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 Ansprache Sathya Sai Babas am 11.10.2002


 

Ansprache Sathya Sai Babas am 11.10.2002, Dasara


Jene, die Opfergeist besitzen,
ohne irgendeine Spur der Bindung
an den Körper oder der Verblendung (moha),
sind wahrhaft, jetzt wie früher, unsere Lehrer (guru).
Das Wort Sais ist wahrhaftig die Wahrheit.

Verkörperungen der Liebe!
Gott durchdringt jede Zelle und jedes Atom des Universums und breitet sein göttliches Licht über allem aus. Die Upanischaden haben erklärt, dass Gott allgegenwärtig ist und dass alles Sichtbare allein die Manifestation der Göttlichkeit ist. Leider unternimmt der Mensch heute keinerlei Versuch, die Lehren der Upanischaden und der Weisen und Seher alter Zeiten zu verstehen und zu erfahren. Obwohl die Upanischaden die Allgegenwart der Göttlichkeit in der einfachsten Weise offenbart haben, bemüht der Mensch sich erstaunlicherweise überhaupt nicht darum, diese zu verstehen. Man kann viele Beispiele anführen, um die Existenz des Göttlichen zu beweisen. Wer ist für die Süße im Zuckerrohr verantwortlich? Wer hat den Chilis ihre Schärfe und Würze gegeben? Jedes Objekt in dieser Welt besitzt eine einzigartige Eigenschaft, welche die Existenz des Göttlichen als das Lebensprinzip des Objekts selbst bezeugt. Was ist die Ursache der Bitterkeit im Neemblatt und des Dufts in der Blume? Es ist die Manifestation und der Ausdruck des Göttlichen. Man kann jede Menge Beispiele liefern, die euch dabei helfen werden, die Existenz des Göttlichen zu verstehen. Ohne weiter nachzuforschen behaupten die Leute , Duft sei die natürliche Eigenschaft einer Blume. Aber wer ist für diese natürliche Eigenschaft verantwortlich? Der Anblick eines Berges lässt euch erschauern. Wenn ihr einen Strom in voller Kraft fließen seht, durchströmt euch grenzenlose Freude. Beim Anblick eines üppigen grünen Waldes empfindet ihr ekstatische Freude. Ist das nur ein Naturgesetz oder das Mysterium Gottes? Es ist nicht nur das Gesetz der Natur, sondern die geheimnisvolle Manifestation Gottes in Gestalt der Natur. Wie kann man sich die Anwesenheit eines Vogels im Inneren eines Eis erklären? All diese Dinge verweisen auf die Göttlichkeit. Um die Göttlichkeit zu schauen, braucht ihr keine besondere spirituelle Disziplin durchzuführen. Ihr könnt ihn in jedem Atom und jeder Zelle der Schöpfung erfahren.

Der Mensch verdankt seinen Eltern seine Geburt. Jeder, dich und mich eingeschlossen, wird aus dem Mutterschoß geboren. Aber die Menschen haben die Wahrheit vergessen, dass Gott die Mutter aller ist. Gott kennt die Wünsche und Empfindungen des Menschen, aber der Mensch kann nicht begreifen, was Gott von ihm erwartet. Niemand kann Gottes Willen verstehen. Die Eltern können die Gefühle des Kindes verstehen. Die Mutter kennt die Vorlieben und Abneigungen ihres Kindes. In derselben Weise kann das Kind die Vorlieben und Abneigungen der Mutter erfassen. Aber ein Devotee kann den Willen Gottes nicht verstehen und weiß nicht, was für Gott akzeptabel ist und was nicht. Wie kann jemand, der nicht einmal seine Mitmenschen verstehen kann, Gott verstehen? Der Geist des Menschen ist begrenzt, die Göttlichkeit hingegen ist weit und transzendental. Wie kann der Mensch unter diesen Voraussetzungen Gott in seiner Fülle erfassen? Es ist demzufolge nicht so leicht, Gott zu erfreuen und seine Gnade zu verdienen. Nur wenn ihr das göttliche Prinzip ganz verstehen könntet, hättet ihr Gott wahrhaft verehrt. Wie kann man das göttliche Prinzip begreifen, das eigenschaftslos, rein, der endgültige Wohnsitz, ewig, makellos, erleuchtet, frei und die Verkörperung der Heiligkeit ist? Kann irgendjemand das Mysterium des Vogels erfassen, der sich in einem Ei verbirgt? Wie hat das Zuckerrohr seine Süße erlangt? Es ist nicht möglich, diese feinsinnigen Dinge zu verstehen. Die Süße des Zuckerrohrs, der scharfe Geschmack des Chilis, der sauere Geschmack von Tamarinde, der bittere Geschmack vom Neemblatt sind alles Ausdrucksformen Gottes. Gott hat diese Dinge erschaffen, um uns seine Existenz verstehen zu lassen. Die mächtigen Berge, die herrlichen Flüsse und die wogenden Wellen des Meeres sprechen alle von dem Mysterium, der Erhabenheit und Schönheit Gottes. Es ist unmöglich, Gottes Herrlichkeit zu beschreiben und seine Kräfte zu erfassen. Aber der Mensch versucht, die unendliche göttliche Kraft mit seinem begrenzten Geist und seinem eingeschränkten Fassungsvermögen zu bewerten.

