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 Ansprache Sathya Sai Babas am 21.08.2002

 

Ansprache Sathya Sai Babas am 21.08.2002, Onamfest



Alle Menschen trachten nach einem
angenehmen Leben (wörtl: einer guten Zeit),
nach Autoritätsstellungen und Wohlstand.
Aber nur wenige streben nach guter
Unterscheidungskraft (buddhi),
Weisheit und einem guten Charakter.
Was mehr ist den hier versammelten
edlen Seelen mitzuteilen?

Verkörperungen der Liebe!
In dieser Welt benutzt jeder, vom Armen bis zum Millionär, vom Einfältigen (auch: Ungebildeten) bis zur verwirklichten Seele (paramahamsa) das Wort „Ich“, wenn er auf sich selbst Bezug nimmt. Wäre Vögeln und Tieren die Gabe der Sprache verliehen worden, dann würden auch sie sich mit dem Wort „Ich“ vorstellen. Der Begriff „Ich“ ist in der spirituellen Literatur von großer Bedeutung und wird in den Upanischaden detailliert erläutert. Es ist kein gewöhnliches Wort. „Aham brahmâsmi“ – „Ich bin das alles durchdringende göttliche Prinzip“ – ist ein großer Lehrsatz der Upanischaden. Diese Feststellung „Ich bin brahman“ offenbart, dass der Begriff „Ich“ noch vor dem Begriff „brahman“ entstand. Die Namen göttlicher Inkarnationen wie Râma und Krishna beziehen sich nur auf ihre Körper. Sie wurden nicht mit diesem Namen geboren. „Ich“, „aham“, ist ihr wahrer ewiger Name. Tatsächlich ist „Ich“ der erste Name Gottes. Die verschiedenen Namen dienen unserer eigenen Freude und Befriedigung und sind für das Leben in der Welt nützlich. Dennoch ist „aham“ der wahre Name Gottes.

Der Geist (mind) ist verantwortlich für die täuschenden Vorstellungen des Menschen. Man kann einen Baum ohne Krümmung heranwachsen lassen, und man kann aus einem Stein eine schöne Statue schaffen. Aber es ist sehr schwierig, den Geist auszurichten und stetig zu machen. Unsere ganze spirituelle Disziplin dient dazu, den Geist auf den rechten Weg zu lenken. Die Menschen führen verschiedene Arten spiritueller Disziplin durch, die nur zeitweilige Befriedigung bringen. Nur wenn man das Prinzip des „Ich“ versteht, kann man andauerndes Glück erfahren. Die Menschen schreiben Gott verschiedene Namen und Formen zu, weil sie nicht in der Lage sind, das Prinzip der Göttlichkeit zu verstehen.

Ist es möglich, dem allgegenwärtigen Einen einen Tempel zu errichten?
Wie kann man ein Licht vor den Einen halten,
der mit der Leuchtkraft einer Billion Sonnen erstrahlt?
Wie kann man dem Einen eine Form zuschreiben,
den nicht einmal der Schöpfergott Brahma erfassen kann?
Wie kann man dem Einen einen angemessenen Namen geben,
der in allen Lebewesen gegenwärtig ist?
Wie kann man dem Einen Nahrung darbringen,
der den gesamten Kosmos in seinem Bauch trägt?

Verkörperungen der Liebe!
In dieser körpergebundenen flüchtigen Welt beten die Menschen Gott unter verschiedenen Namen und Formen an. Aber in Wirklichkeit ist „Ich“, „aham“, der einzige wahre und ewige Name Gottes. Die vier Veden haben diese Wahrheit in den vier großen Lehrsätzen (mahavakya) kundgetan:

„prajnânam brahma“ – „Brahman ist höchstes Bewusstsein“;
„aham brahmâsmi“ – „Ich bin brahman,
das alles durchdringende göttliche Prinzip“;
„tat tvam asi“ – „Das bist Du“;
„ayam âtma brahma“ – „Dieses Selbst ist brahman“.

Die Veden haben ebenso erklärt:

Der Eine beschloss, viele zu werden.
(Eko’ham bahuh syam).

Das Absolute ist eins (es gibt nur ein Sein, eine Wahrheit), die Weisen nennen es bei verschiedenen Namen (ekam sat viprâh bahudha vadanti).

