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 Ansprache Sathya Sai Babas am 24.07.2002


 

Nehmt göttliche Gefühle in euch auf und werdet göttlich


Der Mond erleuchtet die Welt in
der Nacht und die Sonne am Tag.

Rechtschaffenheit erleuchtet die drei Welten,

und ein edler Sohn bringt Licht in seine ganze Familie.

(Vers in Sanskrit)

Während des Tages scheint strahlend die Sonne und ermöglicht es den Menschen, alles auf der Welt zu sehen. In der Nacht zeigt der Mond mit seinem Licht den Menschen den Weg. Aber es ist der dharma , der allen Wesen in den drei Welten den vollkommenen Weg weist. In ähnlicher Weise verleiht ein edler Sohn der ganzen Familie Glanz, wenn er der Welt ein Beispiel gibt durch sein mustergültiges Verhalten.

Die Offenbarungen des Weisen Kanada über die atomare Kraft

Jemand, der die alles durchdringende Kraft Gottes erlebt und der Menschheit diese Wahrheit verkündet, begründet damit die höchsten Ideale in der Welt. Der Weise Kanada offenbarte der Welt diese Wahrheit. Was entdeckte er? Er fand heraus, dass Gott jedes einzelne Atom im Universum durchdringt. Gott in seinem unpersönlichen Aspekt (brahman) ist kleiner als das Kleinste und größer als das Größte (anor anîyân, mahato mahîyân). Von seiner Geburt an bis zu seinem Tode verkündete er die Wahrheit, dass Gott auch im kleinsten Teilchen des Universums gegenwärtig ist. Er erklärte, dass die Welt ohne das Atom nicht existieren könne.

Vorher war nichts im Universum vorhanden. Am Anfang gab es die Sonne, den Mond, die Sterne, die Erde, den Himmel etc. nicht. Überall war nur pechschwarze Dunkelheit. Durch die Verbindung von Atomen bildete sich feste Materie von hoher Dichte. Daraus entwickelte sich große Hitze. Dann explodierte die feste Masse ganz plötzlich und zersprang mit einem lauten Knall in viele Stücke, die sich überall verteilten. Dieses war die Grundursache der Schöpfung. So war die Erkenntnis des Weisen Kanada. Der von dem großen Knall ausgehende Ton war der kosmische Urklang OM (pranava). Der Urklang ist OM, das omkâra. Dieser Ton des kosmischen Urklanges (pranava) ist alles durchdringend. Wie ist der kosmische Urklang (pranava) entstanden? Er hat seinen Ursprung im Atom (paramanu). Es gibt in Wahrheit nichts außer Atomen in diesem Universum. Aber der Weise Kanada forschte danach, wie man diese Wahrheit verstehen und erkennen kann. Am Ende fand er heraus, dass der Mensch den kosmischen Urklang OM (pranava) kontemplieren sollte, um diese Wahrheit zu begreifen und Befreiung zu erlangen.

Der Urklang pranava ist kleiner als das
Kleinste und größer als das Größte.
Er ist allesdurchdringend und der ewige Zeuge.
Pranava ist Gott und Gott ist pranava

(Gedicht in Telugu)

Diese Wahrheit wurde von dem Weisen Kanada in der ganzen Welt verbreitet. Aus dem kosmischen Urklang (pranava) entstanden die Sonne, der Mond, die Erde, der Himmel etc. Das Atom ist die Grundlage der gesamten Schöpfung. Jedes menschliche Wesen ist eine Kombination von Atomen. Es gibt keine Materie ohne Atome. Aber der moderne Mensch ist nicht fähig, das Geheimnis der Atome zu begreifen. Er betrachtet die Lehren unserer Rishis (Seher - A.d.Ü.) aus früheren Zeiten als bloße Geschichten, über die er sich lustig macht. Ihm fehlen die Fähigkeit und das Vermögen, die Heiligkeit der uralten Kultur Indiens (Bhârat) zu verstehen. Er ist nicht imstande, die ihm innewohnende höchste Wirklichkeit zu erfassen. Er errichtet voll Ehrerbietung Standbilder von alten Rishis und edlen Menschen, doch er schafft es nicht, deren Lehren zu verstehen und diese in die Praxis umzusetzen. Ihre edlen Gestalten muss er nicht in der äußeren Welt sondern auf dem Altar seines Herzens errichten und dann ihre Lehren befolgen. Kanada erkannte das Prinzip von Wasserstoff und Sauerstoff und machte die Beobachtung, dass Wasserstoff das Wasserprinzip darstellte, während Sauerstoff das Prinzip des Feuers verkörperte. Dieses ist auch von der modernen Wissenschaft erkannt worden. Heute messen die Menschen den Erkenntnissen der Wissenschaftler großen Wert bei, aber es gelingt ihnen nicht, die großen Wahrheiten zu verstehen und zu schätzen, die unsere Rishis auf der Basis ihrer Erfahrungen und gründlichen Nachforschungen lehrten.

