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 Ansprache Sathya Sai Babas am 10.10.2002

Ansprache Sathya Sai Babas am 10.10.2002, Dasara


Alle Formen verkörpern Frieden
Alle Namen sind Glück verheißend.
Er ist die Verkörperung von Sein,
Bewusstsein und Glückseligkeit,
das Eine ohne ein Zweites,
Er ist Wahrheit, Güte und Schönheit.

Verkörperungen der Liebe!
Der Kosmos ist geheimnisvoll und Staunen erregend.

Wundersam und einzigartig, heilig in allen drei Welten, den Heiligen so nahe und lieb, verehrt von allen Gottesverehrern, Weisen (sâdhu) und Sehern –
Derart sind die Spiele und die Geschichte Gottes.

Es ist in dieser Welt sehr schwierig, das Geheimnisvolle und Wundersame zu verstehen.

Einheit ist unerlässlich, damit die Familie in Frieden leben kann, damit das Heim Tag für Tag erblüht und es dem Land wohl ergeht. Ohne Einheit wird man Hindernissen, Problemen und Friedlosigkeit begegnen. Frieden schenkt der ganzen Menschheit Zufriedenheit, Freude und Glückseligkeit. Uneinigkeit führt zu Unzufriedenheit und Friedlosigkeit und lässt einen die Göttlichkeit vergessen. Der Mensch sollte nach Frieden streben und um Frieden beten. In Wirklichkeit muss man nicht nach Frieden suchen. Ihr selbst seid die Verkörperung von Frieden.

Aber der moderne Mensch ist sich solch heiliger Wahrheiten nicht bewusst. Die Leute sind nicht bereit zu glauben, dass der Mensch die Verkörperung des Friedens ist. Kann irgendjemand sagen, wo sich Frieden befindet? Der Mensch weiß nicht, dass der Friede in ihm liegt und sucht deshalb in der ganzen Welt nach ihm. Er gleicht einem törichten Menschen, der nach seiner Brille sucht, die die ganze Zeit auf seiner Nase sitzt. Obwohl ihr selber personifizierter Frieden seid, bemüht ihr euch woanders darum. Was ist die Ursache all der Schwierigkeiten, Sorgen und Unruhe, denen der Mensch heute ausgesetzt ist? Der Grund liegt darin, dass der Mensch sein wahres Selbst vergessen hat und sich mit etwas identifiziert, was er nicht ist. Jeder Mensch wünscht sich Frieden. Wie kann man ihn erlangen? Ist es nicht ein Zeichen völliger Unwissenheit, woanders nach Frieden zu suchen, wenn man selbst die Verkörperung des Friedens ist? Und so sucht der Mensch weiterhin unablässig nach Frieden.

Eines Tages wanderte Shankarâcârya mit seinen Schülern den Fluss Ganges entlang. Er traf auf einen Brahmanen, der unter einem Baum saß und die Regeln von Pâninis Grammatik „dukran karane“ wiederholte. Er versuchte, Pâninis Grammatik zu beherrschen und dadurch ein großer Gelehrter zu werde. Auf Shankaras Frage erwiderte der Brahmane, er wolle seine Gelehrsamkeit am Hof des Königs zur Schau stellen und dafür großzügig belohnt werden. Shankara fragte ihn: „Wie lange kannst du diesen Reichtum bewahren?“ Der Brahmane gab zur Antwort, solange er lebe, könne er sich alle Wünsche erfüllen. Shankara fragte weiter nach: „Wirst du nach deinem Tod das alles erinnern können?“

Der Brahmane fand keine Antwort darauf. Shankara riet ihm daraufhin: „Du Einfaltspinsel, denke an das, was in allen drei Zeitperioden, vor deiner Geburt, in diesem Leben und nach deinem Tod, existiert.“

„Du törichter Mensch,
singe den Namen Govinda!
Die Grammatikregeln werden
nicht zu deiner Rettung kommen,
wenn dein Ende herannaht.

