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 Ansprache Sathya Sai Babas am 20.11.2002

 

Ansprache Sathya Sai Babas am 20.11.2002, anlässlich der Verteilung der Diplome an die neu ausgebildeten Lehrer der Sathya Sai Schulen


Nirgendwo ist eine Spur Frieden zu finden

und auch die Wahrheit ist rar geworden.

Furchteinflössende Waffen stapeln sich zuhauf

und anderes, das Schrecken erzeugt, gibt es im Übermaß.

Eigenliebe ist die Ursache dieses bösen Taumels.

Das ist die Wahrheit, die Sai verkündet.

Verkörperungen der Liebe!
Obwohl die Bildung täglich zunimmt, ist im menschlichen Verhalten keine entsprechende Transformation als Ergebnis zu finden. Welche Art Bildung brauchen wir? Im Bildungsbereich hat die akademische Vortrefflichkeit zugenommen, aber die heilsame Auswirkung auf das menschliche Verhalten abgenommen.

Liebe Studenten!
Die Ausbildung, der ihr heutzutage nachgeht, ist nur weltlicher Art; weltliche Ausbildung allein reicht nicht aus, sondern sie muss durch spirituelle Erziehung ergänzt werden. Ihr müsst das Prinzip der Liebe entfalten und dem Weg der Wahrheit folgen. Wahre Bildung ist von Wahrheit und Liebe durchdrungen. Ohne Wahrheit ist Liebe unwirksam und ohne Wert. Weltliche Bildung dient dem Erwerb des Lebensunterhalts, spirituelle Bildung hingegen ist dazu gedacht, das Ziel des Lebens zu erreichen. Es ist deshalb die Pflicht sowohl der Studenten als auch der Erzieher, weltliche und spirituelle Erziehung und Bildung in Einklang zu bringen. Die Welt hat heutzutage die Bedeutung einer harmonischen Beziehung von weltlicher und spiritueller Erziehung und Bildung erkannt.

Die ganze Welt hat damit begonnen, neben dem herkömmlichen Lehrplan zugleich spirituelle Erziehung zu vermitteln. Die Menschen haben die Wahrheit erkannt, dass Spiritualität keine moderne Entdeckung, sondern uralte Weisheit ist. Aber der Schwerpunkt wurde dabei nur auf das Vortragen und Lehren von Spiritualität gelegt; was das Praktizieren von Spiritualität im täglichen Leben angeht, ist tatsächlich ein Niedergang zu verzeichnen. Deshalb ist praktische Erziehung und Bildung heutzutage das Wichtigste. Bildung ohne Praxis würde zu Friedlosigkeit führen. Unter Ausbildung (education) versteht man moderne institutionalisierte Studiengänge. Educare hingegen ist spirituelle Erziehung, die auf das Herz wirkt. Educare bedeutet, die im Menschen verborgene Göttlichkeit zum Vorschein zu bringen und diese der ganzen Welt als Ideal zu geben. Moderne Ausbildung beschränkt sich auf den Inhalt von Büchern und endet beim reinen Bücherwissen. Educare hingegen hat nichts mit Büchern zu tun, sondern bezieht sich auf das Lehren über die Quelle allen Wissens, die im Herzen eines jeden Menschen verborgen ist. Deshalb muss heute als Erstes diese Art Ausbildung vermittelt werden. Die Menschen erstreben die höhere Bildung im weltlichen Bereich. Das reicht nicht aus. Sie müssen auch der spirituellen Bildung nachgehen, denn diese vermittelt menschliche Werte, die eine Transformation des Herzens bewirken, wie Wahrheit, rechtes Handeln, Liebe usw.

