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 Ansprache Sathya Sai Babas am 06.05.2002

 

Die Mutter ist euer erster Gott

Alle Namen und Formen sind nichts anderes
als die Manifestationen des Höchsten Wesens,
welches absolutes Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit
und nicht-dual ist. Es ist die Verkörperung von Wahrheit,
Güte und Schönheit (satyam, shivam, sundaram).

(Vers in Sanskrit)

Verkörperungen der Liebe!
Alles, was wir mit unseren physischen Augen sehen, muss vergehen (yad drishyam tan nâshyam). Nicht nur der Mensch ist mit physischen Augen ausgestattet, auch Vögel und Tiere haben sie. Sogar Würmer und Insekten haben Augen. Aber was ist der Sinn der Augen, wenn wir nicht sehen können, was ewig und unveränderbar ist? Diese Augen nehmen nur kurzlebige, vergängliche und nichtreale Dinge wahr. Auf dieser Welt treffen wir Menschen an, die ihr gesamtes Leben mit weltlichen Aktivitäten verbringen und nur kurzlebige Dinge verstehen. Weisheit (jnâna) ist wahr und ewig. Nur derjenige verdient es, ein menschliches Wesen genannt zu werden, der das Auge der Weisheit hat. Deshalb ist es von höchster Wichtigkeit, dass der Mensch seinen Blick nach innen richtet und versucht, das Prinzip des âtman zu verstehen. Wir können das Prinzip des âtman nur erkennen, wenn wir unsere Sicht nach innen wenden. Mit unserer äußerlichen Sicht sehen wir nur veränderliche und vergängliche Erscheinungen.

Prägt die Lehren eurer Mutter in euer Herz ein

Im Land Indien (Bhârat) wurde das Ideal der Mutterschaft sehr hoch geschätzt. Jeder Mensch hat eine Mutter. Aber heutzutage sind Verehrung der Mutter und Liebe für sie im Niedergang. Die Menschen bemühen sich nicht, ihre Mutter glücklich zu machen. Es gibt innerhalb der gesamten Welt der Erscheinungen keine größere Liebe als die Mutterliebe.

Râmas Göttlichkeit erblühte unter Kausalyâs liebevoller
Fürsorge, Durch die zärtlichen Gefühle und die Strenge
von Sîtâ errangen Lava und Kusha (Zwillingssöhne von
Râma und Sîtâ - Anm.d.Ü.) einen guten Namen und Ruf.
Die liebevolle Fürsorge von Jijibaî machte aus Shivaji
einen großen Krieger.

(Gedicht in Telugu)

Entsprechend erlangten viele eminente Persönlichkeiten dieser Welt durch die liebevolle Fürsorge ihrer Mütter ein bedeutendes Leben. Deshalb ist es für jeden Menschen wichtig, seine Mutter zu respektieren. Das ideale Benehmen von Kindern basiert auf den Idealen, die ihre Mütter gesetzt haben. Die Heiligkeit der Mutterschaft ist ohnegleichen überall auf der Welt und unabhängig von Land oder Zeitalter. Dafür sind weder materieller Reichtum noch Gelehrtheit notwendig. Die Basis dieses Ideals ist der Charakter. Jede Mutter trachtet nach dem Wohlergehen für ihre Kinder. Es mag schlechte Kinder geben, aber es kann auf dieser Welt niemals eine schlechte Mutter geben. Es ist ein dringender Bedarf an idealen Kindern, welche den Unterweisungen ihrer Mütter gehorchen und den Idealen folgen, welche diese setzen. Sie sollten die Lehren ihrer Mütter in ihre Herzen einprägen.