Die Atomkraft ist äußerst heilig

Wie kann man die Atomkraft verstehen? Das Atom ist nicht sichtbar für das physische Auge, doch es ist überall vorhanden. Das Wasser, das wir trinken, die Nahrung, die wir essen, die Worte, die wir sprechen, die Laute, die wir hören, alles ist von Atomen durchdrungen. Obwohl der Mensch auf Atomen umherläuft, Atome isst, Atome trinkt, kann er ihr Geheimnis nicht verstehen. Er glaubt, dass nur Wissenschaftler die Eigenschaften der Atome erforschen können. Der atomare Prozess ist äußerst heilig. Wenn man ihn gründlich untersucht, kann man das Göttliche verstehen. Dieses lehrte der Weise Kanada. Aber heute forscht niemand mehr ernsthaft danach, die atomaren Abläufe kennen zu lernen. Die Menschen führen ihr Leben nach materialistischen Gesichtspunkten. Hier ist ein kleines Beispiel.

Einst machten Kaiser Ashoka und sein Minister einen Abendspaziergang. Unterwegs trafen sie einen buddhistischen Mönch. Sofort nahm Ashoka seine Krone ab und warf sich dem Mönch zu Füßen. Dem Minister gefiel dies nicht. Er dachte, es sei unpassend für einen bedeutenden Kaiser wie Ashoka, seinen Kopf einem gewöhnlichen Mönch zu Füßen zu legen. Der Kaiser fühlte die Gedanken seines Ministers und wollte diesem eine Lektion erteilen. Ashoka achtete alle Religionen. Er folgte dem Weg der Rechtschaffenheit und Opferbereitschaft und wurde durch sein beispielhaftes Verhalten zum Vorbild für die Menschheit. So verging die Zeit, doch Ashoka vergaß nicht, seinem Minister eine Lektion zu erteilen. Eines Tages bat er seinen Minister, ihm den Kopf einer Ziege, eines Schafes und den eines Menschen zu bringen. Der Minister besorgte sich die Köpfe von einer Ziege und einem Schaf. Dann holte er sich den Kopf eines toten Menschen vom Friedhof. Er brachte diese zum Kaiser. Ashoka befahl ihm, sie auf dem Markt zu verkaufen. Die Köpfe von Schaf und Ziege waren im Nu verkauft, aber niemand wollte den Kopf eines Menschen kaufen. Als das dem Kaiser berichtet wurde, sagte er, der Kopf könne auch kostenlos an irgendjemanden abgegeben werden. Der Minister brachte den menschlichen Kopf auf den Markt und wartete dort ein paar Tage. Trotz aller Bemühungen wollte niemand den Kopf haben. Als man Ashoka diese Nachricht überbrachte, sagte er: „Oh Minister, du warst sehr betrübt, als ich meinen Kopf dem Mönch zu Füßen legte. Ist es dir klar, wie viel unsere Köpfe wert sein werden, wenn wir unsere sterbliche Hülle verlassen? Sie werden völlig wertlos sein. In Wahrheit wurde mein Leben dadurch geheiligt, das ich mich einem edlen Mönch zu Füßen warf.“ Materieller Reichtum und die gesellschaftliche Stellung sind vergänglich. Nur die Wahrheit und Rechtschaffenheit werden dem Menschen verbleiben und sein Leben erlösen.

