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 Ansprache Sathya Sai Babas am 16.05.2002

 

Ansprache Sathya Sai Babas am 16.05.2002, nachmittags, anlässlich des „Sommerkurses in indischer Kultur und Spiritualität“ in Brindâvan, Whitefield


Wenn man seinen Reichtum verliert, kann man ihn zurückgewinnen.
Wenn man Freunde verliert, kann man später bessere Freunde finden.
Wenn man seine Ehefrau verliert, ist es möglich, wieder zu heiraten.
Wenn man Grund und Landbesitz verliert, kann man diese wiedererlangen.
All dies kann man auf irgendeine Weise wiedererhalten;
aber wenn man seinen Körper verliert, kann man ihn niemals zurückbekommen.

Alles Glück, alle Freuden und Annehmlichkeiten, die in diesem Leben zu erfahren und zu genießen sind, sollte man erleben, während der Körper noch existiert. Unsere Vorfahren waren mit schweren Problemen konfrontiert und erlebten mühsame Zeiten und bemühten sich dabei ihre Körper unversehrt zu erhalten. Aber es gelang ihnen dennoch nicht, ihre Körper auf ewig zu bewahren. Obwohl der Körper vergänglich ist, kann man doch jede Anstrengung unternehmen die Dinge zu erhalten, die uns Glückseligkeit schenken.

Das Land Indien ist die Geburtsstätte allen Wissens und aller Zweige der Bildung. Die Wissenschaft der Numerologie hat ihren Ursprung in Indien. Grammatik, Musik und die feinen Künste wurden allesamt in Indien geboren. Deshalb heißt es: „Was in Indien nicht zu finden ist, kann nirgendwo sonst gefunden werden (yenna Bhârate, tanna Bhârata).“

Indien war auch der Geburtsort für Menschen mit herausragendem Charakter. Die große Frau Sâvitrî betete zu Gott und es gelang ihr durch die Kraft ihrer Hingabe, ihren verstorbenen Ehemann ins Leben zurückzubringen. Die Königin Chandramatî konnte durch die Kraft ihres Festhaltens an der Wahrheit ein loderndes Feuer auslöschen. Sîtâ konnte als Beweis ihrer Keuschheit die Feuerprobe bestehen. Damayantî konnte den bösen, verruchten Jäger, der sich ihr gegenüber ungebührlich verhielt, sogleich zu Asche verbrennen. Sind diese Frauengestalten nicht leuchtende Beispiele edler Seelen Indiens? Wenn dieses Land Wohlergehen, Frieden und eine reiche Ernte hatte, lag es an diesen edlen Seelen. Sie machten es möglich, dass Indien der übrigen Welt gegenüber die Rolle eines Lehrers einnahm.

Dennoch gibt es heutzutage einige Unwissende, die glauben, sie könnten im Ausland Dinge erlangen, die sie hier nicht finden könnten und die deshalb aus Bhârat auswandern. Was könnt ihr in diesem heiligen Land nicht bekommen? Indien ist das Depot allen Wissens und Handelns, es ist das Land, das jedem Verdienst verleiht. Wenn ihr entschlossen seid und euch ernsthaft bemüht, gibt es nichts, was ihr in Indien nicht erreichen oder erhalten könntet.

Die Inder begegneten mehrfachen Hindernissen, als sie neue Methoden im Bereich der Erziehung ersannen und ausprobierten. Jede Universität hatte ihren Bereich, auf den sie sich spezialisierte. In Kashi (Benares) gab es Meister, die Autoritäten in Grammatik (vyâkarana shastra) waren. Das Land Kaschmir spezialisierte sich auf Rhetorik (alankara). Die Universität von Ujjayini vermittelte Wissen im Spezialgebiet der Rechtswissenschaft (nyâyashastra; auch Wissenschaft der Logik). Auf diese Weise spezialisierte sich jede Universität auf ein besonderes Gebiet und lehrte und verbreitete dieses. Im Reich Kaiser Bhârats wurde besondere Bedeutung auf Gesundheitswissenschaften und Medizin gelegt. Charaka war ein meisterhafter Arzt, der in diesem Bereich ein Zentrum fortgeschrittenen Wissens etablierte. Alle diese Universitäten gehörten zum alten Indien und sind in diesem Zeitalter nicht zu finden. Es gab im alten Indien viele solcher angesehenen Universitäten.

