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 Ansprache Sathya Sai Babas am 23.07.2002


 

Ansprache Sathya Sai Babas am 23.07.2002, Abschluss der internationalen Seva-Konferenz


Trotz aller Freuden und Annehmlichkeiten
findet der Mensch keinen Frieden,
weil er die menschlichen Werte außer Acht lässt.
Diese Wahrheit verkündet Sai.

Verkörperungen der Liebe,
der Mensch sollte weder nach Glück noch nach Leid streben. In Wirklichkeit sind Glück wie Leid vergänglicher Natur. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, Freude und Leid zu transzendieren und in der Einheit von Freude und Leid die Göttlichkeit zu verwirklichen. Freude wie Leid sind nicht das, was die Menschheit annehmen und achten sollte. Noch während ihr glücklich seid, wird euch Schmerz begegnen. Und entsprechend winkt euch schon das Glück, während ihr noch unter Schmerz leidet. Seit alten Zeiten haben sich etliche große Weise darum bemüht, sich über die Gefühle von Freude und Leid zu erheben. Sie erkannten, dass nur in leidvollen Zeiten das göttliche Wesen im Menschen zum Ausdruck kam. Mehr als Glück hilft Leid dem Menschen auf vielfache Weise.

Glück geht nicht aus Glück hervor. Freude entsteht allein aus dem Zustand des Leids. Leid ist die Hauptquelle des Glücks im Menschen.

Liebe ist das Hauptprinzip der neun Wege der Hingabe: Zuhören (shravana), Singen (kîrtana), an Gott denken (vishnusmarana), den Lotusfüßen dienen (padasevana), Verneigen (vandana), Gottesdienst (arcana), Dienstbereitschaft (dâsya), Freundschaft (sneha) und Ergebung (âtmanivedana). Der Mensch kann nur aus Leid Glückseligkeit beziehen. Die alten Weisen erfuhren und verkündeten, dass Glückseligkeit allein aus dem Zustand des Leids hervorgehe. In derselben Weise, wie wir Glück willkommen heißen, sollten wir auch Leid begrüßen.

Nicht nur in Indien, sondern in allen Ländern der Welt sind die jungen Menschen die zukünftigen Führer. Mengenmäßig steht mehr Geld zur Verfügung als man dafür kaufen kann. Mit Geld kann man alles Materielle erwerben. Aber die materiellen Güter sind nicht so wichtig. Der Mensch vergeudet heute sein Leben, indem er dem Geld hohe Bedeutung beimisst und bloß dem materiellen Wohlstand hinterherrennt. Der Mensch sollte als Erstes den Reichtum der Liebe erlangen. Mit diesem Reichtum der Liebe kann man alles andere erhalten.

In den letzten drei Tagen diskutierten während dieser Konferenz die Delegierten, die junge Erwachsene, Menschen mittleren Alters und alte Menschen umfassten, verschiedene Themen. Was ist das Ergebnis dieser Diskussionen? Egal welche Texte man studiert und welche spirituellen Übungen man durchführt: Wenn der Mensch in seinem Herzen nicht das Empfinden der Liebe kultiviert, ist alles vergeudet. Der Mensch sollte heutzutage das Liebesprinzip erkennen und verwirklichen. Das ist das wahre Ergebnis von Hingabe. In der heutigen Welt jagen Eltern, Kinder, und selbst die Ehefrau materiellem Wohlstand hinterher. Kaum jemand strebt nach beständiger, selbstloser und göttlicher Liebe. Geld allein hilft einem nicht, sein Leben zu führen. Gottes Liebe ist weder durch Geld, Bildung noch durch unsere verschiedenen spirituellen Übungen zu erlangen. Nur wenn man, um der Liebe selbst willen, reine bedingungslose Liebe darbringt, ist es möglich, die Göttlichkeit zu erreichen. Die Menschen erleben heutzutage so viele Schwierigkeiten, ohne das fundamentale Wesen dieser reinen Liebe zu erkennen und zu verwirklichen. Sie mühen sich sehr ab, ohne dieses Prinzip zu verstehen. Sie beschäftigen sich nur mit dem weltlichen körperlichen Aspekt der Liebe. Durch keinen anderen Weg als durch Liebe allein, kann man die Göttlichkeit erreichen. Wenn man die Göttlichkeit erreicht, ist alles erreicht; wenn man die Göttlichkeit nicht erreicht, ist alles andere vertan. Aber der Mensch bemüht sich heute überhaupt nicht um die Verwirklichung dieser Wahrheit. Er glaubt, man solle zuallererst materiellen Wohlstand erwerben und bemüht sich auf vielfache Weise darum, diesen zu erlangen.