Der Körper ist wertvoll, solange ‚so ’ham (Er [ist] ich)’ im Prozess des Ein- und Ausatmens in ihm ist. Das ist pranava. Das ist atomare Energie. Diese Energie hat ihren Ursprung im Göttlichen. Niemand kann sie erzeugen. Diese Wahrheit verkündete der Weise Kanada. Es ist sehr schwer, die Kraft des Atoms zu verstehen. Gott ist in jedem Atom gegenwärtig. Die gesamte Welt ist die Manifestation des Atoms. Raum und Klang sind auch Manifestationen des Atoms. Deshalb lasst das atomare Prinzip nicht außer Acht. Alle beweglichen und unbeweglichen Dinge in diesem Universum werden von Atomen gebildet. Sie beinhalten gewaltige Kraft. Wissenschaftler haben seit langem mit diesem Prinzip experimentiert. Ein Atom benötigt zweiundzwanzigtausend crore Jahre (1 crore = 10.000.000 -A.d.Ü.), um zu seiner Quelle zurückzukehren. Obwohl das Atom seit dem Ursprung des Universums besteht, ist es etwas merkwürdig, dass der Mensch das dahinter verborgene Geheimnis noch nicht hat enträtseln können.

Die Erde dreht sich um ihre Achse und umkreist die Sonne. Wer ist für diese Phänomene verantwortlich? Niemand kann das erklären. Da die Erde sich um ihre Achse dreht, haben wir Tage und Nächte. Da sie die Sonne umkreist, haben wir verschiedene Jahreszeiten, die uns dabei helfen, die für den Körper benötigte Nahrung anzubauen. Der göttliche Wille ist für all dieses verantwortlich. Es ist Gottes Gesamtplan zum Wohle der Welt. Der Mensch hat die Heiligkeit der atomaren Kraft (anushakti) bis heute nicht verstanden. Die Menschen glauben, dass das Atom ohne Leben ist. Das ist eine falsche Vorstellung. Die Lebenskraft, die das gesamte Universum zusammenhält, ist auch im Atom vorhanden. Darum heißt es, dass Gott sowohl im Mikrokosmos als auch im Makrokosmos gegenwärtig ist. Der Mensch sollte den Versuch machen, das Geheimnis der Schöpfung zu verstehen. Er sollte seine Verantwortung erkennen und sich dementsprechend verhalten. Es ist notwendig, dass der Mensch das atomare Prinzip versteht. Wenn er das versteht, versteht er auch alles andere, denn das Atom ist Gott. Das im Atom vorhandene Lebensprinzip ist im gesamten Universum vorhanden. Der Weise Kanada verkündete, dass das richtige Verstehen des atomaren Prinzips zum Verständnis des Göttlichen führen wird. Wenn ihr die Hand zur Faust ballt, habt ihr viele Atome eingefangen. Wenn ihr sie wieder öffnet, bewegen sich die Atome in verschiedene Richtungen. Der kosmische Urklang (pranava), der aus den Atomen hervorkommt wird genauso gering sein wie die Teilchen selbst.