Die indische Kultur verkündet: Verehre deine Mutter als Gott, verehre deinen Vater als Gott, verehre deinen Lehrer als Gott, verehre deinen Gast als Gott (mâtridevo bhava, pitridevo bhava, âcâryadevo bhava, atithidevo bhava). Aber der erste Platz wurde der Mutter gegeben. Sie ist wirklich euer erster Gott. Wie viele Menschen gibt es heutzutage, die dieser Verkörperung der Göttlichkeit (Swami) angemessenen Respekt und Liebe erweisen? Geschweige denn ihrer Mutter Liebe oder Respekt entgegenbringen? Wie viele benehmen sich auf angemessene Weise und verdienen so die Liebe ihrer Mutter? Ein wahrer Sohn, eine wahre Tochter handeln so, dass sie die Liebe ihrer Mutter verdienen. Man kann niemals auf Frieden oder Glück in seinem Leben hoffen, wenn man die Gefühle seiner Mutter verletzt. Es ist die Pflicht eines jeden Kindes, seine Mutter zu respektieren und zu lieben; es sollte ihr niemals irgendeinen Kummer verursachen. Man mag ein großer Gelehrter sein oder ein Offizier mit großer Befehlsgewalt, dennoch bleibt man in Bezug auf seine Mutter nichts anderes als ihr Kind. Aber durch den Einfluss des Kaliyuga (eisernes Zeitalter, in dem wir heute leben - A.d.Ü.) vergessen moderne Jungen und Mädchen ihre Pflichten gegenüber ihrer Mutter. Dies ist ein schwerer Fehler. Wer seine Pflicht gegenüber seiner Mutter vergisst, der wird sich mit Sicherheit im Dschungel des Lebens verlieren. Ihr seid nur eine Reflektion eurer Mutter. Deshalb solltet ihr vor allem eure Pflichten gegenüber eurer Mutter erfüllen und sie glücklich machen.

Erfüllt die Wünsche eurer Mutter

Easwaramma, die Mutter dieses Körpers, sah auf alle Kinder mit sehr viel Liebe und Zärtlichkeit. Wann immer sie kleine Kinder sah, liebkoste sie sie mit großer Zuwendung und machte nicht die geringsten Unterschiede zwischen ihnen. Da Karnamâ Shubhâmmâ keine Kinder hatte, bat sie Easwaramma, ab und zu ihre Kinder zu ihr nach Hause zu schicken. So holte mich Shubhâmmâ in ihr Haus und sah mit großer Liebe nach mir. Einmal kam Easwaramma in großer Eile, als ich in Shubhâmmâs Haus war. Ich fragte sie: „Warum diese Eile? Was ist passiert?“ Sie antwortete: „Swami, nahe unserem Haus lebt eine junge Mutter, deren kleine Tochter sehr krank ist. Sie ist hilflos und völlig verzweifelt. Es gibt hier in diesem trostlosen Dorf nicht einmal eine Apotheke. Es gibt keinen, der wenigstens eine einfache Erkältung behandeln könnte, Husten oder Fieber. So viele Devotees kommen zu dir. Glaube nicht, dass alle von ihnen wahre Devotees sind. Nur wer den Kummer der anderen fühlt und ihnen zu helfen versucht ist ein wahrer Devotee. Reichtum, Gelehrtheit und Autorität sind von geringer Bedeutung. Das wahre Merkmal der Verehrung ist es, das Leid der anderen mitzufühlen und zu versuchen, es zu erleichtern. Man sollte die Sorgen der anderen teilen. Aber das gibt es heutzutage selten. Es gibt Menschen, die lang und breit über die Leistungen ihrer eigenen Kinder reden, sich jedoch wenig um die Leiden der Kinder anderer Leute kümmern. Tausende von Devotees kommen hierher, aber es ist keinem von ihnen eingefallen etwas zu unternehmen, um die Probleme zu lösen, die es hier gibt. Das ist jetzt dir überlassen. So musst du für die armen Kinder in diesem Dorf ein kleines Krankenhaus bauen.“ Ich beruhigte sie und sagte: „Warum bist du so aufgeregt wegen so einer kleinen Sache? Es wird geschehen. Aber für alles muss die Zeit reif sein. Ein neugeborenes Kind kann nicht plötzlich zu einem Jugendlichen werden, das braucht Zeit. Sei nicht so traurig; zur richtigen Zeit wird Swami deinen Wunsch erfüllen. Versuche jene zu trösten, die leiden, und bete für ihr Wohlergehen.“ Easwaramma war etwas bestürzt, da sie Swami als desinteressiert und gleichgültig empfand. Aber ich hatte diesen Willen (samkalpa) schon lange. Der Wunsch der Mutter, sei er klein oder groß, muss erfüllt werden. Jede Aufgabe, anderen zu helfen, ist meine Verantwortung, und so entschloss ich mich, diese Aufgabe anzugehen.

