eine empfehlenswerte Methode, um diese reine Liebe zu kultivieren. Hingabe befindet sich nicht irgendwo in einem fernen Winkel, sondern Liebe ist Hingabe. Hingabe ohne Liebe gleicht einem tiefen Meer voller Salzwasser, wohingegen Hingabe mit Liebe wie Süßwasser ist. Liebe zu empfinden gleicht Nektar. Liebe ist wahrhaft Glückseligkeit. Liebe ist ein wunderbares Gefühl und unergründlich. Gebt deshalb niemals diese nektargleiche, süße, glückselige und unergründliche Liebe auf!

Verkörperungen der Liebe!

Macht Liebe zu eurem Ziel, statt unaufrichtige Ansprüche auf Hingabe zu erheben. Das ist die größte spirituelle Disziplin. Nichts kann euch leichter die Befreiung geben als reine selbstlose Liebe. Es gibt vier Begriffe, Mukti – Befreiung, Bhakti – Hingabe, Rakti – Bindung oder Zuneigung und Anurakti – Liebe zu oder Bindung an Gott, aber Liebe ist die zugrunde liegende Strömung in allen.

An diesem segensreichen Festtag Gurupurnima ist Liebe die wertvollste Gabe, die ich euch gebe. Das ist mein kostbarstes Geschenk an euch. Welch andere Gaben ich euch auch schenke, ohne Liebe werden sie nutzlos sein. Meine Liebe ist rein, heilig und sehr kostbar. Entfaltet auch ihr diese Liebe!

Swami beendet die Ansprache mit dem Bhajan: Prema mudita…

Übersetzung der vom Ashram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Ansprache, S. B., Prashanti Nilayam.
(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)

[1] Vor Beginn der Ansprachen wurden dreirädrige Fahrzeuge an Behinderte gegeben, und es war ein herzzerreißendes Bild, wie sie, unfähig einen Schritt zu tun, vor Swami in die Fahrzeuge gehoben wurden, A. d. Ü.

[2] Im Telugu ein umgangssprachlicher Ausdruck der Herzlichkeit und Zuneigung, A. d. Ü.


    

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