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 Ansprache Sathya Sai Babas am 24.02.2002

 

Heiligt euer Leben, indem ihr den Namen Gottes singt

Wenn ihr das Ego aufgebt, werdet ihr allen lieb;

wenn ihr den Zorn besiegt, werdet ihr frei von Sorgen;

ihr werdet wohlhabend, wenn ihr eure Wünsche kontrolliert;

ihr werdet nur glücklich, wenn ihr die Habgier bezwingt.

(Vers in Sanskrit)

Verkörperungen der Liebe!
Es ist die oberste Pflicht des Menschen, einen Geist (mind) zu entwickeln, der kühl ist wie das Mondlicht, und eine Weisheit, die strahlend ist wie das Licht der Sonne. Solange der Mensch egoistisch ist, wird ihn niemand lieben, auch nicht seine Frau und seine Kinder. Er gewinnt die Liebe aller, wenn er sein Ego aufgibt. Das Ego ist wie eine Bombe, die den Menschen zerstört. Daher sollte der Mensch sich zuerst von seinem Ego befreien. Solange der Mensch Zorn in sich trägt, kann er nicht frei sein von Kummer. Er wird erst dann von allen respektiert, wenn er seinen Zorn aufgibt. Jemand, der von Habgier beherrscht wird, kann das Glück niemals erlangen. Der Mensch kann nur dann glücklich sein und andere glücklich machen, wenn er seine Habsucht aufgibt. Egoismus, Zorn und Gier sind die drei üblen Eigenschaften, die den Menschen in einen Dämon verwandeln.

Leistet jeden Dienst als Darreichung an Gott

In dieser Welt gibt es etwas, durch dessen Kenntnis man auch alles andere kennt. Wenn man dieses nicht kennt, ist es sinnlos, den Rest zu kennen. Es ist die Kenntnis des Selbst. Die Zahl Null gewinnt nur dadurch an Wert, dass die Eins mit ihr verbunden wird. Je größer die Anzahl der Nullen, desto höher ist der Wert. Wenn die Eins fortgenommen wird, verlieren alle Nullen ihren Wert. Die Liebe zum Selbst kann mit der Zahl Eins verglichen werden. Das Leben des Menschen erhält nur dann einen Wert, wenn er Liebe zum Selbst hat. Das gesamte Universum ist durchdrungen von Gott (îshâvâsyam idam sarvam). Wer ist Îshvara (eine der Bezeichnungen für Gott – A.d.Ü.) ? Es ist kosmisches Bewusstsein (caitanya), das alle Wesen durchdringt.

Verkörperungen der Liebe!
Euer Leben wird nur erlöst, wenn ihr ununterbrochen den Namen Gottes kontempliert. All euer Reichtum und Luxus haben keinerlei Bedeutung, wenn ihr keine Gottesliebe habt. In Indien (Bhârat) gibt es Millionen von Menschen, die ihren Mitmenschen mit dem Namen Gottes auf den Lippen dienen.

„Weder durch Bußübungen,
noch durch Pilgerfahrten,
noch durch das Studium
der heiligen Schriften, noch durch
das Wiederholen eines heiligen Namens,
Mantras oder Gebetes (japa) kann man
den Ozean des Lebens überqueren.
ies ist nur möglich, indem man den Armen dient.“

(Vers in Sanskrit)

Dienen ist sehr wichtig. Dient allen in der Überzeugung, dass Gott allem innewohnt. Wenn ihr anderen dient, müsst ihr euer Ego abtöten. Man kann es nicht Dienen nennen, wenn ihr es mit dem Gefühl ,Ich diene anderen’ tut. Was immer ihr unternehmt, tut es in dem Gefühl, dass es geschieht, um Gott zu gefallen (sarvakarma bhagavatprîtyârtham). Dies ist die Haltung, die man haben sollte, wenn man anderen dient. Es gibt viele, die sich an dienenden Aktivitäten beteiligen, doch wie viele können Nutzen daraus ziehen? Zuerst solltet ihr den Begriff Dienen verstehen. Wahres Dienen ist dasjenige, das aus göttlichen Gefühlen heraus geschieht und wobei man sich selbst vergisst. Dienen sollte als Darreichung an Gott unternommen werden. Dienen hat nur einen Wert, wenn es aus Liebe zu Gott (daivabhimâna) und nicht mit Anhaftung an den Körper (dehabhimâna) geschieht. Selbst eine kleine Hilfeleistung, die nur mit der Absicht Gott zu erfreuen geschieht, bekommt große Bedeutung.