Eine harmonische Mischung von weltlicher und spiritueller Ausbildung ist für die gegenwärtige Welt das Ideal. Das eine entspricht äußerlichen Lehren, das andere innerem Erwachen. Weltliche Lehren stehen mit der körperlichen Welt in Verbindung und bilden den negativen Aspekt. Lehren hingegen, die dem inneren Erwachen dienen, sind positiv. Nehmt als Beispiel die Liebe. Wer kann die Form von Liebe definieren? Der beste Weg, Liebe zu definieren, besteht darin, andere zu lieben, von anderen geliebt zu werden und dadurch die Seligkeit der Liebe zu erfahren. Lehren hingegen, die dem inneren Erwachen dienen, sind das dringende Gebot der Stunde. Educare ist das, was zwischen den Menschen Liebe und das Empfinden von Verwandtschaft aufbaut. Heutzutage weiß niemand, was der andere im Sinn hat, ganz zu schweigen von dem Menschen, bei dem Gedanke, Wort und Tat sich nicht in Einklang befinden. Er denkt etwas, spricht etwas anderes und tut schließlich etwas völlig anderes. Das ist nicht das Kennzeichen wahrer Bildung. Was ihr denkt, solltet ihr sagen und was ihr sagt, solltet ihr in die Tat umsetzen. Weil zwischen Gedanke, Wort und Tat keine Einheit besteht, steigt der Mensch heutzutage nicht zur Ebene eines mahâtmas, einer großen Seele, auf und wird stattdessen ein schlechter Mensch (durâtma). Es heißt:

Jene sind große Seelen, bei denen sich Gedanken,
Worte und Taten in

vollkommener Harmonie befinden.

Jene, bei denen sie auseinanderklaffen,
sind schlechte Menschen
.

Die so genannte gebildete Elite sind größere Verbrecher als die ungebildeten Massen. Es ist diese Elite, die dem Land großen Schaden zufügt. Die ungebildeten Dorfbewohner führen ein achtbares Leben und sind anderen ein Vorbild. Andererseits führen die Gebildeten und jene, die als große Intellektuelle gelten, in den Städten ein luxuriöses Leben; die ländlichen ungebildeten einfachen Menschen hingegen führen in den Dörfern ein sehr einfaches, glückliches und zufriedenes Leben. Heutzutage gibt es in den Städten viele Schulen, Colleges und Universitäten, auf deren Gelände ihr ständig Unruhen und Aufruhr findet. In den Dörfern hingegen, wo diese höheren Bildungseinrichtungen nicht existieren, gibt es solche Unruhen kaum. Was ist der Grund dafür? Das Anwachsen der so genannten modernen Bildung!

Besucht die Dörfer und beobachtet. Sobald ihr ein Dorf betretet, werden die einfachen Dorfbewohner euch fragen: „Bruder, woher kommst du? Aus welchem Land stammst du?“ usw. Sie sprechen höflich und achtungsvoll zu euch und erkundigen sich nach eurem Wohlergehen. Aber in den Städten fragen nicht einmal Vater und Sohn nach dem gegenseitigen Wohlergehen. Sie erledigen ihre tägliche Routine in mechanischer Weise, ohne Fürsorge füreinander. Der Grund dafür ist die moderne Bildung. Es heißt: Charakter ist das Ziel der Erziehung und Bildung. Weil die Menschen heutzutage ihren Charakter verloren haben, sind auch Höflichkeit und Achtung geschwunden. Sogar die Eltern tragen zu dieser Situation bei. In den Dörfern schicken die Eltern ihre Kinder zur Ausbildung in die Städte in der Erwartung, dass sie höhere Bildung und Studienabschlüsse erlangen. Ihre Absichten sind zweifelsohne gut. Aber die Kinder schlagen in den Städten schlechte Wege ein. In den Dörfern achteten sie die älteren Menschen und gehorchten ihren Eltern. Sobald sie um der höheren Bildung willen in die Städte zogen, verloren sie all die guten Eigenschaften wie Achtung, Ehrfurcht, Charakter und Demut, die sie zu Hause erlernt hatten. Die Studenten haben derzeit den Wert eines heiligen Lebens vergessen. Nichts hält sie davon ab, sogar im Angesicht ihrer Eltern zu rauchen. Schlechte Angewohnheiten nehmen zu. Aber in den Dörfern ist die Situation etwas anders. In den Dörfern verhalten sich die Kinder in der Gegenwart älterer Menschen und ihrer Eltern zurückhaltend. In den Dörfern existiert die gesunde Kontrolle durch die Eltern immer noch. Aber in den Städten gibt es diese Kontrolle nicht mehr. Die Jugendlichen rauchen, bieten ihren Freunden Zigaretten an, gehen ins Kino und haben viele schlechte Gewohnheiten. Niemand ist da, um sie zu bremsen und von schlechten Gewohnheiten abzubringen. Was ist die Ursache dieses Verhaltens? Die moderne Erziehung und Bildung. Sie achten die älteren Menschen, ihre Eltern und die Gesellschaft nicht. Wenn jemand sie auf ihre Fehler hinweist, beginnen sie zu argumentieren: „Warum sollte ich Angst haben? Ich habe meinen eigenen Willen und ich rauche meine Zigarette.“

