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 Ansprache Sathya Sai Babas am 17.05.2002

 

Ansprache Sathya Sai Babas am 17.5.2002, anlässlich des „Sommerkurses in indischer Kultur und Spiritualität“ in Brindâvan, Whitefield

Harmonie und Schönheit des Râmayana


Die gesamte Schöpfung untersteht der Herrschaft Gottes.
Gott steht unter der Herrschaft der Wahrheit.
Edle und hochherzige Menschen wachen über die Wahrheit.
Diese edlen Menschen sind größer als Götter.

Verkörperungen der Liebe!
Die heutige Gesellschaft hat die Botschaft des Râmayana (großes indisches Epos) dringend nötig. Wir haben keine Kinder, die ihre Eltern achten, noch haben wir Eltern, die wahre Zuneigung und Liebe für ihre Kinder empfinden. Weder haben wir heute Schüler (Anhänger), die ihre Lehrer (spirituellen Lehrer) verehren und achten, noch haben wir Lehrer, die viel Liebe für ihre Schüler empfinden. Wir haben keine Wohnstätten, in denen die Eltern leuchtende Beispiele für ihre Kinder sind. Wir haben keine Wohnstätten, in denen Brüder in gegenseitiger Liebe und Zuneigung leben. Ebenso wenig haben wir Wohnstätten, in denen Ehepartner kraft der Tugend ihrer Liebe und Zuneigung füreinander leuchtende Ideale für andere sind. Gutes Benehmen und freundlicher Umgang sind ausgestorben. Das Râmayana ist heutzutage für die unterschiedlichsten Handlungsbereiche der von Wirrwarr und Unruhe zerrissenen Gesellschaft ein ideales Vorbild. Die Eltern von heute machen sich nicht die Mühe, geeignete Wege und Mittel zu finden, ihre Kinder aufzuziehen und sie unter Kontrolle zu halten. Sie glauben, ihre Verantwortung ende mit dem Moment ihrer Einschreibung in die Grundschule oder Dorfschule. Das Zuhause ist die erste Schule für Kinder. In dieser „Schule“ sollten sie lernen, ihre Eltern zu achten. In der Schule sollten sie lernen den Werten Wahrheit, Rechtschaffenheit, Frieden und Gewaltlosigkeit zu folgen; sie sollten dort lernen, wie sie sich benehmen, die Lehrer respektieren und sich den Mitschülern gegenüber richtig verhalten sollten. Sie müssen verstehen, wie die Regeln und Vorschriften der Schule zu befolgen sind und wie Disziplin zu wahren ist. Nur wenn sie diese Dinge lernen, werden sie sich zu idealen Schülern entwickeln.

Steht auf, wenn frühmorgens der Hahn kräht.
Badet und bürstet euer Haar und eure Zähne.
Esst mäßig und mit Anstand.
Geht zum Unterricht und lernt fleißig.
Verdient euch als folgsame(r) Schüler(in) einen guten Namen.
Rennt nicht herum, wenn das Wetter nass und feucht ist
und stapft nicht durch Gräben und Pfützen.
Doch rennt und spielt, habt Spaß und Freude.
Wenn ihr den genannten Regeln folgt,
werdet ihr euch guter Gesundheit und Wohlstands erfreuen.