Kultiviert den Geist der Einheit

Verkörperungen der Liebe!
Untersucht, wer wem dient. Derjenige, der dient und derjenige, dem gedient wird, sind ein und derselbe. Der eine Atman existiert in allen Wesen (ekâtma sarvabhûtântarâtman). Es gibt nur eine Wahrheit, doch die Gelehrten geben ihr viele Namen (ekam sad viprâh bahudhâ vadanti). Der eine Gott hat viele Namen (ek prabhu ke anek nâm). Es gibt nur einen Gott, obwohl ihr ihn mit verschiedenen Namen preist. Namen und Formen sind unwichtig. Das Gefühl ist die Grundlage für die Hingabe. Gott ist bhavapriya (er achtet auf die Gefühle z.B. beim Singen – A.d.Ü.) und nicht bâhyapriya (Liebhaber äußerer Zurschaustellung – Anm.d.Ü).; das bedeutet, dass Gott das hinter euren Handlungen verborgene Gefühl sieht. Menschen aus Bejawada (Vijayawada) sind hierher gekommen, nachdem sie in den vergangenen 76 Tagen den Namen Gottes bei ihrem Dienst für Dorfbewohner (grâmasevâ) gesungen haben. Tausende von Devotees aus Shirdi haben eine Pilgerreise hierher unternommen. Sie besuchten verschiedene Pilgerzentren und sind von Kanyakumari über Bangalore hierher gekommen. Die menschliche Gesellschaft ist durch Handlungen gebunden (karmânubhandini manushyaloke). Warum ist euch der Körper gegeben? Gott hat euch den Körper gegeben, damit ihr Dienst tut für die Welt (lokasevâ). Missbraucht euren Körper nicht, indem ihr euch üblen Gedanken und Taten hingebt. Übernehmt edle Aufgaben und heiligt euer Leben. Die oberste Pflicht des Menschen ist es, der Gesellschaft mit edlen Gefühlen zu dienen. Betrachtet euren Körper als ein Werkzeug, das euch Gott dazu gegeben hat, dass ihr euren Mitmenschen in Liebe dient.

Gott ist in jedem Wesen als der ewige Zeuge gegenwärtig. Diese Wahrheit wird durch ,so ham’ (ER [ist] ich) mit jedem Atemzug verkündet; ,so’ bei jedem Einatmen und ,ham’ bei jedem Ausatmen. ,So’ bedeutet ,dieses’ (Gott), und ,ham’ bedeutet ,ich’. Dieser Vorgang findet 21.600 mal am Tag bei jedem Menschen statt. Auf diese Weise erinnert die innere Stimme des Menschen ihn täglich ebenso viele Male an seine göttliche Herkunft. Doch der Mensch handelt töricht und achtet nicht auf seine innere Stimme. Wer ist der Handelnde? Wer atmet? Wer spricht? Wer hört zu? Wer handelt? Es ist das innere Selbst, welches in allen dasselbe ist. Kultiviert diesen Geist der Einheit. Derjenige, der handelt und derjenige, der euch handeln lässt, sind ein und derselbe. Begreift, dass ihr nicht anderen dient, sondern euch selbst. Dieselbe Wahrheit wird in den vier vedischen Lehrsätzen verkündet: 1. Höchstes Bewusstsein ist brahman (prajnânam brahma). 2. Ich bin brahman (aham brahmâsmi). 3. DAS bist DU (tat tvam asi). 4. Dieses Selbst (âtman) ist brahman (ayam âtma brahma). Diese sind die bedeutendsten Lehren der Veden für die Menschheit. Leider hat der Mensch heutzutage den Glauben an die vedischen Lehren verloren. Das Göttliche erstrahlt in jedem Atemzug des Menschen. Tatsächlich ist der Mensch mit Weisheit (sujnâna) und Bewusstsein (prajnâna) ausgestattet. Doch er handelt in seiner Unwissenheit seiner göttlichen Natur zuwider. Vor dem Essen reicht ihr die Mahlzeit Gott mit diesem Gebet dar:

Brahmârpanam brahma havir

Die Opferhandlung ist brahman, das Opfer selbst ist brahman,

brahmâgnau bramanâ hutam

geopfert von brahman in das heilige Feuer, das brahman ist.

brahmaiva tena gantavyam

Das brahman erreicht derjenige,

brahmakarma samâdhinâ.

der in allen seinen Handlungen ganz in brahman aufgeht.