Ein kleines Beispiel dazu: Einst reisten ein Inder und ein Ausländer zusammen in einem Eisenbahnabteil. Der Inder war Kettenraucher und blies darüber hinaus dem Ausländer den Rauch ins Gesicht. Der Ausländer duldete das eine Zeitlang und als es für ihn unerträglich wurde, sagte er zu dem Inder: „Mein lieber Sohn, ich fühle mich nicht gut und kann Zigarettenrauch nicht ertragen. Wenn du rauchen willst, tue das bitte auf der Toilette.“ Der mit moderner Erziehung und Bildung aufgewachsene Inder erwiderte: „Wenn du mein Zigarettenrauchen nicht aushalten kannst, dann geh doch du zur Toilette. Ich habe die Zigaretten gekauft und werde uneingeschränkt rauchen. Ich habe die Freiheit, zu rauchen und den Rauch zu blasen, wie es mir gefällt.“

Auf diese Weise begann er mit dem Ausländer zu streiten. Dieser fühlte sich hilflos, ging nach einiger Zeit zur Toilette und kehrte zurück. Mittlerweile hatte der indische Student dessen Schuhe aus dem Abteil geworfen. Der Ausländer bemerkte dies, hielt es aber nicht für weise, mit diesem arroganten Jungen zu argumentieren. Er stieg deshalb auf den oberen Liegeplatz und streckte sich aus. Jetzt war der indische Junge an der Reihe und ging zur Toilette. Ehe er zurückkam, warf der Ausländer dessen Mantel hinaus, um ihm eine Lehre zu erteilen. Der Junge kam von der Toilette zurück und fragte, wo sein Mantel sei. Der Ausländer gab zur Antwort, der Mantel wäre auf die Suche nach den Schuhen gegangen, die der Junge aus dem Abteil geworfen hatte. Daraufhin erkannte der Junge seinen Fehler. Wie ihr wisst, erfolgt in diesem Kalizeitalter auf alles eine Reaktion, ein Widerhall und eine Widerspiegelung. Wenn ihr sanft und liebevoll mit anderen sprecht, werdet ihr wiederum dasselbe erleben. Wenn ihr zu anderen frech seid, werden sie sich euch gegenüber ebenso verhalten. Deshalb muss jeder Einzelne, unabhängig von seinem Alter und Land und egal, ob er gebildet oder ungebildet ist, sanft und liebevoll sprechen und Demut besitzen.

Was ist Bildung?

Hört auf Sais wahre Worte:

Kultur, gutes Verhalten, Wahrheit,
Glaube, Hingabe und Disziplin

machen wahre Bildung aus.
Alles andere ist wertlos.

Der Mensch ist heutzutage nicht pflichtbewusst. Disziplin besteht darin, seine eigene Pflicht zu erfüllen. Was bringen Erziehung und Bildung ohne Disziplin? Erziehung und Bildung ohne Wissen ist nutzlos und Wissen ohne Erziehung und Bildung ist Torheit. Einer so törichten nutzlosen Ausbildung nachzugehen ist sinnlos. Zusammen mit der höheren Bildung muss man gutes Verhalten kultivieren. Aber heute finden wir eine hohe akademische Bildung und ein degeneriertes Verhalten vor. Ihr müsst deshalb hohe Bildung erwerben und gleichzeitig ein einfaches Leben führen. Das macht wahre Bildung aus.

Mahatma Gandhi vergoss einst, ein Buch in den Händen haltend, Tränen. Er hatte das Buch zuvor gelesen und fand es unnütz. In der Zwischenzeit kam ein Engländer und wollte von Gandhi wissen, warum er weine. Gandhi erwiderte, er glaube daran, dass Charakter das Herz der Bildung sei und dass dieses Buch die Charakterbildung nicht fördere; aus diesem Grund vergieße er Tränen. Zwischen der modernen Bildung und der alten Weisheit besteht ein himmelweiter Unterschied. Die Zeit eurer Ausbildung mag modern sein, aber euer Verhalten sollte immer in Übereinstimmung mit der alten Weisheit sein. Nur dann wird eure Bildung Achtung gebieten.