Es gibt nur eine Göttlichkeit, und das ist „Ich“, „aham“

Der Geist ist sehr trickreich und lässt den Menschen die Wirklichkeit vergessen. Es ist kaum jemandem möglich, das Wesen des Geistes zu begreifen. Fliegen und Mücken lassen sich auf jedem Gegenstand nieder, aber sie vermeiden die Nähe des Feuers. In ähnlicher Weise wird der Geist von materiellen Dingen angezogen und wandert überall hin, aber er schreckt immer vor Gott zurück. Der Geist sollte rein und selbstlos gemacht werden und immer auf Gott ausgerichtet bleiben. Das ist wahre spirituelle Disziplin. Alle spirituellen Übungen sind dazu gedacht, den Geist unter Kontrolle zu bringen.

Über Gott zu hören (shravana), Singen (kîrtana), an Gott zu denken (vishnusmarana), Seinen Lotosfüßen zu dienen (padasevana), Verehrung und Lobpreis (vandana), Gottesdienst (arcana), Dienstbereitschaft (dâsya), Freundschaft (sneha) und Selbstergebung (âtmanivedana) sind die neun Formen der Hingabe. Das wichtige auf jedem dieser neun Wege der Hingabe besteht darin, dass der Geist beherrscht und Gott vollständig übergeben werden muss.

Der Geist ist nicht nur eine Ansammlung von Gedanken. (Swami zeigt sein Taschentuch und fragt): „Was ist das?“ Ihr antwortet, es sei ein Stück Stoff. Es ist nicht nur ein Stück Stoff, sondern es ist ein Bündel Fäden. Aber es ist nicht nur ein Bündel Fäden, sondern es ist Baumwolle. Baumwolle wird zu Fäden gesponnen und die Fäden werden miteinander verwoben, damit ein Stück Stoff entsteht. Entsprechend seid ihr nicht eine Person, sondern drei:

- Die, für die ihr euch selber haltet: der Körper.
- Die, für die andere euch halten: der Geist (mind; der Gesamtbereich der Gedanken, Vorstellungen und Gefühle).
- Die, die ihr wirklich seid: Atman, das Göttliche Selbst.

Euer wahres Selbst ist „Ich“; es ist brahman, es ist Gott. Er hat keinen spezifischen Namen und keine spezifische Form. Eigenschaftslos, rein, ewig, der endgültige Wohnsitz, unvergänglich, makellos, erleuchtet, befreit, die Verkörperung der Heiligkeit.

Welche Namen und Formen auch immer der Mensch Gott zuschreibt, sie dienen seiner eigenen Befriedigung. Ihr solltet euch deshalb bemühen, Gott in allen Formen zu sehen.

[1]Bali war ein großer König, er war voller Opfergeist und ein glühender Gottesverehrer. Kaiser Bali schenkte Vâmana, der Zwerginkarnation von Gott Nârâyana, aus Mildtätigkeit drei Schritte Land.[2] Warum nahm Gott Nârâyana die Gestalt eines Zwerges an? Jemand, der um Almosen fragt, wird als gering angesehen und gilt nicht als groß. Deshalb musste sogar Gott Nârâyana die Gestalt eines Zwerges annehmen, als er zu Bali ging, um Almosen von ihm zu erbitten. Gott Nârâyana, der Garuda als Gefährt und Lakshmî, die Göttin des Wohlstandes, als Gemahlin hat, nahm eine sehr kleine Form an und erbat Almosen von Bali. Er fragte nur um etwas Geringfügiges, um Land im Umfang von drei Schritten. Seine Gestalt war klein und seine Füße waren noch winziger. Dennoch konnte er die drei Welten mit seinen drei Schritten bedecken! Balis spiritueller Lehrer, der Weise Shukracarya, warnte ihn davor, Vâmanas Bitte zu erfüllen und offenbarte ihm, dass Vâmana kein gewöhnliches Wesen, sondern Gott Nârâyana selbst sei. Aber Bali schenkte seinem Rat keine Beachtung, mit dem Argument, es wäre nicht recht, sein Wort zu brechen. Er hatte sein Versprechen gegeben und wollte es, komme was mag, erfüllen. Er versagte sogar seinem Guru selbst den Gehorsam und übergab sich Gott.