(Bhagavad Gita, Kap.4, Vers 24)

 

Ihr sagt, die Nahrung ist ein Opfer für brahman. Wo ist denn brahman? Es ist im Innern. Daher antwortet Gott sofort von innen:

Aham vaishvânaro bhûtvâ

Ich bin vaishvânara, die alles durchdringende kosmische Energie,

prâninâm deham âshritah

die in den Körpern der Lebewesen wohnt.

prânâpâna-samâyuktah

Einsseiend mit dem Lebensodem, der in diese eingeht und sie wieder verlässt,

pacâmy annam caturvidham .

verzehre ich alle vier Arten der Nahrung.

(Bhagavad Gita, Kap.15, Vers 14)

 

Verherrlicht das menschliche Leben durch eure verdienstvollen Taten

Gott ist in der Form von Vaishvânara (die alles durchdringende kosmische Energie; Feuer – A.d.Ü.) in allen gegenwärtig. Wenn ihr also anderen helft, helft ihr euch selbst. Ebenso bedeutet andere zu verletzen sich selbst zu verletzen. Das Individuum zu ehren bedeutet Gott zu ehren (sarvajîva-namaskaram keshavam pratigacchati). Das Individuum zu kritisieren bedeutet Gott zu kritisieren (sarvajîva-tiraskâram keshavam pratigacchati). Es hat keinen Zweck, auf Pilgerreisen zu gehen oder den Namen Gottes zu singen, wenn man die Einheit des Göttlichen nicht versteht. Man mag ihn mit verschiedenen Namen oder in verschiedenen Formen verehren, doch es gibt nur einen Gott. Vergesst niemals dieses Prinzip der Einheit. Aber leider spaltet der Mensch diese Einheit in Vielheit auf. Strebt danach, euch die Einheit in der Vielheit vorzustellen. Das ist der wahre Dienst, dem sich der Mensch widmen sollte. Gebt Gott einen festen Platz in eurem Herzen und gebraucht eure Hände im Dienst an der Gemeinschaft (mam maim ram hath maim kam). Dann wird alles was ihr tut in Gottesdienst verwandelt.

Heutzutage fehlt den Menschen der Glaube an den Pfad des Dienens. Seit vielen Jahren hört ihr nun schon Reden und unternehmt verschiedene Aktivitäten des Dienens. Doch was habt ihr erreicht? Was habt ihr erfahren? Überhaupt nichts. Deswegen solltet ihr zuerst Wert legen auf rechtes Verhalten. Entwickelt rechtes Sehen, rechtes Hören und rechtes Sprechen. Indem ihr dieses praktiziert, könnt ihr Tugenden entwickeln. Erst dann ist es euch möglich, Nirwana zu erreichen. Gebt die Vorstellung auf, dass Gott nur auf Tempel begrenzt wäre. Nur Tempel zu besuchen und Bildnisse Gottes zu verehren genügt nicht. Verehrt alle Wesen in der Überzeugung, dass ihr damit Gott selbst verehrt. Kein Lebewesen existiert ohne Gott. Gott ist der allen Lebewesen Innewohnende (sarvabhûtântarâtman). Die oberste Pflicht des Menschen ist es, diese Wahrheit zu verstehen und entsprechend zu handeln.