Die Gesellschaft braucht selbstlose Ärzte

Schon am nächsten Tag traf ich alle Maßnahmen für die Grundsteinlegung; und innerhalb eines Monats begann ein Krankenhaus zu entstehen. Es gab dort einen Arzt namens Brahmam. Er war ein großer Devotee. Er handelte auf eine Weise, die seinem Namen Ehre machte. Nach ihm kam ein anderer Arzt namens Sitharamiah. Er war ein großer Devotee von Swami. Er bat mich inständig, ihm die Verantwortung für das Krankenhaus zu übertragen. Von diesem Tag an bis zu seinem letzten Atemzug arbeitete er in dem Krankenhaus. Heutzutage findet man keine solchen Ärzte mit Engagement und Hingabe. Vom Augenblick des Studienabschlusses an ist die einzige Sorge der modernen Ärzte, wie viel Geld sie verdienen können. Um des Geldes willen sind sie sogar bereit, ihr Leben zu riskieren. Sie vernachlässigen ihre vorrangige Pflicht, die Kranken zu heilen. Sie wollen nicht in Dörfern arbeiten. Sie wollen in den Städten bleiben und sich aller Annehmlichkeiten des Stadtlebens erfreuen. Sie wollen mehr und immer mehr Geld verdienen. Was ist Geld? Was kann es uns geben? Es bleibt bei niemandem für immer. Es ist flüchtig und vergänglich. Geld ist notwendig, aber zu viel Geld ist schädlich. Heutzutage schrecken die Menschen vor nichts zurück, um Geld zu verdienen. Wie das Sprichwort sagt, ist der Mensch heutzutage bereit, sogar Gras zu essen, um eine Rupie zu gewinnen. So kann ein gieriger Mensch nur Gras erringen und nicht Gnade (engl. Wortspiel: grass - grace – A.d.Ü.).

Heutzutage brauchen wir in der Welt Menschen mit Opfergeist. Was ich wünsche ist nicht eure Verehrung. Ihr müsst euren Geist (mind) den Problemen der Gesellschaft zuwenden und Abhilfe für sie schaffen. Man sollte nach dem Wohlergehen der Gesellschaft trachten. Die Gesellschaft braucht heutzutage die Dienste opferbereiter Ärzte. Die Ärzte haben in diesen Tagen hohe Einkommen mit Tausenden von Rupien jeden Monat. Aber sie sind nicht bereit, wenigstens für den Gegenwert einer Rupie zu arbeiten. Sie wollen Geld ohne Arbeitsleistung haben. Die heutige Gesellschaft braucht Dienende. Nur jene, die wirklich dienen, können wahre Vorbilder (leader) sein. Wenn sich ein Mensch in leitender Position (leader) selbst als Diener betrachtet, leistet er wahren Dienst an der Gesellschaft.

Mutter Easwaramma ist ein beispielhaftes Vorbild der Mutterschaft

Easwaramma tat ihren letzten Atemzug in genau diesem Mandir (mandira = Gebetshalle, Tempel - A.d.Ü.). Im Mai 1972 liefen die Sommerkurse. Sie pflegte zu kommen und an diesen Kursen teilzunehmen. Swami war über ihre Gegenwart erheitert und fragte sie, was sie denn in diesen Kursen verfolge. Sie sagte: „Mich interessieren nicht diese Studien. Ich komme her, um zu sehen, wie sich Swamis Studenten benehmen, wie sie seinen Anweisungen Folge leisten und wie sie auf Swamis Rat und Lehren reagieren.“ Eltern unternehmen große Anstrengungen ihre Kinder aufzuziehen und erwarten, dass sie später ein angesehenes Leben führen. Benehmen sich die Kinder gemäß den Erwartungen ihrer Eltern? Sie tragen die neuen Kleider, die ihre Eltern ihnen gegeben haben, aber verschwenden sie einen Gedanken an die Schwierigkeiten, denen sich die Eltern unterziehen, um diese Kleider zu beschaffen?