Gottes Möglichkeiten und Kräfte sind unendlich. Nichts ist Ihm unmöglich. Vâmana bedeckte mit seinen drei Schritten die drei Welten. Die drei Welten werden durch bhûr, bhuvah, svaha repräsentiert. Bhûr steht für die materielle Welt, bhuvah für die Gedankenwelt (mind), und svaha ist das Atmanprinzip. Alle drei sind im Menschen enthalten.

Kerala ist das Land des Opfergeistes (tyâga bhûmi) und das Zentrum von Hingabe und Ergebung. Kein Bettler wird mit leeren Händen weggeschickt. Jeder praktiziert entsprechend seiner Möglichkeiten Mildtätigkeit. Dieses verdienstvolle Land (punya bhûmi) war die Geburtsstätte von Bali. In dieser Welt gibt es viele, die Land verschenken und Kühe, Nahrung, Kleidung und Gold in Barmherzigkeit weggeben. Aber Kaiser Bali vollführte das höchste Opfer, indem er sich selbst Gott übergab. Auch wenn im Lauf der Zeit sich einiges gewandelt haben mag, bleibt Kerala nichtsdestotrotz das Land, das für Hingabe und Ergebung berühmt ist. Es ist der Geburtsplatz des großen Gottesverehrers Prahlâda. So wie Bali um Gottes willen der Anweisung seines Gurus nicht gehorchte, ebenso trotzte Prahlâda den Wünschen seines Vaters und ergab sich völlig dem Herrn. Sein Vater Hiranyakashipu war voller Hass auf Gott, Prahlâda hingegen war voller Weisheit, Opferbereitschaft und intensiver Hingabe. Viele solch erhabene Seelen haben das heilige Land Kerala als Geburtsstätte gewählt.

Aus ihrer Unwissenheit heraus leugnen die modernen Wissenschaftler Gottes Existenz ab. Es ist ein großer Fehler. Es gibt keinen Ort ohne Gott.

Seine Hände, Füße, Augen, sein Kopf, sein Mund und seine Ohren durchdringen alles.
So erfüllt Er das gesamte Universum.

Prahlâda behauptete das Gleiche:

Hege niemals Zweifel der Art,
dass Gott an einem Ort wäre,
aber nicht an einem anderen.
Wo immer du nach ihm suchst, dort ist er zu finden.

Prahlâda war nur ein kleiner Junge, aber sein Glaube und Vertrauen waren unerschütterlich.

Hiranyakashipu war ein großer Wissenschaftler. Er konnte bis zur Sonne reisen und sogar die Sterne erreichen. Als er den Polarstern berührte, begann der Planet Erde zu schwanken. So groß waren seine Kraft und sein Mut. Bis auf den heutigen Tag konnte kein Wissenschaftler das erreichen, was Hiranyakashipu vollbracht hatte. Aber trotz seiner Stärke und seines Wissens konnte Hiranyakashipu die Göttlichkeit nicht verstehen. Die Göttlichkeit ist allein durch Liebe zu erfassen. Kein anderer Weg kann euch zu Gott bringen. Liebe ist die Hauptstraße. Liebe allein gibt euch die Fähigkeit, euch Gott zu ergeben.

Die vedische Aussage „aham brahmâsmi“ enthüllt, dass „Ich“ der erste Name Gottes ist. Es ist brahman, es ist Gott (bhagavân), es ist Atman, es ist der höchste Herr (parameshvara), es ist Licht (jyotirmaya), es ist ewig (nityânandamaya), transzendent (paratparamaya, auch: der höchste Herr), voller Glückseligkeit (ânandamaya). In ihm ist alles enthalten. Wenn euch jemand fragt, wann ihr gekommen seid, antwortet ihr: „Ich kam gestern“. Bezieht sich dieses Ich auf euch selbst oder auf euren Körper? Euer Körper traf gestern ein, nicht ihr selber. Weil ihr euch mit dem Körper identifiziert, glaubt ihr, ihr wäret gestern gekommen. Angenommen, ihr geht eine Straße entlang, rutscht versehentlich aus und brecht euch das Bein. Ihr sagt: „Mein Bein ist gebrochen“. Denkt nur einmal über diese Aussage nach! Wenn ihr sagt „mein Bein“, impliziert das, dass ihr von eurem Bein verschieden seid. Ihr seid nicht euer Bein, ihr seid nicht der Körper. Ihr sagt: „mein Geist“, „mein Intellekt“, „meine Hand“, „mein Bein“, „meine Sinne“. Wer seid dann ihr? Auf diese Frage habt ihr keine Antwort. Ihr seid keines davon. Sie beziehen sich nur auf eure Form, aber sie sind nicht eure Wirklichkeit, euer wahres Selbst, das Glückseligkeit ist. „Ich“ ist eure wahre Identität. Tag für Tag benutzen die Menschen in jeder Situation dieses Wort „Ich“, ohne seine tatsächliche Bedeutung zu verstehen. Jeder sollte dieses innere „Ich“ erkennen. Ob es sich um einen Armen oder einen Millionär handelt, das Ich-Prinzip ist allen gemeinsam. Es ist in jedem dasselbe. Gott ist in jedem der Gleiche in Gestalt des Ich.