Als der Weise Vishvâmitra zu Kaiser Dasharatha kam, empfing dieser ihn mit aller Höflichkeit, forderte ihn auf, den Ehrenplatz einzunehmen und den Grund seines Besuches zu nennen. Wenn Menschen uns besuchen ist es wichtig, sie respektvoll zu behandeln und ihnen Freude zu bereiten. Der Weise sagte zum Kaiser: „Oh Dasharatha, ich habe beschlossen, ein Opferritual zum Wohle der ganzen Welt durchzuführen. Doch die Dämonen stören den Verlauf des Rituals und verursachen dadurch viele Probleme. Ich habe sowohl die Macht als auch die Kraft, ihnen die Stirn zu bieten, da mir mächtige Waffen zur Verfügung stehen, doch die Vorschriften für das Ritual verbieten mir, die Waffen zu benutzen, während ich das Opferritual durchführe. Gewalt und Blutvergießen sind einem Priester, der ein Opferritual durchführt, verboten. Ich bitte um die Hilfe deiner Söhne, das Opferritual zu schützen, das ich zum Wohlergehen und zum Segen der Welt durchführen werde.“ Diese Worte trafen Dasharatha wie ein Schock. Der Gedanke, Kinder in diesem zarten Alter in die Wildnis zu schicken, gefiel ihm keineswegs. Er sah es als Unrecht seinerseits an, so zarte Kinder in die Wildnis zu schicken. So entgegnete er dem Weisen: „Meister, bitte verzeiht. Ich werde die Verantwortung für den Schutz des Opferrituals übernehmen. Diese Kinder sind noch sehr jung, kaum dreizehn Jahre alt. Sie sind mit dem Umgang mit Waffen nicht gut vertraut. Wie können sie das Ritual schützen?“ Vishvâmitra gab vor, über die Worte des Königs verärgert zu sein. Er rief zornig aus: „Die Nachkommen von Ikshvaku (erster König der Sonnen-Dynastie) brechen niemals ihr Wort. Ihr habt mir fest versprochen, mein Wort zu achten. Es ist unfair Eurerseits, nun Euer Wort zurückzunehmen. Wenn Ihr glaubt im Recht zu sein, werde ich mich zurückziehen.“ Dasharatha nahm sich Vishvâmitras Worte zu Herzen. Er wusste, dass man im Umgang mit Schlangen und Weisen äußerst vorsichtig sein musste. Auch fürchtete er, Vishvâmitra könnte einen Fluch über ihn aussprechen. Er rief Vasishtha, den spirituellen Lehrer (guru) der Familie, zu sich und beriet sich mit ihm. Dies beruhigte ihn bis zu einem gewissen Grad. Der Weise Vasishtha blickte Dasharatha an und sagte: „Diese Kinder sind keine gewöhnlichen Kinder. Aufgrund Eurer Bindung an Eure Kinder seid Ihr niedergeschlagen. Doch diese Kinder werden wie Donnerkeile auf die Feinde niedersausen. Ihr seid nicht fähig, ihre Größe zu erkennen.“ Dann rief Vasishtha nach Râma. Râma kam und blieb vor ihm stehen. Auch Lakshmana kam, da er stets an Râmas Seite war. Dasharatha stellte Vasishtha seine Kinder vor. Sie grüssten ihren Vater Dasharatha, Guru Vasishtha, den Weisen Vishvâmitra und blieben abwartend stehen. Vasishtha war wie erstarrt beim Anblick ihrer glanzvollen Gesichter. Er spürte den Wunsch, sie ehrerbietig zu grüßen (namaskâra). Doch es war nicht angebracht, die Kinder vor aller Augen in dieser Form zu grüßen. So grüßte er sie in seinem Herzen.