Die einstigen Universitäten hatten keine großen Gebäude oder ausgefeilte Infrastruktur. Der Wohnort der Lehrer selbst war die Universität. Die Anzahl der Studenten war gering, aber die Kapazität der Wissensvermittlung war immens. Der Lehrer war fähig, in so einleuchtenden und einfachen Begriffen zu lehren, dass sogar die kleinen Knirpse die höheren Wissenschaften und Fachgebiete leicht verstehen konnten. Der Baum unter dem sie saßen, war das Klassenzimmer. Während eine kühle Brise wehte, schwangen die sanften Worte des Lehrers gleich Wellen hinüber und prägten sich dem Geist der Schüler ein. Solche Erziehungseinrichtungen blühten im alten Indien. Vor vier- bis fünfhundert Jahren versuchten die Engländer ohne Erfolg, die Ursache des gewaltigen Erfolges der alten indischen Universitäten zu erforschen.

Die wahre Grundlage des hohen Wissensstandards der Inder der alten Zeiten war das Klangempfinden und nicht das geschriebene Wort. Der Ausbildungsvorgang basierte gänzlich auf Klang. Es war überhaupt nicht üblich auf Tafeln oder in Hefte zu schreiben. Es bestand eine exzellente Synthese zwischen dem gesprochenen Wort, das aus dem Mund des Lehrers kam, und den Ohren der Schüler, die das Wort unmittelbar erreichte. Der gesamte Vorgang der Kommunikation fand ausschließlich verbal statt. Es gab keinen starren Zeitplan und noch nicht einmal Lehrpläne. Die Lehrer brachten dem Schüler jede Wissenschaft und jedes Fachgebiet bei, das der Schüler zu lernen begierig war. Es gab keine Kontrolle durch die Regierung, keine Regeln oder Vorschriften. Deshalb fand der Lernvorgang ganz und gar von Herz zu Herz statt. Die Schüler hielten ihre Herzen offen und die Lehrer unternahmen jede Anstrengung, diese offenen Herzen bereitwillig zu füllen. Tages- oder Nachtzeit spielten keinerlei Rolle. Unterricht fand zu jeder Zeit statt. Für die Ausbildung wurden keine Gebühren irgendwelcher Art erhoben. Die Herzen der Lehrer waren überaus rein und heilig. Dieses Lernen von Herz zu Herz ermöglichte es Indien, in der ganzen Welt Weisheit und Wissen zu verbreiten.

In dieser Weise war das Ausbildungssystem Indiens höchst wertvoll und Freude spendend. Die Inder verlieren heutzutage diese verborgen liegenden, Glückseligkeit schenkenden Geheimnisse der Erziehung. Einmal verloren wird es sich als extrem schwierig erweisen, diese wiederzugewinnen. Deshalb sollte diese Art der Ausbildung nicht verloren gehen. Wir müssen immer bereit sein, das Herz rein und heilig zu halten. Die Gesellschaft war für den Unterhalt der Lehrer verantwortlich. Die Bürger trugen entsprechend ihrer Möglichkeiten und Fähigkeiten zum Lebensunterhalt der Lehrer bei. Aber von den Schülern wurde niemals irgendeine Gebühr erhoben.

Worin bestand in jenen Tagen die Hauptpflicht der Schüler und Studenten? Sie standen frühmorgens auf, wuschen sich, verrichteten ihre Gebete, machten sich dann auf und gingen von Haus zu Haus um Almosen zu erbitten. Das eingesammelte Essen wurde dem Lehrer übergeben. Der Lehrer aß, was immer er brauchte, und die Schüler verzehrten den Rest als geheiligte Speise. In so einer heiligen Atmosphäre wurden im alten Indien die Wissenschaften, Kunst und Literatur gelehrt und verbreitet.

Die indische Ausbildung war heilig, höchst wertvoll und inhaltlich sehr tiefgründig. Dieses nektargleiche Wissen wird heute als Vergeudung abgetan. Die Universität von Ujjayini lehrte Recht, und von dort wurde die Rechtswissenschaft in einer ursprünglichen reinen Form gelehrt und bewahrt. Die heutigen Gesetze sind in illegale Praktiken verdreht. In Ujjayini hingegen wurden sogar Angelegenheiten, die nirgendwo anders gesetzlich gedeutet werden konnten, in wirksamer Weise verhandelt. Ungesetzliches wurde nicht zugelassen. Bhârat war berühmt für das Lehren und Verbreiten solch erhabener Ideale und für seine hingebungsvollen Lehrer und Schüler.