Das gesamte Universum ist von Gott erfüllt. (Îshavasyam idam sarvam)

Gott ist in jedem in Gestalt des Ich gegenwärtig. Jeder Mensch spricht von sich selbst als „Ich“. Wo das Ich ist, ist Gott. Ihr könnt sagen: Wo kein „Ich“ ist, ist auch kein Gott. Ich ist der erste Name Gottes. „Aham brahmâsmi“ – „Ich bin brahman“, ich bin Gott. Zuerst kommt das Ich, dann Gott. Habt festes Vertrauen in diese Aussage: Wo das Ich ist, ist Gott.

Das Ich ist die Ursache von allem, was euch widerfährt. Es ist die Grundlage eures Glücks wie eures Leids. Ohne das Ich gäbe es weder Freude noch Leid. Dieses Ich ist in jedem in dieser Welt das Gleiche.

Verkörperungen der Liebe!
„Ich“ und Liebe sind ein und dasselbe. Der Mensch kann ohne Liebe nicht existieren. Liebe leuchtet in jedem als „Ich“. Ohne den Strom können Glühbirnen nicht leuchten. Entsprechend ist das Ich der Strom, ohne den der Körper nicht funktionieren kann. Das Ich ermöglicht es den Augen zu sehen, den Ohren zu hören, der Zunge zu sprechen usw. Wenn ihr eure Augen schließt, seht ihr nichts. Es sind nicht die Augen, die sehen; es ist das Ich, das durch die Augen sieht. Das in den Augen anwesende Licht ist die Göttlichkeit. In Wahrheit gibt es keinen Platz ohne Göttlichkeit. Alle Namen und Formen sind die Manifestationen der Göttlichkeit. Deshalb heißt es:

Wen immer ihr grüßt, es erreicht Gott,
und:
Wen immer ihr anklagt, es erreicht ebenfalls Gott.

Wen immer ihr beschuldigt, ihr beschuldigt Gott. Wen immer ihr respektiert, ihr respektiert Gott dadurch. Euer Respekt erreicht Atman, das göttliche Selbst.

Verkörperungen der Liebe!
Wenn ihr von anderen geachtet werden wollt, solltet ihr zuerst andere achten. Kämpft nicht darum, von anderen geachtet zu werden; lasst das beiseite. Achtet zuerst die anderen, und die anderen werden euch achten. Ohne andere zu achten, könnt ihr selbst niemals Achtung erhalten. Wenn ihr euer Selbst liebt, werdet ihr von jedem geliebt werden. Wenn ihr nicht euch selber liebt, wie könnt ihr dann andere lieben?[3] Das in euch scheinende Licht der Liebe ist göttlich. Liebe ist das Prinzip des Ich. Dieses Licht der Liebe sollte das Hauptprinzip sein. Bewahrt es als euer Ziel. In jedem Haus gibt es in jedem Zimmer einen Lichtschalter. All diese Lichtschalter werden durch einen Hauptschalter kontrolliert. Entsprechend gleichen die Augen, Ohren, die Zunge usw. verschiedenen Schaltern, die unter der Kontrolle des Hauptschalters „Ich“ stehen. Nur wenn dieser Hauptschalter angeschaltet ist, wird sich in jedem Körperglied Licht befinden. Atman ist der Hauptschalter. Dieses Ich ist wahrhaftig die Wahrheit. Wahrheit ist Gott. Gott ist Wahrheit. Liebe ist Gott. Lebt in Liebe. Wenn ihr diese Wahrheit versteht und in die Tat umsetzt, braucht es keine andere spirituelle Disziplin.

