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 Ansprache Sathya Sai Babas am 12.03.2002


 

Shivarâtri (abends vor der Hervorbringung des goldenen Lingams)

Gott ist die Grundlage des Universums.
Wahrheit ist Gottes Essenz.
Die Tugend erhabener Seelen ist Wahrheit.
Solch erhabene Seelen sind wahrhaft göttlich.

Verkörperungen der Liebe!
Unsere Vorfahren erforschten mittels vieler Wege das Wesen der Göttlichkeit, aber es gelang ihnen nicht, die Wirklichkeit zu erkennen. Deshalb begannen sie die Schöpfung (prakriti) zu verehren. Danach begannen die Bhâratîyas (Inder), Idole zu verehren (mûrti aradhana). Jedes in dieses Universum geborene Geschöpf hat eine Form. Weil Idole leblos sind und nicht die Eigenschaften des Mitgefühls, der Liebe, der Duldsamkeit usw. besitzen, sind manche Menschen gegen die Verehrung von Idolen. Diese Einstellung beruht auf Unwissenheit. Um auf eine bestimmte Sache wie eine Blume oder einen Becher zu zeigen, benutzt ihr euren Zeigefinger. In entsprechender Weise sind Idole gleichsam Wegweiser zur Göttlichkeit. Wenn ihr die Göttlichkeit einmal erkennt, braucht ihr die Wegweiser, die Idole, nicht mehr. Ist es in dieser Situation nicht töricht, die Verehrung von Idolen abzulehnen? Verehrt ihr nicht die Bilder eurer Eltern und Großeltern? Sind diese Bilder lebendig? Nein, und sie besitzen keine Eigenschaften wie Mitgefühl, Liebe, Opfergeist usw. Was bringt es dann, diese Bilder zu verehren? Diese Bilder erinnern uns an die Tugenden und die Ideale, die sie (die Eltern und Großeltern) verkörperten. Nehmt zum Beispiel einen Hundert-Rupien-Schein von der Größe von 6 mal 4 Zoll. Diese Banknote besitzt weder Leben noch die Tugenden der Liebe, des Mitgefühls usw. Dennoch lieben die Leute sie und wollen sie besitzen. Gibt es irgendjemanden in dieser Welt der Geld nicht mag? Jeder liebt Geld, unabhängig vom Land oder von der Religion. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass Leute ihr Leben um des Geldes willen aufgaben. Das Geld erhält seinen Wert durch das Siegel der Regierung. Entsprechend achten wir die Landesflagge wegen des Wertes, den sie symbolisiert, obwohl sie nichts als ein lebloses Stück Stoff ist. Wenn man die Verehrung von Idolen als töricht betrachtet, sollte dasselbe für die Liebe zum Geld und die Achtung für die Nationalflagge gelten, die genauso leblos sind. Der Mensch gründet seine Glaubenssätze auf seine Vorlieben und Abneigungen.

Îshâvâsyam idam jagat –
die gesamte Welt ist von
Gott durchdrungen.

Jedes Wesen verkörpert Gott. Es heißt auch, Gott wohnt allen Wesen inne. Er ist in allen Wesen in der Form von Bewusstsein gegenwärtig. Gott ist Meister der sechs Formen des Wohlstands: Rechtes Handeln (Dharma), Wohlstand (aishvarya, auch: Pracht, Glanz, Herrlichkeit), Ruhm (yashas), Kraft (shakti), Weisheit (jnâna) und Loslösung (vairâgya). Îshvara hat noch einen anderen Namen, nämlich Shankara. Sam bezieht sich auf citânandam (ewige Glückseligkeit, wörtl.: Glückseligkeit des Bewusstseins) und âtmânanda, Glückseligkeit des Selbst. Kara bedeutet der, der verleiht. Shankara ist also jemand, der ewige Glückseligkeit verleiht. Jedem Wort wohnt eine tiefe innere Bedeutung inne. Nehmt zum Beispiel den Namen Sathya Sai. Sathya steht für Rigveda, sa, a und ya in Sai stehen jeweils für Samaveda, Atharvaveda und Yajurveda. Deshalb ist Sathya Sai die Personifizierung der vier Veden selbst. Was bedeutet der Begriff Lingam? Er ist ein Symbol für die Göttlichkeit, da das Lingam weder Anfang noch Ende hat. Im Herzen eines jeden Menschen befindet sich die Göttlichkeit. Hridaya bedeutet das, was mit Mitgefühl (dâya) erfüllt ist. Demzufolge ist die Göttlichkeit die Verkörperung des Mitgefühls.