Was war die Wohnsituation jener Tage? Die Menschen lebten und aßen in Höhlen wie Ajanta und Ellora. Die Lehrer waren äußerst hingebungsvoll und selbstlos. Jeder nektargleiche Gedanke und jedes nektargleiche Wort, das in ihren Herzen entstand, wurde den Schülern in liebender Weise übermittelt. Von dem Augenblick an, an dem aus der Ausbildung eine kommerzielle Aktivität wurde, wurden auch Geist und Gemüt der Schüler verdorben. In jenen Tagen wurden weder Nahrung noch Ausbildung zu einem Verkaufsobjekt gemacht. Ausbildung war kostenlos zugänglich. Die Göttin Sarasvatî war durch niemanden gebunden. Diese Göttin wurde durch die Fesseln des Kommerzes und des Handels eingesperrt! Die Ausbildung wird allen Arten der Perversion unterworfen. Die Göttin Sarasvatî wird auch „Mahâbhârati“ genannt. Sie lebte mit den Indern, vermittelte ihnen unvergleichliches Wissen und gestattete ihnen in Weisheit zu wachsen und zu erblühen. Sie wurde von den dankbaren Lehrern und Schülern für ihre Gnade gerühmt und verehrt. Saraâwatî, Bhâgavati, Bhârati, Purnendubimbanana waren ihre verschiedenen Namen. Jetzt verbieten es die Regierungen, Gesetze und Vorschriften sogar, den Namen einer solchen Göttin auch nur auszusprechen! Die an die Göttinnen gerichteten Gebete ermöglichten es ihr (der Göttin), den Worten der alten Inder Reinheit und Süße zu verleihen, und sie beschützte auch das Land durch ihre Gnade. Die Göttin Lakshmî, auch Indira genannt, wurde angebetet und verehrt. Indira, Lokathatama, Râmamangaladevatâ, Bhârgavi, Lokajanani, Kshîrasâgara kanyâka – in dieser Weise wurde sie durch ihre verschiedenen Namen gerühmt.

In einem so heiligen Land hat Gott wiederholt menschliche Gestalt angenommen. Göttlichkeit ist nicht irgendeine nicht greifbare Gestalt oder Wesenheit. Tatsächlich ist Göttlichkeit überaus leicht sichtbar und erfahrbar. Göttlichkeit inkarniert sich in menschlicher Form. Der Mensch ist jedoch heute nicht bereit, diese Realität zu akzeptieren. Auf allen drei Wegen, die der Mensch einschlägt, um Verwirklichung zu erlangen, dem Weg des Handelns (karma), des Wissens (jnâna) und der Verehrung (upâsana), bringt er Gott verschiedene Gebete dar und rühmt die Göttlichkeit auf mehrfache Weise.

In allen Staaten des alten Indiens war Ausbildung kostenlos. Nahrung erhielt man von den Reichen und Wohlhabenden. Diese Nahrung wurde unter den Schülern gleichmäßig aufgeteilt. Die Schüler behandelten die Nahrung als Nektar selbst und widmeten sich dann ihren Studien. Man machte keine Unterschiede auf Grund von Kaste, Gemeinschaft, Rasse oder Religion. Alle wurden gleich behandelt. Musik, Literatur, Tanz und feine Künste wurden gefördert und unterstützt. Auch Tischlerei, Töpfern und verschiedenen Zweigen der Schmiedekunst wurde große Bedeutung beigemessen, und sie wurden mit Enthusiasmus gelehrt. Das Ziel bestand darin, durch rechte Ausbildung die Vervollkommnung der Schüler zu bewirken. Der Lehrer lehrte jede Form der Bildung. Ohne Lehrer hat der Schüler keine Möglichkeit irgendetwas zu lernen. Der Lehrer muss in der Lage sein den Schüler auf das rechte Ziel auszurichten.