Du Tor, wer kam mit dir, als du geboren wurdest?
Wer wird dir folgen, wenn du stirbst? Niemand
begleitete dich bei deiner Geburt, noch wird
irgendjemand dir folgen, wenn du stirbst.
Du bist allein auf diese Erde gekommen und
wirst sie alleine verlassen.

Ihr betrachtet alles als leidvoll, aber in
Wahrheit ist es das nicht.
Ihr werdet wieder und wieder geboren,
ihr sterbt wieder und wieder und kehrt
wieder zurück in den Mutterleib.

Oh Herr! Ich bin in diesem Zyklus von Geburt und Tod gefangen.
Wieder und wieder erfahre ich die Agonie, im Mutterleib zu liegen.
Es ist sehr schwierig, das Meer des weltlichen Lebens zu überqueren.
Bitte bringe mich über dieses Meer und gewähre mir Befreiung!“

Niemand kann irgendjemandem folgen. Wenn die Zeit zu Sterben kommt, umgeben die Verwandten euren Körper und weinen. Der Mensch auf dem Sterbebett öffnet seine Augen und fragt: „Warum weint ihr alle?“ Sie erwidern: „Du wirst deinen Körper und diese Welt auf immer verlassen, du verlässt uns und kommst nicht wieder. Deshalb weinen wir.“ Er erwidert: „Oh, ihr närrischen Leute, ihr denkt, dass ich euch mein Eigentum hinterlassen werde. Was immer ich zurücklasse, gehört euch und ich gehe mit leeren Händen. Denkt ihr wenigstens über meine gegenwärtige Lage nach? Ihr sorgt euch nur um eure Probleme, aber niemand kümmert sich um mich.“

Nur derjenige ist ein wahrer Mensch, der sein wahres Wesen erforscht und die Frage stellt: „Wer bin ich?“ Der Mensch fragt andere: „Wer bist du?“, ohne zu wissen, wer er selber ist. Es ist ein Zeichen der Täuschung, die die Wurzel allen Leids ist. Welche Verbindung bestand mit anderen vor der Geburt? Wer wird wem nach dem Tod folgen? Niemand. Körperliche Beziehungen sind vergänglich. Letztlich ist jeder auf sich selbst zurückgeworfen, niemand kann den anderen begleiten. Der Mensch hält diese vergängliche flüchtige Welt für wirklich und führt ein Leben der Täuschung. Der Mensch sollte sich bemühen, seine wahre Identität zu erfassen und Frieden erfahren. Ohne zu wissen, dass der Friede in ihm liegt, sucht der Mensch woanders nach Frieden. Ihr könnt Frieden nicht in der äußeren Welt erfahren. Wo immer ihr hingeht, findet ihr nur Friedlosigkeit und Aufruhr. Der Friede, nach dem ihr verlangt, liegt in euch. Das göttliche Prinzip in euch ist wahrhaft die Verkörperung des Friedens. Ihr vergesst diese Wirklichkeit und verlangt nach dem vergänglichen Frieden in der äußeren Welt, die vergänglich und künstlich ist und sich ständig verändert. Hört auf, in dieser Weise zu denken. Ihr solltet versuchen, euch auf eure wahre Identität zu besinnen.

Alles, was ihr in der äußeren Welt sucht, befindet sich in euch. Es gibt nichts außerhalb, was nicht in euch läge. Wenn ihr eure Augen öffnet, seht ihr Tausende von Köpfen. Wenn ihr eure Augen schließt, könnt ihr keinen mehr sehen. Daraus wird ersichtlich, dass alles, was ihr mit euren physischen Augen seht, vergänglich ist. So lange die physischen Augen funktionieren, könnt ihr die Welt sehen. Wenn die Augen versagen, könnt ihr nichts sehen. Aber es gibt etwas, das ihr sehen könnt, ob ihr eure Augen öffnet oder schließt: Es ist die Göttlichkeit. Sie ist unveränderlich und ewig, sie wird weder geboren noch stirbt sie, sie hat weder Anfang noch Ende. Ihr selbst seid die Verkörperung dieser ewigen Wahrheit. Unternehmt jede Bemühung, diese Wahrheit zu erkennen.