Die Menschen sind heutzutage nicht fähig, das Prinzip der Göttlichkeit zu verstehen. Obwohl sich die Formen der Verehrung unterscheiden, richten sie sich alle auf die verschiedenen Formen desselben Gottes. Ob ihr ihn Râma, Krishna oder Îshvara nennt, alle sind eins. Sie beziehen sich auf denselben Gott. Jeder Mensch verehrt eine bestimmte Form entsprechend seiner (persönlichen) Vorlieben. Manche Menschen verehren Râma, weil sie sich von Râmas Name und Form angezogen fühlen. Es heißt:

Râma ist der, der die Herzen
eines jeden an sich zieht.

Heute ist Shivarâtri, das bedeutet: die Segen bringende Nacht. Shiva symbolisiert den Atemprozess „so ´ham“, der in jedem Menschen stattfindet. Es wird Hamsa-Gâyatrî genannt. „Ham“ bezieht sich auf „ich“, und „so“ bedeutet „Das“. Diese Botschaft „Ich bin Gott“ wird 21.600 Mal am Tag durch den Atemvorgang vermittelt. Seit alten Zeiten sind solche Lehren verbreitet und praktiziert worden.

Es ist der Finger, der auf eine Blume zeigt. Entsprechend verweisen Idole auf die Göttlichkeit. Aus diesem Grund kann man die Verehrung von Idolen nicht als töricht ansehen. Missachtet niemals Idole im Glauben, sie seien leblos. Sogar in leblosen Dingen befindet sich Bewusstsein.

Das Göttliche ist subtiler als das Subtilste und weiter als das Weiteste

Dieses Bewusstsein ist im Kleinsten bis zum Größten gegenwärtig. Aus eurer Sicht mag ein Objekt leblos erscheinen, aber aus vedischer Sicht ist alles Bewusstsein. Es ist töricht, die Existenz von caitanya, Bewusstsein, nicht wahrzunehmen. Man mag nun fragen: Wenn Bewusstsein allgegenwärtig ist, warum ist es dann dem bloßen Auge nicht sichtbar? Wie ihr alle wisst, enthält jeder Tropfen Milch Butter. Könnt ihr die Existenz der Butter abstreiten, nur weil sie dem bloßen Auge nicht sichtbar ist? Um Butter zu erhalten, muss man die Milch gerinnen lassen und dann zu Butter verarbeiten.

Zwei Irrtümer machen es dem Menschen unmöglich, dieses Prinzip des Bewusstseins wahrzunehmen:

Er übersieht seine eigenen unzähligen Fehler, und
Er bauscht die kleinsten Fehler anderer auf.

Man kann die Göttlichkeit nur dann erreichen, wenn man aufhört, seine eigenen Fehler zu verbergen und die der anderen herauszustreichen.

Nach den Fehlern anderer zu suchen ist eine große Sünde. Sucht stattdessen nach euren eigenen Fehlern. Betrachtet euren kleinsten Fehler als ein großes Vergehen und versucht, diesen Fehler zu korrigieren. Ignoriert die Fehler anderer, egal wie groß sie sein mögen. Kritisiert nicht andere, sondern kritisiert und hinterfragt stattdessen euch selbst: „Ich bin als Mensch geboren; ist das die Art und Weise, wie ich mich verhalten sollte?“ Wahre spirituelle Disziplin besteht darin, die eigenen Fehler zu entdecken und sie zu korrigieren. Es umfasst das Aufgeben schlechter Neigungen und das Entwickeln edler Charakterzüge. Das ist sadhana, spirituelle Disziplin.

„Sa“ symbolisiert die Göttlichkeit, die alle Formen des Wohlstandes (dhana) verkörpert. Heute steigt die Zahl der Menschen, die nach den Fehlern anderer suchen, ständig an. Das ist Ursache für die Friedlosigkeit in der Gesellschaft. All jene, die Frieden wollen, sollten ihre Fehler beseitigen. Nur dann könnt ihr das Shiva-Prinzip (shivatva) verwirklichen.

Der Mensch wird zur Beute seines Zorns. Wer wird durch diesen Zorn beeinträchtigt? Nicht die anderen, sondern nur man selbst. Es heißt: Zorn ist der eigene Feind, Frieden ist der Schutzschild, Mitgefühl ist der wahre Verwandte, Glück ist wahrhaft der Himmel und Leid die Hölle.