Die zwei Brüderpaare Râma und Lakshmana, Bharata und Shatrughna unternahmen stets alles zusammen. Lakshmana folgte Râma wie ein Schatten, und Shatrughna war immer an der Seite von Bharata. Dafür gab es einen Grund. Als Dasharatha das Putrakamyeshti-Ritual (Ritual mit dem Ziel, einen Sohn zu erlangen und damit die Familientradition fortzuführen, A.d.Ü.) vollzog, erschien die angerufene Gottheit und brachte Vasishtha die Schale mit der geweihten Speise. Vasishtha übergab diese geheiligte Schale an Dasharatha, der dann Königin Kausalyâ zu sich rief und sie aufforderte, diese Speise mit den anderen Königinnen, Sumitrâ und Kaikeyî, zu teilen. Kausalyâ vertraute darauf, dass der Sohn, den sie gebären würde, König von Ayodhyâ würde, da sie die älteste Königin war. Auch Kaikeyî glaubte, dass ihr Sohn eines Tages zum König gekrönt würde, da Dasharatha ihrem Vater am Tag ihrer Hochzeit dieses Versprechen gegeben hatte. Aber die tugendhaft gesinnte Sumitrâ hegte diese Hoffnung nicht. Da der Kaiser ihr kein derartiges Versprechen gegeben hatte, dachte sie, dass ihr Sohn dem König nur dienen würde. Sie nahm die Schale mit der ihr zugeteilten Süßspeise mit sich und stellte sie auf die Mauerbrüstung der Terrasse, während sie dort ihr Haar trocknete. Aus heiterem Himmel erschien plötzlich ein Adler und trug die Schale mit der geweihten Speise fort. Sumitrâ war zutiefst erschrocken und eilte unverzüglich zu Kausalyâ und Kaikeyî, um ihnen zu berichten, was sich zugetragen hatte. Da Kausalyâ und Kaikeyî von edler Gesinnung waren, teilten sie ihre geweihte Speise mit ihr. Alle drei Königinnen waren großmütig und ohne eine Spur von Selbstsucht - leuchtende Beispiele von Harmonie, Verständnis und gegenseitiger Liebe. Gerade in der heutigen Zeit ist ihr Verhalten besonders nachahmenswert. Die drei Königinnen schlossen andächtig ihre Augen im Gebet und verzehrten dann die geweihte Speise. Kausalyâ gebar Râma, Sumitrâ gebar Lakshmana und Shatrughna, und Kaikeyî gebar Bharata. Die Söhne von Kausalyâ und Kaikeyî spielten zufrieden und fröhlich in ihrer Wiege, wohingegen Sumitrâs Söhne ohne Unterlass Tag und Nacht weinten und auch die Nahrung verweigerten. Sumitrâ wandte sich an den Weisen Vasishtha um Rat für ihre weinenden Kinder. Vasishtha schloss die Augen und nutzte seine yogische Sehergabe. Er erkannte die Wahrheit und sagte zu Sumitrâ: „Da du einen Anteil von Kausalyâs geweihter Speise verzehrt hast, gebarst du Lakshmana, der ein Teil oder Aspekt (amsha) von Râma ist. Da du aber auch von Kaikeyîs Speise gegessen hast, gebarst du Shatrughna, der ein Aspekt von Bharata ist. Lege Lakshmana an Râmas Seite und Shatrughna an Bharatas Seite. So werden die Kinder friedlich schlafen“. Sumitrâ befolgte Vasishthas Anweisungen und alle Kinder schliefen ruhig und ohne zu weinen. Sumitrâ war darüber sehr glücklich und sagte zu Kausalyâ und Kaikeyî: „Lakshmana und Shatrughna sind euer Geschenk. Meine Kinder werden euren Kindern dienen. Lakshmana wird Râma dienen, und Shatrughna wird Bharata dienen. Ich bin sehr gesegnet, da meine Söhne anderen dienen werden.“ Râma und Lakshmana, Bharata und Shatrughna waren eng miteinander verbunden. Lakshmana folgte Râma auf Schritt und Tritt, und Râma aß nur dann, wenn Lakshmana mit ihm aß. Ebenso aß Bharata nur im Beisein von Shatrughna. Ihre Geburtstage feierten sie stets in der Gesellschaft der anderen Brüder. Als Bharata seinen Großvater, den König von Kaschmir, besuchte, folgte Shatrughna ihm nach Kaschmir, obgleich niemand ihn dazu aufgefordert hatte. Als Râma sich anschickte in die Wildnis aufzubrechen, folgte auch Lakshmana ihm, ohne dass Râma ihn dazu aufgefordert hatte. Vielmehr sagte Râma zu Lakshmana: „Bruder, du solltest in Ayodhyâ bleiben und unseren Eltern beistehen, da sie in meiner Abwesenheit trauern und große Sehnsucht leiden werden. Sie zu trösten und zu erfreuen ist deine Pflicht.“ Daraufhin entgegnete Lakshmana: „Bruder, meine Mutter hat mich geschickt, um dir zu dienen. Du gehst auf Geheiß deines Vaters und im Gehorsam ihm gegenüber ins Exil, wohingegen ich dir auf das Geheiß meiner Mutter folge.“ Lakshmana folgte Râma auf allen Wegen. So verhielt es sich auch mit Shatrughna und Bharata.

Als seine vier Söhne in Begleitung ihrer Gemahlinnen von Mithila nach Ayodhyâ zurückkehrten, war Dasharatha überglücklich. Er sprach zu ihnen: „Wenn mein Blick auf euch fällt, ist mir, als sähe ich die acht Planeten (ashtagrahas). Da eure vier Gemahlinnen an eurer Seite sind, habe ich das Gefühl, als erstrahlte ich im Glanz der 16 Herrlichkeiten (shodasakalas). Eure Gemahlinnen sind höchst ehrsam und tugendhaft. Ich werde für sie sorgen, als wären sie meine Töchter. Durch Gottes Gnade habe ich solch (edle) Schwiegertöchter. Wo ist Mithila und wo ist Ayodhyâ? Es ist der göttliche Wunsch und Wille, dass sie auf diese Weise miteinander vereint sein sollen.“ Die Gemahlinnen der vier Söhne Dasharathas waren beispielhaft durch ihre vortrefflichen Eigenschaften. Sîtâ und Urmilâ waren die Töchter von König Janaka und mit Râma bzw. Lakshmana verheiratet. Mandavi und Shrutakirthi waren die Töchter von Kushadvaja, Janakas Bruder, und mit Bharata bzw. Shatrughna verheiratet. Da die vier Schwiegertöchter ideale Frauen waren, war auch Dasharathas Heim ein ideales Heim.