Verkörperungen der Liebe!
Was ist unsere Wahrheit? Liebe ist die Wahrheit. Nichts in dieser Welt kann ohne Liebe existieren (wörtlich: Ohne Liebe könnt ihr nichts in dieser Welt sehen.) Ihr seid die Verkörperung der Liebe. Obwohl ihr diese Liebe besitzt, rennt ihr flüchtigen, weltlichen Dingen hinterher.

Deshalb, Verkörperungen der Liebe!
Um was solltet ihr bitten? Um Liebe allein. Was solltet ihr erfahren? Liebe allein. Was wir wünschen, woran wir uns erfreuen und was Glückseligkeit schenkt, ist Liebe und Liebe allein. Liebe ist das Einzige, was in dieser Welt andauert.

Diese ewige Wahrheit, die Liebe, ist in uns. Wir haben dieses Prinzip vergessen und suchen in der Außenwelt danach. Wir müssen als Erstes unsere wahre Identität erforschen. Liebe ist unsere Form. Alle Formen verkörpern Frieden, alle Namen sind Glück verheißend. Liebe ist in allen Namen und Formen gegenwärtig. Sie ist ewig, nichtdual und glückselig. In jedem existiert dieselbe Liebe. Ihr hasst den Menschen vor euch und liebt die, die zu euch gehören. Das ist ein Fehler. So lange der Mensch im dualistischen Empfinden versinkt, kann er die nichtduale Glückseligkeit nicht erfahren. Ein Mensch, der dual denkt, ist halb blind. Ihr befindet euch halb in der Dunkelheit. Ihr betrachtet den Menschen in der Außenwelt als von euch getrennt und haltet den zu Hause für euer eigen. Es ist ein großer Fehler.

Höchste Weisheit liegt in der Erfahrung der Nichtdualität

Der Mensch, der diese große nichtduale Weisheit verkörpert, hat seine Wirklichkeit vergessen und lässt sich von vergänglichen kurzlebigen Formen in die Irre führen. Er setzt sein Vertrauen in den Körper und strebt nach weltlichem Gewinn.

Gebt diese Art des Denkens auf. Ihr solltet denken: „Ich bin in jedem und jeder ist in mir.“ Jede Form verkörpert Frieden. Der Atman in dir ist derselbe wie der Atman in anderen. Vergegenwärtigt euch diese Einheit und erfahrt die Glückseligkeit daraus. Weil ihr unfähig seid, diese Einheit zu erfahren, gebt ihr Hass und Eifersucht Raum. Das ist die Eigenschaft eines Unwissenden.

Ein Hund suchte nach Nahrung, fand einen trockenen Knochen und biss auf ihm herum. Nach einiger Zeit durchbohrte ein Stück des Knochens sein Zahnfleisch, das zu bluten begann. Der Hund leckte freudig sein eigenes Blut im Glauben, das Blut käme aus dem Knochen, den er zerbiss. In derselben Weise vergisst der Mensch seine innewohnende Glückseligkeit, steht unter der Täuschung, er könne aus der äußeren Welt Glück erhalten und bemüht sich in jeder Hinsicht, dieses Glück zu erhalten. Es ist ein großer Fehler. Alles hat seinen Ursprung in euch. Schmerz wie Freude sind das Ergebnis eurer Illusion. Es heißt: Freude liegt zwischen zwei Schmerzen. Freude wie Leid liegen in uns, sie kommen nicht von außen. Es ist, als ob der Mensch sich von seinem eigenen Schatten täuschen ließe. Aber es ist nur euer Schatten, der euch in die Irre führt. Ihr vergesst eure wahre Form. Deshalb ruft Vedanta den Menschen zur Erforschung auf: „Erkenne dich selbst.“

Einst schlug ein ICS-Beamter sein Lager in einem Dorf auf. Die Dörfler warnten ihn und sagten, dass in dem Haus, in dem er wohnte, Gespenster seien: „Sir, du kannst sie als Weißer nicht sehen, wir aber können sie sehen, halte dich fern!“ Der Beamte wollte überprüfen, ob ihre Behauptung wahr sei. Er schaltete die Hauptbeleuchtung aus, eine kleine Nachttischlampe an und legte sich mit übereinander geschlagenen Beinen auf das Bett. Gedankenverloren bewegte er seine Beine. Plötzlich bemerkte er den riesigen Schatten seiner Beine auf der Wand, der sich bewegte, als er seine Beine bewegte. Der Beamte war so dumm, den Schatten für ein Gespenst zu halten, wollte es töten, nahm sein Gewehr und schoss auf seinen Schatten, wobei er sich die Zehe zerschoss. Entsprechend lässt sich der Mensch täuschen und wird so verantwortlich für verschiedene Arten des Leids.