Gott ist der ewige Zeuge eurer Gedanken, Worte und Taten. Jeder verehrt Gott in dem Namen und der Form seiner Wahl. In Wahrheit sind alle Formen sein. Achtet und liebt deshalb jeden. Dann werdet auch ihr geachtet werden. Wenn ihr andere nicht achtet, wird niemand euch achten. Wir sollten jeden achten und jeden lieben. Diese weite Liebe nicht zu besitzen und ein enges Leben zu führen gleicht dem Tod. Engstirnigkeit ist nicht gut.

Die Geburt als Mensch ist die kostbarste und seltenste aller Lebensformen.

Gott nimmt die Gestalt des Menschen an

Der Mensch ist die Verkörperung der Göttlichkeit. Wenn ihr nur die körperliche Form in Betracht zieht, kann es sein, dass ihr diesen grundlegenden Aussagen nicht glaubt. Die innere Wirklichkeit ist wichtig, nicht die körperliche Form. Wenn ihr zum Markt geht, seht ihr dort Leute, die Zuckerstücke in verschieden Formen verkaufen, wie Katze, Hund, Reh usw. Unabhängig von der Form kostet jede Zuckerpuppe zwei Annas. Manche Kinder werden von der Katzenform angezogen, andere von der Rehform. Der Unterschied liegt allein in den Namen und Formen, aber der Zuckergehalt, die Süße, ist in ihnen allen gleich. Ihr zahlt die zwei Annas nicht für die Form, sondern für den Zuckergehalt darin. Nur Kinder werden von den Namen und Formen angezogen. In entsprechender Weise lässt sich ein gewöhnlicher Mensch durch Namen und Formen täuschen, wohingegen ein wahrer spiritueller Sucher oder Gottesverehrer (devotee) das zugrunde liegende Prinzip im Auge behält. Lasst euch nicht von Namen und Formen hinreißen. Erkennt das Wesen des Selbst und entwickelt Liebe zu ihm. Nichts geht über das Selbst hinaus. Dieses Selbst ist das Ich, aham, es ist Atman. Dieser Atman ist brahman. Alles ist Atman. Namen und Formen unterscheiden sich, aber das grundlegende Prinzip ist ein und dasselbe. Wir sollten uns nicht von Namen und Formen täuschen lassen. Schiebt sie beiseite und haltet euch an die grundlegende Essenz. Der Zucker, die Essenz, ist gleich. Wenn der Mensch diese Wahrheit versteht, wird er zur Göttlichkeit transformiert. Der Mensch ist allmächtig. Tatsächlich ist der Mensch Gott. Deshalb wird Gott immer in menschlicher Gestalt verbildlicht und porträtiert.

Die Upanischaden nehmen auf den Menschen als „hridaya“ (Sanskritwort für Herz) Bezug. Was ist hridaya? Ein Herz, das von Mitgefühl (dâya oder karunâ) erfüllt ist. Jeder Mensch besitzt Mitgefühl. Wenn jeder von Liebe und Mitgefühl erfüllt ist, wird Friede in der Welt herrschen und es wird kein Raum für Friedlosigkeit, Eifersucht, Hass oder Zorn sein. Alles wird dann von Mitgefühl erfüllt sein. Dem Menschen wurde der Name hridaya gegeben, was Mitgefühl bedeutet. Jeder Mensch ist also voller Mitgefühl, er verkörpert Mitgefühl. Wo Mitgefühl herrscht, wo bleibt da Raum für Hass? Wenn ihr wisst, dass ihr die Verkörperung des Mitgefühls seid, werdet ihr nie friedlos oder verstört sein und die ganze Welt wird von Mitgefühl erfüllt sein. Dieses Mitgefühl ist Liebe, prema. Hri-daya: das bedeutet, das Herz ist voller Mitgefühl (dâya, karunâ). Es ist sehr wichtig, diese Wahrheit zu kennen und sich entsprechend zu verhalten. Die Leute verwechseln irrtümlicherweise hridaya mit dem physischen Herzen. Hridaya ist nichts anderes als das allgegenwärtige atmische Prinzip, das Ich. Das Wesen des Selbst spiegelt sich im Herzen (hridaya) wider. Wir sollten deshalb unser Herz vollkommen rein und heilig halten.