Ihr und ich sind eins

Devotees beten zu Gott. Einige Menschen bezweifeln die Wirksamkeit des Gebets. Tatsächlich aber lässt sich jede riesige Aufgabe durch das Gebet bewältigen. Es macht unmögliche Dinge möglich. Hier ist ein kleines Beispiel. In den letzten zehn Tagen hatte ich eine Schwellung an meiner Wange. Ich nehme nie Medizin. Gestern bemerkte ich, dass sich die Aufmerksamkeit aller hier Versammelten auf meine Wange und nicht auf mich richtete. Sie waren besorgt darüber, dass die Schwellung noch nicht zurückgegangen war und dass Swami eine Menge Schmerzen haben musste. Nachdem ich die Abschiedsrede gehalten hatte, zog ich mich in mein Zimmer zurück. Während ich dort ruhte, betete eine Anzahl Devotees zu mir, ich möge mich heilen, zumindest bis zum Glück verheißenden Gurupûrnimâ-Tag. Alle ihre Gebete erreichten mich. Alle wollten mich am Gurupûrnimâ-Tag bei bester Gesundheit sehen. Als ich am Morgen aufstand, hatte ich überhaupt keine Schmerzen. Meine Willenskraft habe ich dazu nicht gebraucht. Es ist allein das Ergebnis der Gebete der Devotees. (Beifall). Gestern haben viele nicht einmal etwas gegessen. Mit Tränen in den Augen haben sie unablässig gebetet. Meine Gedanken wanderten für einen Augenblick zu ihnen, doch ich habe mich nicht durch meinen Willen geheilt. Das tue ich nie. Warum? Wie Sanjay Sahni richtig bemerkte: Ihr und ich sind eins. Ihr seid nicht verschieden von mir. Dieses ist nicht mein Körper, er gehört euch. Deshalb ist es eure Verantwortung, für diesen Körper zu sorgen. Ich denke nie über meinen Körper und sein Wohlbefinden nach. Ich benutze nie meinen Willen (samkalpa), soweit es meinen Körper betrifft. Ich bin selbstlos von Kopf bis Fuß. Darum habe ich jedes Recht zu erklären, dass ihr und ich eins sind.

Jeder Mensch ist mit derselben atomaren Kraft ausgestattet. Er muss sich alle Mühe geben, dieses zu verstehen. Seit uralten Zeiten war der Mensch daran gewöhnt, Gott in auf ihn hinweisenden Statuen zu verehren. Ihr verehrt Râma und Krishna (zwei der Inkarnationen Gottes - A.d.Ü.) in Form von Standbildern. Aber könnt ihr jetzt ihre körperliche Gestalt sehen? Nein. Ihr verehrt Ishvara (eine der Bezeichnungen für Gott - A.d.Ü.). Aber könnt ihr ihn sehen? Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Gestalten von Râma, Krishna und Ishvara existieren, der Mensch sie aber auf Grund seiner Engstirnigkeit nicht sehen kann. Da der moderne Mensch engstirnig ist, findet er überall nur Leere. Großmut bedeutet Schöpfung, Engherzigkeit ist Tod. Ein engherziger Mensch ist wahrlich ein lebender Leichnam. Wir sollten immer großherzig sein, damit wir das Göttliche verwirklichen können, das unermesslich und sich ausdehnend ist.

Der Guru weist den göttlichen Weg

Heilige und Weise praktizierten vormals verschiedene Arten spiritueller Übungen. Auch der Weise Kanada verrichtete strenge Bußübungen. Am Ende erkannte er, dass er aus dem Atom hervorgegangen war und dass er auch wieder mit ihm verschmelzen würde. Er gab alle Anhaftung an den Körper auf und identifizierte sich mit dem Atom. Heute führt der Mensch ein materialistisches Leben und kämpft für seine selbstsüchtigen Interessen. Solange Selbstsucht im Menschen vorhanden ist, wird er das göttliche Prinzip im Atom nicht verstehen können. Man mag Wiederholung des Namens Gottes (japa) und Meditation (dhyâna) und Gottesdienst (pûjâ) praktizieren, aber man sollte das atomare Prinzip nicht vergessen. Alles ist im Atom enthalten. Unser Körper, Geist, Intellekt, unser inneres Bewusstsein (citta), das innere Funktionsgefüge unserer Psyche (antahkarana ) - sie alle sind nichts als die Manifestation des Atoms, das göttlich ist.

Gott hört bestimmt auf die Gebete seiner Devotees. Manche Menschen zögern zu beten, aus Furcht, dass ihre Gebete Gott Unannehmlichkeiten bereiten könnten. Sie irren sich, denn man kann Gott überhaupt keine Unannehmlichkeiten bereiten. Gott leidet nicht. Er betrachtet das Glück seiner Devotees als sein Glück. Euer Glück jedoch entsteht durch materielle Dinge, während mein Glück mit dem Prinzip des Atman verbunden ist. Ich betrachte euer in völliger Hingabe gebrachtes kleines Opfer als ein riesiges. Ihr jedoch seid nicht zufrieden, obwohl ihr ungeheure Wohltaten empfangt.