Verkörperungen der Liebe!
Strebt nach Liebe; setzt alles daran, diese Liebe zu erreichen. Liebe ist euer wahrer Besitz. Erkennt diese Wahrheit. Kein Besitz ist größer und wertvoller als Liebe. Auch wenn etwas davon existiert, reicht es nicht aus, um das Ziel des Lebens zu erreichen. Versucht deshalb, die im Herzen eines jeden Menschen offenbarte Liebe zu erkennen. Nur wenn ihr dieses Liebesprinzip erkennt, habt ihr euer eigenes wahres Wesen verwirklicht. All die indischen vedantischen Schriften rufen dazu auf, das eigene wahre Wesen zu verwirklichen. Wenn es heißt: „Erkenne dich selbst“ – was ist damit gemeint? Was soll erkannt werden? Wie ich gestern sagte: Ihr seid weder der Körper noch der Geist (mind) noch der Intellekt (buddhi) noch eure Gefühle. Ihr müsst die Quelle erforschen und erreichen, aus der all diese hervorgegangen sind.

Angenommen ihr wollt Ghee (geklärte Butter). Milch ist der Ursprung von Ghee. Aus Milch entsteht Joghurt, aus Joghurt Butter und aus Butter Ghee. Wenn ihr nur an den Joghurt, die Butter und das Ghee denkt, verschwendet ihr eure Zeit. Wenn ihr euch also zu der Quelle selbst, nämlich Milch, begeben würdet, wie glücklich könntet ihr sein! Wenn ihr das Meer des weltlichen Lebens (samsâra, der Kreislauf von Geburt und Tod) quirlt, erhaltet ihr nur Friedlosigkeit daraus. Ihr glaubt, ihr würdet Butter daraus bekommen; aber es ist keine reine Butter. Aufgrund ihres Wassergehalts (Unreinheit) stinkt die Butter. Nur wenn ihr die Butter verwandelt, indem ihr sie erhitzt und das Wasser in Form von Dampf verschwindet, erhaltet ihr reines Ghee.

Verkörperungen der Liebe!
Ihr seid weder Körper, Geist, Intellekt, Sinne noch die inneren Instrumente (antahkarana). Ihr seid das ursprüngliche zugrunde liegende Prinzip, das wahre Selbst. Milch ist das zugrunde liegende Prinzip. Wenn ihr Milch habt, habt ihr zugleich die Butter und das Ghee. Aber ihr wollt die Milchprodukte und verschwendet dadurch eure Zeit.

Die Mitglieder der Sri Sathya Sai Organisationen führen heutzutage verschiedene Arten spiritueller Disziplin durch. Aber man sollte wissen, ob man sich auf dem rechten wahrhaften ewigen Weg spiritueller Disziplin befindet. Die Antwort lautet: Nein, es sind nicht wirklich spirituelle Übungen, obwohl sie so erscheinen. Sie scheinen eine Zeitlang wirklich zu sein, und später gibt man sie wieder auf. Ihr beginnt mit Japa (Rezitation eines Gottesnamens, u. a. mit Hilfe eines Rosenkranzes) als spiritueller Übung und macht dies eine Zeitlang. Später gebt ihr Japa auf und beginnt zu meditieren. Sogar diese Meditation (dhyâna) währt nur so lange, bis ihr das Ziel eurer Meditation erreicht. Wenn das Ziel erreicht ist, verliert die Meditation ihren Zweck. In dieser Weise sind eure ganzen spirituellen Übungen vergänglich. Durch zeitweilige spirituelle Übungen vorübergehende Ergebnisse zu erhalten und ein vergängliches Leben zu führen, ist keine große Errungenschaft. Wir müssen das zu erreichen suchen, was andauert. Wir sollten deshalb dem wahren, ewigen Weg folgen, der zu Glückseligkeit führt.