Verkörperungen der Liebe!
Die Göttlichkeit kann weder in Worten ausgedrückt noch durch den Geist eingeschätzt werden. Wo die Worte und der Geist in Vergeblichkeit zurückweichen, ohne die Göttlichkeit zu verstehen, versuchen die Leute dennoch, Gott auf der Grundlage ihres eigenen begrenzten Verständnisses zu beschreiben. Nur er selbst, niemand sonst, kennt Gottes Pläne, sein geheimnisvolles Wesen und seine mysteriösen Wege. Wenn euer Geist noch nicht einmal in der Lage ist, unbedeutende Dinge zu verstehen, wie kann er dann das unendliche göttliche Prinzip bewerten? Versucht deshalb nicht, die Wege des Göttlichen zu verstehen. Reinigt stattdessen euer Herz und versucht, euer wahres Wesen zu kennen. Dasselbe wird auch im Vedanta festgestellt: „Erkenne dich selbst.“ Die modernen Studenten argumentieren törichterweise: „Wieso sollte ich die Antwort auf die Frage: `Wer bin ich?´ herausfinden, wenn ich es doch schon weiß?“ Sie glauben, ihren Namen, ihren Geburtsort, ihren Beruf, ihre Landeszugehörigkeit usw. zu kennen wäre gleichbedeutend mit Selbsterkenntnis. Sie sagen: „Ich heiße so und so, wohne an dem und dem Ort, mache die und die Arbeit“ etc. Diese Antworten beziehen sich auf den Körper, nicht aber auf das wirkliche Selbst. Sie entspringen dem Körperbewusstsein, nicht aber der Kenntnis des Selbst. Die vedantische Feststellung „Erkenne dich selbst“ bedeutet nicht, den eigenen Körper, die eigene Größe, das eigene Gewicht, die eigene Hautfarbe etc. zu kennen. Ihr seid nicht nur ein Einzelwesen (vyashti). Eure wahre Identität steht mit der Gesamtheit (samashti, auch: Totalität, Ganzheit, Gesellschaft) in Einklang. Dasselbe „Ich“ existiert in euch wie auch in der Gesellschaft.

Seine Hände, Füße, Augen, Köpfe,
sein Mund und seine Ohren sind überall.
So durchdringt er das ganze Universum.

Das atmische Prinzip durchdringt alles und ist in allen Wesen gleichermaßen anwesend. Auf der Grundlage von Namen, Formen und Bildungsgraden mögen Unterschiede bestehen, aber Atman ist in jedem ein und dasselbe. Ihr müsst euch bemühen, diese Einheit zu erkennen und zu erfahren.

Verkörperungen der Liebe!
Statt sich die Einheit in der Vielfalt zu vergegenwärtigen, macht der Mensch das Gegenteil. Die Essenz des Vedanta liegt darin, die Einheit in der Vielfalt wahrzunehmen. Vedanta ist die Quintessenz der Upanischaden. Was ist die innere Bedeutung des Begriffs „Upanischad?“ „Upa“ bedeutet nahe, „ni“ unten und „shad“ sitzen. Es bedeutet, ihr solltet euch zu Füßen des Meisters setzen und seinen Lehren lauschen. Sogar in den Schulen sitzt der Lehrer auf einem höheren Podest und die Schüler sitzen unten nahe bei ihm. Die Upanischaden enthalten viele erhabene Ideale und heilige innere Bedeutungen. Die Wahrheit, die die Upanischaden lehren, ist im Atmanprinzip verkörpert.