Bemüht euch deshalb, euren Zorn zu beherrschen. Glaubt nicht, ihr wäret anderen überlegen. Wo ist Gott? Er ist in jedem Menschen und in jedem Lebewesen anwesend. Deshalb heißt es:

Gott wohnt allen Wesen inne.
Gott nimmt die Form des Menschen an.

Wenn ihr alle als göttlich wahrnehmt, werdet ihr euch nie in Kritik ergehen. Gott beurteilt einen Menschen nach seinen Gefühlen, nicht nach seinen Handlungen. Gott liebt das Gefühl (bhavapriya), nicht das Äußere (bahyapriya). Bemüht euch deshalb, eure Schau nach innen zu richten.

Wer sich nur nach dem äußeren Anschein richtet ist ein Tier. Ein wahrer Mensch schaut nach innen. Sobald ein Tier ein grünes Fleckchen Land erspäht, rennt es sofort zu der Stelle ohne das Für und Wider abzuwägen. Es ist des Menschen Pflicht, sein Unterscheidungsvermögen zu nutzen und dementsprechend zu handeln. Der Mensch sollte sich immer seiner Pflichten bewusst sein; ansonsten muss er einen schweren Preis zahlen. Wenn ein Bus oder ein Flugzeug verspätet ankommt, beginnen die Passagiere all die für die Verspätung Verantwortlichen wegen mangelnder Sorgfalt bei der Pflichterfüllung zu kritisieren. Entsprechend wird der Mensch zur Zielscheibe von Kritik, wenn er seine Pflichten nicht sorgsam erfüllt.

Ehe er nicht die menschlichen Werte Wahrheit, Rechtes Handeln, Frieden, Liebe und Gewaltlosigkeit praktiziert, kann der Mensch nicht Mensch genannt werden. Diese Werte sind gleichsam die fünf Lebensatem des Menschen. Das Fehlen dieser Lebenshauche kommt einem lebenden Tod gleich. Jeder ist für seinen eigenen Niedergang verantwortlich. Der Mensch vernichtet sich selbst durch das Nichterfüllen dieser menschlichen Werte.

Verkörperungen der Liebe!
Liebe ist euer größter Besitz. Entwickelt Liebe und sprecht immer die Wahrheit. Die Wahrheit klingt bitter, wohingegen die Menschen durch Falschheit (Lüge) leicht zu erfreuen sind. Die Menschen schätzen nicht die Milch, die an ihre Türschwelle gebracht wird, aber sie sind bereit, kilometerweit zu reisen, um eine Flasche Schnaps zu trinken. Falschheit ist zur Tagesordnung geworden. Lüge mag andere erfreuen, aber nicht euer Gewissen. Strebt danach, euer Gewissen zufrieden zu stellen, bevor ihr andere zufrieden stellt. Folgt unter allen Umständen dem Weg der Wahrheit. Falls das Sprechen der Wahrheit euch in Gefahr bringt, bewahrt Schweigen.

Ein Einsiedler war tief in die Kontemplation Gottes versunken. Er hatte gelobt, immer die Wahrheit zu sprechen. Gott (îshvara) wollte ihn testen. Gott nahm die Gestalt eines Jägers an und verfolgte einen Hirsch, der sich aus Angst hinter einem Busch in der Nähe der Einsiedelei versteckte, was der Einsiedler bemerkte. Als der Jäger fragte, wo der Hirsch sei, befand sich der Einsiedler in einem Dilemma. Er konnte nicht Unwissenheit vorschützen und behaupten, er hätte den Hirsch nicht gesehen, denn das wäre eine Lüge. Zugleich konnte er nicht das Versteck des Hirsches aufdecken, weil der Jäger es dann töten würde, und er dadurch an einem Verbrechen teilhätte. Er betete fieberhaft zu Îshvara, ihm einen Ausweg zu zeigen. Durch Gottes Gnade erhielt er blitzartig einen großartigen Einfall. Gott ist immer mit dir, in dir, um dich herum und über dir und führt und beschützt dich. Warum sich fürchten, wenn Er doch nahe ist?

Der Einsiedler erwiderte: „Oh Jäger, das was sieht (das Auge) kann nicht sprechen, und das, was spricht (die Zunge) kann nicht sehen.“ Durch diese kluge Antwort hielt der Einsiedler an der Wahrheit fest und schützte zugleich das Leben des Hirsches. Îshvara manifestierte sich daraufhin in seiner wahren Form und erklärte: „Diese Klugheit (yukti), die sowohl deine Interessen als auch die der anderen schützt, ist wahres Yoga.“

Aus diesem Grund heißt es:
Wahrheit ist das Leben der Zunge,
echtes Handeln (Dharma)
das Leben der Hände,
Gewaltlosigkeit das Leben des Herzens.