Wir müssen immer, jederzeit und an jedem Ort, unsere Zeit in der beständigen Besinnung auf Gott verbringen. Wir sollten in allen Situationen überall in Meditation sein. Dies sollte zu unserem wahren Lebensatem werden und uns so natürlich sein wie unser Ein- und Ausatmen. Das ist der rechte Weg, den wir bis zum Ende unseres Lebens gehen sollten. Der regelmäßige Atemvorgang selbst ist bereits eine spirituelle Disziplin. Es ist das Prinzip von So `ham. Diese unablässige Besinnung auf das So `ham - Prinzip (Ich bin Er, ich bin Gott) ist wahre spirituelle Disziplin. Woher stammt dieses „so `ham“? Es kam aus der Frage „ko `ham“ - „wer bin ich“? Die Antwort auf diese Frage lautet „so `ham“, „ich bin Er“. Wir sollten in unserem Leben in jeder unserer Handlungen nach der darin liegenden Antwort suchen. Wir sollten diese ewige Wahrheit erkennen. Nur wenn ihr diese ewige Wahrheit erkennt, wird euer spirituelles Bemühen (sâdhana) Frucht tragen.

Wir errichten heutzutage das Gebäude unseres Lebens auf einer Wasserblase, ohne zu wissen, wann diese Wasserblase platzen wird. Das menschliche Wesen sollte auf der ewigen Wahrheit ruhen, nicht auf etwas Vorübergehendem wie der Wasserblase. Heutzutage wird das menschliche Leben immer unsteter. Adi Shankara beschrieb denselben Sachverhalt in einem seiner berühmten Verse des Bhajagovinda:

Oh Mensch! Brüste dich nicht mit deinem
Reichtum, deiner Familie, deinen Freunden
und deiner jugendlichen Kraft. Die Zeit wird
alles im Nu zerstören.

In dieser Welt ist nichts von Dauer. Warum sollten wir uns dann auf solch vergängliche Dinge verlassen? Atman allein ist ewig. Atman wird auch als Brahman bezeichnet. Brahman symbolisiert die Göttlichkeit. Dieses Brahman-Prinzip wird auch brihat (groß, weit, gewaltig) genannt. Das aus diesem brihat hervorgegangene Atman-Prinzip ist das wahre Ich (aham). Dieses Ich ist wahr und unvergänglich. Wir müssen uns deshalb darum bemühen, dieses wahre ewige Atman-Prinzip zu verwirklichen. Wir müssen die zugrunde liegende Einheit von aham, Atman, Brahman erkennen. Sie scheinen verschieden zu sein, aber in Wahrheit haben alle drei die gleiche innere Bedeutung. Dieses reine makellose Brahman-Prinzip ist ständig mit uns, in uns, um uns herum, ob wir uns im Wach-, Traumzustand oder im Tiefschlaf befinden. Allein dieses Brahmanprinzip ist immer mit euch. Brahman ist die in der menschlichen Form anwesende Göttlichkeit. Und diese Göttlichkeit ist in euch. Ihr seid wahrhaftig dieses Brahman-Prinzip. Es liegt nicht außerhalb eurer Reichweite. Aus diesem Grund ist es vergeblich, Gott an irgendeinem fernen Ort zu suchen. Gott ist in euch, mit euch, über euch, unter euch und überall. Warum solltet ihr diese allgegenwärtige Göttlichkeit woanders suchen?

Der Mensch verschwendet heute seine kostbare Zeit, indem er der Erfüllung körperlicher, weltlicher, künstlicher Wünsche hinterherjagt. In Wahrheit sind all unsere Wünsche niedrig. Es ist in allen Bereichen, dem physischen, weltlichen, dharmischen und spirituellen, ein und dasselbe. Heutzutage ist das Leben des Menschen von Selbstsucht und Eigeninteresse erfüllt. Sie zerstören die menschliche Natur. Manche Menschen fragen: „Wie können wir ohne Eigeninteresse in dieser Welt leben?“ Eure Selbstsucht ruiniert euer Leben. Aber lasst mich euch sagen: Dies ist nicht der rechte Weg, ein sinnvolles Leben zu führen. Ihr glaubt fälschlicherweise, ihr würdet der Gesellschaft helfen und ihr dienen. Nein! In Wirklichkeit helft ihr der Gesellschaft nicht, sondern ihr verletzt sie, ihr verletzt sie, ihr verletzt sie. Ihr verletzt die Gesellschaft und schadet ihr. Im Namen der Hilfe für die Gesellschaft täuscht ihr die Gesellschaft und schadet ihr in Wirklichkeit.