Ein kleines Beispiel hierzu. Niemand bewahrt Wertgegenstände in Reichweite eines Diebes auf. Dennoch bewahren wir kostbaren Schmuck wie Mitgefühl, Duldsamkeit, Liebe usw. unter der Obhut des Geistes (mind) auf, der mit einem Dieb vergleichbar ist. Wenn ihr kostbaren Schmuck in den Händen eines Diebes belasst, wie könnt ihr den Schmuck dann zurückerhalten? Es ist unmöglich. Er ist nicht sicher. Der kostbare Schmuck der Tugenden muss im sicheren Gewahrsam des Herzens (hridaya) aufbewahrt werden. Hebt sie nie beim Dieb, dem Geist, auf. Aber genau das tut der Mensch. Wir machen unsere Gedanken und Gefühle zum Meister von allem. Der Mensch handelt entsprechend den Anweisungen seines Geistes und nimmt den Geist als Grundlage all seiner Aktivitäten. Wer den Launen seines Geistes folgt, ist schlimmer als ein Dieb. Stattdessen sollte man der höheren Intelligenz folgen. Nur dann kann man das Atmanprinzip verstehen.

Thiruthonda Alwar legte großen Nachdruck darauf, Gott mit einem reinen Geist (cittashuddhi) zu verehren. Ein reiner Geist ist die Grundlage. Es geht nicht um den herkömmlichen Geist, der immer wankelmütig ist. Der Geist ist immer ein Dieb. Wer den Launen seines Geistes folgt, ist nicht fähig, auf dem spirituellen Weg voranzukommen. Nehmt Wahrheit und Liebe als Grundlage. Es gibt nur eine Wahrheit. Sie ist überall. Es gibt keine indische, pakistanische oder amerikanische Wahrheit. Wahrheit ist unveränderlich. Diese Wahrheit sollten wir zu unserer Grundlage machen. Liebe sollte unser zugrunde liegender Wert sein. Man kann nur dann Frieden und Glückseligkeit erfahren, wenn man die unveränderlichen und ewigen Prinzipien von Wahrheit und Liebe als das Fundament des eigenen Lebens ansieht.

Die zwei Minister (die zuvor sprachen) baten mich, Kerala zu besuchen. Dieses Mal werde ich sicherlich nach Kerala kommen. Von diesem Jahr an hat Kerala jede Chance, im Bereich der Wissenschaft und Technologie voranzukommen. Die Menschen stehen unter dem Eindruck, Karnataka und Andhra Pradesh allein wären im Bereich von Wissenschaft und Technik vorangekommen, aber Kerala wird sie überholen. Sogar der Ministerpräsident hat versprochen, er würde diesbezüglich alle notwendige Unterstützung geben. Kerala wird unweigerlich eine herausragende Stellung erreichen. Die Kultur Indiens ermahnt:

Sprich die Wahrheit und handle recht

Kerala ist das Land der Wahrheit. Die Liebe leuchtet in diesem Land. Es ist ein Land des Dharma (Handeln gemäß der von Gott gesetzten Ordnung). Deshalb werde ich mit Gewissheit Kerala in diesem Jahr besuchen. Die Menschen von Kerala haben ein empfindsames Herz. Sie sind im Inneren so weich und zartfühlend. Sie sind voller Liebe. Im Bereich der Politik sagen die Leute etwas und tun später das Gegenteilige. Spiritualität hingegen betont die Einheit von Gedanke, Wort und Tat. Sehr bald wird sich Kerala zu einem idealen Staat in Bezug auf Wissenschaft und Technik entwickeln. In vielerlei Hinsicht nimmt Kerala den ersten Rang ein. Sogar der Monsun setzt in Kerala zuerst ein, ehe er sich in die anderen Staaten ausweitet. So ein Land ist unweigerlich auch Gott lieb. Im Land Kerala kann man die Gegenwart der Göttlichkeit erfahren. Kerala, Siddhashram, ist der Geburtsort von Kaiser Bali, Vâmana und Jamadagni (ein vedischer Seher). Der Name Siddhashram beinhaltet, dass es der Ort der Erfüllung und des Erfolges war. Was immer dort gedacht und entschieden wurde, erfüllte sich. Deshalb beschloss Vishvâmitra, dort Askese auszuüben. Aufgrund seiner Askese erlangte Siddhashram ewigen Ruhm. Alle Arten göttlicher Kräfte befanden sich dort. Deshalb wurde auch Kaiser Bali dort geboren. Darüber hinaus lebten viele Heilige und Weise dort. Viele Weise und Seher wählten Kerala als Geburtsstätte.