Shivarâtri wird gefeiert, um den Menschen die Bedeutung dieser Werte zu lehren.

Shiva steht auch für Demut. Jemand mit Demut ist shiva (segensreich, freundlich, gütig), jemand mit Ego hingegen ist wahrhaftig shavam, ein Leichnam.

Durch ständiges Beten kann der Mensch jede schwierige Situation überwinden. Ihr solltet erhabene Gedanken entfalten und den Bedürftigen helfen. Verletzt niemanden. Der Schaden, den ihr anderen zufügt, wird (gleich einem Bumerang) auf euch zurückkommen. Kritik und Beschuldigung sind weltliche Wesenszüge und negativer Natur. Entwickelt positive Neigungen. Was bringt all eure Bildung, wenn ihr eure üblen Neigungen nicht aufgeben könnt?

Trotz all seiner Bildung und Intelligenz
wird ein törichter Mensch sein wahres
Selbst nicht erkennen,
und ein niedrig gesinnter Mensch wird
seine üblen Eigenschaften nicht aufgeben.
Die moderne Bildung führt nur zu Argumentation,
nicht aber zur vollkommenen Weisheit.
Was bringt das Erlangen weltlicher Bildung,
wenn es einen nicht zur Unsterblichkeit führen kann?
Erwerbt das Wissen, das euch unsterblich machen wird.

Man erhält Verdienst, indem man anderen dient, und sündigt, indem man andere verletzt. Hilf immer, verletze nie.

Das ist die Essenz der 18 Puranas (heilige Epen). Lass es dich nicht bekümmern, wenn du selber zu leiden hast, aber füge anderen kein Leid zu. Gott wird für dich sorgen.

Euer Verhalten sollte eurer menschlichen Geburt ebenbürtig sein. Moral und Integrität sind die Lebensprinzipien der menschlichen Rasse. Entwickelt Moral und führt ein ehrliches Leben. Nur dann könnt ihr das Gottesprinzip erlangen.

Die in der Vielfalt liegende Einheit zu verwirklichen, ist die Hauptlehre von Indiens Kultur. Aber aufgrund seiner Engstirnigkeit spaltet der Mensch heutzutage die Einheit in Vielfalt (Verschiedenheit) auf.

Verkörperungen des göttlichen Selbst (Atman)!
Gebt Empfindungen von „ich und mein“ niemals Raum. Erkennt als erstes euch selbst. Fragt euch selbst: „Wer bin ich?“ Wenn ihr wisst, wer ihr in Wahrheit seid, werdet ihr die Einheit von allem erkennen. Wenn ihr erkennt, dass ihr die Verkörperung Atmans, des göttlichen Selbst seid, werdet ihr wissen, dass alle anderen ebenfalls Atman verkörpern. In eurem täglichen Leben ist es jedoch auf der Grundlage von Bekenntnis/Stand/Beruf schwierig, diese Gleichheit zu erkennen.

Was ist Spiritualität? Wahre Spiritualität besteht darin, tierische Eigenschaften zu beseitigen und sich zur Ebene der Göttlichkeit zu erheben. Adhyatmika bezieht sich auf adi (Ursprung) und Atman. Wahre Spiritualität ist also das, was mit dem ewigen Atman in Verbindung steht. Wahre Spiritualität besteht in der Erkenntnis der Wahrheit, dass ich und du eins sind.

Als Dharmarâja Krishna die erste Opfergabe anbot, empfand der verruchte Shishupâla, dass Krishna es nicht verdiente. Er beschimpfte Krishna unaufhörlich und sagte: „Glaubst du, dir stünde diese Ehre zu, weil du die Saris der Gopikas stahlst, während sie badeten, oder weil du den Gopikas Streiche spieltest? Beende diese Selbstüberschätzung und halt deinen Mund!“