Verkörperungen der Liebe!
Heute seid ihr Jungen, morgen werdet ihr Männer sein. Wenn eure Kinder euch Kummer verursachen, wie werdet ihr euch fühlen? Werdet ihr glücklich sein? Nein, nicht im Geringsten. Alles was euch in der Zukunft widerfahren wird, ist in Übereinstimmung mit eurem heutigen Verhalten. Alles ist Reaktion, Reflektion und Widerhall. Die guten Taten von heute werden zu guten Ergebnissen in kommender Zeit erblühen. Wenn ihr heute schlecht handelt, könnt ihr nicht erwarten, in der Zukunft mit guten Ergebnissen bedacht zu werden. Wenn ihr heute Böses tut, könnt ihr den späteren Konsequenzen nicht entkommen. Ihr mögt ein mächtiger Offizier, Polizist oder Unternehmer werden. Aber die Konsequenzen eurer vergangenen schlechten Taten werden euch stets verfolgen. Seid euch dieser Tatsachen stets bewusst, macht eure Eltern glücklich und dient ihnen bis an die Grenzen eurer Möglichkeiten. Nur dann werdet ihr im Leben Erfüllung finden. Wozu ist der Mensch in diese Welt geboren? Nur dafür herumzustreunen und den Vergnügungen dieser Welt zu frönen? Ihr solltet verstehen, dass weltliche Vergnügungen nicht von Dauer sind. Ein wahrer Sohn wird darauf achten, dass seine Eltern nicht Tränen des Kummers vergießen.

Es ist kein Anlass für ein großes Fest, wenn in einer Familie ein Sohn geboren wird. Seine Geburt sollte erst dann eine Gelegenheit zum Feiern sein, wenn er sich in der Gesellschaft einen guten Namen verdient hat. Viele Eltern leisten sich in ihrem Überschwang der Freude über die Geburt eines Sohnes alle Arten von sinnlosen Feiern. Solche Eltern verziehen ihre eigenen Kinder. Mütter sollten streng über das Verhalten ihrer Kinder wachen. Ist das Kind auf dem richtigen Weg? Arbeitet es für das Wohlergehen der Gesellschaft? Heißt die Gesellschaft sein Verhalten gut? Hat es den Respekt der Gesellschaft? Mütter sollten all dieses sehr genau beobachten. Easwaramma war sich dieser Dinge sehr bewusst; sie war in der Tat eine ideale Mutter. Wenn Gäste zum Haus kamen, schickte sie ihre Kinder hinaus, um sie angemessen zu begrüßen, sie nach ihrem Wohlergehen und ihren Bedürfnissen zu fragen und ihnen auf respektvolle Weise einen Sitzplatz anzubieten. Heutzutage findet ihr solch ein Benehmen kaum. Kinder sind heutzutage sehr gut ausgebildet, ihre Fähigkeiten werden gefördert, aber wozu? Um Geld zu verdienen? Selbst ein Bettler verdient Geld. Geld ist nicht das Ziel des Lebens.