Atman ist formlos und beständig. Obwohl Atman keine Füße hat, bewegt er sich überall hin. Er hat keine Ohren und kann doch alles hören. Obwohl Atman überall gegenwärtig ist, kann niemand ihn fassen. Alles steht unter der Herrschaft des Atman. Derart ist die geheimnisvolle herrliche Kraft Atmans.

Wenn ihr jemanden achtet und liebt, wird dieser wiederum euch achten und lieben. Aber wenn ihr jeden achtet und jeden liebt, wird Gott selbst euch achten und lieben. Ihr solltet euch bemühen, Empfänger von Gottes Liebe zu werden.

Das in der Menschheit gegenwärtige göttliche Prinzip Atmans umfasst alles. Seine Weite und Ausdehnung liegen jenseits jeder Beschreibung oder Einschätzung. Körperliche Formen können jedoch als Hinweis betrachtet werden. Wenn euch jemand fragt: „Haben Sie Anil Kumar in Prashanti Nilayam gesehen?“, gebt ihr zur Antwort: „Ja, ich habe ihn gesehen. Er trägt einen guten Anzug, spricht gut Englisch, seine Haut ist braun und er spricht humorvoll.“ Ihr seid nur in der Lage, seine körperlichen Züge und sein Verhalten zu erkennen. Aber in ihm sind noch viel mehr Dinge, die ihr nicht sehen könnt. Könnt ihr seine Gefühle einschätzen? Es ist unmöglich.

Ihr könnt nur den Körper und das äußere Verhalten sehen, nicht aber den ewigen Strom der inneren Glückseligkeit. Im Menschen liegen alle Arten der Kraft verborgen. Ihr mögt hochgebildet sein, aber woher stammt eure Bildung? Ihr habt sie nicht von außen erworben, sondern sie hat ihren Ursprung im Selbst.

Nondualismus ist die Essenz des Vedanta. Höchste Weisheit liegt in der Wahrnehmung der Nichtdualität.

Nicht allen gelingt es, die Nichtdualität zu erfahren. Der Mensch versinkt in der Dualität. Ein dualer Geist ist die Wurzel von Wankelmütigkeit. Ein Mensch der dual denkt ist halb blind. Wie kann so jemand die heiligen Lehren des Vedanta verstehen? Die im Vedanta zu findenden Lehren sind in keiner anderen Schrift zu finden. Jeder Vers im Vedanta ist eine Schatzkammer höchster Glückseligkeit. Sogar wenn ihr das Meer als Tinte benutzen würdet, reichte es nicht aus, um die ganze Größe dieser Verse zu beschreiben. Jeder Vers enthält eine so tiefe Bedeutung . Der Mensch unternimmt keinen Versuch, diese Verse (shloka) zu verstehen. Als Ergebnis davon ertrinkt er in Leid (shoka).

Der Weise Vâlmîki verfasste das große Epos Ramayana, dessen innere Bedeutung nicht von allen verstanden werden konnte. G. G. Krishna war ein großer Astrologe und Heiliger. Er sagte, mit dem wiederholten Lesen des Ramayana habe er neue Einblicke in das heilige Epos gewinnen können. Er war begierig zu wissen, wie der Weise Vâlmîki die mysteriöse Geburt Sîtâs beschrieben hat. Im Ramayana wird erwähnt, König Janaka habe Sîtâ gefunden, während er das Feld für die Durchführung einer Opferhandlung (yajna) pflügte. Aber nichts wird darüber gesagt, wie sie geboren wurde. Janaka nannte sie bhujata, das bedeutet: die aus Mutter Erde Geborene.