Was ist diese Gesellschaft? Wie ich euch neulich in meiner Rede sagte, setzt ihr euch selber an die erste, die Gesellschaft an die zweite und die Spiritualität an die dritte Stelle. Aber an erster Stelle sollte die Spiritualität kommen, dann die Gesellschaft und danach der Einzelne. Die Einheit dieser drei (spirituality, association, individuality) ist SAI. Die Menschen müssen deshalb die Göttlichkeit (Spiritualität) an die erste Stelle setzen. Mit dieser Göttlichkeit könnt ihr in die Gesellschaft gehen. Wenn ihr das Ziel der Gesellschaft erreicht habt, solltet ihr mit der Erforschung der Frage „Wer bin ich?“ beginnen. Nur wenn ihr erkennt, wer ihr wirklich seid, werdet ihr die Gesellschaft verstehen können. Wenn ihr so die Gesellschaft versteht, seid ihr in der Lage, die Göttlichkeit in der Form der Gesellschaft zu erkennen und zu verwirklichen.

Wie Srinivas euch mitteilte, will er mit der Errichtung von Grundschulen als Grundlage beginnen, damit die Kinder erhabene Ideale entwickeln können. Wir beginnen heute also mit der Grundschule. Was ist die Grundschule? Entwickelt eure Individualität und schließt euch der Gesellschaft an. Erkennt als Erstes euer wahres Wesen. Erkennt euch selbst. Dann kennt ihr auch alles andere. Wir müssen alles daransetzen, dieses Prinzip zu erkennen.

Verkörperungen der Liebe!
Ihr seid nicht in der Lage, Spiritualität in der rechten Weise zu verstehen. Aber auch um die ewige Wahrheit zu entdecken, müssen wir bestimmte weltliche Wege zu Hilfe nehmen. Zweifellos braucht ihr als Erstes Nahrung für den Körper. Nahrung für den Geist, und den Geist für Gott (food for head, head for God). Wir sollten deshalb das essen, was unserer spirituellen Entwicklung förderlich ist. Diejenigen, die die Göttlichkeit erreichen wollen, sollten niemals mit etwas Unreinem in Berührung kommen. Ihr solltet immer reines, gutes, sattvisches Essen wie Gemüse, grünes Blattgemüse und dergleichen zu euch nehmen. Ihr solltet niemals unreine Speisen wie Eier, Fleisch und dergleichen essen. Diese Nahrungsmittel verschmutzen unser ganzes Leben. Dieses unreine Essen solltet ihr sofort aufgeben. Ihr solltet berauschenden Getränken und Drogen völlig entsagen. Wenn ihr solche Sachen konsumiert, werden all eure Sinnesorgane geschwächt. Alkohol ist der spirituellen Disziplin überhaupt nicht zuträglich. In der spirituellen Disziplin muss man die Ebene der Ekstase (den Zustand, indem man sich selbst vergisst) auf natürliche Weise, nicht durch künstliche Mittel wie Drogen und Alkohol erreichen. Dieser so genannte Rausch ist künstlich; der Zustand der Selbstvergessenheit, Ekstase, ist natürlich. Alles was mit der Göttlichkeit zusammenhängt kommt auf natürliche Weise zu euch. Das betonte auch der Weise Nârada, indem er erklärte:

Erlangt die vollkommene Erfüllung und Ekstase

Wir müssen in natürlicher göttlicher Berauschung versinken, nicht in künstlich durch Drogen und Alkohol herbeigeführtem Rausch. Das Wesen des Menschen wird durch das Konsumieren von Fleisch und berauschenden Getränken dämonisch. Nicht nur das. Unserer Nahrung sind gewisse Rauschmittel beigemischt. Wir sollten nichts davon zu uns nehmen. Auch Arzneien enthalten Bestandteile, die einen in einen Rauschzustand versetzen. Wir sollten diese Medikamente nicht einnehmen. Auch wenn wir zu leiden haben, es ist unwichtig. Unter keinen Umständen solltet ihr solche Rauschmittel (wörtl.: berauschende Nahrungsmittel) und Arzneien zu euch nehmen.