Als Vishvâmitra sich von Dasharatha die Erlaubnis holte, Râma zum Schutz des Opferrituals mit sich zu nehmen, folgte Lakshmana Râma automatisch. Als sie, unter Vishvâmitras Führung, das Waldgebiet erreichten, lehrte der Weise Râma und Lakshmana zwei Mantras, genannt Bala (Stärke und Ausdauer) und Atibala (geistige und leibliche Gesundheit), damit sie weder unter Hungergefühl noch unter Schlafentzug leiden würden (Râma und Lakshmana durften, während sie die Opferhandlung bewachten, weder essen noch schlafen, A.d.Ü.). Obwohl Vishvâmitra wusste, dass Râma und Lakshmana göttliche Kinder waren, erlag er der Täuschung von Maya (Illusion) und glaubte, sie in diesen Mantras unterweisen zu müssen, damit sie im Wald von Hunger und Müdigkeit verschont blieben.

Dasharathas Heim war ein ideales Heim, in dem alle Mütter in großer Harmonie miteinander lebten. Dasharathas Königinnen lebten in großer Eintracht und gegenseitigem Verstehen. Heutzutage ist es schon schwierig mit einer Ehefrau zusammenzuleben, von drei Frauen ganz zu schweigen! Doch Dasharathas Heim war eine Ausnahme. Dort herrschten große Harmonie und gegenseitiges Einvernehmen. Man mag sich fragen: „Weshalb war Kaikeyi so selbstsüchtig und verlangte, dass Râma für 14 Jahre ins Exil gehen sollte?“ Sie handelte unter dem göttlichen Gebot der Vorsehung, denn es war Râma bestimmt, in die Wildnis zu gehen, um die Dämonen zu töten. Die Menschen glauben, Manthara (Kaikeyîs Dienerin) hätte durch ihren böswilligen Rat Kaikeyis Gedanken und Empfindungen vergiftet. Doch Kaikeyî war keine Frau, die auf die Worte einer Dienerin hören würde. Vielmehr war sie eine Frau von Charakter und durch große Tugenden ausgezeichnet. Sie liebte Râma mehr als ihren eigenen Sohn Bharata. Als die Götter und Weisen sich bei Brahma über Râvanas (Dämonenkönig, der über die Insel Lanka, das spätere Ceylon, herrschte) Gräueltaten beschwerten und ihn baten, sie zu retten, entgegnete Brahma: „In einem Versprechen gewährte ich Râvana das Gnadengeschenk, dass er weder durch Götter, noch durch schlechte und verderbte Wesen (kinnara bzw. kimpurusha) sterben würde; - doch den Menschen (mânava) erwähnte er nicht-. Folglich wird Râvana durch die Hand von Râma, der eine Inkarnation von Vishnu (Zweiter Aspekt der Trinität Brahma-Vishnu-Shiva) ist, den Tod finden.“ Alles geschah nach göttlichem Willen. Sogar Lankini tat den göttlichen Willen kund, denn als Hanumân (Name des Heerführers der Affen, der mit seinem Affenheer Râma in seinem Krieg gegen Râvana unterstützte, A.d.Ü.) ihr einen Schlag versetzt hatte, sagte sie: „Lanka geht schlimmen Zeiten entgegen.“ Es war prophezeit worden, wenn sie von einem Affen geschlagen würde, wäre der Niedergang Lankas eingeleitet. In der Tat fiel Lankini flach auf den Boden, als Hanumân ihr einen Schlag versetzte. Lankini war eine Dämonin von gewaltiger Stärke, die die Stadt Lanka an den Toren der Festung bewachte.

