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 Ansprache Sathya Sai Babas am 13.04.2002

 

Feiert Ugadi indem ihr euer Herz reinigt 

Der Mensch sollte sich darüber Gedanken machen,
wie es kommt, dass die Sonne mit äußerster
Regelmäßigkeit jeden Tag auf- und untergeht
und die Sterne nachts am Himmel funkeln,
obwohl sie am Tage nicht sichtbar sind.

(Gedicht in Telugu)

Verkörperungen der Liebe!
Viele vergangene Zeitalter und Generationen lang haben wir die Glückseligkeit des Feierns von Ugadi erfahren dürfen. Durch die Kraft ihrer Spiritualität haben die Inder (bhâratîya) Frieden und Sicherheit in allen Ländern der Erde verbreitet. Seit uralten Zeiten bis heute lautet das Gebet der Inder: Mögen alle Menschen auf der Welt glücklich sein (lokasamastâh sukhino bhavantu = mögen alle Welten glücklich sein)! Aber die heutigen Verhältnisse sind genau das Gegenteil hiervon. Im weltlichen Sinne haben die Menschen Fortschritte gemacht, die Moral aber hat eine rückläufige Entwicklung genommen. Der Mensch ist nicht fähig, seine Engstirnigkeit und die Kritik an anderen aufzugeben.

Wunschlosigkeit führt zu Glückseligkeit

Wenn man nach dem Grund hierfür forscht, wird man erkennen, dass die Ursachen Selbstsucht und Eigeninteresse sind. Der Mensch liebt Dinge oder Menschen nicht um ihrer selbst willen, sondern nur aus Eigennutz. Er liebt sein Land nicht und arbeitet auch nicht für dessen Wohlergehen. Alle seine Gedanken, Worte und Taten werden von Selbstsucht bestimmt. Nur wenn wir unsere Engherzigkeit und unseren Egoismus aufgeben, werden wir wahrhaft Ugadi feiern können.

Am Ugadi-Tag stehen die Menschen früh auf, nehmen ein heiliges Bad, ziehen frische Kleidung an und nehmen Süßigkeiten und andere köstliche Dinge zu sich. Sie sind nur an äußerer Sauberkeit interessiert und kümmern sich nicht um die Reinigung ihrer Herzen, die mit üblen Gedanken und bösen Gefühlen beschmutzt sind. Es ist ziemlich einfach, äußerlich sauber zu sein und neue Kleidung zu tragen, doch das ist nicht der Sinn des Feierns von Festtagen. Ugadi feiert man wahrhaft damit, dass man die schlechten Eigenschaften aufgibt und sein Herz läutert. Das menschliche Herz ist in seinem ursprünglichen Zustand im höchsten Maße heilig, und die menschliche Geburt ist schwer zu erlangen. Die Geburt als Mensch ist die seltenste von allen (jantûnam narayanma durlabham). Obwohl der Mensch diese seltene kostbare Gabe des menschlichen Lebens erhalten hat, bemüht er sich überhaupt nicht, wie ein wahrer Mensch zu leben. Heute ist er zu einem Bündel von Wünschen geworden. Er wendet all seine Zeit und alle Mühe daran, seine Wünsche zu erfüllen. Er hat die irrige Vorstellung, dass die Erfüllung seiner Wünsche ihm Glück bringen wird. Er sollte erkennen, dass nur das Tilgen seiner Wünsche ihn zur höchsten Glückseligkeit führen wird. Wahres Glück liegt im Zustand der Wunschlosigkeit.