In Wahrheit existiert nichts in dieser Welt als ihr selbst. Das Wesen aller ist göttlich. Es gibt nur eine Wahrheit, der die Weisen verschiedene Namen geben. Habt unerschütterliches Vertrauen in dieses Prinzip der Einheit in der Vielfalt. Aus der Vielfalt heraus müssen wir die Göttlichkeit erreichen. Einheit ist die Grundlage, die uns von Leiden, Illusionen und Täuschungen befreit.

Verkörperungen der Liebe!
Ihr mögt fragen, was die Grundlage dafür ist. Es beruht alles auf eurer Denkweise. Vom Tag unserer Geburt an wachsen wir heran und leben in dieser Welt, indem wir alle Arten der Bindungen ansammeln. Sie führen euch in die Täuschung. Das Glück oder Leiden anderer ist eures. Gebt so weit wie möglich eure Bindung an den Körper auf (dehibhimâna) und entwickelt Liebe zum Selbst (âtmabhimâna). Daraus entstehen göttliche Empfindungen.

Verkörperungen der Liebe!
In jedem Menschen existiert die ewige Wahrheit in Gestalt der Liebe. Stärkt diese Liebe in euch. Diese Liebe schenkt euch Frieden und Mut. Es genügt, diese Liebe zu entfalten. Liebe ist Gott, Gott ist Liebe. Lebt in Liebe. Lasst uns unser Leben in Liebe führen. Warum leidet ihr und macht euch Sorgen, wenn die Liebe in euch ist?

Verkörperungen der Liebe!
Ihr seht in dieser Schöpfung viele Formen. Jede ist einzigartig, keine zwei Formen sind identisch. Überall sehen wir Mannigfaltigkeit. In Wirklichkeit existiert nur Eines. Vergesst niemals dieses Einheitsprinzip. Ihr unterliegt der Täuschung. Es ist alles euere Einbildung. Ihr braucht euch weder um jemand anderen noch um euretwillen zu sorgen. Wofür ist dieser Körper gegeben? Was solltet ihr mit dem Körper erreichen? Studieren? Nein. Sport treiben und spielen? Nein. Die feinen Künste erlernen oder Geld anhäufen? Nein. Warum seid ihr hier? Ihr seid hier, um euer wahres Selbst zu erkennen. Fragt euch selber: „Wer bin ich?“ Wenn ihr wisst, wer ihr wirklich seid, kennt ihr auch alles andere.

Verkörperungen des reinen und heiligen Selbst!
Es ist so einfach, den Weg der Wahrheit zu kennen. Nichts ist einfacher, als die eigene wahre Identität zu kennen. Andere zu kennen ist schwierig, aber sich selbst zu kennen ist leicht. Führt spirituelle Übungen durch, die euch helfen, euch selbst zu erkennen. Aufgrund von Fehlern in eurer Ernährung und euren Lebensgewohnheiten wird euer Körper krank und ist Schwierigkeiten ausgesetzt. Sorgt euch nicht zu viel deswegen. Denkt nicht an das Leid. Fragt als Erstes nach dem Sinn des Lebens. Ihr alle seid hier zusammengekommen. Wozu seid ihr gekommen? Die Schüler und Studenten sind zum Studieren hierher gekommen. Sie sollten den Zweck ihres Hier seins verstehen und ihr Bemühen in die richtige Richtung lenken. Nur dann werden sie ihr Ziel verwirklichen.