Wenn ein Besucher zu euch kommt, solltet ihr ihn mit Respekt und mit Liebe begrüßen. Heutzutage könnt ihr nirgendwo solch ein höfliches Verhalten finden. Deshalb sage ich oft: Ihr könnt nicht immer gefällig sein, aber ihr könnt immer gefällig sprechen. Doch die heutige Erziehung macht aus den Kindern wahre Dämonen. Es gibt keine Bescheidenheit oder Freundlichkeit in ihnen. Sie lernen den Stoff aus den Büchern auswendig, gehen in den Prüfungsraum, leeren den Stoff in ihren Köpfen auf die Antwortblätter aus und kehren mit leeren Köpfen nach Hause zurück. Ist das Bildung? Nicht im Geringsten. Wahre Bildung ist, was in die Herzen der Lernenden eingeprägt ist. Das sollte im Lauf der Jahre unverändert bleiben. Solche heiligen Gefühle sind in den heutigen Studenten nicht zu finden. Jeder gibt vor ein Devotee zu sein, hat aber keine Spur von Hingabe. Was soll all dieses Agieren? Die Menschen lernen diese falschen Werte vom Kino, vom Fernsehen, etc., welche sie verderben, vor allem die Kinder. Die heutige Welt scheint glücklich zu sein mit Fernsehen und Kino. Aber Swami heißt diese nicht gut. Verhelfen Kino, Fernsehen etc. der Menschheit zur Erlösung? Jeder sollte menschliche Eigenschaften kultivieren und das Leben eines wahren menschlichen Wesens führen. Aber man kann wenige solcher Menschen finden. Es gibt natürlich einige wenige Eltern, die ihre Kinder mit großer Liebe und Zuwendung großziehen und sie auf den rechten Weg bringen. Nur solche Eltern können ideale Eltern genannt werden. Ihre Kinder wachsen heran, um vorbildlich und edel zu sein.

Undankbarkeit ist die schlimmste Sünde

Heutzutage haben die Menschen wenig Sinn für Dankbarkeit. Wenn ihr auch nur eine geringe Hilfe von jemandem erhalten habt, solltet ihr euch stets daran erinnern. Es ist ein Unglück, dass Menschen sogar jenen Schaden zufügen, die ihnen geholfen haben. Solche Menschen sind die schlimmsten Sünder. Wir sollten sogar jenen helfen, die uns geschadet haben. Dies ist das Gelübde von Sai: Egal ob einige Menschen mich kritisieren, mich verspotten oder sogar versuchen, mir Schaden zuzufügen, ich werde sie immer mit Freundlichkeit ansehen. Ich habe erklärt: Mein Leben ist meine Botschaft. Wie viele Menschen folgen dem Pfad, den ich ihnen zeige? Wenn ihr meinen Fußstapfen folgt, wird euch kein Leid befallen. Swami gewährt abertausend Studenten kostenfreie Ausbildung. In Sai-Institutionen ist Ausbildung kostenlos bis zur Promotion. Was kostet Ausbildung in diesen Tagen? Selbst für die Aufnahme in die erste Klasse der Grundschule nehmen manche Schulen zwanzig- bis dreißigtausend Rupien. In solcher Umgebung gibt Swami allen seinen Studenten freie Ausbildung. Die Studenten sollten sich daran mit Dankbarkeit erinnern. Dies nicht zu erkennen, schadet ihnen. Dies waren einige der Lehren von Easwaramma. Wenn jemand zu ihr kam, sagte sie zu ihm: „Sieh, wie viel Hilfe Swami den Armen und Bedürftigen gibt. Es ist alles zu ihrem Wohlergehen. Aber einige Menschen erkennen den Wert dieser Hilfe überhaupt nicht und sind nicht dankbar dafür. Das ist nicht gut für sie. Jeder sollte dies in seinem Geist (mind) behalten.“ Sie sprach in sanfter und angenehmer Art und Weise zu allen ihren Besuchern. Sie war eine Quelle großen Trostes für Frauen, die in jungem Alter ihren Ehemann verloren. Sie half ihnen zur Erleichterung ihres Leids.

Seid immer dankbar auch für jede noch so geringe Hilfe. Seid keine Undankbaren (kritaghna). Es gibt einen Mantra der Verneigung vor der aufgehenden Sonne (sûryanamaskâra): Sei gegrüßt, Vernichter der Undankbaren (kritsaghnagnâya namah). Was bedeutet das? Es betont die Tatsache, dass man sich für jede erhaltene Hilfe bis zum äußersten Maße erkenntlich zeigen sollte. Jemandem zu schaden, der einem geholfen hat, wird zum Verlust des Augenlichtes führen. Im menschlichen Auge wird der Glanz der Sonne widergespiegelt. Alles was ihr seht, seht ihr aufgrund der Widerspiegelung des Glanzes der Sonne. Die Sonne entzieht ihren Glanz den Augen der Menschen, die die Sünde der Undankbarkeit begehen. Manche Menschen mögen dies beiseite schieben in der Meinung, dies wäre eine bloße Geschichte (kathâ). In Wirklichkeit ist es keine ,Geschichte’ (kathâ), sondern ein ,Leiden’ (vyathâ), dem sich ein undankbarer Mensch unterziehen muss. Deshalb sollten wir stets dankbar sein. Wir sollten für empfangene Hilfe Hilfe im größtmöglichen Umfang zurückgeben.