Einheit ist die Essenz menschlichen Lebens

Verkörperungen der Liebe!
Zeitalter sind dahingegangen und die Welt hat viele Wandlungen erlebt, doch das menschliche Herz hat sich nicht geändert. Manche Leute sagen, dass Erziehung die Menschen ändert. Es hat zweifellos Veränderungen gegeben. Aber welche Art von Veränderung ist das? Es ist ein seltsamer Wandel, der, anstatt das menschliche Herz zu verändern, zu einer Perversion des menschlichen Geistes (mind = auch Denken, Meinung, Empfindungen, Gemüt, Verstand - A.d.Ü.) führt. In Wahrheit hat die moderne Erziehung zur Verwirrung der Menschen beigetragen. Der Mensch lernt nicht das, was er lernen sollte. Er verschwendet sein Leben damit, dass er tierische Eigenschaften entwickelt und in dämonischen Handlungen schwelgt. Die Kultur Indiens (Bhârat) betont nachdrücklich die Einheit, die der Vielheit zu Grunde liegt. Sie will, dass wir dieses Prinzip der Einheit verstehen und uns um unsere eigene Erlösung bemühen. Aber wir folgen dem, was im Widerspruch zu unserer uralten Kultur steht. So gibt es heute immer mehr so genannte Gebildete und Intellektuelle, die die Einheit in Vielheit aufspalten. Die Anzahl der erhabenen Seelen jedoch, die die Einheit in der Vielheit sehen, ist im Niedergang begriffen. Es ist ein Unglück, dass die Inder selber es nicht verstanden haben, wie heilig und edel ihre Kultur ist. Oh ihr heiligen Menschen Indiens! Versucht, den Wert der indischen Kultur vollkommen zu verstehen! Ihr seid mit unbegrenzten Möglichkeiten ausgestattet. Aber ihr seid euch eurer mächtigen Stärke nicht bewusst. Die Lebensweise der Inder in früheren Zeiten bestand darin, dass sie sich sehr um das Wohlergehen eines jeden sorgten. Sie fanden Erfüllung darin, andere glücklich zu machen. Dem heutigen Menschen fehlt jedoch solche Großzügigkeit. Er ist nicht fähig, seine ihm innewohnenden edlen Eigenschaften zu erkennen und zu erfahren.

Zeit ist höchst heilig und wertvoll. Jeder muss sich prüfen, ob er seine Zeit richtig nützt. Einmal verlorene Zeit ist für immer verloren. Die Zukunft liegt nicht in euren Händen. Deshalb sollte der Mensch die Gegenwart richtig nutzen. Dies lehrt die indische Kultur. Zeit ist Gott. Deshalb preisen ihn die Veden als den (Gott), der die Zeit ist, vor dem man sich verneigt (kâlâya namah), als den Herrn der Zeit, vor dem man sich verneigt (kâlakâlâya namah), als den (Gott), der das Vergängliche der Zeit überwindet, vor dem man sich verneigt (kâla-darpa-damanâya namah), als den (Gott), der die Zeit transzendiert, vor dem man sich verneigt (kâlâtîtâya namah), als den (Gott), der die Verkörperung der Zeit ist, vor dem man sich verneigt (kâlasvarûpâya namah), als den (Gott), der die Zeit regiert (kâlaniyamitâya namah). Gott wohnt allem inne. Er hat Tausende von Köpfen, Augen und Füßen. Unsere Vorfahren erfassten diese Einheit in der Vielheit und erkannten die dem Menschen innewohnende Göttlichkeit. Sie heiligten ihr Leben durch solche edlen Gefühle und durch solch vorbildliches Verhalten. In früheren Zeiten betonten unsere Weisen und Seher die Notwendigkeit der Einheit und der Zusammenarbeit unter den Menschen. Sie beteten:

Lasst uns miteinander gehen,
lasst uns gemeinsam wachsen.
Lasst uns zusammen an Klugheit
zunehmen. Lasst uns mit jedem
ohne irgendwelchen Streit in
Harmonie leben.

(Gedicht in Telugu)

Das ist der wichtigste Grundsatz der indischen Kultur. Aber ein solcher Geist der Einheit fehlt in der modernen Gesellschaft. Heutzutage herrscht nicht einmal Einigkeit unter den Mitgliedern derselben Familie. Einheit ist die Essenz des menschlichen Lebens. Man kann das Ziel des menschlichen Lebens nur erreichen, indem man dieses Prinzip der Einheit in die Praxis umsetzt. Dieses göttliche Prinzip der Einheit ist heute vergessen.