Charaka war ein sehr gebildeter (fachkundiger) Gelehrter. Er trug viel zu den medizinischen Wissenschaften bei und übernahm selber die Aufgabe, sie zu verbreiten. Sein Name war im Bereich der medizinischen Wissenschaften sehr bekannt. Heutzutage braucht man zur Durchführung einer Herzoperation die Herz-Lungen-Maschine und verschiedene andere komplizierte, hochentwickelte Geräte. In jenen Tagen wurden niemals Vorrichtungen wie die Herz-Lungen-Maschine angewendet. Charaka sprach Hymnen zur Ehre Gottes, legte seine Hand auf das Herz des Patienten und verlor sich in glückseliger Trance. Als Folge davon verschwanden die Herzkrankheiten spurlos. Diesbezüglich hat jede Krankheit eine passende melodiöse Hymne, die Gottes Gnade erweckt. Auf diese Weise heilte Gottes Gnade unweigerlich alle körperlichen, mentalen, psychischen und sogar spirituellen Leiden.

Verkörperungen der Liebe!
Ohne Gottes Gnade ist es unmöglich, auch nur einen Schritt zu tun. Traurigerweise ist heutzutage jeder Schritt des Menschen mit Ungesetzlichkeit und Unrecht durchtränkt. Alle seine Gedanken sind selbstsüchtig und böse. Seine Sichtweise ist verdorben, weil es ihm an jeglicher wärmender Liebe mangelt. Wir stagnieren in unseren Bemühungen hohe Standards zu erreichen. Jeder Mensch muss seinem Herzen das zarte Empfinden der Liebe einprägen und es zum Wachsen bringen. Charaka erläuterte genau diese Philosophie. Gott befindet sich nicht in irgendeinem fernen Land, sondern in deinem Herzen selbst. Er ist mit dir, in dir, über dir, unter dir und auch um dich herum. Indem er diesen leichten Weg verwirft und andere quälende Wege einschlägt, setzt der Mensch sich selbst unnützer Agonie und Leid aus. Die Menschen in alten Zeiten wurden hingegen umgehend von jedem Leiden befreit, indem sie Gottes heiligen Namen sangen.

Im Kali-Zeitalter gibt es kein besseres Heilmittel für unsere Leiden als nâmasmarana, das Wiederholen und Singen des göttlichen Namens, und es gibt keine größere und machtvollere Waffe, die dem Menschen hilft seine Hindernisse zu überwinden. Den Namen des Herrn auch nur einmal zu singen kann dem Menschen ermöglichen, enorme Glückseligkeit zu erfahren. Niemand bemüht sich, die Kraft des Gottesnamens zu verstehen. Im Kritayuga wurde Meditation praktiziert, im Tetrayuga Tretâyuga wurden Opferhandlungen durchgeführt, und im Dvâparayuga war Verehrung vorgeschrieben. Aber im Kaliyuga (dem gegenwärtigen dunklen, eisernen Zeitalter) wird die Wiederholung des Gottesnamens als ideal angesehen um Gottes Gnade zu erlangen. In dieser Weise wurde in allen vier Zeitaltern der Name Gottes gerühmt und verbreitet.

Schüler, Studenten!
Wenn ihr die Wahrheit wirklich erfasst, dann erkennt ihr, dass keine Stärke oder Kraft außerhalb von euch selbst existieren kann. Die ungeheuere Kraft des Magnetismus befindet sich allein im Menschen. Alle Kräfte dieser Welt sind aus dem Menschen hervorgegangen. Obwohl der Mensch so eine machtvolle Wesenheit ist, hält er sich heutzutage fälschlicherweise für einen Schwächling und leidet. Ihr seid alle göttlich. Es gibt keinen Gott getrennt von euch. Er wohnt in eurem Herzen. Schließt eure Augen und ihr werdet einen glückseligen Blick auf ihn erhaschen. Weil ihr dieses Vertrauen nicht besitzt, seid ihr unfähig ihn zu sehen.

Ujjayini, Kashi (Benares) und Kaschmir waren alles Stätten enormer Kraft, gestärkt durch die Heiligkeit des indischen Gedankenguts und der indischen Weisheit. Navadvipapura war ein anderes Zentrum des Lernens für Rechtswissenschaften. Thesen des Rechts, die woanders nicht gedeutet werden konnten, wurden hier mit Leichtigkeit erklärt und umgesetzt. Leider setzen wir heute den großen Reichtum und die große Kraft des in Indien befindlichen Wissens herab und reisen stattdessen ins Ausland, um dort Stärke und Weisheit zu suchen. Dies ist eine überaus niedrige und falsche Sichtweise. Diese Unwissenheit sollte vertrieben werden. Die Flamme der Weisheit und Bewusstheit muss in uns entzündet werden. Nur dann können wir göttliche, heilige Glückseligkeit erfahren.