Krishna erwiderte lächelnd: „Ja, du hast recht, und du sprichst die Wahrheit.“

Dharmarâja fühlte sich zutiefst verletzt, fiel Krishna zu Füßen und sagte: „Oh Herr, wie kannst du angesichts solch harter Kritik weiterhin lächeln? Du magst lächeln, ich aber vergieße Tränen des Leids.“ Krishna erwiderte daraufhin: „Dharmarâja, Lob oder Anschuldigung beziehen sich auf den Körper, nicht aber auf Atman, das göttliche Selbst. Warum sollte man sich deprimiert fühlen, wenn man kritisiert wird, und großartig, wenn man gepriesen wird? Tatsächlich kritisieren wir selber unseren Körper, weil er verschiedenen Krankheiten Raum gibt und uns leiden lässt. Erkenne deshalb, dass, wer immer deinen Körper kritisiert, dir in Wirklichkeit einen Gefallen tut.“

Dharmarâja war mit Krishnas Erwiderung überaus zufrieden und stellte fest: „Weil es heutzutage an solchen Lehrern mangelt, leiden die Leute an Unwissenheit.“

Wie stand es mit Duryodhana? Er war kein Unwissender, aber obwohl er alles wusste, verfiel er dem Weg der Unwissenheit. Er forderte Dharmarâja ebenfalls auf, den Mund zu halten.

Was ist Schweigen? Man sollte niemals schlecht von anderen sprechen. Aus Schweigen kann kein Streit entstehen. Grüße die, die dich beleidigen. Erwidere Beleidigung nicht mit Kränkung. Wenn du in derselben Weise wie dein Gegner handelst, wie kannst du dann wachsen (wörtl.: größer werden)? Wenn du behauptest, der andere handle falsch, du dich aber in derselben Weise verhältst, bist du dann im Recht? Handle niemals in dieser Weise! Lass die, die dich beleidigen, mit ihrem kränkenden Verhalten fortfahren. Du solltest niemals reagieren. Wünsche jedem Wohlergehen.

Lokasamastah sukhino bhavantu – mögen alle Wesen in der Welt glücklich sein! – so lautet unser tägliches Gebet.

Wenn alle glücklich sind, schließt es dich mit ein. Wir beten für das Wohlergehen, den Wohlstand und die Gesundheit von allen. Wünsche niemals einer anderen Person Unglück. In dieser Welt ist kein Raum für Hass. Alle sind Freunde. Wenn du in dieser Weise beharrlich bleibst, jedem Gutes wünscht und für ihr Wohlergehen betest, wirst du Vorbild für die ganze Welt. Allein um dieses Vorbilds willen bist du in diese Welt geboren. Hinter der Erschaffung eines jeden Einzelnen liegt ein Zweck. Aus diesem Grund hat Gott dich geschaffen. Und dafür ist dir die Fähigkeit zu lieben geschenkt worden. Handle entsprechend deinem Gewissen. Weihe Gott jede deiner Handlungen.

Oh Herr! Das Herz, das du mir geschenkt hast,
und all seine Handlungen
bringe ich dir wieder dar.
Mit was sonst könnte ich deine Füße verehren? Bitte nimm es,
zusammen mit meiner ehrerbietigen Verneigung, an.

„Liebe ist die eine wertvolle Gabe, die du mir verliehen hast. Es ist meine Pflicht, diese Liebe mit all meinen Mitmenschen zu teilen. Das ist das Kennzeichen dafür, dass ich deine Gabe verstanden habe.“

Jemand der von Zorn, Hass und Neid erfüllt ist, wird von all jenen gemieden, die ihm nahe sind, einschließlich seiner Frau und seiner Kinder. Deshalb solltet ihr diese üblen Neigungen vermeiden. Wenn ihr das Liebesprinzip versteht, werden all diese schlechten Neigungen euch von selbst verlassen. Das Menschsein ist in der Essenz göttlich. Wenn ein Kind geboren wird ist es natürlicherweise rein, aber wenn es heranwächst beginnt es mehr und mehr, diese schlechten Tendenzen zu entwickeln. Die schlechten Neigungen sind eure eigene Schöpfung und sie werden letztlich euer Menschsein selbst zerstören. Ruiniert nicht euer menschliches Wesen. Wie heilig, erhaben, demütig und wertvoll das Menschsein ist! Diese erhabene Menschlichkeit wird von euch bewusst (absichtlich) ruiniert. Schadet anderen niemals um eurer selbstsüchtigen und habgierigen Wünsche willen. Freut euch am Glück der anderen. Nur dann werdet ihr das Menschsein verwirklichen. Ihr seid als Mensch geboren; erniedrig euch nicht. Grausamkeit ist das Wesen von Tieren. Wenn ihr andere verletzt, verliert ihr eure Menschlichkeit und werdet zum Tier. Wenn ihr andere bedroht, werdet ihr zum wilden Tier. Wenn ihr euch von jemandem ängstigen lasst, werdet ihr zum Beutetier. Ihr seid weder ein jagendes Raubtier noch ein Beutetier. Ihr seid Menschen. Verletzt niemals jemanden. Pflegt die Haltung des inneren Glücks in euch. Dann werdet ihr doppelt glücklich sein. Gott sagt ständig: „So sei es, so sei es.“ Wie du es wünschst, so wird es geschehen. Wenn deine Absichten schlecht (böse) sind, wird Schlechtes (Böses) die Folge sein. Wenn du immer mit guten Absichten erfüllt bist, werden diese gleichermaßen von Gott gesegnet sein. All euere Handlungen werden als Folge die entsprechende Reaktion bewirken. Vielleicht nicht sofort, aber das Ergebnis kommt mit Sicherheit früher oder später. Wir sollten deshalb leben, ohne andere zu verletzen und ohne von anderen verletzt zu werden und in dieser Weise ein glückseliges Leben führen. Nutzt euer Wissen in guter Weise. Schenkt Achtung und erhaltet Achtung. Das ist wahres Menschsein. Liebt und werdet wiederum geliebt. Eure Ausbildung ist dafür gedacht, solche Tugenden zu entfalten.