König Janaka bewahrte den Bogen Shivas in seinem Palast auf. Er war so schwer, dass kein normaler Sterblicher ihn heben konnte. Als Sîtâ jung war, spielte sie eines Tages mit anderen Mädchen Ball. Es geschah, dass der Ball unter den Behälter rollte, in dem Shivas Bogen aufbewahrt war. All die Mädchen versuchten mit all ihrer Kraft, den Bogen beiseite zu schieben, aber vergebens. Starke Männer wurden gerufen, die ihre ganze Kraft einsetzten, um den Bogen zu bewegen, aber dieser rührte sich keinen Zentimeter. König Janaka beobachtete das Ganze mit Neugierde vom Balkon. Sîtâ jedoch bemerkte ihren Vater nicht. Nach einiger Zeit bat sie lächelnd jeden, beiseite zu gehen, zog den Bogen beiläufig mit ihrer linken Hand weg und ergatterte den Ball. König Janaka staunte über Sîtâs gewaltige Kraft und dachte: „Aufgrund der Verdienste, die ich in vielen früheren Leben erworben habe, konnte ich Sîtâ als Tochter erhalten.“ Er beschloss, sie nur mit demjenigen zu verheiraten, der Shivas Bogen heben konnte. Er führte eine große Opferhandlung durch und lud viele Könige ein, die er aufforderte, Shivas Bogen zu heben und dadurch Sîtâs Hand zu gewinnen. Viele Könige und Prinzen kamen an König Janakas Hof zusammen. Der Bogen war so schwer, dass er nur durch Hunderte von Elefanten zum Ort des Wettkampfs getragen werden konnte. Die Leute fragten sich, wie irgendjemand so einen schweren Bogen heben könnte. Ein König nach dem anderen versuchte sich darin, aber jeder versagte jämmerlich bei dem Versuch. Dann kam Râvana. Sein Auftreten selbst versetzte die Leute in Angst. Sie empfanden, Râvana sei keine Partie für Sîtâ, die die Verkörperung aller Schönheit war. Sîtâs Mutter Sunayana betete fieberhaft zu Gott Shiva, dafür zu sorgen, dass Râvana den Bogen nicht heben könne. Mittlerweile setzte Râvana seine ganze Kraft ein, den Bogen zu heben, verlor dabei sein Gleichgewicht und fiel hin. Er war unter dem Bogen gefangen und konnte sich nicht rausziehen. Er fühlte sich vor allen Augen am Hof gedemütigt. Auf Vishvâmitras Vorschlag hin schritt Râma langsam und majestätisch in Richtung Bogen. Lakshmana war sicher, dass Râma den Bogen heben konnte. Als die Leute Râmas Herrlichkeit und Haltung sahen, waren sie von Ehrfurcht erfüllt. Sie fühlten, er wäre die perfekte Partie für Sîtâ. Auch Sunayana teilte dieses Empfinden, aber sie sorgte sich, ob der junge Râma in der Lage wäre, den gewaltigen Bogen zu heben und Sîtâs Hand zu gewinnen. Unter dem staunenden Blick der Menge hob Râma mühelos den Bogen mit seiner linken Hand, so wie Sîtâ es früher mit ihrer linken Hand getan hatte. Als Râma den Bogen bog, um ihn zu spannen, zerbrach er mit einem ohrenbetäubenden Knall. Die Musikanten stimmten, von ihren verschiedenen Instrumenten begleitet, ein Lied an. König Janakas Freude war grenzenlos. Er ging sofort mit seiner Tochter Sîtâ auf Râma zu, die eine Girlande in ihrer Hand hielt und sagte: „Râma, ich habe ein Versprechen gegeben, dass Sîtâ mit demjenigen verheiratet würde, der den Bogen Gott Shivas hob. Ich will mein Versprechen erfüllen und dir meine Tochter zur Frau geben.“ Aber Râma war nicht bereit, den Heiratsvorschlag ohne die Erlaubnis seiner Eltern anzunehmen. Er war das Musterbeispiel aller Tugenden:

Für das Wohlergehen aller tätig,
mit aller Weisheit versehen,
mit allen lobenswerten Tugenden erfüllt.