Ihr habt verschiedene Reden gehört, seid auf Pilgerfahrten gegangen und habt heilige Texte gelesen. Doch was nützt das alles, wenn in euch keine Transformation geschieht? Der heutige Mensch ist hartherzig geworden. Das Herz sollte weich sein wie Butter. Der Geist (mind) sollte so kühl wie das Mondlicht und die Sprache so süß wie Honig sein. Diese sind die Hauptwerte, für die die Sathya Sai-Organisation steht. Dies ist der wahre Schmuck des Menschen. Obwohl der Mensch mit heiligen Eigenschaften und unermesslichen Kräften ausgestattet ist, führt er ein sinnloses Leben, weil er diese nicht im Dienst für andere nutzt. Obwohl Gott den Menschen mit einem süßen Herzen und einem heiligen Geist (mind) ausgestattet hat, macht er keinen richtigen Gebrauch davon. Sprecht niemals grob, sprecht immer sanft und freundlich. Nutzt die euch von Gott gegeben Fähigkeiten in rechter Weise.

Verkörperungen der Liebe!
Als Mensch geboren zu werden ist die höchste Gnade. Die Geburt als Mensch ist die seltenste von allen (jantûnam narayanma durlabham). Sie ist das Ergebnis angesammelter Verdienste aus vielen vergangenen Leben. Solch ein heiliges Leben sollte nicht missbraucht werden. Sprecht sanft und behandelt alle lächelnd mit Respekt. Ihr bezeichnet euch als Devotees. Doch wenn euch diese edlen Eigenschaften fehlen, ist das unzutreffend. Füllt euren Geist (mind) mit edlen Gedanken und widmet euch verdienstvollen Handlungen. Darin liegt die Glorie menschlichen Lebens. Ihr solltet durch euer Verhalten die Hochachtung aller gewinnen.

Seht euch nicht als bloße Sterbliche. Der Mensch ist göttlich (jîva-deva). Dies ist die grundlegende Lehre der indischen Philosophie. Gott ist der allen Innewohnende (îshvarah sarvabhûtânâm = Herr aller Wesen – A.d.Ü.). Füllt eure Herzen mit solch edlen Gefühlen, setzt diese in die Praxis um und heiligt so euer Leben. Denkt daran, dass ihr als menschliches Wesen geboren seid. Lebt entsprechend eurer Vorgabe als menschliche Wesen. Spiritualität bedeutet nicht nur Gott zu verehren, auf Pilgerreisen zu gehen oder Bhajans (Lieder zum Lobpreis Gottes in seinen verschiedenen Aspekten – A.d.Ü.) zu singen. Spiritualität bedeutet, die tierischen Neigungen zu zerstören und sich auf die Ebene des Göttlichen zu erheben. Solange es tierische Neigungen im Menschen gibt, kann er nicht auf die Ebene des Göttlichen emporsteigen. Von Tag zu Tag nehmen die animalischen Tendenzen im Menschen zu. Ihr seid weder angsteinflößende wilde Tiere noch zahme ängstliche Haustiere. Ihr seid als menschliche Wesen mit edlen menschlichen Eigenschaften geboren. Erkennt deshalb eure Menschlichkeit und Göttlichkeit. Doch der heutige Mensch ist unfähig diese Wahrheit zu erfassen und vergeudet daher sein Leben.

Göttlichkeit kann nur durch Liebe erreicht werden

Verkörperungen der Liebe!
Es ist äußerst wichtig, dass ihr euch diese Lehren, die ich immer aufs Neue wiederhole, zu Herzen nehmt. Missachtet sie niemals. Die göttliche Kraft, die latent in euch ist, ist grenzenlos. Gott ist subtiler als das Subtilste und gewaltiger als das Größte (anor anîyâm, mahato mahîyân). Deswegen ist es unmöglich, die Natur des Göttlichen einzuschätzen. Worte können sie nicht fassen. Welche Beschreibung ihr auch immer wählt, sie dient nur eurer eigenen Befriedigung. Es ist ein großer Fehler, die unendliche Kraft des Göttlichen mit eurem begrenzten Geist ermessen zu wollen.

Der Mirokosmos und der Makrokosmos unterscheiden sich nur in der Quantität, nicht in der Qualität. Hier ein kleines Beispiel. Meerwasser ist salzig. Geht ans Meer und holt einen Topf Wasser. Das Wasser im Meer und das Wasser im Topf unterscheiden sich nur in der Menge, der Geschmack bleibt gleich. Ihr solltet euch stets an Qualität und nicht an Quantität orientieren. Gott interessiert sich nur für Qualität. Ein Teelöffel Kuhmilch ist besser als Fässer von Eselsmilch. Lasst euch nicht von Quantität betören. Lauft nicht materiellen Dingen nach. Seid nicht gierig. Gier führt zu Kummer. Strebt nach Qualität. Was euch glücklich macht, ist nicht Quantität, sondern Qualität.