Glaube an Gott ist die Grundlage der Glückseligkeit

Jeder Mensch strebt nach Glückseligkeit. Er studiert heilige Texte, lauscht den Reden edler Menschen, er unternimmt Pilgerreisen und unterzieht sich spirituellen Übungen wie Buße, Meditation etc., um ewige Glückseligkeit zu erlangen. Aber nichts hiervon bringt ihm die Glückseligkeit. In jedem menschlichen Körper gibt es fünf Hüllen: die grobstoffliche, aus Nahrung bestehende Hülle; der physische Körper (annamayakosha), die aus Lebenskraft bestehende Hülle, sie ist feinstofflicher Natur und belebt den physischen Körper (prânamayakosha), die aus manas (Geist) bestehende Hülle, in der die Sinneseindrücke verarbeitet und von innen kommende Impulse weitergeleitet werden (manomayakosha), die Hülle, der die Fähigkeiten des Unterscheidens und Wollens zugeordnet sind (vijnânamayakosha) und die aus Glückseligkeit bestehende Hülle, die dem Selbst (âtman) am nächsten ist (ânandamayakosha). Obwohl der Mensch die Hülle der Glückseligkeit in sich trägt, ist er unfähig, Glückseligkeit zu erfahren. In ihm ist keine Spur von Glückseligkeit. Das Glück, das der Mensch durch weltliche Annehmlichkeiten erfährt, ist begrenzt. Es ist völlige Torheit, anzunehmen, dass Reichtum und Besitz, Komfort und Annehmlichkeiten ihm grenzenlose Freude verleihen könnten. Nichts hiervon kann wahres Glück bringen. Wahres Glück kennt keine Grenzen. Wie kann man es erlangen? Nicht von außen, es hat seinen Ursprung im Herzen. Das Herz ist der Wohnsitz Gottes. Wenn der Mensch wahre Glückseligkeit erleben will, sollte er festen Glauben an Gott entwickeln. Wo Glaube ist, da ist Liebe. Der Mensch kann nur dann rechtschaffen leben, wenn Liebe in ihm ist. Rechtschaffenheit führt zur Wahrheit, die wiederum zu Gott führt.

Gott allein ist die Quelle und die Grundlage der Glückseligkeit. Wahrheit ist die Grundlage Gottes. Rechtschaffenheit ist die Grundlage der Wahrheit. Liebe ist die Grundlage der Rechtschaffenheit. Glaube ist die Basis der Liebe. Der heutige Mensch hat aber keinen Glauben. Ein Mensch ohne Glauben (vishvâsa) ist wahrhaft ohne Atem (shvâsa). Ein Mensch ohne Glauben ist im Grunde genommen ein lebender Leichnam. Unsere alten Weisen und Seher betonten deshalb die dringende Notwenigkeit des Glaubens. Da er seinen Glauben verloren hat, ist der Mensch heute praktisch erblindet. Was sind die beiden Augen des Menschen? Die zwei Augen des Menschen sind die heiligen Schriften (shâstra) und Rechtschaffenheit (dharma). Aber heute vernachlässigen selbst die Brahmanen die heiligen Schriften, die sie angeblich studieren. Alle Schichten der Gesellschaft, zu welcher Kaste oder Gemeinschaft sie auch gehören mögen, sollten ihre Pflichten mit Hingabe und Engagement erfüllen. Anstatt seine Pflicht zu tun, verschwendet der Mensch sein Leben mit selbstsüchtigen Beschäftigungen. Die Folge davon ist, dass er nicht einmal einen Bruchteil des Friedens und des Glücks genießen kann, mit denen er eigentlich ausgestattet ist.

Dankbarkeit ist die wesentlichste menschliche Tugend. Wenn die Menschen sich vor der aufgehenden Sonne verneigen (sûryanamaskara = Name einer Yoga-Übung – A.d.Ü.), preisen sie den Sonnengott auf unterschiedliche Weise, z.B.: „Sei gegrüßt, Vernichter der Undankbaren (kritaghnagnâya namah)!“ Das Licht des Sonnengottes ist in feinstofflicher Form in unseren Augen enthalten. Der Mond wurde aus dem Geist (mind) und die Sonne aus den Augen des höchsten Wesens (purusha) geboren (candramah manaso jâtah, cakshoh sûryo ajâyata). Es heißt, dass der Sonnengott sein Licht aus den Augen der Undankbaren zurückzieht. Man kann jemanden, dem das Gefühl der Dankbarkeit fehlt, einen Blinden nennen. Wer auch immer man ist, man sollte immer seinem Wohltäter dankbar bleiben. Die Dankbarkeit sollte man sogar ohne Sorge um das eigene Leben zeigen. Gott hilft dem Menschen auf so vielfältige Weise, doch der Mensch erweist ihm dafür keine Dankbarkeit. Er ist immer mit eigennützigen Dingen beschäftigt. Wie kann man eine solch törichte Person einen Menschen nennen? Was ist Spiritualität (âdhyâtmika)? Sie ist nicht nur die Kontemplation des höchsten Selbst (adhyâtma). Wahre Spiritualität besteht darin, seine tierischen Eigenschaften zu vernichten und sich zur göttlichen Ebene zu erheben. Aber anstatt sich auf die Ebene des Göttlichen zu erheben, sinkt der Mensch auf das Tierische hinab. Er hat die Prinzipien der Spiritualität vergessen. Er begeht Feiertage, indem er lediglich Süßigkeiten genießt und seine Zeit mit Pomp und Prunk verschwendet. Man sollte sich Gedanken machen über die innere Bedeutung eines jeden Festes und es dann in bedeutungsvoller Weise begehen. Der Mensch sollte den festen Glauben daran haben, dass er nicht nur ein Mensch ist, sondern dass Gott in ihm gegenwärtig ist. Nur dann wird die tierische Natur in ihm unterworfen werden. Da der Mensch seine wahre Natur vergessen hat, ist er zum Tier geworden. Zu welchem Land, zu welcher Religion, Rasse, Kaste oder zu welchem Geschlecht ihr auch immer gehören mögt, ihr solltet entschlossen an der Menschlichkeit festhalten. Verschwendet nicht eure Zeit mit dem Nachsinnen über selbstsüchtige Ziele.