Übt Nächstenliebe mit Unterscheidungsvermögen

Ihr solltet stets den Alten und Leidenden helfen. Die rajmâtâ (Königsmutter - A.d.Ü.) von Jamnagar ersuchte mich, für die Zeit, in der dieses Gebäude errichtet wurde, in ihrem Haus zu wohnen. Ich erfüllte ihre inständige Bitte und kam in ihr Haus. Es gab in diesem Haus auch einen Fahrer. Eines Tages war es sehr kalt und der Fahrer zitterte vor Kälte, weil er weder einen Mantel noch eine Decke hatte, um sich vor der Kälte zu schützen. Mein Fahrer kam und erzählte mir das. Ich gab ihm eine dicke wollene Decke. Als der Fahrer des Hauses die von mir zur Verfügung gestellte Decke erhielt, begann er laut zu weinen und sagte, dass nicht einmal seine Eltern ihm so viel Liebe gegeben hätten. Er lebte noch lange Zeit und blieb bei der rajmâtâ. Die rajmâtâ war ebenfalls eine sehr aufmerksame Dame und achtete auf das Wohlergehen ihres Personals. Es gibt in dieser Welt viele derart Bedürftige. Wer immer auch der Bedürftige sein mag, macht keinerlei Unterscheidung zwischen ,eigenen Leuten’ und ,anderen’. Wen auch immer ihr leiden seht, ihr solltet ihm unverzüglich helfen. Es ist nicht angebracht, eine Erziehung, die solche Werte wie Mitgefühl und Teilen (engl. Wortspiel: caring and sharing - A.d.Ü.) nicht einschärft, Erziehung zu nennen.

Trotz aller Bildung und Intelligenz wird ein törichter Mensch
sein wahres Selbst nicht erkennen, und ein niedrig 'stimmter
Mensch wird seine schlechten Eigenschaften nicht aufgeben.
Moderne Erziehung führt nur zu Argumentation, nicht zu
vollkommener Weisheit. Was ist der Sinn davon, weltliche
Ausbildung zu erwerben, wenn sie euch nicht zur Unsterblichkeit
führen kann? Erwerbt das Wissen, das euch unsterblich macht.

(Gedicht in Telugu)

Was ist der Sinn solcher Ausbildung? Was ist das Ergebnis endloser Debatten? Man hält sich selbst für sehr gelehrt, aber diese Arroganz ist die Ursache für den eigenen tiefsten Fall. Studenten! Es ist für euch notwendig, die Eigenschaften der Bescheidenheit und des Gehorsams zu entwickeln. Es gibt sehr viele Menschen, die in bedeutend ärmeren Umständen leben als ihr. Ihr müsst mit äußerster Anstrengung danach streben, ihre Lage zu verbessern. Wenn ihr anderen helft, ist dies allein schon euer Lohn. Die Schriften erklären: Anderen zu helfen ist verdienstvoll, andere zu verletzen ist Sünde (paropakârah punyâya, pâpâya parapîdanam). Versucht deshalb stets, hilfreich zu sein. Begeht nicht die Sünde, andere zu verletzen. Gebt den Kindern ein gutes Beispiel. Dies ist heutzutage eine wichtige Aufgabe der Studenten. Ich habe bemerkt, dass die Studenten dieser Zeit verrückt danach sind, ins Ausland zu gehen. Wenn sie zurückkommen, sind sie pompös gekleidet und haben ein anstößiges Benehmen. Was hat es für einen Sinn, teuer gekleidet zu sein und ein schäbiges Verhalten zu haben?