Verkörperungen der Liebe!
Heutzutage sind viele auf der Suche nach Gott. Wo ist Gott? Er ist hier, dort und überall. Weil das so ist, worin liegt dann die Notwendigkeit nach ihm zu suchen? Prahlâda sagte:

„Gott ist hier und nicht dort,
zweifle nie daran. Wo immer
du ihn suchst, da ist er.“

(Gedicht in Telugu)

Er war ein kleiner Junge. Seine Lehrer Canda und Amarkha versuchten ihn umzustimmen und bestraften ihn sogar, doch Prahlâda war nicht von seiner Überzeugung abzubringen. Sein Geist (mind) war immer auf Nârâyana (eine der Bezeichnungen für Gott - A.d.Ü.) ausgerichtet. Er wiederholte ununterbrochen seinen Namen. Eines Tages ließ ihn sein Vater Hiranyakashipu rufen und sprach: „Mein Lieber, du scheinst viele Fächer studiert zu haben; mach mir die Freude, etwas davon zu hören.“ Prahlâda antwortete:

„Vater! Die Lehrer haben mir
vieles beigebracht. Ich kenne
die vier Lebensziele –
Rechtschaffenheit (dharma), Wohlstand (artha),
Wunscherfüllung (kama) und Befreiung (moksha).
Ich habe vieles studiert; tatsächlich habe ich
die Essenz von Bildung verstanden.“


(Gedicht in Telugu)

Als sein Vater fragte, was denn die Essenz von Bildung sei, sang Prahlâda den göttlichen Namen „Om Namo Nârâyanâya“. Hiranyakashipu wurde wütend. Er konnte nicht dulden, dass Prahlâda Nârâyanas Namen wiederholte. Er bestrafte ihn und schickte ihn weg. Hiranyakashipu hasste Gott, während Prahlâda eine intensive Liebe zu Gott hegte. Allein durch Liebe kann Menschlichkeit (mânavatattva) in Göttlichkeit (daivatva) transformiert werden.

Verkörperungen der Liebe!
Hegt weder Hass noch Eifersucht. Tötet euer Ego. Nur dann wird die Liebe in euch erblühen. Nur durch Liebe könnt ihr Göttlichkeit erlangen. Darum sangen die Hirtinnen (gopikâ):

„Oh Krishna, spiele auf deiner süßen Flöte
und säe die Samen der Liebe in die Wüste
liebloser Herzen. Lass den Regen der Liebe
auf die Erde niederfallen und lass die Flüsse
der Liebe fließen.“

(Lied in Telugu)

Wie nektargleich ist das Lied Gottes. Nur diejenigen, die voller göttlicher Gefühle sind, können seinen Geschmack erfahren.

Übt nâmasmarana und erlöst euer Leben

Verkörperungen der Liebe!
Vielleicht ist es euch nicht möglich, strenge spirituelle Übungen wie Meditation, Bußübungen, Yoga etc. zu praktizieren. Es genügt, wenn ihr den göttlichen Namen singt. Führt keine Praktiken aus, die ihr nicht versteht. Wählt den einfachsten Weg, nämlich nâmasmarana. Im kritayuga war Meditation der königliche Weg zur Befreiung. Im tretâyuga (Name des zweiten im Zyklus der vier Weltzeitalter – A.d.Ü.) war es Opfer (yajna). Im dvâparayuga (Name des dritten im Zyklus der Weltzeitalter – A.d.Ü.) praktizierten die Menschen Anbetung, Gottesdienst (arcana), und im kaliyuga (eisernes Zeitalter, in dem wir jetzt leben – A.d.Ü.) ist nâmasmarana der vorgeschriebene Weg zur Befreiung.

„In diesem kaliyuga kann allein das Singen
des Namens des Herrn Befreiung gewähren.
Es gibt keinen besseren Weg als diesen.“

(Vers in Sanskrit)

Singt also seine Glorie und überquert den Ozean des weltlichen Lebens. Nâmasmarana ist die Grundlage aller spirituellen Praktiken.