Verkörperungen der Liebe!
In den kommenden Tagen werde ich euch den Einfluss der Ausbildungsstätten erklären. Ihr müsst heute wissen, dass in Indien alle Kräfte zu finden sind. Indien war die Geburtsstätte allen Wissens und aller Wissenschaften. Es waren die alten Inder, die die feinen Künste wie Musik, Literatur und Poesie entdeckten. Warum vernachlässigen wir dann ein so heiliges Land? Das zeugt von hochgradiger Unwissenheit. Die Schüler und Studenten sind unfähig diese Wahrheit zu erkennen und trachten heute stattdessen nach weltlichen Freuden. Ihr werdet diese weltlichen Freuden nie erlangen und selbst wenn, werden sie nicht lange währen. Wir sollten deshalb erkennen, dass in dieser Puppe (Marionette), die menschlicher Körper genannt wird, alle Formen der Kraft liegen.

Einst bestand während des zweiten Weltkrieges die Gefahr, dass Kräfte von außen Indien überfallen würden. Ein kommunistischer Führer kam zu mir und sagte: „Junge, so weit ich weiß, kannst du hervorragende Gedichte verfassen. Könntest du eines auf unseren Anführer verfassen und es singen?“ Ich forderte ihn auf eine Wiege zu bringen und verfasste sogleich ein Lied, das wie ein Wiegenlied klang.

Oh Baby, weine nicht, weine nicht, mein Kind!
Wenn du weinst, wird niemand dich „tapferer
Sohn Bhârats“ nennen.
Schlafe ein, mein Kind, schlafe ein!
Hast du dich geängstigt und weinst,
weil der schreckliche Hitler
das unbezwingbare Russland überfiel?
Schlafe ein, mein Kind, schlafe ein!
Weine nicht, mein Kind, denn die Rote Armee
marschiert unter dem heroischen Stalin heran.
Sie wird den Übergriffen Hitlers ein Ende bereiten.
Schlafe ein, mein Kind, schlafe ein!
Alle Landsmänner werden sich vereinen und kämpfen,
um die Freiheit zu erlangen.
Schlafe ein, mein Kind, schlafe ein!

Ich verfasste viele solcher Lieder mit tiefer Bedeutung und erfreute die Dorfbewohner, indem ich diese Lieder singen ließ. Viele wunderten sich, woher dieser Knirps Sathyanârâyana Raju (der ursprüngliche Name Sathya Sai Babas, A.d.Ü.) von Hitler und Stalin wusste. Die meisten Leute dieser Region kannten diese Namen nicht. Wisst, dass es nichts gibt, was Sai nicht weiß! Dennoch tue ich, als wenn ich nicht wüsste. Ich frage manche Leute: „Wann bist du gekommen?“ Sie beklagen sich vielleicht, Sai Baba wüsste noch nicht einmal, wann sie angekommen seien! Ich weiß es. Aber dennoch stelle ich diese Frage, um euch die Freude zu machen mit mir gesprochen zu haben. Meine alleinige Absicht hinter solchen Fragen besteht darin, euch glücklich zu machen. Ich hege nicht den Gedanken, ihr könntet an mir zweifeln, und ich erlaube solchen Vermutungen nicht, mich davon abzuhalten, euch diese Freude zu schenken.

Die Menschen nannten mich für gewöhnlich „Sathya“. Einige Schüler kamen zu mir und baten mich, ein Drama, das sie aufführen wollten, in Versform zu fassen. Ich stimmte zu, fragte nach zwei Schülern, lehrte sie das Lied und schickte sie los es zu singen:

Was für Zeiten sind dies!
Oh ihr Leute, was für Zeiten sind auf uns gekommen!
Körperpuder ist billiger Ersatz für Kurkuma geworden.
Oh ihr Leute, was für Zeiten sind dies!
Gesunde Messingarmbänder machen billigem Flitterkram
und billigen Kettchen Platz.
Oh ihr Leute, was für Zeiten sind auf uns gekommen!

In dieser Weise verbreitete ich in der Öffentlichkeit die Lektionen, die es zu lernen galt.

Die Leute hängen eine silberne Scheibe, befestigt an einem Lederband,
an ihren linken Arm und nennen es Mode!
Groteske Dinge, die das Auge abschrecken, werden hergestellt und Mode genannt!
Lange Schnurrbärte werden zu kleinen Bärtchen gestutzt und Mode genannt!