Hanumân war auch mit Râma, Lakshmana, Bharata und Shatrughna eng verbunden. Er wurde als Sohn von Anjana Devi (aus dem Affengeschlecht) geboren, nachdem sie von derselben gesegneten Speise gegessen hatte, die auch Dasharathas Königinnen zu sich genommen hatten (es handelte sich um den für Sumitra bestimmten und von einem Adler entwendeten Anteil). Daher fühlte Hanumân sich den vier Brüdern eng verbunden.

Verkörperungen der Liebe!
Das Râmayana ist ein herausragendes Vorbild für die gesamte Menschheit. Es enthält Vorbilder (Ideale) für alle Lebensbereiche. Es zeigt, wie Brüder, Schwestern und Eltern in vorbildhafter Weise miteinander leben sollten. Das Râmayana galt nicht nur in alten Zeiten als Ideal, sondern ist es gleichermaßen für das moderne Zeitalter. Jeder Mensch wird in diese Welt hineingeboren, damit er ein leuchtendes Beispiel sein soll, nicht, um ein „Dekorationsstück“ zu sein. Jeder Mensch sollte nach seinem besten Vermögen ein herausragendes Vorbild sein. Das Râmayana zeigt allen die ideale Familie und die vorbildhafte Verhaltensweise im Leben. Als Sîtâ, Mandavi, Urmilâ und Shrutakirthi zusammen mit ihren Ehemännern nach Ayodhyâ aufbrachen, vergossen ihre Eltern keine Tränen des Leids, im Gegensatz zu den Eltern von heute. Die Eltern dachten, dass die vier Frauen im Heim von Dasharatha eine wichtige Rolle zu spielen hätten. Sie empfanden, dass es die Pflicht ihrer Töchter war, nun in das Haus von Dasharatha zu ziehen, das sie nicht als fremdes Haus betrachteten. Keine Träne des Bedauerns wurde vergossen. In der Tat waren es Freudentränen, mit denen sie ihre Töchter zum Heim ihrer Ehemänner auf den Weg schickten. So hoch waren die Ideale, die die Menschen damals in Ehren hielten. Allgemein wird angenommen, Kausalyâ hätte bitterlich geweint, als Râma ins Exil ging, doch dies entspricht nicht den Tatsachen. Vielmehr sagte sie zu Râma: „Mein Sohn, durch Gottes Willen bin ich deine Mutter und du bist mein Sohn. Wir sollten unsere Rollen im Einklang mit der göttlichen Bestimmung spielen. Sei nicht betrübt darüber, dass du in die Wildnis gehst. Ayodhyâ ohne dich ist Wildnis für uns, und die Wildnis wird durch deine Gegenwart in Ayodhyâ verwandelt.“ Das waren die hohen Ideale, die die großherzigen Frauen von damals in Ehren hielten. Das Râmayana enthält viele Ideale für die ganze Welt.

Eines Tages sah Dasharatha, wie das Kind Râma seine eigenen Füße massierte und nicht die Hilfe der Dienerschaft in Anspruch nahm. Da schickte Dasharatha sofort nach Dienern, damit sie unverzüglich Râmas Füße massieren sollten. Râma aber sagte zu Dasharatha: „Ich will diese Dienste nicht, ich werde meine Arbeit selbst tun. Es sind meine Füße und nicht die eines anderen. Daher sollte ich sie selbst massieren und nicht von anderen abhängig sein. Alle Menschen sind Diener auf dieser Welt.“

Dasharatha war ein Kaiser, der seine zehn Sinne bzw. Sinnesorgane (dasa indriyas = zehn Sinne; die fünf Wahrnehmungs- und die fünf Handlungssinne bzw. -organe) unter Kontrolle hielt. Da er diese Fähigkeit besaß, konnte er einen Sohn wie Râma bekommen. Um einen Sohn wie Râma zu erhalten, muss man wie Dasharatha Herr seiner Sinne sein.

Selbst Kaikeyî, die im Allgemeinen aus Missverständnis für eine selbstsüchtige Königin gehalten wird, war keine gewöhnliche Sterbliche. Sie war eine Frau von überragenden Tugenden und erhabenem Verhalten. Sie liebte Râma mehr als ihren Sohn Bharata. Auch Kausalyâ war eine außergewöhnliche Frau. Sie vergoss keine Träne, als Râma ins Exil ging. Sie war der Überzeugung, dass göttliche Vorsehung Râma die 14 Jahre Exil auferlegt hatte. Râmas Gestalt strahlte die ganze Fülle edler Eigenschaften (lavanya) aus. Sein Charakter war der Grund hierfür. In der Tat blieben Râma und Krishna immer jugendlich. Habt ihr jemals Râma oder Krishna auf einem Bild mit einem Kinn- oder Schnurrbart und grauen Haaren gesehen? Habt ihr je ein Bild von Krishna mit Alterserscheinungen gesehen? Habt ihr ihn je als „Großvater“ gesehen? Alle Avatare (göttliche Inkarnationen) bleiben unverändert jugendlich.