Verkörperungen der Liebe – Studenten – Pilger und Sevakas (sevaka = jemand, der sich selbstlosem Dienst widmet - A.d.Ü.)!

Es gibt neun Wege der Hingabe: Hören der höchsten Wahrheit (shravana), Singen zur Ehre Gottes (kîrtana), ständiges Nachsinnen über Gott (vishnusmarana), den Lotosfüßen des Herrn dienen (padasevana), Lobpreis und Ehrerbietung (vandana), Anbetung (arcana), Dienen (dâsya), Freundschaft (sneha) und sich der göttlichen Gegenwart gänzlich anvertrauen [Selbst-Hingabe] (âtmanivedana). Die Wege mögen verschieden sein, aber das Ziel ist ein und dasselbe. Folgt einem der Wege und erreicht das Ziel. Im Laufe der Zeit solltet ihr euch dem Ziel nähern. Weicht nicht davon ab. Handelt nie gegen das göttliche Gebot. Gebt euch nicht Egoismus und Eigennutz hin. Egoismus führt euch von Spiritualität weg. Gebt den Egoismus auf und widmet euer Leben dem göttlichen Zweck. Wenn ihr auf dem Pfad Gottes wandelt, wird euch göttliche Energie verliehen werden.

Heute sind Tausende aus Shirdi nach dem Besuch vieler Wallfahrtsorte (punyakshetra) hierher gekommen. Sie haben die ganze Zeit den Namen Gottes gesungen. Es ist die Kraft des nâmasmarana, die sie nach Prashanti Nilayam gebracht hat. Die Körper (kshetra = auch: das Feld, der Bereich der Sinne – A.d.Ü.) mögen verschieden sein, aber der ,Kenner des Feldes’ (kshetrajna = auch das Selbst, welches im Körper wohnt – A.d.Ü.) ist Einer. Der Herr sagt in der Bhagavadgita (eine der heiligen Schriften Indiens – A.d.Ü.): Erkennt mich als den, der allen Wesen innewohnt (kshetrajnam câpî mâm viddhi). Es kann kein kshetra ohne kshetrajna geben. Ihr könnt alle möglichen Wallfahrtsorte (punyakshetra) besuchen, doch vor allem müsst ihr das ,Feld’ eures Herzens (hridayakshetra) reinigen. Sprecht nie grobe Worte. Kritisiert andere nicht. Unterlasst das Denken über die anderen (paracintana), entwickelt das Denken über Gott (paramâtmacintana). Das ist die wahre spirituelle Praxis (sâdhana).

Dient den Notleidenden im Rahmen eurer Möglichkeiten. Euer Dienst sollte sinnvoll und zweckgerichtet sein. Hier ein kleines Beispiel. Viele unserer ehemaligen Studenten unternehmen verschiedene dienende Aktivitäten in den benachbarten Dörfern, z.B. in Brahmanapalli, Beedupalli, Enumulapalli etc. Wie sollte dieser Dienst aussehen? Er sollte im wahren Geist des Dienens geleistet werden. Wenn ihr Dienst tut in einem Dorf, solltet ihr auch die Dorfbewohner in die dienenden Aktivitäten mit einbeziehen und sie motivieren, solch heilige Arbeit täglich in ihrem Dorf zu leisten. Es ist für euch nicht möglich, jeden Tag in die Dörfer zu gehen. Ihr könnt das vielleicht einmal im Monat oder jeden zweiten Monat tun. Wenn ihr also die Dorfbewohner in diese Aktivitäten einbezieht, lernen sie, sich selbst zu dienen. Ihr solltet ihnen beibringen, wie wichtig Sauberkeit ist. Gewöhnlich lebt die Landbevölkerung unter unhygienischen Bedingungen, die verschiedene Krankheiten verursachen. Deswegen solltet ihr sie lehren, ihr Dorf sauber zu halten. Unser Trinkwasser und die Luft, die wir atmen, sollten frei von Verschmutzung sein. Nur dann können wir ein glückliches und gesundes Leben führen.