Ich verfasste solche Lieder, die sich über diese modernen Schrullen lustig machten und versuchte so, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, vor allem der Jugend, in die Richtung der alten Bräuche und Traditionen zu lenken.

Karnam Subbamma war eine edle, fromme Dame. Sie liebte mich sehr. Ich war damals erst sieben Jahre alt. Ich pflegte nicht ihr Haus aufzusuchen, sobald sie mich herbeirief. Sie fragte mich ständig: „Kind, warum kommst du nicht zu meinem Haus?“ Ich erwiderte: „Ich bin kein Bettler, der ständig die Häuser anderer aufsucht. Ich komme nur, wenn ich eingeladen bin, sonst nicht.“ Sie bat mich daraufhin: „Sohn, mein Ehemann schlägt unmoralische Wege ein und ruiniert sich. Kannst du mir helfen, ihn auf den rechten Weg zu bringen?“ Bhagavân erwiderte: „Ich werde sehr hart mit ihm umgehen, aber du brauchst dich deshalb nicht zu fürchten oder zu beunruhigen.“ Ich brachte dann ein paar Jungen bei vor seiner Nase zu singen. Karnam Subbamma befürchtete, dass er zornig werden würde. Ich tröstete sie mit den Worten: „Jemandes Zorn ist sein eigener Feind. Er kann mir nichts anhaben.“ Ich trainierte dann die kleinen Jungen und überließ es ihnen so zu singen, dass er eine sehr gute Lektion erhalten würde. Dieses Ziel war nicht durch milde, sanfte Worte zu erreichen. Nur harte, treffende Worte würden ihn erreichen und sein Schuldbewusstsein wecken. Die Kinder hatten Angst. Ich flößte ihnen Mut ein, indem ich ihnen sagte, ich würde bei ihnen sein.

Der Karnam wurde Nârâyana Rao genannt. Ich verfasste ein spezielles Gedicht, um ihn auf den rechten Weg zu bringen. Teile davon lauteten folgendermaßen:

Du wirst aus deiner eigenen Gemeinschaft ausgestoßen werden,
deine Verwandten werden dich nicht bewirten, sondern hinauswerfen,
deine Freunde werden dich mit Schuhen verkloppen, wenn sie dich erblicken!

Ich benutzte solch barsche Worte und riet ihm seine falschen Wege aufzugeben. Es traf ins Schwarze! Der Karnam lernte eine gute Lektion und gab seine Laster auf. Subbamma war so aufgewühlt, dass sie, obwohl ich nur ein kleiner Junge war, zu mir rannte, mir zu Füßen fiel und zutiefst dankte. Ich sagte ihr, sie solle aufhören, weil ich viel jünger sei als sie. Sie schob meine Einwände beiseite mit den Worten: „Körperlich magst du klein sein, aber in dir ist eine enorme göttliche Kraft verborgen. Niemand sonst kann so kühn sein und eine machtvolle Figur wie den Karnam auf den rechten Weg bringen!“ Dann wandte sie sich zu Pedda Venkappa Raju (Swamis Vater) und sagte: „Venkappa! Du hältst diesen kleinen Jungen für deinen Sohn. Aber du täuscht dich. Er ist sehr machtvoll. Er wird der ganzen Welt Ideale setzen, denen in Zukunft nachgeeifert werden wird. Du musst aufhören an dem Gefühl festzuhalten, er sei dein Sohn. Schicke ihn zu meinem Haus.“ Pedda Venkappa Raju erwiderte: „Es ist in unserer Familie nicht üblich, Kinder zur Adoption zu geben. Wie begrenzt unsere Möglichkeiten auch sein mögen, wir werden uns selber um ihn kümmern. Ich kann ihn nicht in ein anderes Haus schicken.“

In dieser Weise ließ ich es nicht zu, dass irgendjemand mich in Besitz nahm. Ich lebte mit Mut ein abgeschiedenes Leben. Es war ein freies Leben, denn in mir war kein Mangel, kein Gebrechen oder Fehler. Was hatte ich dann zu fürchten? Freudig und furchtlos ging ich voran.