Wer ist ein wahrer Jünger des Herrn?

Einstmals bat Lord Nârâyana (eine der Bezeichnungen für Gott in seinem Aspekt als Urwesen – A.d.Ü.) Nârada (Name eines der sieben großen Rishis – A.d.Ü.), er solle nach einem wahren Devotee suchen, der seine Zeit auf heilige Weise verbringt. Nârada fragte den Herrn nach den Eigenschaften eines wahren Devotees. Der Herr sagte: „Ein wahrer Devotee ist jemand, dessen Herz rein ist und der immerzu aus vollem Herzen den göttlichen Namen singt. Er mag sich mit weltlichen Dingen befassen, sollte ihnen aber nicht anhaften. Sein Geist (mind) sollte allzeit auf Gott gerichtet sein.“ Darauf antwortete Nârada: „Herr, ich singe deinen Namen zu jeder Zeit und unter allen Umständen aus ganzem Herzen. Es gibt keinen einzigen Augenblick, in dem ich nicht an dich denke. Kann es überhaupt einen größeren Devotee als mich geben?“ Sich selbst als den größten Devotee zu betrachten ist ein Zeichen von Ego. Nârada wurde egoistisch durch das Gefühl, dass er der größte Devotee sei. Lord Nârâyana erwiderte: „Nârada, es gibt viele Gottergebene wie dich. Du findest sie in jedem Haus und überall. Dieses ist keine wirkliche Hingabe. Wahre Hingabe findet ihren Ausdruck in jedem Gedanken, jedem Wort und jeder Tat eines Menschen. Wie die Nahrung, die man zu sich nimmt, im Magen verdaut wird und die Kraft daraus allen Gliedern des Körpers zugute kommt, so wird, wenn du dein Herz vom Namen Gottes erfüllt sein lässt, seine Wirkung sich auf deine Augen, deine Ohren, deine Zunge, deine Hände, deine Füße etc ausbreiten. Wenn sich die heilige Wirkung des Gottesnamens auf deine Augen ausbreitet, wird deine Sichtweise heilig werden. Ebenso wird deine Art zu reden heilig werden und du wirst nur noch heiligen Worten zuhören. Deine Hände werden heilige Handlungen vollbringen und deine Füße werden dich zu heiligen Stätten tragen. Auf diese Weise wird ein wahrer Devotee jedes seiner Glieder durch heilige Tätigkeiten heiligen.“