Diese Ideale verkörperte Râma. Als Janaka Sîtâ zu ihm brachte, schaute er sie nicht einmal an, denn er betrachtete es als unangemessen, sie vor der Hochzeit anzuschauen. Das Verhalten der modernen Jugend steht in völligem Kontrast zum vorbildhaften Verhalten Râmas. Die modernen Jugendlichen geraten bei dem Gedanken an Heirat aus dem Häuschen und die Erlaubnis ihrer Eltern einzuholen, kommt ihnen nicht einmal in den Sinn! Auch Vishvâmitra versuchte Râma zu überreden, den Heiratsvorschlag anzunehmen, aber Râma hielt unerschütterlich an seinem Beschluss fest und sagte: „Ich habe Dharma, der von Gott gesetzten Ordnung, und nicht den Wünschen Einzelner zu folgen. Aber ich achte dabei jeden.“

Nach drei Tagen traf König Dasharatha mitsamt seiner ganzen Familie, Freunden und Verwandten in Mithila ein. Erst nachdem er die Erlaubnis seines Vaters erhielt, stimmte Râma der Hochzeit zu. Aber als sein Vater Dasharatha und sein Lehrer Vasishtha ihn später drängten, den Thron zu besteigen, ging er entgegen ihren Wünschen in den Wald. Seine einzige Absicht bestand darin, das früher von seinem Vater gegebene Versprechen einzuhalten, denn er wollte den Namen seines Vaters nicht in Verruf bringen. Aus diesem Grund opferte er das Königreich und alle Bequemlichkeiten und ging fort in die Wälder.

Die Hochzeitszeremonie schritt voran. Als Bestandteil des Rituals war zwischen Braut und Bräutigam ein Vorhang gespannt, und solange er da war, durften sie einander nicht anschauen. Aber Sîtâ und Râma, die beide höchst tugendhaft waren, schauten einander noch nicht einmal an, nachdem der Vorhang weg war, sondern beide schauten zu Boden. Vishvâmitra sagte daraufhin in leichterem Ton: „Oh Râma! Sîtâ ist die Tochter von Mutter Erde. Warum schaust du nicht sie an, statt auf Mutter Erde zu starren?“ Bis dahin hatte Râma Sîtâ nicht angeschaut, denn da er ihr noch nicht die mangalasûtra[1] umgehängt hatte, empfand er es als eine Sünde, sie anzuschauen. Er betrachtete alle Frauen als seine Mütter. Man sollte versuchen, diesem beispielhaften Verhalten nachzueifern. In einer Familie sollten Ehemann wie Ehefrau ein tugendhaftes Leben führen. Wenn es einem von beiden an Tugenden mangelt, können sie nicht Frieden und Glück genießen.

Die Hochzeit nahm ihren Lauf, und es war jetzt Zeit für den zeremoniellen Austausch der Girlanden. Sîtâ wartete mit der Girlande in ihren Händen. Weil sie klein war, konnte sie Râma, der groß und breitschultrig war, die Girlande nicht umhängen. Augenblicke vergingen, ohne dass Râma sein Haupt beugte! Um seine Ehre zu bewahren, wollte er sein Haupt nicht vor einer Frau beugen. Er schaute zu Lakshmana und machte eine kaum wahrnehmbare Geste. Die vier Brüder waren immer scharfsinnig und wachsam. Dies wird auch in Tyâgarâjas Lied veranschaulicht:

Wenn nicht aus Hingabe zu Râma,
würde ein Affe das Meer überqueren?
Würde die Göttin Lakshmî dich verehren?
Würde Lakshmana dir bereitwillig dienen?
Würde der hochintelligente Bharata dir
seine Ehrerbietung erweisen?
Oh! Wie groß ist in der Tat die Macht der
Hingabe an Gott Râmas Stärke!

Lakshmana war die Inkarnation von Adishesha, der himmlischen Schlange, welche die ganze Welt auf ihrem Haupt trägt. Er erkannte Râmas Wunsch, er solle den Teil der Erde, auf dem Sîtâ stand, anheben. Lakshmana wiederum bedeutete Râma, dass jeder andere mit angehoben würde, wenn er Sîtâ erhöbe. Lakshmana hatte einen Einfall. Plötzlich fiel er Râma zu Füßen, ohne wieder aufzustehen. Râma war gezwungen, sich niederzubeugen, um Lakshmana von seinen Füßen zu heben. Sîtâ war hochintelligent. Sie ergriff die Gelegenheit beim Schopf und legte sofort ihre Girlande um Râmas Nacken. Dieses Verständnis sollte zwischen Ehemann und Ehefrau herrschen.