Was ist die Bedeutung von Gurupûrnimâ? Der Guru ist jemand, der euren Weg zu Gott erhellt. Pûrnimâ kennzeichnet das heilige Licht des Vollmonds. Der Vollmond steht für einen Geist (mind), der vollständig erleuchtet ist. Er ist fleckenlos und er ist makellos. Wenn der Geist (mind = auch Denken, Meinung, Empfindungen, Gemüt, Verstand - A.d.Ü.) auch nur eine kleine Spur eines Fehlers hat, wird das in die Dunkelheit führen. Er kann euch keine umfassende Glückseligkeit schenken.

Verkörperungen der Liebe!
Lasst euren Geist (mind) vom strahlenden Glanz der göttlichen Liebe erfüllt sein. Das Erlangen von bloßem Buchwissen nützt nichts. Was ihr studiert habt, ist nur ein Bruchteil des gesamten Wissens. Dennoch seid ihr stolz darauf. Im Vergleich zur göttlichen Weisheit ist eure erworbene weltliche Bildung unbedeutend. Mit eurer Bildung, eurer Macht und eurem Reichtum gelangt ihr nicht zu Gott. Ihn kann man allein durch Liebe und nur durch Liebe erreichen. Wenn ihr Liebe entwickelt, könnt ihr ihn in jedem Atom erfahren. Gott von ganzem Herzen zu lieben ist Hingabe.

Geld, Macht und Politik führen euch nicht zu Gott

Verkörperungen der Liebe!
Was sollt ihr an diesem Gurupûrnimâ-Tag wissen? Ihr müsst verstehen, dass Gott in euch, mit euch, um euch herum, über euch, unter euch ist. In Wahrheit seid ihr Gott. Erkennt zuerst einmal diese Wahrheit. Hegt keine übermäßigen Wünsche, die euch zu Bettlern machen. Erfüllt eure Pflichten gewissenhaft. Das ist wahre spirituelle Praxis (sâdhana). Wenn ihr im Büro seid, macht nur die Büroarbeit, denkt nicht an eure Familienangelegenheiten. Wenn ihr zu Hause seid, macht es ebenso, kümmert euch nur um die Bedürfnisse eurer Ehefrau und Kinder. Macht kein Büro aus eurem Heim. Aber heute nehmen sich die Menschen, weil sie zu viel Arbeit im Büro haben, noch ihre Unterlagen mit nach Hause, um dort die Arbeit zu Ende zu bringen. Sie haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen, weil sie ihre Büroarbeit mit den häuslichen Arbeiten durcheinander bringen. Ebenso sollt ihr geschäftliche Angelegenheiten auch nicht mit spirituellen Dingen vermischen.

Wie ich neulich erzählte, waren Hiranyâksha und Hiranyakashipu (Namen von zwei Dämonen, die Zwillingsbrüder waren - A.d.Ü.) große Wissenschaftler. Moderne Wissenschaftler konnten den Mond erreichen, Hiranyakashipu jedoch konnte bis zur Sonne reisen. Er berührte sogar den Polarstern und musste infolgedessen leiden. Man mag ein großer Wissenschaftler sein, doch wird man leiden müssen, wenn man seine Grenzen überschreitet. Wissenschaftler sollten Großherzigkeit entwickeln, damit sie das Göttliche erfahren können. In den alten Zeiten erforschten Heilige den Geist (mind) sehr eingehend und entwickelten dadurch Großherzigkeit.

Der Mensch stirbt, doch der Geist stirbt nicht. Was auch immer der Mensch im Laufe seines Lebens tut, prägt seinen Geist (mind) und wird in die nächste Geburt mitgenommen. Niemand kann die Kraft des Geistes ermessen. Glaubt nicht, dass der Geist mit dem Tod des Körpers erlischt. Der Geist ist unzerstörbar. Viele Menschen begehen Selbstmord, weil sie ihr Leiden nicht länger aushalten können. Da sie denken, dass der Geist für ihr Leiden verantwortlich ist, sind sie der Ansicht, dass sie ihm ein Ende setzen sollten. Aber das ist die schwerste Sünde. So leicht kann man den Geist nicht abtöten. Man sollte niemals solche niedrigen Gedanken an Selbstmord haben. Man sollte bereit sein, allen Schwierigkeiten mit Festigkeit zu begegnen und im festen Glauben an Gott eifrig danach streben, sein Leben zu heiligen. Prahlâda sagte: „Denkt niemals, dass Gott hier ist und nicht dort. Er ist immer da, wo ihr ihn sucht.“ Der Atman ist Gott und Gott ist der Atman.