Lord Nârâyana wollte, dass Nârada einen solchen Devotee suchen sollte. Nârada zog durch die Welt, doch sein Ego hinderte ihn daran, irgendjemanden als bedeutenderen Devotee als sich selbst zu akzeptieren. Auf seinem Rückweg traf er einen Eingeborenen in einem Wald. Dieser saß unter einem Baum und sang den Namen Gottes. Er hielt ein großes Schwert in seiner Hand. Aus Neugier fragte ihn Nârada: „Darf ich wissen, wer du bist?“ „Mein Herr, ich bin ein Jäger und ein glühender Devotee des Herrn,“ war die Antwort. Nârada fragte weiter: „Wenn du ein Gottergebener bist, warum trägst du dann ein Schwert in der Hand? Wen willst du töten?“ Der Jäger antwortete: „Mein Herr, ich will vier Menschen töten. Die erste davon ist Draupadî (Name der Gattin der fünf Pândava-Prinzen – A.d.Ü.).“ Nârada war schockiert, als er dieses hörte. „Weißt du nicht, dass Draupadî immerfort den Namen von Lord Krishna (eine der Inkarnationen Gottes – A.d.Ü.) sang? Erfreut von ihrer Treue und Hingabe eilte ihr Krishna zu Hilfe und beschützte ihre Ehre, als die Kauravas versuchten, ihr vor dem königlichen Hof die Kleider vom Leibe zu reißen. Warum willst du eine so große Devotee töten?“ Der Jäger sagte: „Sie war zweifellos eine Gottergebene. Aber sie rief nach Krishna, während er sein Mahl zu sich nahm. Mein Herr ließ sein Essen stehen und eilte ihr zu Hilfe. Da sie dafür verantwortlich war, dass mein Herr an jenem Tag ohne Nahrung blieb, will ich sie töten.“ „Wer ist die zweite Person, die du töten willst?“ fragte Nârada weiter. Der Jäger sagte: „Mein Herr konnte wegen Prahlâda nicht richtig essen, der immerzu seinen Namen sang und der immer wieder seine Hilfe erbat. Als die Elefanten auf ihm herumtrampelten, betete er zum Herrn um Beistand. Um ihm zu helfen, musste mein Herr es selbst auf sich nehmen, dass die Elefanten auf ihm herumtrampelten. Da er also der Grund für das Leiden meines Herrn war, will ich ihn umbringen. Die dritte Person ist Mira. Sie sang immerfort den Namen ,Giridhara’ (einer der Namen für Krishna – A.d.Ü.). Als Ergebnis musste mein Herr selbst alle die Schikanen ertragen, die man ihr zufügte. Das bedeutete, Gott zu verletzen. Deshalb sollte sie getötet werden.“ Nun frage Nârada: „Und wer ist der vierte Mensch?“ „Es gibt eine Person mit Namen Nârada, der eine Tanpura (ein Saiteninstrument – A.d.Ü.) bei sich trägt und immer den Namen ,Nârâyana’ singt. Seine Hingabe ist nur Hingabe aus eigennützigen Motiven (svârthabhakti) und nicht Hingabe erfüllt von reiner Liebe zu Gott (parârthapremabhakti). Deshalb sollte auch er getötet werden.“

Nârada bekam Angst und wollte das Gespräch nicht weiter in die Länge ziehen. Ihm wurde klar, dass sein Ego für diese schlimme Lage verantwortlich war. Nârada ging dann nach Vaikuntha und erzählte Lord Nârâyana von seiner Begegnung mit dem Jäger. „Swami, ich habe herausgefunden, dass selbst jene, die deinen Namen unablässig singen, dir schuldhaft Leiden zufügen.“ Lord Nârâyana sagte: „Nârada, du irrst dich. Dieser Vorfall spiegelt nur die tiefe Liebe wider, die der Jäger für mich empfindet. Er ist ein wahrer Devotee, der Gottes Glück als das seine betrachtet. Er bemüht sich immer, den Herrn glücklich zu machen und ihm keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten. Nur der, der dem Herrn immer Glück bereitet, ist ein wahrer Devotee.“ Dieser Vorfall öffnete Nârada die Augen. Er sagte: „Swami, jetzt wird mir klar, dass du dieses Spiel nur inszeniert hast, um mein Ego zu vernichten.“ Die Geschichte Indiens (Bhârat) enthält viele solcher heiligen Erzählungen, um die die Botschaft des Herrn unter den Menschen zu verbreiten.

Ihr solltet Gott nie im Namen der Hingabe Schwierigkeiten bereiten. Wenn ihr das Missfallen Gottes erregt, so wird sich das auf euch auswirken. Bedenkt, dass das Glück Gottes euer eigenes Glück ist und euer Glück das Glück Gottes. Verinnerlicht diesen Geist des Einsseins. „Gott und ich sind eins.“ Heute sind die meisten Devotees selbstsüchtig. Sie haben nur Hingabe aus eigennützigen Motiven (svârthabhakti). Ihnen geht es nur um ihr eigenes Glück und nicht um das Glück Gottes. Gott ist die Verkörperung der Liebe. Solche göttliche Liebe ist in allen gegenwärtig. Ihr solltet darauf achten, dass eure Liebe immer rein ist. Teilt eure Liebe mit jedem. Das erwartet Gott von euch.