Die Schüler/Studenten erlernen irgendein begrenztes Fachgebiet. Welchen Wert hat so eine Spezialisierung? All diese akademischen Unternehmungen sind im Wesentlichen negativ. Es gibt ein Sprichwort in Telugu, ein Wäscher sei besser als ein Gelehrter. Wenn der Wäscher die Kleidung von eurem Haus einsammelt, stellt ihr eine detaillierte Liste von Anzahl und Art der Kleider auf, zumindest durch ein paar Striche an der Wand, wenn nicht irgendwo sonst. Aber der Wäscher braucht diese Mittel nicht, sondern bewahrt alle Informationen in seinem Kopf und gibt euch eure Kleider ordnungsgemäß gewaschen und gebügelt zurück. Was hat er studiert? Das ist nicht das Einzige, was man studieren sollte. Ihr solltet positive Dinge lernen. Eure Erziehung/ Ausbildung sollte der Gesellschaft als Ganzem zugute kommen. Nur wenn ihr anderen helft, werdet ihr rein.

Unsere Vorfahren verehrten die Natur. Es ist die Natur, die uns Nahrung, Kleidung und Schutz (Unterkunft) gibt. Darüber hinaus schenkt sie uns kostbare Metalle wie Gold und Silber. Was ist dann falsch daran, die Natur zu verehren? All die Arten der Verehrung, die unsere Vorfahren praktizierten, waren überaus heilig. Mutter Erde (bhûmata), die Kuh (gomata), die Veden (vedamata) und die eigene Mutter (dehamata, die körperliche Mutter) müssen verehrt werden. Weil die Menschen aufgehört haben, Gott zu verehren, finden wir in der ganzen Welt Chaos. Die Leute werden in Leid gestürzt, weil sie das Vertrauen in das Selbst verloren haben. Was bringt ein Leben ohne Selbstvertrauen? Allein die Verehrung Gottes kann die Nation schützen. Wenn die Menschen beginnen an Gott zu denken, wird das Land mit Fülle und Wohlergehen gesegnet sein und die Menschen werden ein glückliches Leben führen.

In Rahmen unserer täglichen Gebete wiederholen wir dreimal den Friedensmantra (shânti, shânti, shânti). Was bedeutet das? Wir sollten auf drei Ebenen, nämlich der körperlichen, mentalen und spirituellen, Frieden erlangen. In der äußeren Welt finden wir keinen Frieden, sondern nur Stückwerk und Zerstückelung (Wortspiel im Englischen: peace – pieces). In Wahrheit liegt der Friede in euch. Bemüht euch, euren inneren Frieden zu manifestieren.

Verkörperungen der Liebe!
Verbringt die ganze Nacht mit dem Singen des heiligen Namens und gebt diese spirituelle Energie an die ganze Welt weiter. Wer ist Îshvara (Gott)? Er ist allgegenwärtig. Ebenso wie der Wind unbegrenzt überall weht, so finden wir das Göttliche Prinzip überall gegenwärtig. Teilt eure Liebe mit allen und verbreitet den göttlichen Namen in der ganzen Welt.

Hari Bhajana bina…

Übersetzung der vom Ashram herausgegebenen gedruckten englischen Fassung der Rede.

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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