Wenn ihr Gott erreichen wollt, solltet ihr euch bemühen, die notwendige Eignung zu erlangen. Das ist wahre Spiritualität. Das ist die Essenz der Upanischaden. Gott ergibt sich jenen, die die Essenz der Upanischaden verstehen und entsprechend handeln. Wer ist Gott? Wie sieht er aus? Beschränkt ihn nicht auf einen Namen und eine Form wie Râma, Krishna, Govinda, Nârâyana usw. In Wirklichkeit hat Gott keinen spezifischen Namen und keine spezifische Form. Er ist die Verkörperung von Energie. Diese Navarâtri-Feierlichkeiten sind dazu gedacht, Gott in der Form von Energie zu verehren. Man sollte nicht um vorübergehende Ergebnisse beten, sondern man sollte mit reiner, stetiger und selbstloser Hingabe um die göttliche Gnade beten. Wenn ihr die göttliche Gnade besitzt, könnt ihr alles erreichen.

Verkörperungen der Liebe!
Niemand kann die Wirkungskraft der Mantren erfassen, die die Priester während der Durchführung des yajnas[2] rezitieren. Diese Brahmanen haben ein reines Herz. Ich will euch ein kleines Beispiel erzählen. Die Brahmanen trafen sich hier um 12 Uhr zum Mittagessen. Aber der Brahmane, der das Sahasra Lingarchana[3] durchführte, verließ seinen Platz nicht, weil er das Ritual noch nicht beendet hatte. Entsprechend standen auch die Person, die das Bhâgavatam las, und die vier Brahmanen, die die Veden rezitierten, nicht von ihren Plätzen auf, ehe sie nicht ihre Aufgaben beendet hatten. Die das Sahasra Lingarchana durchführende Person blieb bis zwei Uhr nachmittags sitzen. Aufgrund ihrer Hingabe und Ergebung erlangen die von ihnen gesungenen Mantren noch größere Bedeutung. Auch wenn ihr die Bedeutung der Mantren nicht versteht, bringt es euch gewaltigen Nutzen, ihnen zuzuhören. Dieses Zuhören wird euch schließlich zur Befreiung führen.

(Swami nennt die neun Wege der Hingabe): Zuhören (shravana), Singen (kîrtana), sich auf Gott besinnen (vishnusmarana), Seinen Lotosfüßen dienen (padasevana), Verehrung (vandana), Anbetung (arcana), Dienstfertigkeit (dâsya), Freundschaft (sneha) und Selbstergebung (âtmanivedana).

Ehe ihr keine Freundschaft mit Gott entwickelt, werdet ihr den Zustand der Selbstergebung nicht erreichen können. Zuhören ist der erste Schritt zur Selbstergebung.

Das von uns gerade durchgeführte yajna ist für das Wohlergehen der Welt (loka kalyâna) bestimmt. Denkt nicht, wir würden das yajna nur deswegen abhalten, weil auch woanders die Leute yajnas durchführen. Dieses yajna wird mit vollkommenem Opfergeist durchgeführt. Wir verbinden damit keine Wünsche oder Erwartungen. Unser einziger Wunsch besteht darin, dass jeder glücklich sein solle. Die Leute führen Opferzeremonien (yagas und yajnas) durch, um Hungersnot und Dürrezeiten zu überwinden. Aber ich ziehe solche Dinge nicht in Erwägung. Ich gebe einer so begrenzten Sichtweise keinen Raum. Hungersnot, Dürrezeiten usw. kommen und gehen. Was immer ihr tut, sollte allen immerwährendes Glück bringen. Es sollte euch helfen, die göttliche Gnade zu erlangen.

Morgen werde ich euch die Lehren der Upanischaden und ihre innere Bedeutung erläutern.

Hari Bhajana bina…

Im Anschluss an die Rede fand ein Konzert der Studenten von Swamis Musikhochschule statt, bei dem als Erstes die Geschichte Râmas vorgesungen wurde.

Übersetzung der vom Ashram herausgegebenen gedruckten Fassung der Rede.

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)

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[1] Wörtlich: Glücksband, die Halskette, die der Braut bei der Hochzeit vom Ehemann um den Hals gehängt wird, A. d. Ü.

[2] Während Dasara fand in der Pûrnacandrahalle ein siebentägiges Feueropfer statt, das an Vijayâdashamî, dem letzten Tag von Dasara, endete, A. d. Ü.

[3] Die tausendmalige Verehrung des Lingams, A. d. Ü.


    

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