Der Atman ist ewig ohne Geburt oder Tod.

Er hat keinen Anfang, keine Mitte und kein Ende.

Er ist allgegenwärtig und ewiger Zeuge.

(Gedicht in Telugu)

Deshalb sollte der Mensch in der Überzeugung leben: „Ich bin Gott. Nur der Körper stirbt. Ich werde weder geboren noch sterbe ich. Solange ich lebe, soll meine Liebe Gott und nur Gott gewidmet sein.“

Eines Tages kam ein reicher Mann nach Shirdi, um Baba (Sai Babas vorherige Inkarnation, geboren 1838 - A.d.Ü.) zu treffen. Er hatte die Taschen voller Banknoten. Baba entschloss sich, seine Hingabe zu testen. Er rief einen Jungen herbei und sagte zu ihm: „Ich brauche dringend fünf Rupien. Geh und bitte Nandu Marwari, sie mir zu borgen.“ Nach einiger Zeit kam der Junge wieder und erklärte, Nandu sei nicht zu Hause. Baba bat ihn, es bei einem anderen Geschäftsmann zu versuchen. Der Junge kam wieder mit leeren Händen zurück. Baba schickte ihn zu jemand anderem, doch auch dieses Mal hatte er kein Glück. Der reiche Mann bekam das alles mit, doch erbot er sich nicht, die fünf Rupien zu geben. Ihm fehlte die Opferbereitschaft.

Für manche Menschen ist Geld Gott, Politik Gott, Macht Gott. Wird das Geld, die Macht oder die Politik ihnen nach dem Tod folgen? Was wollen sie erreichen? Was ist der Sinn des Lebens? Verschwendet das menschliche Leben, das ihr erlangt habt, nicht mit belanglosen Beschäftigungen. Beteiligt euch an Handlungen, die der Gesellschaft dienen. Versteht mich nicht falsch, wenn ich sage: Die Politik ist die Grundursache für die Verunreinigung des menschlichen Geistes in der heutigen Welt. Selbst der Geist (mind) kleiner Kinder wird durch die Politik beschmutzt. Streit und Aufruhr sind zur Tagesordnung geworden. Es gibt nicht einmal Einigkeit zwischen Ehemann und Ehefrau. Die Politik verunreinigt das Heim und auch die Familie. Vor der Unabhängigkeit Indiens litten die Menschen weniger. In jenen Tagen gab es Konflikte zwischen Weißen und Nicht-Weißen, während die Inder sich heute gegenseitig parteipolitisch bekämpfen. Das ist nicht das, was heute von den Menschen erwartet wird. Vermeidet üble Eigenschaften und entwickelt edle Gefühle.

Welche Form haben Sorgen?

Verkörperungen der Liebe!
Füllt euer Leben mit Liebe und beendet euer Leben mit Liebe. Ihr seid alle Verkörperungen der Liebe. Erkennt eure wahre Natur. Das ist wahres Leben. Die Upanischaden (Bezeichnung einer Klasse heiliger Schriften - A.d.Ü.) messen dem menschlichen Leben großen Wert bei. Ein Mensch (mânava) ist der, der von allen geliebt und geachtet wird. Er muss das Glück und die Sorgen gleichermaßen willkommen heißen. In China gibt es ein Sprichwort, in dem es heißt: „Schwierigkeiten sind unsere Freunde, lasst sie uns willkommen heißen.“ Das Glück, das uns aus Schwierigkeiten erwächst, können wir nirgendwo anders erlangen. Glück kann nicht von Glück hergeleitet werden (na sukhât labhyate sukham). Viele Devotees kommen zu mir und erzählen, dass sie eine Menge Schwierigkeiten haben. Eigentlich möchte ich lachen, wenn sie das sagen. Ich möchte wissen, was Schwierigkeiten und Sorgen sind. Schwierigkeiten berühren mich überhaupt nicht. Ich sage den Devotees immer wieder, sie sollen sich von den Schwierigkeiten nicht unterkriegen lassen. Ich gebe den Sorgen niemals Raum. Dieser Körper nähert sich seinem 77. Jahr. Bis heute habe ich auch nicht einmal einen Moment lang Sorgen gespürt. Der Mensch strebt nach Glückseligkeit. Er ist die Verkörperung der Glückseligkeit. Glück ist sein wirkliches Eigentum. Da dieses der Fall ist, warum sollte er überhaupt Sorgen haben? Das kommt daher, dass er seine wahre Natur nicht verstanden hat. Weltliche Beziehungen kommen und gehen. Das Prinzip der Liebe aber ist das, was kommt und wächst.