Mein Körper ist 77 Jahre alt. Ich kenne keine Schwäche und kann mich rasch fortbewegen. Es mag vielleicht komisch aussehen, wenn ich in meinem Alter schnell gehe. Die Menschen mögen darüber lachen. Ebenso sicher würden sie lachen, wenn ein Kleinkind am Stock ginge. Auch wäre ein alter Mann, der mit Spielzeug spielt, ein komischer Anblick. So wie ein spielender alter Mann eine Zielscheibe des Spotts wäre, könnte ich in ähnlicher Weise eine Zielscheibe des Spotts werden, wenn ich renne und herumspringe. Wir sollten unser Verhalten der Zeit, dem Ort und den Umständen anpassen. Genau das tue ich. Ich kenne keine Schwäche. Für gewöhnlich haben alte Menschen Falten im Gesicht, sind schwerhörig oder leiden am Grauen Star. An mir gibt es keine Anzeichen von Alter. In meinem Gesicht findet sich nicht eine Falte. Meine Augen leuchten wie Glühbirnen und meine Ohren gleichen Empfangsgeräten. Im Alter lassen sich die Menschen am Grauen Star operieren. Meine Augen aber sind in perfektem Zustand. Auch in der Ferne kann ich alles erkennen. Niemand kennt meine Macht und meine Kraft, von denen ich jedoch nur nach Erfordernis und im Einklang mit der jeweiligen Situation Gebrauch mache. Ich bediene mich meiner Sinne in umsichtiger und wohl überlegter Weise. Geschwindigkeitsbarrieren dienen der Geschwindigkeitskontrolle. Sie sind notwendig und sorgen für Sicherheit. Ich habe vollständige Gewalt über meine Sinne. All dies sind Zeichen meiner Göttlichkeit. Im Laufe der Zeit werdet ihr - allmählich, jedoch sicher – die Zeichen meiner Göttlichkeit erkennen. Wenngleich ich einen menschlichen Körper besitze, bin ich doch frei von menschlicher Bindung. Wenngleich der Körper menschlich ist, bin ich doch durch und durch (vollkommen) göttlich. Früher oder später muss der Körper vergehen. Da Râma und Krishna in menschlichen Körpern geboren worden waren, erlagen die Menschen der irrtümlichen Vorstellung, dass sie auf gewöhnliche Weise starben. Doch weder Râma noch Krishna haben ihren Körper wie gewöhnliche Menschen abgelegt. Râma ging in den Sarayu-Fluss und verschwand. Vorher hatte er Sîtâ weggeschickt. Krishna ging nach Dvaraka (die Stadt, in der er gelebt hatte). Uddhava sah Krishna unter einem Baum sitzen und dann plötzlich verschwinden. Es war kein Körper, der (wie für gewöhnlich erzählt wird, A.d.Ü.) von einem Jäger getötet werden konnte. Ihr müsst die Fähigkeit erlangen, das Göttliche zu verstehen.

Verkörperungen der Liebe!
Die Tatsache, dass ich esse wie ihr und mit euch spiele und singe, verleitet euch irrtümlich zu der Annahme, ich sei ein menschliches Wesen wie ihr. Es ist schiere Unwissenheit, mich auf diese Weise (in diesem Licht) zu sehen. Die weiblichen Devotees meinen, dass etwas mit meinen Beinen nicht in Ordnung sei, wenn ich langsam gehe. Ich habe keinerlei Probleme mit meinen Beinen; ich bin glücklich und befinde mich bei bester Gesundheit. Wegen des Gewandes, das ich trage, gehe ich langsam mit gemäßigten Schritten. Dieses Gewand ist an den Seiten bis hinunter zum Saum zugenäht, weshalb ich keine großen Schritte machen kann. Mein Gang ist langsam, weich und geschmeidig und bar jeglicher Ungelenkigkeit. Ich bin durch und durch Süße und Weichheit.

(Übersetzung der vom Ashram herausgegebenen englischen Fassung.)

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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