Gott wohnt in jedem Herzen

Seit uralten Zeiten haben die Inder (bhâratîya) ihre heilige Kultur mit dem Rest der Welt geteilt. Sie sahen Gott als Einen und hegten nie Gefühle der Verschiedenheit eines Menschen vom anderen. Sie glaubten an die vedische Aussage: Die kosmische Gestalt (Gottes) hat Tausende von Köpfen, Füßen, Händen und Augen (sahasrashîrsha purusha sahasrâksha sahasrapâd). Das bedeutet nicht etwa, dass da jemand mit Tausenden von Köpfen, Augen und Füßen etc. ist. Es bedeutet nur, dass alle Köpfe, Augen und Füße ihm gehören. Gott ist jedem Wesen innewohnend. Er hat seinen Wohnsitz in jedem Herzen. Deshalb beschränkt Gott nicht auf einen Tempel, eine Moschee oder eine Kirche. Wo der Mensch ist, da ist Gott. Gott nimmt die Gestalt des Menschen an (daivam mânusharûpena). Da ihr euch dieses nicht klar macht, schwelgt ihr in der Kritik an anderen. Wen kritisiert ihr eigentlich? Wen verehrt ihr? Fragt euch das einmal. Gott ist in allen gegenwärtig. Wenn ihr also andere kritisiert, so bedeutet das Kritik an euch selbst. Wenn ihr andere liebt, so liebt ihr euch selbst. Wenn ihr andere kritisiert, so kritisiert ihr Gott. Das Individuum zu ehren bedeutet, Gott zu ehren (sarvajîva-namaskaram keshavam pratigacchati) und wen immer ihr kritisiert – es erreicht Gott (sarvajîva-tiraskâram keshavam pratigacchati).

Verkörperungen der Liebe!
Heute ist Ugadi, der Beginn des Neuen Jahres. Seit uralten Zeiten haben die Menschen viele Male Ugadi gefeiert, aber sie haben ihre schlechten Eigenschaften noch immer nicht aufgegeben. Das wahre Ugadi-Fest ist der Tag, an dem ihr eure schlechten Neigungen aufgebt, euer Herz mit Liebe erfüllt und den Pfad der Opferbereitschaft wählt. Beschränkt die Ugadi-Feier nicht auf das Anlegen neuer Kleidung und das Verzehren köstlichen Essens. Heute mögt ihr ein neues Oberhemd tragen, doch wie lange wird es neu bleiben? Morgen wird es alt sein. Niemand liest jeden Tag dieselbe Zeitung. Die Zeitung von heute ist das Altpapier von morgen. Unser Leben ist wie eine Zeitung. Wenn ihr mit dem Lesen der Zeitung fertig seid, wollt ihr sie nicht immer und immer wieder lesen. Euch ist diese Geburt zuteil geworden und ihr seid durch unterschiedliche Erfahrungen von Freude und Schmerz gegangen. Genug ist genug. Bittet nicht um eine weitere Geburt, wie ihr ja auch nicht die Zeitung von gestern lesen möchtet. Ihr solltet beten: „Oh Gott! Du hast mir dieses Leben gegeben, und ich bin durch alle diese Erfahrungen von Freude und Schmerz gegangen. Ich möchte nicht wieder geboren werden.“

Adi Shankara sagte:

Oh Gott, ich bin gefangen im
Kreislauf von Geburt und Tod;

wieder und wieder erfahre ich
die Qual des Aufenthaltes im Mutterleib.

Es ist so schwer, diesen Ozean
des weltlichen Lebens zu überqueren.

Bitte bringe mich über diesen Ozean
und gewähre mir Befreiung.“

(punar api jananam punar api maranam,

punar api jananî jatare sayanam,

iha samsâre bahudustare,

kripâyapare pâhi murâre.)

Shankara war ein großer Gelehrter und war bewandert in allen Formen des Wissens. Dennoch empfahl er den Weg der Hingabe. Einmal, als er mit seinen Schülern zum Fluss Gangâ (Ganges) ging, bemerkte er einen Mann, der unter einem Baum saß und sich bemühte, Paninis (Panini = Name des berühmtesten Sanskrit-Grammatikers – A.d.Ü.) Grammatikregeln auswendig zu lernen. Er wiederholte: „Duhkrin karana, duhkrin karana (eine der Sanskrit-Grammatik-Regeln – A.d.Ü.).“ Shankara, der zu der Zeit noch sehr jung war, hatte Mitleid mit ihm. Er ging zu ihm hin und sagte:

„Oh du törichter Mensch, singe den Namen des Herrn!

Wenn die Stunde des Todes naht,

kann dich nur der Herr erretten und nicht die Grammatik!

(Bhaja Govindam, bhaja Govindam,

Govindam bhaja mûdha mate Samprâpte sannihite kâle

na hi, na hi rakshati duhkrinkarane).”