Ich verfasste auch einige Schauspiele. Weil es heute regnet, erzähle ich euch diese Geschichten. Andernfalls würde ich niemals darüber sprechen! (An diesem Tag regnete und stürmte es so heftig, dass sogar die Menschen in der Halle durch den Sturm nass wurden und Swami fragte während seiner Rede, ob wir ihn überhaupt hören könnten. A.d.Ü.) Eines dieser Schauspiele trug den Titel: „Handeln sie entsprechend ihren Worten?“ Mutter und Vater zu Hause und der Lehrer waren die Hauptfiguren. In diesem Stück hielt die Mutter abends für ein paar Frauen ein Treffen ab, in dem sie die inneren Bedeutungen der heiligen Texte erläuterte. Sie hieß Kameshvari. Vorlage für diesen Charakter war die Frau von Panchangamu Ramappa. Wann immer sie Vorlesungen hielt, saß ich dabei. Sie las die hochphilosophischen vedantischen Texte vor. Tatsächlich fiel es ihr schwer sie zu verstehen und sie litt sogar an dem Handicap, das Alphabet nicht recht zu beherrschen. Dennoch versuchte sie, irgendwie fortzufahren. Sie erklärte die verschiedenen Eigenschaften Gottes und beschrieb ihn als höchst rechtschaffen und als die Verkörperung der Wahrheit. Ich schrieb dann ein Lied, das mit den Worten „...man muss das kennen, was direkt zur Befreiung führt...“ endete. Sie mühte sich ab, seine wörtliche Bedeutung zu erläutern! Ich ergriff dann eine passende Gelegenheit, ihr zu sagen, sie täte besser daran, die Verse erklären zu können, statt sie nur vorzulesen.

In jenen Tagen waren die Frauen kaum gebildet. Sie kamen bei einer so gebildeten Dame zusammen und verbrachten ihre Zeit damit, heiligen Hymnen und Geschichten über Gott zu lauschen. Von jenen Tagen an organisierte ich solche Gruppen. Ich betonte die Auswirkungen guter Gemeinschaft und ermutigte dazu. Ich brachte die kleinen Kinder zusammen und organisierte die Pandari Bhajan-Gruppe. Mit klirrenden Fußkettchen und klingenden Zimbeln versehen, sangen und tanzten sie mit Begeisterung in den Straßen und weckten so die schlummernden Dorfbewohner auf. Zuvor standen sie nicht vor 7 Uhr morgens auf. Aber als ich begann, die Bhajans mit den Kindern zu organisieren, waren sie um fünf Uhr auf, wuschen sich und boten Gott ihre Gebete dar.

Nehmt die Zimbeln in die Hand,
haltet sie fest in der Hand umschlungen,
schlagt die Zimbeln klirrend zusammen,
um Verlangen und Zorn aus dem Inneren herauszutreiben.
Lasst uns nach Shirdi gehen,
lasst uns zum Lobe Rangas singen,
lasst uns „Hoch, hoch Sai!“ singen,
lasst uns „Hoch, hoch!“ jubeln
und zum Herrn eilen!

So begann die Idee von nagarasamkîrtana, dem Aufwecken der Dorfbewohner durch heilige Lieder. Ich rief den nagarasamkîrtana ins Leben, als dieser Körper erst sieben Jahre alt war! Auch Subbamma schloss sich still der Gruppe an, spielte begeistert die Zimbeln, aber sorgte sich zugleich, was ich zu ihr sagen würde!

Dieser Körper hat sich von Geburt an immer dafür eingesetzt Wissen zu vermitteln und zu unterscheiden und heilige Lehren weiterzugeben. Die Pandari Bhajan-Gruppe war so beliebt, dass sogar aus den Nachbardörfern die Bewohner herbeieilten um teilzunehmen. Sie verloren sich alle in Glückseligkeit. Subbamma war sehr glücklich. Für zwei Rupien konnte man einen Beutel Süßigkeiten bekommen und sie ließ sie an alle als Prasad, als geheiligte Speise, verteilen.

Es ist wichtig, solch heilige Empfindungen von Kindheit an zu entwickeln. Zu Ausbildungszwecken wurde ich nach Kamalapuram geschickt. Kamalapuram liegt zwischen den Städten Cuddapah und Tadipatri. Dort entdeckte Kote Subbanna mein Talent Gedichte zu verfassen und kam mit einer Bitte zu mir. Er sagte: „Raju! Ich habe gehört, dass du hervorragende Gedichte schreiben kannst.“ Ich erwiderte: „Es ist nicht so, dass ich Gedichte verfasse. Was immer ich äußere, ist Poesie selbst!“ Er sagte: „Ich lasse dir dafür einen Satz Hemd und Hose nähen!“ Ich sagte ihm sofort, er solle nicht mit so niederen Handelsangeboten an mich herantreten. „Ich warte nicht darauf, dass du mir Almosen spendest! Wenn du das tust, brauche ich nicht mit dir zu reden!“ So ermahnte ich ihn.