Ihr müsst eure Eltern respektieren. Wenn ein älterer Herr euer Haus besucht, heißt ihn mit Ehrfurcht und Achtung willkommen und sprecht sanft und liebevoll mit ihm. Wenn der Herr fragt, wo euer Vater ist, lasst ihn nicht mit den Worten stehen: „Geh und schau selber nach.“ Das ist nicht die richtige Antwort, sondern sagt ihm höflich: „Herr, mein Vater ist im Wohnzimmer, ich werde ihn rufen.“ Wenn ihr auf diese Weise liebevoll und sanft sprecht, wird sich der Besucher eine gute Meinung über euch bilden und glauben, dass ihr der würdige Sohn eines würdigen Vaters seid. Ihr müsst die Ehre und das Ansehen eures Vaters schützen. Wie? Durch euer gutes Benehmen und gefällige und sanfte Worte. Ansonsten gelangen die Besucher zu der Meinung: „Der Vater ist ein guter und achtbarer Mensch, aber sein Sohn ist ein schlechter Kerl. Er ist patzig und arrogant und kein würdiger Sohn.“

Wir sollten deshalb heute trotz unserer modernen Bildung und obwohl wir in einem modernen Zeitalter leben, lernen, Demut zu kultivieren.

Wer ist ein Student? Jemand, der Bildung erlangt und sich demütig, gehorsam und diszipliniert verhält. Wer keinen Gehorsam und keine Disziplin besitzt, ist kein Student, sondern ein Dummkopf. Auf den Universitätsgeländen, wo so viele Studenten ausgebildet werden, sollte eine stille, heitere Atmosphäre herrschen. Die Älteren zögern heutzutage, Orte aufzusuchen, wo sich Studenten aufhalten, denn sie befürchten, diese könnten Schwierigkeiten anzetteln. Früher war das nicht der Fall. Die Studenten jener Tage pflegten sich demütig zu verhalten. Durch ihre Ausbildung hatten sie Unterscheidungsvermögen erlangt. In der modernen Erziehung und Bildung fehlen beklagenswerterweise Ehrlichkeit und Integrität, Pflichtgefühl, Disziplin und Hingabe. Was bringt eine solche Bildung? In den alten Zeiten wurde ein Student mit einem heiligen Gebet zu Gott in das Lernen eingeführt: „Om namah shivaya! Om namo nârâyanâya!“ Zu dieser Zeremonie wurden die Älteren aus der Nachbarschaft eingeladen und sie gaben dem Kind ihren Segen. Im Gegensatz dazu wird heute ein Kind mit dem Kinderreim „Bah, bah, schwarzes Schaf“ in das Lernen eingeführt, mit dem Ergebnis, dass es schließlich ein schwarzes Schaf der Gesellschaft wird.

Liebe Studenten!
Ihr geht eurer Ausbildung in einer heiligen Atmosphäre nach. Ihr müsst diese Atmosphäre in eurem späteren Leben weiterhin entwickeln. Die moderne Wissenschaft ist zweifellos groß, aber eure Sinne befinden sich auf einer niedrigen Stufe. Zusammen mit der Wissenschaft müssen auch die Sinne auf eine höhere Ebene angehoben werden. Wir führen heutzutage ein Leben mit hohem Standard und halten unsere Sinne auf einer niedrigen Ebene. Das ist nicht unter Educare zu verstehen. Educare bedeutet, die im Menschen verborgene Göttlichkeit zum Vorschein zu bringen. Bei euren Worten müsst ihr darauf achten (engl. watch), ob sie das Ergebnis eurer Bildung oder von Educare sind. Heutzutage achtet niemand darauf. Ich beziehe mich oft auf das Buchstabieren des Wortes „watch“. Es besteht aus den fünf Buchstaben w, a, t, c, h. Diese repräsentieren:

W – achte auf deine Worte (words)

A – achte auf deine Handlungen (actions)

T – achte auf deine Gedanken (thoughts)

C – achte auf deinen Charakter (character)

H – achte auf dein Herz (heart).

Wenn ihr auf diese Weise auf eure Worte, Handlungen, Gedanken, euren Charakter und euer Herz achtet, ist das wahres „watch“ und nicht die Uhr, die ihr um euer Handgelenk bindet. Diese Armbanduhr mag eine Reparatur benötigen, aber der Begriff „watch“ wird nie kaputt gehen. Er wird euch immer Reinheit des Gedankens, des Wortes und der Tat bringen. Wie groß diese Worte sind! Die Bildung in den alten Zeiten half dem Menschen, edel und vorbildlich zu werden.