Verkörperungen der Liebe!
Versucht von heute an eure Bindungen an die Welt so weit wie möglich zu verringern. Seid glücklich und macht andere glücklich. Verletzt niemanden. Betrachtet Schwierigkeiten wie vorüberziehende Wolken. Ihr habt eine Familie und viele andere Beziehungen. Verluste und Probleme müssen zwangsläufig auftreten. Lasst euch nicht von ihnen verwirren. Wenn ihr zum Himmel schaut, findet ihr viele Wolken. Genauso gibt es am Himmel eures Herzens Wolken von Gedanken und Gefühlen. Wenn ihr jedoch Wolken der Anhaftung habt, seid ihr von gänzlicher Dunkelheit umgeben. Aber die Wolken kommen und gehen. Macht euch darüber keine Sorgen. Welche Form haben Sorgen? Sie sind mental erzeugte Furcht. Sie sind das Ergebnis eurer Einbildungskraft. Jeden Menschen treffen zwangsläufig Schwierigkeiten und Verluste. Wir sollten ihnen mit Mut begegnen.

Füllt euer Herz mit göttlichen Gefühlen

Erinnert euch, was Kaiser Ashoka seinen Minister lehrte. Dieser Körper wird so lange geachtet werden wie Leben in ihm ist. Sobald das Leben verebbt, wird er keinen Wert mehr haben. Das Gleiche sagte auch Duryodhana (der älteste der hundert Söhne des blinden Königs Dhritarâshtra - A.d.Ü.) während seiner letzten Augenblicke. Er sagte: „Ich werde geachtet solange ich lebe. Nach meinem Tod mögen Krähen, Füchse und Hunde sich an meinem Körper gütlich tun.“ Was immer geschehen muss, wird geschehen. Benehmt euch anständig, solange ihr am Leben seid. Der Mensch sollte von der menschlichen Ebene auf die göttliche Ebene emporsteigen. Nur dann könnt ihr ein wahrhaft menschliches Leben führen. Heute führen die Menschen ein ausschließlich weltliches Leben. Weltliches Leben ist bis zu einem gewissen Grade auch notwendig. Aber man sollte selbst im weltlichen Leben den transzendentalen Aspekt erkennen. Das weltliche Leben ist zeitlich begrenzt wie die vorüberziehenden Wolken. Wir sollten uns über vorbeiziehende Wolken keine Sorgen machen. Der Mensch sollte immer froh und glückselig sein.

Verkörperungen der Liebe!
Von diesem Gurupûrnimâ-Tag an macht eure Herzen rein und heilig. So wie ihr die Moskitos wegscheucht, die euch stechen, so schiebt auch jegliche Schwierigkeiten beiseite, die euch heimsuchen. Lasst euch nicht von Sorgen niederdrücken oder von Glück in Hochstimmung versetzen. Entwickelt Gleichmut und bemüht euch, Göttlichkeit zu erlangen.

(Hier sang Bhagavan den Bhajan: „Vahe Guru Vahe Guru Vahe Guru Ji Bolo“. Dann fuhr er in seiner Rede fort).