Shankara schrieb viele vedische Texte, aber schließlich wählte auch er den Pfad der Hingabe. Das Singen des Namens Gottes (nâmasmarana) ist der leichteste Weg zur Befreiung. Das war seine hauptsächliche Lehre. Selbst heute singen viele Menschen den Namen Gottes, aber sie erleben nicht die wahre Wirkung. Was ist der Sinn des Lebens? Bedeutet es, immer wieder und wieder geboren zu werden?

Der Mensch übernimmt verschiedene Aufgaben und geht auf dieser Welt durch viele Erfahrungen. Aber was nützt das alles, wenn er nicht dazu fähig ist, sich ewiger Glückseligkeit zu erfreuen? Weder durch Reichtum oder Handlungen noch durch das Studium von Texten noch durch das Sehen, das Berühren und das Sprechen mit einer heiligen Persönlichkeit (darshana, sparshana, sambhâshana) kann der Mensch ewige Glückseligkeit erlangen. Er kann die Manifestation Gottes nur schauen und Glückseligkeit erleben, wenn er sein Herz reinigt. Liebt alle. Glaubt daran, dass Gott in allen gegenwärtig ist. Macht jedermann glücklich. Nur dann könnt ihr Glück erlangen. Es ist unmöglich für euch, Glück zu erlangen, ohne andere glücklich zu machen.

Die wahre Bedeutung des Ugadi-Festes

Fasst an diesem Ugadi-Tag den festen Entschluss, euer Herz zu reinigen. Die Vergangenheit ist vergangen. Sie kann nicht zurückgeholt werden. Wenn ihr auf der Straße geht, solltet ihr auf die Wegstrecke vor euch sehen. Was bringt es, zurückzuschauen? Es macht ebenfalls keinen Sinn, über die Vergangenheit nachzugrübeln. Die Zukunft ist ungewiss. Welche Garantie habt ihr dafür, dass ihr morgen noch leben werdet? Sorgt euch also nicht um eure Zukunft. Lebt in der Gegenwart. Sie ist keine gewöhnliche Gegenwart. Sie ist Allgegenwart, was bedeutet, dass die Ergebnisse der Vergangenheit und die Saat der Zukunft in ihr enthalten sind. Wenn ihr also richtigen Gebrauch von der Gegenwart macht, könnt ihr gewiss sein, dass eure Zukunft sicher und geschützt sein wird.

Verkörperungen der Liebe!
Heute ist Ugadi, der Neujahrstag für die Menschen in Andhra Pradesh. Morgen sind sowohl der tamilische Neujahrstag als auch Vishu, der Neujahrstag der Menschen in Kerala. In jedem Jahr gibt es viele Feiertage. Ihr solltet sie begehen im Verstehen und Erfahren ihrer wahren Bedeutung. Beginnt von diesem Augenblick an ein neues Leben und gebt eure schlechten Gedanken und Eigenschaften auf. Läutert euer Herz. Nur dann wird euer Leben glückselig sein. Es macht keinen Sinn, wenn ihr heilige Texte lest oder edle Menschen aufsucht, wenn ihr nicht zuvor euer Herz gereinigt habt. Lasst eure Gedanken, Worte und Handlungen heilig sein. Das ist die wahre Bedeutung des Feierns von Ugadi.

Morgen ist der Neujahrstag der Menschen in Tamil Nadu. Deshalb sind viele von ihnen aus Madras (Chennai) und anderen Orten aus Tamil Nadu gekommen. Madras ist keine neue Stadt. Lange schon ist es ein wichtiges Zentrum für die Inder (bhâratîya). Später wurden aus politischen Erwägungen unterschiedliche Staaten gebildet und Madras wurde geteilt. Aber ich sehe keinen Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Gebiet. Ich halte an dem Prinzip der Einheit fest. Alle sind eins, behandelt jeden in der gleichen Weise Das ist mein Ideal. Augenblicklich leiden die Menschen in Madras unter Mangel an Trinkwasser. Die Reichen können es sich erlauben, Wasser zu kaufen und ihren Durst zu löschen. Aber was ist mit den Armen? Sie trinken unsauberes Wasser und ruinieren ihre Gesundheit. Deshalb habe ich mich entschlossen, sie mit reinem Trinkwasser zu versorgen, damit sie ein glückliches und gesundes Leben führen können. In diesem Zusammenhang haben Chakravarthi (Sekretär des Shri Sathya Sai Central Trust), V. Srinivasan aus Madras (Chennai), Präsident der indischen Shri Sathya Sai Seva Organisationen) und Indulal Shah aus Bombay (Mumbai) (Chairman des Shri Sathya Sai World Council) sich gestern mit den Verantwortlichen der Weltbank getroffen und ihnen erklärt, welchen selbstlosen Dienst wir geleistet haben. Sie teilten den Vertretern der Weltbank mit, dass alle unsere Aktivitäten ausschließlich im Sinne des Dienens gesehen werden müssen und dass wir nichts dafür zurück erwarten. Sie wiederholten, was Swami ihnen aufgetragen hatte zu übermitteln.