Wir vergessen den Zweck, zu dem wir gekommen sind und suchen nach etwas, das in Wirklichkeit nicht existiert. Viele Leute in dieser Welt tun das. Sie machen sich Sorgen, was mit ihrem Leben geschehen wird. Wir sind geboren, um zu wachsen; wir wachsen, um das Ziel zu erreichen. Wahrheit ist das Ziel. Bemüht euch deshalb mit aller Kraft um die Erkenntnis der Wahrheit. Dann werdet ihr auch alles andere verstehen. Durch Liebe kann man die Erkenntnis gewinnen.

In dieser Halle leuchten so viele Glühbirnen. Die Formen der Glühbirnen sind verschieden, aber der Strom in ihnen ist derselbe. Ohne den Strom könnten die Glühbirnen nicht leuchten. Das atmische Prinzip in uns gleicht dem Hauptschalter, dem Strom, der die Augen sehen und die Ohren hören lässt. Im Körper ist es die Bewusstheit (caitanya). Der Strom ist das zugrunde liegende Prinzip für das Licht überall. Entsprechend ist Atman das göttliche Prinzip. Diese beständige integrierte Bewusstheit ist in Vergessenheit geraten. Wir sollten es nie vergessen. Wir sollten jeden Versuch unternehmen zu verstehen, was Bewusstheit ist. Sie ist nicht auf einen bestimmten Platz beschränkt, sie kommt nicht von außen und verschwindet nicht. Sie ist überall zu allen Zeiten gegenwärtig.

Wir hegen auf dem spirituellen Weg so viele Zweifel und unterliegen Missverständnissen. Diese Zweifel machen verrückt. Wir sollten unsere Zweifel vertreiben. So lange man zweifelt, kann man die Wahrheit niemals erfahren. Diese Zweifel haben uns unwissend gemacht.

Verkörperungen der Liebe!
Zweifelt nicht ständig. Zweifel lassen euch euer wahres Wesen vergessen. Glaube ist sehr wichtig. Ohne Glauben ist man blind. Der Weise Surdâs sagte:

„Oh Herr! Obwohl sie Augen haben, sind die Menschen blind geworden, denn sie sind nicht daran interessiert, deine schöne Gestalt zu sehen. Obwohl sie Ohren haben, sind sie taub, denn sie sind nicht daran interessiert, deiner wohlklingenden Stimme zu lauschen. Sie haben Gott vergessen und verlangen nach einem weltlichen Leben.“

Surdâs sagte: „Als ich Augen hatte, was wollte ich zu der Zeit? Jetzt, wo ich blind bin, was wünsche ich jetzt?“ Macht euch nicht von den physischen Augen abhängig, sondern entwickelt die göttliche Sichtweise. Dieses göttliche Licht ist die Kraft. Richtet euren Geist auf das göttliche Licht, das in allen gegenwärtig ist. Ohne das göttliche Licht könnt ihr auch kein anderes Licht sehen. Atman ist das göttliche Hauptlicht.

Dasselbe stellte auch Adi Shankara in seinem berühmten Lied „Bhajo Govindam…“ fest. Denke an Gott, singe zu seiner Ehre. Man sollte nur an Gott denken. Gott ist nicht getrennt von euch. Ihr seid Gott. Ich und du sind eins. Gebt das Empfinden auf, dass Gott von euch verschieden und ihr seine Devotees seid.

Die sechs inneren Feinde (Verlangen, Zorn, Gier, Stolz, Verblendung und Eifersucht) sind verantwortlich für das falsche Verhalten und Leid des Menschen. Sogar in Tieren befinden sich diese sechs Eigenschaften. Welcher Unterschied besteht zwischen Tieren und euch? Tiere essen, schlafen, empfinden Hunger etc. Was ist dann der Unterschied zwischen Mensch und Tier? Der Mensch ist mit prajnâna, Weisheit, versehen. Die Veden erklären:

prajnâna brahma - Gott ist das höchste Bewusstsein.