Verkörperungen der Liebe!
Ihr führt viele spirituellen Disziplinen durch. Etliche Menschen trinken Milch und essen Joghurt in der Annahme, das sei sattvische (reine) Nahrung. Genau genommen sind sie nicht rein. Sogar solche Nahrungsmittel enthalten berauschende Bestandteile, weshalb wir sie nur in begrenzter Menge zu uns nehmen dürfen. Nur weil es Joghurt ist, kann man ihn nicht unbegrenzt essen. Alles sollte sich in Grenzen halten. Bei allem was wir essen, müssen wir bestimmte Zeiten, Normen und Grenzen einhalten: Wenn wir hungrig sind, sollten wir nicht essen bis wir voll sind. Wir müssen dann mit dem Essen aufhören, wenn wir glauben, wir könnten noch mehr vertragen. Wenn wir unseren Magen voll stopfen, führt das zu tamoguna (Dumpfheit, Trägheit und Unwissenheit). Wir sollten tamoguna niemals Raum geben.

Ihr alle führt spirituelle Übungen durch, aber wissentlich oder unwissentlich schleichen sich Fehler ein. Ihr setzt euch hin um zu meditieren, aber was ist die Bedeutung von Meditation? Ihr glaubt, Meditation bestünde darin, sich zu konzentrieren. Nein, Konzentration ist nicht gleichbedeutend mit Meditation. Wir vollführen in unserem täglichen Leben verschiedene Dinge mit Konzentration, ohne dass sie dadurch schon zur Meditation würden. Konzentration ist nicht spirituelle Disziplin, sondern der Weg des täglichen Lebens. Hinsichtlich spiritueller Disziplin müssen wir sehr achtsam sein. Manche Menschen glauben, bewegungslos zu sitzen sei eine spirituelle Disziplin und etwas Großartiges. Das stimmt nicht. Unser Körper bewegt sich und unser Geist schwankt. Aber wir sollten den schwankenden Geist unerschütterlich und stetig machen. Aus dem schwankenden Wesen heraus Stetigkeit zu erreichen, ist wahre Meditation. Meditation bedeutet nicht, mit geschlossenen Augen dazusitzen. Das ist zur Gewohnheit geworden, die durch tägliche Wiederholung zur Routine und schließlich zu Zeitverschwendung wird. Der Geist wird noch rastloser, auch wenn er eine gewisse Zeit lang stetig zu sein scheint. Aber das ist nicht wahre Meditation. Wir haben diese schwankenden Ideen. Wir sollten uns in dem Gedanken verlieren, dass wir nicht vergänglich, sondern der ewige, wahre Atman sind. Das veränderungslose stetige Atman-Prinzip, das von dem Vergänglichen umgeben ist, sollte erkannt werden. Viele Menschen folgen einem spirituellen Weg, der nur einige Zeit lang funktioniert, sich aber später als vergeblich herausstellt. Wir sollten niemals dem Vergänglichen folgen.

Ihr solltet nie empfinden, Gott sei irgendwo an einem entfernten Ort, und ihr würdet diesen Gott gerne im Tempel eures Herzens verankern. Ihr solltet die fundamentale Wahrheit erkennen, dass die Göttlichkeit in euch liegt. Ihr müsst euer eigenes göttliches Wesen verwirklichen. Ihr solltet nicht nur die Göttlichkeit in euch schauen, sondern auch anderen helfen, sie zu sehen. All eure spirituellen Übungen gleichen heutzutage Schwertern, die in einem Schauspiel auf der Bühne, dessen Wesen künstlich ist, benutzt werden. Sie sind nur für das Schauspiel, nicht aber im wirklichen Leben nützlich. Wir müssen jede Anstrengung unternehmen, die Täuschung zu beseitigen. Wir müssen uns von dieser Täuschung fernhalten.

Es gibt verschiedene Formen der Meditation wie sankalpa dhyâna (sankalpa = Wille, Beschluss, Ziel), sthira dhyâna (sthira = unbeweglich, still), citta dhyâna (citta = Geist, Gemüt, Bewusstsein) usw. Aber wir schlagen den emotionalen Weg ein; wir sollten uns vom emotionalen Weg fernhalten.