Es gibt nur einen Guru. Es kann keine zwei Gurus geben, einen inneren und einen äußeren Guru. Der Guru ist jemand, der euch die Wahrheit erfahren lässt und euch auf den Pfad der Wahrheit führt.

gurur brahmâ  

Brahmâ ist der spirituelle Lehrer

gurur vishnur  

Vishnu ist der spirituelle Lehrer

gurur maheshvara  

Maheshvara ist der spirituelle Lehrer

gurur sâkshât param  

spiritueller Lehrer ist höchstes brahman

brahma tasmai shrî  

in offenbarter Form, deshalb verneige ich

gurave namah  

mich vor dem erhabenen Guru.

Ihr seid die Verkörperung der Göttlichen Trinität – Brahmâ (Schöpfergott), Vishnu (Erhalter der Schöpfung), Maheshvara (= Shiva = Auflöser, Zerstörer, Umwandler). Deshalb ist der Guru nicht getrennt von euch. Ihr seid alles. Lasst eure Konzentration nicht wanken. Haltet sie fest auf euer Ziel gerichtet. Ob ihr Student, Familienvater oder ein Entsagender seid, das Ziel ist für alle gleich. Kontempliert das Prinzip des ‚so ’ham (Er [ist] ich)’, das euch eure innere Stimme lehrt. Sagt: „Ich bin brahman (aham brahmâsmi).“ An dieser Feststellung ist nichts Falsches. Einige Leute sind der irrigen Auffassung, dass es ein Zeichen von Egoismus ist, wenn man das sagt. In Wahrheit ist das kein Ego, es ist euer Recht. Wenn ihr glaubt, dass ihr nur ein menschliches Wesen seid, so bedeutet das, dass ihr euch herabsetzt. Ihr alle seid Verkörperungen Gottes. Entwickelt solchen Glauben und werdet Gott. Es kann bei Gott keine schlechten Eigenschaften geben. So solltet ihr ein reines, beständiges und selbstloses Leben führen. An diesem Gurupûrnimâ-Tag macht euch eine reine Sichtweise, eine reine Sprache und reine Handlungsweise zu eigen. Seht Gutes, redet Gutes und tut Gutes. Ihr solltet für jedermann ein Vorbild sein. Von Anbetung allein erwächst euch kein Nutzen, wenn ihr euer Herz nicht läutert. Seit mehreren Jahren kommt ihr hierher und verehrt Swami. Aber habt ihr euch irgendwie verändert? Ihr kommt und geht ohne irgendein Ziel. Solche Menschen brauchen überhaupt nicht hierher zu kommen. Wo auch immer ihr seid, praktiziert eure spirituellen Übungen (sâdhana). Wenn ihr hierher kommt, solltet ihr göttliche Gefühle in euch aufnehmen und göttlich werden. Verringert allmählich eure Bindung an die Welt. Die Welt wird nicht mit euch gehen, wenn ihr sterbt. Ihr könnt nicht einmal eine Handvoll Staub mitnehmen. Ihr könnt nur die Tugenden mit euch nehmen, die ihr in euch aufgenommen habt. Achtet eure Lehrer, die Alten und eure Eltern. Verehrt eure Mutter als Gott, verehrt euren Vater als Gott, verehrt euren Lehrer als Gott (mâtridevo bhava, pitridevo bhava, âcâryadevo bhava). Betrachtet einen jeden als Gott. Gott ist selbst in einem Hund gegenwärtig. Glaubt daran, dass Gott allesdurchdringend ist. Es gibt keine größere spirituelle Praxis (sâdhana) als dieses. Wenn die Menschen solch einen Glauben entwickeln, wird die gesamte Nation mit Fülle, Wohlstand und Glück gesegnet sein. Füllt eure Herzen mit göttlichen Gefühlen. Das ist es, was ihr heute zu lernen habt.

Bhagavan beendete seine Rede mit den Bhajans: „Hari bhajana binâ und Subrahmanyam Subrahmanyam...“

Aus Bhagavans Gurupûrnimâ-sandesh (sandesh = Botschaft - A.d.Ü.) in der Sai Kulwant-Halle, Prashânti Nilayam am 24. Juli 2002.
(Sanathana Sarathi August 2002)

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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