Die spirituelle Bewusstheit ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier. So lange diese Bewusstheit von prajnâna existiert, wird der Mensch nicht leiden. Alles andere gleicht vorbeiziehenden Wolken. Warum sollten wir uns an diese vergänglichen Dinge binden? Wir sollten das ergreifen, was unverändert ist. Das ist das wahre Selbst. Es ist unsere Bewusstheit, es ist unsere Göttlichkeit. Es ist heilig. Wenn ihr das erfahrt, werdet ihr eins mit dem Selbst.

Wer brahman (das alles durchdringende göttliche Prinzip) kennt wird zu brahman selbst.

Wie ich gestern erwähnte, trägt jedes Wesen den Funken der Göttlichkeit in sich. Krishna sagte: Der ewige Atman in allen Wesen ist Teil meines Wesens.

Wie kommt es dann, dass der Mensch Mühen und Elend ausgesetzt ist? Der Grund liegt darin, dass der Mensch sein Herz mit tierischen Neigungen gefüllt hat. Haltet euch fern von diesen tierischen Empfindungen. Treibt diese Tendenzen aus. Rennt weg von schlechter Gesellschaft. Füllt euer Herz mit der ewigen Wahrheit. Hier ist ein Becher voller Wasser. Wenn ihr Milch in den Becher füllen wollt, müsst ihr erst das Wasser ausgießen. Wenn ihr Milch mit Wasser vermischt, wird beides verdorben. Um euer Herz mit heiligen Empfindungen zu füllen, müsst ihr euch erst von schlechten bösen Eigenschaften befreien. Dann werdet ihr zu einem heiligen Wesen. Um unser Leben zu heiligen, sollten wir dem heiligen Weg folgen.

Der Mensch versucht Hunderttausende von Rupien zu verdienen, um seinen kleinen Magen zu füllen. Was geschieht mit dem Geld? Mit wem teilt ihr es? Benutzt er das ganze verdiente Geld, um seinen Magen zu füllen? Nein. Niemand kann vorhersagen, wohin letztlich euer Geld gehen wird. Um dieses vergänglichen Lebens willen erlebt der Mensch so viele Schwierigkeiten und Mühen. Der Körper ist vergänglich. Er gleicht einer Wasserblase. Der Geist gleicht einem verrückten Affen. Folgt weder dem Körper noch dem Geist. Folgt der Liebe, folgt eurem Gewissen. Folgt dem, was wirklich ist. Das ist die wahre Bildung, die ihr erlangen solltet.

Was bringt es, weltliche Bildung zu erlangen,
wenn sie euch nicht zur Unsterblichkeit führen kann?
Erwerbt das Wissen, das euch unsterblich machen wird.

Was ist der Zweck eurer Bildung? Dient sie nur dazu, euren Magen zu füllen? Sogar ein ungebildeter Bettler füllt seinen Magen. Füllt euer Herz. Füllt es mit Liebe. Diese Liebe wird euch helfen, auch alles Übrige zu erhalten. Unternehmt alles, um euer Herz damit zu füllen Hri-daya: Das Herz ist mit Mitgefühl (dâya) erfüllt. Mitgefühl ist Liebe, mit der ihr euer Herz füllen solltet. Verschwendet niemals auch nur einen Augenblick Zeit. Füllt euer Herz mit Liebe.

In Wahrheit haltet ihr die Liebe von euch fern, ihr verdreht und entstellt sie. In Wirklichkeit ist niemand an irgendjemanden gebunden. Wer ist an wen gebunden? Welcher Art ist die Beziehung? Körpergebundene Beziehungen und Bindung sind eure eigene Schöpfung. Wer ist vor der Hochzeit die Ehefrau, wer der Ehemann? Wer ist nach dem Tod die Ehefrau, wer der Ehemann? Das Familienleben gleicht einer vorbeiziehenden Wolke. Es kommt und geht und dauert nicht an. Man sollte nicht unangemessen daran gebunden sein oder sich deswegen sorgen. Man sollte sich stattdessen darum bemühen, seine Liebe mit allen zu teilen und Glückseligkeit zu erfahren. Aber statt seine Liebe zu teilen, entwickelt der Mensch heutzutage seinen Mitmenschen gegenüber Hass und Eifersucht. Wir teilen unsere Liebe nicht. Überall herrscht Hass. Dieser Hass ist schlimmer als ein Dämon. Heutzutage wächst der dämonische Hass und nicht die Liebe. Wenn auch nur ein Fünkchen Liebe in euch ist, teilt sie mit anderen. Das ist eure wahre Pflicht.