Nun zur Sauberkeit und Reinheit. Dies sind zwei sehr wichtige Aspekte der Erziehung. Die Studenten müssen sich gut um ihre persönliche Hygiene kümmern, was regelmäßiges Waschen, anständige und saubere Kleidung usw. einschließt. „Reinheit ist Göttlichkeit.“ Seid deshalb sauber und rein. Führt ein glückliches zufriedenes Leben. Helft anderen immer. Helft immer, verletzt nie. Ihr könnt euch sicherlich um moderne Bildung bemühen, aber zugleich müsst ihr auch die alte Weisheit erlernen. Beide müssen einander harmonisch ergänzen. Wissenschaftliche Kenntnisse zu erlangen ist natürlich notwendig. Aber unser Verständnis von Wissenschaft ist heutzutage pervertiert. Die Wissenschaft hat einen bestimmten Ausgangspunkt und endet an einem anderen Punkt. Es ist kein ganzer Kreis. Spiritualität hingegen bildet einen vollen Kreis und endet am Ausgangspunkt. Deshalb heißt es:

Das ist Fülle, dies ist Fülle.

Wenn man aus der Fülle die
Fülle schöpft, verbleibt wiederum Fülle.

Die Wissenschaft beginnt mit der Nachforschung: „Was ist dies, was ist dies“? Die Spiritualität hingegen beginnt ihr Forschen mit der Frage: „Was ist das, was ist das?“ Die Frage: „Was ist dies?“ zeigt Nähe an, und zwar Nähe zu den Sinnen. Das ist Wissenschaft. Im Gegensatz dazu verweist die Frage: „Was ist das?“ auf Distanz, und zwar Distanz zu den Sinnen. Das ist Spiritualität.

Ein kleines Beispiel: Ihr seid alle von weit entfernten Plätzen wie Zambia, Ostafrika usw. hierher gekommen, um Sai Babas Darshan zu erhalten. Weil ihr so weit entfernt lebt, entwickelt ihr große Liebe zu Sai Baba und sehnt euch nach seinem Darshan. Um einen Menschen aus dem Nachbardorf zu sehen, werdet ihr nicht denselben Eifer aufbringen. Es ist natürlich, Interesse an Dingen zu entwickeln, die weit in der Ferne liegen. Was ist dieses „Das“? „Das“ bedeutet das, was jenseits der Sinne ist, nämlich Spiritualität. Unterhalb der Sinne ist Schmutz. Danach sollten wir nicht verlangen. Wir müssen uns auf die Ebene jenseits der Sinne erheben. Nur dann können wir ein heiliges Leben führen. Heutzutage befinden sich die Studenten unterhalb der Sinne und werden Sklaven ihrer Sinne. Das ist keine rechte Bildung. Ihr müsst nicht nur Meister der Wissenschaften (MSc), sondern Meister der Sinne werden. Ihr müsst die Sinne zu euren Dienern machen und nicht Diener der Sinne werden.

Ihr habt alle von Königin Kaikeyî im Ramayana gehört. Sie war die Tochter des Königs von Kekaya und in allen Waffen bewandert. Sie war die jüngste Gemahlin des Königs Dasharatha und ihm am liebsten. Sie brachte eine Zofe namens Mantharâ mit sich, um ihr im Palast zu dienen. Aber im Lauf der Zeit ließ sie zu, dass Mantharâ ihre Ratgeberin wurde und sie selbst wurde ihre Dienerin. Schließlich folgte sie Mantharâs Rat und dadurch wurde ihr Leben absolut jämmerlich. Sie verlor ihren Ehemann, König Dasharatha, der starb, weil er unfähig war, die Qual der Trennung von seinem geliebten Sohn Shrî Râma zu ertragen. Sie hatte auch den Zorn ihres eigenen Sohnes, Bharata, zu ertragen, dem die Idee nicht gefiel, Râma in den Wald zu schicken und an seiner Stelle König zu werden. Jeder im Königreich hasste Kaikeyî dafür, Râma und Sîtâ in den Wald geschickt zu haben. Deshalb heißt es, ein Diener sollte als Diener gehalten werden und ein Meister ein Meister bleiben. Ihr seid der Meister und eure Sinne sind die Sklaven. „Meistert euren Geist, damit euer Geist meisterhaft wird.“ Das ist die Qualität eines Studenten. Nur dann könnt ihr wahre höhere Bildung erlangen und sie zugleich mit anderen teilen.