Verkörperungen der Liebe!
Wissentlich oder unwissentlich führt ihr basierend auf dem, was ihr für richtig haltet, spirituelle Disziplinen durch. Wenn ihr wissen wollt, was wahre Meditation ist, fragt mich. Ich werde es euch erklären. In Wirklichkeit braucht ihr keinerlei spirituelle Übungen durchzuführen. Tut, was ich sage, und ihr werdet das Ergebnis davon augenblicklich erhalten. Göttlichkeit wird nicht durch spirituelle Disziplinen erworben, sondern sie wird verliehen. Jeder praktiziert spirituelle Disziplin, indem er sich an bestimmte Formen bindet und versucht in diesem Prozess, die Herrlichkeit seiner eigenen Form zu etablieren! Das ist nicht richtig. Ihr solltet eure eigene Form vergessen und euer Bewusstsein in der Göttlichkeit verlieren. Wenn ihr an der Form festhaltet und darin hängen bleibt – wie könnt ihr dann spirituelle Disziplin ausüben? Was bringt das? Was bringt es, zu meditieren, wenn man sich dabei ständig auf die eigene Form konzentriert? Wenn jemand euch fragt, was ihr da tut, gebt ihr zur Antwort, ihr würdet meditieren. Wie könnt ihr wissen, dass ihr meditiert? Solange ihr euch eurer Meditation bewusst seid, wie kann man da von Meditation sprechen? Es zeigt, dass ihr nicht wahrhaft meditiert. Ihr solltet euch selbst vergessen. Meditation ist der Vorgang, in dem ihr euer eigenes Selbst vergesst. Wenn ihr euer Selbst transzendiert, ein reines Gewissen entfaltet und euch in der Ewigkeit eures atmischen Prinzips verankert, ist das Meditation Wenn ihr das nicht erreicht, ist die Meditation vergebens und in Wirklichkeit Betrug.

Verkörperungen der Liebe!
Entwickelt reine und heilige Liebe. Ihr lauft verschiedenen Respektspersonen, spirituellen Suchern und Gurus hinterher und versucht, ihre Schüler zu werden. Das ist nicht das wahre Guruprinzip. Konzentriert euch auf die eine Wahrnehmung der Göttlichkeit, die bereits in eurem Herzen verankert ist. Ändert nicht immer wieder zwischendrin eure Gesinnung. Konzentriert euch auf eins und macht das unverrückbar zu eurem Ziel.

Buddha folgte demselben Prinzip. Eines Tages vergaß Buddha sich selbst, verlor sich selbst und wurde eins mit der Göttlichkeit. Dann begann er, ziellos umherzustreifen. Sein Cousin Ananda erkannte seine Not und fragte ihn, warum er in dieser Weise ziellos umherwandere. Plötzlich erkannte Buddha, dass er sich mit seinem Körper identifiziert hatte, eins mit dem Körperbewusstsein wurde und nur rastlos seinen geistigen Impulsen (manasika tattva) gefolgt war, die vergänglich und aus dem Augenblick geboren sind. Deshalb beschloss er, den Impulsen seines Geistes (manas/mind) nicht mehr zu folgen. Er erkannte: „Es gibt (im Grunde) nur einen Geist (manas), der die verschiedenen Leben hindurch unveränderlich bleibt. Diesen unveränderlichen und stetigen Geist sollte ich erlangen und das Wesen dieses unveränderlichen Geistes erkennen.“ Buddha beobachtete aus ganzem Herzen den Gedankenprozess. Er erkannte, dass aus diesem Herzen selbst heraus der Geist erschaffen wird. Er erreichte Befreiung (Nirwana). Buddha erreichte Befreiung, weil er sich mit dem Wesen des Geistes beschäftigte. Man sollte sich nie auf seinen Geist (mind) verlassen, der nur Phantasiegebilde erzeugt. Der Geist ist die Ursache für Rastlosigkeit. Er ist zugleich verantwortlich für Bindung an die Welt oder für Befreiung. Vergesst den Geist. Gebt den Geist auf, erreicht Gott und geht in diese Göttlichkeit ein. Das ist wahre Befreiung, Nirwana. Dies wurde auch von Ananda wahrgenommen, der sich entsprechend verhielt und in kurzer Zeit ebenfalls Befreiung erlangte.