Nicht viele sind sich dessen bewusst. Vishvâmitra war anfänglich ein König. Später entsagte er allem und praktizierte Askese. Er wurde râjarshi (königlicher Weiser) genannt. Als er Vasishtha sah, der brahmarishi (ein Weiser, der völlig in Gott gegründet ist) genannt wurde, beschloss Vishvâmitra, sich denselben Ehrentitel zu verdienen. Man konnte nur dann zum brahmarishi werden, wenn man Ego und Hass vollständig aufgab. Weil Vasishtha keine Spur Hass in sich trug, konnte er den Rang eines brahmarishis erreichen. Als er sich von Zorn und Hass befreite, wurde auch Vishvâmitra zum brahmarishi. Er war verantwortlich für die heilige Vermählung von Sîtâ und Râma. Sein Wunsch, Schöpfung (prakriti, die durch Sîtâ verkörpert wurde) und das höchste Göttliche (paramâtman, verkörpert durch Râma) zusammenzubringen, wurde erfüllt. Nach der Vermählung brach er sofort in die Wildnis auf. Siddhashram war das Hauptzentrum seiner Aktivität und ermöglichte die Erfüllung all seiner Pläne (sankalpa). Liebe ist die Hauptursache für all dieses.

Verkörperungen der Liebe!
Liebt alle, hasst niemanden. Liebt sogar die, die euch hassen. Wenn ihr irgendeine Spur Zorn oder Hass in euch tragt, verwandelt es in Liebe. Dann werdet auch ihr ein großer Rishi (Weiser) werden. Achtet sogar euren Feind, wenn er euch begegnet. Hasst niemanden. Hass ist nicht gut. Hass ist sehr schlecht. Sprecht liebevoll mit jedem.

Prema mudita…

Die Übersetzung gründet sich auf die vom Aschram herausgegebene gedruckte gekürzte englische Fassung der Rede, die von der Audiokassette vervollständigt wurde.

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)

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[1] Dieser Absatz wurde in der gedruckten englischen Fassung in Abweichung zu Swamis Rede weiter nach hinten gestellt. In der deutschen Übersetzung steht er jetzt wieder an seiner ursprünglichen Stelle, A. d. Ü.

[2] Zur Erläuterung: Bali war ein großer, zum Dämonengeschlecht gehörender Herrscher, dem es mit Hilfe seines Gurus Shukracarya gelungen war, auch das Götterreich zu erobern. Obwohl er zum Dämonengeschlecht gehörte, war er Gott sehr ergeben. Aufgrund der Bitten der Götter inkarnierte Gott Nârâyana sich in Zwergengestalt als der Brahmane Vâmana. Als Bali eine Opferhandlung durchführte, gewährte er Vâmana die Erfüllung eines Wunsches, und Vâmana bat um nur drei Schritte Land. Da Vâmana eine Inkarnation Gottes war, bedeckte er mit drei Schritten die drei Welten (nach einer anderen Version bedeckte er Himmel und Erde mit je einem Fußschritt und setzte beim dritten Schritt seinen Fuß auf Balis Haupt als Zeichen der Unterwerfung von Balis Ego) und gab dadurch den Göttern ihr Reich zurück. Bali erhielt einen Platz als Herrscher der Unterwelt Patala und erscheint einmal im Jahr auf der Erde, um sein geliebtes Volk zu sehen; das Onamfest feiert das Erscheinen von Bali auf der Erde wie auch das Erscheinen von Vâmana vor Bali, A. d. Ü.

[3] Das ist tatsächlich, was Swami sagte. Er sagte in dem Fall nicht: „Liebt alle und alle werden euch lieben“, wie es in der Druckfassung steht. A. d. Ü.


    

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