Entwickelt reine Sichtweise (samyagdrishti), Reinheit der Sprache (samyagvâc), Reinheit des Hörens (samyakshravana), Reinheit des Denkens und der Gefühle (samyagbhâva) und Reinheit der Taten (samyakkarma). Dies wird euer Leben vollkommen machen. Dann werdet ihr der Gnade Gottes würdig. Nur dann könnt ihr Befreiung (sayujya = auch: mit Gott eins werden – A.d.Ü.) erlangen. Nachsinnen über Gott (sâlokya) ist der erste Schritt, Nähe zu Gott (sâmîpya) ist der zweite, Angleichung an Gott (sârûpya) ist der dritte und Einswerden mit Gott (sayujya) ist der vierte Schritt. So wie Flüsse sich schließlich mit dem Ozean vereinigen, sollte der Mensch mit Gott eins werden. Das Ziel der Flüsse ist der Ozean, mit dem sie sich schließlich vereinigen (nâdînâm sâgaro gati). Was ist das Ziel des menschlichen Lebens? Besteht es darin, weltliche Freuden zu genießen? Nein. Ihr könnt allen Luxus haben, den ihr mögt, doch schließlich solltet ihr danach streben, mit Gott eins zu werden. Der eigentliche Zweck des Lebens besteht darin, Gott zu schauen, ihn zu erfahren und sich schließlich mit ihm zu vereinigen. Doch heutzutage macht der Mensch genau das Gegenteil. Er hat Gott vergessen und vergeudet sein Leben auf der Jagd nach weltlichen Freuden. Das menschliche Leben ist sehr heilig, edel und göttlich. Es sollte nicht mit solch unwürdigen Beschäftigungen verschwendet werden.

Studenten! Pilger!
Lasst euch von weltlichen Freuden nicht blenden. Haltet euch an den heiligen Pfad und heiligt eure Zeit mit dem Singen des Namens Gottes. Es ist nicht notwendig, für nâmasmarana eine besondere Zeit oder einen besonderen Ort festzulegen. Ihr könnt es überall und zu jeder Zeit praktizieren. Für Wasser, Elektrizität etc. muss man Steuern zahlen, nâmasmarana hingegen ist nicht steuerpflichtig. Niemand kann euch daran hindern. Es ist sehr einfach, aber höchst effektiv. Doch dem Menschen ist der Wert von nâmasmarana nicht klar, da es so leicht zu praktizieren ist. Er glaubt, Gott könne nur durch ernste und strenge spirituelle Übungen erreicht werden. Das ist eine falsche Vorstellung. Man kann den Namen Gottes singen, ohne sich selbst zu mühen oder andere zu stören.

Entwickelt Liebe zu Gott. Das ist wahre Hingabe. Ohne Liebe gibt es keine Hingabe. Liebe ist die Grundlage jeder spirituellen Praxis wie der Wiederholung eines heiligen Namens (japa), disziplinierten spirituellen Übungen (tapas), Yoga, Meditation (dhyâna) etc. Ohne Liebe ist jede spirituelle Übung vergeblich. Für das Leben jetzt und das Leben nach dem Tod ist Liebe äußerst wichtig. Liebe ist das grundlegende Erfordernis für alle, ganz gleich ob es sich um jemanden handelt, der krank ist und leidet (ârta), jemand, der nach Reichtum strebt (arthârthin), jemand, der die Erkenntnis des Selbstes (âtman) herbeisehnt (jijnâsu) oder jemand, der ein Weiser (jnânin) ist. Liebe ist die Grundlage für einen Theisten ebenso wie für einen Atheisten. Entwickelt solch eine heilige Liebe. Kritisiert und verspottet niemanden. Beglückt andere, indem ihr eure Liebe mit ihnen teilt. Das ist die wahre spirituelle Praxis. Folgt diesem einfachen Pfad, erfahrt höchste Glückseligkeit (ânanda) und heiligt euer Leben.

Bhagavan beendete seine Rede mit dem Bhajan „Hare Râma, Hare Râma, Râma,Râma, Hare Hare...“

Aus Bhagavans Rede in der Sai Kulwant-Halle, Prashanti Nilayam, am 24. Februar 2002.
(Sanathana Sarathi März 2002)

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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