Was macht das Wesen des menschlichen Körpers aus? Der Körper besteht aus den fünf Elementen, er ist unwirklich, vergänglich und zerstörbar. Warum sollten wir einem solchen Körper folgen? Wie können wir damit das Ziel erreichen? Gebt die Verhaftung an den Körper auf. Wir müssen diese Körperbindung aufgeben und uns an Atman, das Göttliche Selbst, binden. Das ist wahre Meditation (dhyâna). Das ist wahre Entsagung (tyâga). Das ist eure wahre Vereinigung mit Gott (yoga), eure wahre Freude (bhoga), und diese Freude ist Glückseligkeit (ânanda). Freude (bhoga) liegt nicht in weltlichem Vergnügen.

Folgt dem Prinzip:

Sprecht immer die Wahrheit,
sprecht sie in liebevoller Weise
und äußert keine unangenehme
(apriya) Wahrheit.

Nur dann wird es euch gelingen, Nirwana zu erreichen. Etliche Menschen streben nach Befreiung. Befreiung ist nicht etwas, was man für eine vorübergehende Zeitperiode erhalten könnte. Der Geist sollte vollkommen in Vergessenheit geraten. Wo immer ihr seid, ihr solltet frei von Gedanken und Gefühlen (mind) sein. Das ist wahre Befreiung, Nirwana. Wenn ihr euch nur an die Wogen und Launen der Gedanken, Gefühle und Vorstellungen (mind) haltet, wie wollt ihr dann Nirwana erreichen? Nur wer seinen Geist (Gedanken und Gefühle) auflöst, kann Befreiung erlangen.

Verkörperungen der Liebe!
Mir ist klar, dass ihr so eine große spirituelle Disziplin bisher niemals ausgeführt habt. Wir werden dem später nachgehen. Beginnt als Erstes damit, euch mit reiner Liebe auf die Göttlichkeit zu besinnen. Nur dann werdet ihr spirituelle Kraft gewinnen.

Die Pândavas begannen mit der Einstellung „ich, ich, ich“. Später sagten sie „wir, wir, wir“ und schließlich „alle“. Wir sollten uns selbst („ich“) nicht an die erste Stelle setzen. Wir sollten dieses Ich aufgeben. Dann werdet ihr wahre Glückseligkeit erlangen. Buddha sagte: „Freude, Freude, Freude – joy, joy, joy“. Was bedeutet „joy“? Weder das j noch das o noch das y wurden verstanden. J steht für Allgegenwart, o für Ganzheit und y für Nirwana, Befreiung. Jeder Buchstabe trägt mannigfaltige subtile Bedeutung in sich. Ihr müsst versuchen, diese subtilen Bedeutungsinhalte zu erkennen. Das ist wahre spirituelle Disziplin. Auch wenn es erscheint, als wenn der Geist eine Zeit lang stetig wäre, sollten wir uns nicht daran halten. Er mag anfangs stetig erscheinen, aber wird euch später Leid bringen. Der Geist wird euch nicht erlauben, weiterzugehen, sondern er wird beginnen, den rechten Weg in Frage zu stellen. Um künstlicher augenblicklicher Befriedigung und Ergebnisse willen sollten wir keine spirituelle Disziplin durchführen. Führt all euere spirituellen Disziplinen mit reiner Liebe aus. Entwickelt im Zustand der Meditation reine Liebe. Dann ist es wahre Meditation.

Verkörperungen der Liebe!
Morgen ist Gurupûrnimâ. Ich werde morgen über die Bedeutung von Gurupûrnimâ sprechen. Der Guru (spirituelle Lehrer) kommt an Gurupûrnimâ in seiner ganzen Lichtfülle (pûrnimâ ist der Vollmond, Gurupûrnimâ bedeutet wörtlich die „Lichtfülle des Lehrers“, A.d.Ü.). Ihr vergesst das wahre Wesen des Gurus (gurutva), und bleibt mit nichts zurück. Das ist ein großer Fehler. Bewahrt das wahre Wesen des Gurus in eurem Herzen, transformiert euch in das Göttliche und werdet eins mit der höchsten Wirklichkeit. Morgen werden wir die Bedeutung von Gurupûrnimâ zu erkennen suchen.

Die vom Ashram herausgegebene gedruckte englische Fassung war gekürzt. Sie wurde durch die Tonbandaufnahme vom Telugu ergänzt und ggfs. geändert.

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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