Schüler, Studenten!
Ihr studiert verschiedene Fachgebiete, die sich auf diese körperliche Welt beziehen. Weltliches Wissen hilft euch, in dieser Welt glücklich zu sein, spirituelles Wissen (brahmavidyâ) in der anderen Welt. Zusammen mit weltlicher Bildung solltet ihr auch spirituelles Wissen erwerben. Nur dann könnt ihr ewige Glückseligkeit erfahren.

Vor kurzem habt ihr Rasgotra zugehört. Er nannte einige sehr kostbare Ideen. Seine Leistungen im Bereich der Erziehung sind unvergleichlich. Er hat herausragende Positionen innegehabt. Er hat alles, was man sich wünscht. Warum kommt er dann hierher? Er kommt hierher, um Swamis Liebe zu erfahren. Wenn ihr diese Liebe schon in euch hättet, würdet ihr nicht hierher kommen. Ihr habt diese Liebe und diesen Frieden nicht. Deshalb kommt ihr hierher. Ihr solltet Gott um das bitten, was ihr nicht habt und was Gott allein euch schenken kann.

In Gujarat lebte einst ein Geschäftsmann namens Patel. Er war ein großer Geschäftsmann, der um die ganze Welt reiste und Reichtum anhäufte. Er war ein großer Gottgläubiger. Eines Tages besuchte ihn ein Freund in seinem Haus in Gujarat. Patel war gerade in seinem Andachtsraum. Sein Freund musste lange Zeit warten. Als Patel schließlich aus dem Andachtsraum kam, fragte ihn sein Freund: „Patel, wozu betest du zu Gott? Du hast viel Geld und brauchst nicht um Geld zu beten. Du hast alles Glück und führst ein luxuriöses Leben. Warum betest du so lange?“ Patel lächelte und antwortete: „Ich bitte nicht um weltlichen Besitz, um Geld oder Wohlbefinden (sukha). All dies habe ich bereits. Ich bitte Gott um das, was ich nicht habe und was Gott hat. Um das zu bekommen, bete ich zu Gott.“ Sein Freund war erstaunt und fragte: „Was ist es, das du vermisst?“ Patel erwiderte: „Ich will Wahrheit, ich will Liebe, ich will Frieden. Diese drei, Wahrheit, Liebe und Frieden, liegen in Gottes Händen. Sie sind bei ihm. Darum bitte ich Gott.“ Wir sollten uns das wünschen, was wir nicht haben. Was fehlt euch? Frieden. Wünscht euch deshalb Frieden. Nach dem zu fragen, was ihr schon habt, ist lächerlich. Weltliche Besitztümer könnt ihr durch eure eigenen Bemühungen verdienen und erwerben. Was ihr nicht habt, Gott aber besitzt, sind Liebe und Frieden. Wenn ihr diese beiden, Frieden und Liebe, empfangt, könnt ihr auch Wahrheit bekommen. Mit diesen beiden könnt ihr alles erreichen.

Wenn ihr Zucker habt, könnt ihr damit jede Süßigkeit zubereiten. Es gibt verschiedene Süßigkeiten, aber Zucker ist derselbe. Gott ist Liebe. Wenn es uns gelingt, diese Liebe zu gewinnen, können wir durch diese Liebe alles und jedes erreichen. Wir können uns an Glück und Zufriedenheit erfreuen. Deshalb, Bangaru (ein Kosewort Swamis, das so etwas wie „Goldstück“ bedeutet), versuche Liebe zu erlangen.

Prema mudita…

Die vom Ashram herausgegebene, gekürzte, gedruckte Fassung wurde vom Audiotape im Vergleich mit Swamis Teluguworten ergänzt.

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)

(Von der Audiokassette vervollständigte Übersetzung)


    

Copyright Sathya Sai Vereinigung e. V.