Die Leute von der Weltbank waren sehr beeindruckt. Sie sagten, sie hätten noch nie irgendwo anders auf der Welt etwas von solch gewaltigen Hilfsdiensten gehört oder gesehen, die von einer karitativen Organisation geleistet worden seien. (Lauter Beifall). Sie waren glücklich darüber, dass Sathya Sai Baba eine so weit entfernte Stadt wie Madras (Chennai) mit Trinkwasser versorgt. Sie haben sich bereit erklärt, dieses Projekt mit Geld zu unterstützen. Bevor ich an diesem heiligen Ugadi-Tag herauskam, um Darshan zu spenden, erhielten wir ungefähr gegen 7 Uhr einen Telefonanruf, mit dem diese Botschaft übermittelt wurde. Wenn die Motive für etwas heilig sind, wird das Ergebnis zwangsläufig heilig sein. Man sagte uns: „Sie müssen sich wegen der Geldmittel keine Sorgen machen und es ist auch nicht nötig, dass Sie noch einmal hierher kommen. Wir sind bereit, allen Ihren Anforderungen zu entsprechen.“ In aller Großzügigkeit gewähren sie uns ihre Hilfe.

Wenn ihr mit einer heiligen Gesinnung an eine Aufgabe herangeht, werdet ihr mit Sicherheit erfolgreich sein. Ich bin der lebende Beweis für dieses ideale Verhalten. Welche Aufgabe ich auch immer ausführe, es ist keine Spur von Egoismus darin. Was immer ich tue, ist zum Nutzen der Menschheit. Viele Menschen versuchen nicht, das zu verstehen und denken, es sei mit irgendeiner Erwartung verbunden. Aber ich erwarte von niemandem irgendetwas, noch ziehe ich daraus irgendwelchen Nutzen. Ich gewinne daraus nur einen ,Nutzen’, nämlich dass ich glücklich bin, wenn jedermann glücklich ist. Da ihr euch Sai-Devotees nennt, solltet ihr euch genau an den Weg von Sai halten und einen jeden glücklich machen.

Wenn ihr in meine Fußstapfen tretet, werdet ihr ganz sicher heilige Ergebnisse erreichen und euch einen guten Namen verdienen. Ihr müsst nicht mal den Bruchteil einer Sekunde warten. Was immer Sai sagt, muss geschehen. Da ihr Sai-Devotees seid, solltet ihr alle Selbstsucht aufgeben und euer Leben dem Wohlergehen der Gesellschaft widmen. Füllt euer Leben mit Liebe. Hört auf damit, andere zu kritisieren. Respektiert selbst die, die euch hassen. Hass ist eine schlechte Eigenschaft. Er wird euch zerstören. Deshalb macht euch frei von diesem Übel. Liebt jeden. Helft den Armen und Bedürftigen so viel wie möglich. Helft immer, verletzt nie! Der Weise Vyâsa fasste die Essenz aller achtzehn Puranas (Name einer Literaturgattung, deren Texte zu den klassischen heiligen Schriften zählen – A.d.Ü.) in zwei Sätzen zusammen:

Anderen zu helfen ist verdienstvoll; andere zu verletzen ist Sünde (paropakarah punyaya; papaya parapidanam).

Dieses ist das Hauptprinzip der indischen Kultur. Wenn ihr anderen helft, werdet ihr die zehnfache Hilfe erhalten. Wenn ihr andere verletzt, werdet ihr das Zehnfache an Verletzungen zu tragen haben. Vergesst das nicht. Füllt eure Herzen mit Liebe an diesem heiligen Tag und unternehmt heilige Handlungen.

Bhagavan beendete seine Rede mit dem Bhajan „Prema mudita manase kaho...“

Aus Bhagavans Ugadi-samdesha (samdesha = Botschaft – A.d.Ü.) in der Sai Ramesh Krishan-Halle, Brindâvan, am 13. April 2002.
(Sanathana Sarathi Mai 2002)

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

Copyright Sathya Sai Vereinigung e. V.