Er erklärte mir dann, dass eine nagelneue Medizin in seinem Geschäft vorrätig sei. Er schrieb mir eine detaillierte Liste der Kräfte der neuen Medizin nieder. Ihr Name lautete „Bâla Bhâskara“. Er bat mich, ein Lied auf diese Medizin zu verfassen, es einer Gruppe von Kindern beizubringen und sie dieses Lied singend durchs Dorf ziehen zu lassen. Ich sagte ihm, er solle in einer Stunde wiederkommen. Der Unterricht ging noch weiter, und Kondappa war ein extrem strenger Lehrer, wohingegen Mehbub Khan sehr freundlich war. Ich wollte nicht meine Verantwortlichkeiten vernachlässigen. Deshalb sagte ich Kote Subbanna, er solle eine Stunde später nach dem Unterricht kommen und sein Gedicht abzuholen. Ich legte dann die Tonlage fest und verfasste das Lied. Es lautete folgendermaßen:

Sie ist da! Sie ist da! Oh Kinder kommt, kommt!
Die Medizin Bâla Bhâskara ist eingetroffen!
Ob es sich um einen verdorbenen Magen,
ein geschwollenes Bein,
Gliederschmerzen oder Blähungen handelt,
nehmt für jedes bekannte oder unbekannte
Leiden Bâla Bhâskara zur sofortigen Heilung.
Wollt ihr wissen, wo ihr es bekommen könnt?
Im Geschäft von Kote Subbanna!
Dort könnt ihr die Medizin holen!
Eilt herbei, ihr Jungen, eilt herbei!
Es ist ein hervorragendes Stärkungsmittel,
zubereitet vom berühmten Gopalacâri selbst!
Eilt herbei, ihr Jungen, eilt herbei!

Als Kote Subbanna das Lied hörte, war seine Freude grenzenlos. Er brachte einen großen Korb Laddus (eine kugelförmige Süßigkeit) und hinterließ ihn voller Dankbarkeit bei mir. Ich gab die Anweisung, sie an jeden Anwesenden zu verteilen. Von Geburt an nahm ich niemals Süßigkeiten zu mir. Warum sollte ich, wenn doch alle Süße in mir ist? Mein Geist und Gemüt sind süß, meine Liebe ist süß. Für was brauche ich dann diese Süßigkeiten?

In dieser Weise bestand meine einzige vorrangige Aufgabe darin, allen zu helfen ihr Leiden zu lindern und ihnen Freude zu schenken. Ich zeigte ihnen den rechten Weg und ermunterte sie dazu glücklich zu sein.

Verkörperungen der Liebe!
Unser Vizekanzler hat mich gebeten, über die heilige Quelle der Freude, das Ramayana, zu sprechen. Ich bin nicht zufrieden mit der gegenwärtigen Bildungsszene. Die Leute studieren, so viel sie wollen. Aber was bringt diese Bildung? Sie jagen dem Geld hinterher und nicht der Charakterbildung. Wohlstand ist zweifelsohne wesentlich, aber er ist nicht entscheidend. Charakter ist gleichermaßen wichtig. Alle Errungenschaften der Ausbildung geraten irgendwann in Vergessenheit. Spirituelle Erziehung ist vonnöten. Es heißt: Spirituelles Wissen ist die höchste Form des Wissens. Dieses Wissen muss dem Herzen gelehrt werden. Dieses heilige Wissen ist aus dem heiligen Ramayana zu bekommen. Das Ramayana ist ein alter Text. Es hat das Auf und Ab der Zeiten, geschichtliche Schwankungen und viele andere Turbulenzen überlebt und gilt immer noch als großes Ideal. Es gibt im Ramayana verschiedene Geheimnisse, die noch nicht von vielen verstanden werden. Ich werde diese winzigen Fragmente herausnehmen, sie erläutern, sie zu riesigen Bäumen heranwachsen lassen und euch unter ihren kühlen Schatten setzen; ich werde versuchen, euch darunter entspannen und ausruhen zu lassen. Dem gilt von morgen an mein Bemühen.

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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