Ich könnte euch lange über Erziehung und Bildung belehren, aber die Zeit ist begrenzt. Was ich den Studenten beibringe, kreist um das Prinzip „ein einfaches Leben und eine hohe Denkweise“. Ich selbst folge diesem Prinzip. Wichtig ist nicht Bildung im Sinne von Studienabschlüssen, sondern Kultur. Wenn wir Kultur entwickeln, können wir in unserem Leben jedes Maß an Reinheit und Heiligkeit erlangen. Das Ziel jeder euch gegebenen Ausbildung besteht darin, dass ihr euch auf euer Selbst verlasst.

Ihr müsst euch um eure persönlichen Arbeiten selber kümmern. Zum Beispiel müsst ihr eure Teller und Kleider selber waschen. Das ist die Pflicht eines wahren Studenten. Wenn ihr solch gute Gewohnheiten entwickelt, was braucht es dann mehr? Das ist einfaches Leben und hohes Denken. Ihr müsst auf der Grundlage dieses Prinzips ein erhabenes Leben führen.

Ich rate Jumsai auch, dieses Prinzip der Selbsthilfe in allen vom Institut für menschliche Werte betriebenen Schulen einzuführen. Die Schüler des Instituts müssen sich auf sich selbst verlassen. Sie müssen ihren Studienplatz, ihren Aufenthaltsort, Bücherregale und dergleichen selbst sauber halten. Dafür dürfen nicht gesonderte Bedienstete eingestellt werden. Ich erzähle den Schülern und Studenten oft einen Scherz: „Das gekaufte Gemüse ist zwei Annas wert, aber die Gebühren für den Träger, der das Gemüse trägt, beträgt vier Annas.“ Werdet ihr jemals dem Träger eine höhere Gebühr bezahlen als das Gemüse selbst kostet? Ihr solltet euer Geld nicht auf diese Weise verschwenden. Missbrauch von Geld ist schlimm. Das Geld, das ihr während eures Studentenlebens ausgebt, wird von euren Eltern aufgebracht. Sie haben es durch ihren Schweiß und ihr Blut verdient. Jede Rupie dieses Betrages muss wie ein Tropfen ihres Blutes behandelt werden. Beschneidet eure Ausgaben und geht der höheren Bildung nach.

Heutzutage wollen etliche Studenten zur höheren Ausbildung ins Ausland gehen. Wie viel Geld das kostet! Was tut ihr, nachdem ihr so viel Geld ausgegeben habt und im Ausland angekommen seid? Ihr konzentriert euch nicht auf eure Studien, sondern verbringt eure Zeit mit allerlei Aktivitäten und verschwendet euer kostbares Geld. Wenn euer Geld aufgrund dieser Verschwendung knapp wird, wascht ihr in einem Restaurant die Tassen und Teller ab, um euer Einkommen aufzustocken. Warum wascht ihr nicht, statt im Ausland, in eurem eigenen Land und eurem eigenen Haus Tassen und Teller ab? Dadurch würdet ihr euren Eltern helfen und sie glücklich machen. Liebe Studenten! Macht eure Eltern glücklich, macht eure Lehrer glücklich und dient ihnen. Nur dann werdet ihr von den Lehrern eine gute Ausbildung erhalten können.

Verkörperungen der Liebe!
Erkennt die Wahrheit, dass wahre Bildung Demut vermittelt. Nur wenn ihr diese Eigenschaft der Demut kultiviert, könnt ihr ideale Schüler und Studenten werden und eurem Land gut dienen. Haltet euch von Plätzen fern, an denen Gewalt verübt wird, denn wenn ihr dorthin geht, wird auch euer Körper verletzt . Wenn ihr könnt, dann versucht, solche Gewalttaten einzudämmen, ansonsten haltet euch fern von ihnen. Versucht, überall eine friedvolle Atmosphäre zu schaffen.

Liebe Studenten!
Ihr seid voll edler Eigenschaften und euer Körper und Geist sind stark. Versucht zugleich einen guten Charakter zu entwickeln. Es bringt nichts, einen Freundeskreis, Reichtum und Kraft aufzubauen, ohne Charakter zu entwickeln. Werdet ideale Studenten, verbreitet die Prinzipien der Sathya Sai Erziehung in der Welt und verdient die Achtung der Welt.

Übersetzung der vom Ashram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Ansprache.

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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