Es gibt viele Menschen aus anderen Ländern, die hierher kommen und sich veranlasst fühlen, armen Menschen zu helfen. Aber dies schafft mehr Komplikationen. Sie kennen die Bedingungen hier nicht. Man sagt, dass selbst die Toten auferstehen und die Hand ausstrecken, wenn jemand Geld verteilt. Wenn also diese Ausländer beginnen Geld zu verteilen, rennen ihnen die Armen nach. Wenn jemand hungrig ist, so gebt ihm Essen und nicht Geld. Entsprechend gebt ihm Kleidung, wenn er welche braucht. Blindes Verteilen von Geld schadet mehr, als es nutzt. Die Menschen dieses Landes sollten nicht dem Geld hinterherrennen. Lebt ein achtbares Leben. Haltet die Würde des menschlichen Lebens aufrecht. Ehre und Respekt können nicht mit Geld gekauft werden.

Swami möchte euch von einer kleinen Angelegenheit berichten. Eines Tages kam ein Devotee und sagte mir, dass meine Wagen alt geworden wären und er sie deshalb durch neue Wagen ersetzen wolle. Er brachte die Autos. Drei Tage vergingen. Ich sah ihn nicht einmal an. Warum? Ich habe bereits eine ausreichende Anzahl an Wagen. Ich habe kein Verlangen danach, in extravaganten großen Wagen herumzufahren. Ich nehme von niemandem etwas an. Als ich hierher kam, kam Srinivas zu mir und sagte: „Dieser Mensch fühlt sich elend. Bitte nimm die Wagen an.“ Ich antwortete ihm: „Misch dich nicht ein. Er kann seine Wagen zurücknehmen. Tatsächlich bin ich bereit, meinen eigenen Wagen zu geben. Ich werde eher zwei Wagen geben, du und er könnt jeder einen haben.“ Entwickelt den Geist der Opferbereitschaft und gebt anderen ein gutes Beispiel. Ich praktiziere dies seit meiner Kindheit. Wenn ihr dem Weg folgt, den ich euch aufzeige, werdet ihr gesegnet sein. Dieser Weg wird euch zur Befreiung führen. Befreiung ist das Ziel des Lebens. Was ist Befreiung (moksha)? Alle Anhaftungen aufzugeben ist Befreiung (mohakshayam mokshah). Ihr müsst eure Anhaftung (moha) reduzieren. Das ist Befreiung (moksha).

Liebt jeden. Aber traut nicht jedem ohne zu unterscheiden. Wer anderen völlig vertraut, stürzt sich in sein Verderben. Liebt alle, dient allen. Aber habt Vertrauen in euch selbst. Entwickelt Selbstvertrauen. Gebt weltliche Wünsche auf. Entwickelt göttliches Fühlen und gebt weltliches Fühlen auf. Dies ist der Weg der Rechtschaffenheit (dharma ) für die Menschheit. Studenten! Ihr habt in Sai-Institutionen studiert. Ihr habt gut gelernt und Prüfungen bestanden. Geht auf dem rechten Weg. Entwickelt gute Eigenschaften. Liebt alle, hasst niemanden. Liebt selbst jene, die euch feindlich gesinnt sind. Dies ist charakteristisch für Sai. Es gibt viele, die mir gegenüber feindselig sind. Viele machen mich lächerlich oder kritisieren mich. Wenn sie es laut sagen, verliert es sich in der Luft. Wenn sie es innerlich denken, kehrt es zu ihnen zurück. Nichts davon erreicht mich. Deshalb sollte man weder Lob noch Schmähungen irgendeine Bedeutung beimessen. Achtet darauf, dass das Prinzip der Liebe fest in euch verankert ist. Das ist es, was Mutter Easwaramma praktizierte und lehrte.

Tretet den Wechselfällen des Lebens mit Selbstvertrauen gegenüber. Ich lasse mich niemals von Härten oder Hindernissen abschrecken. Wenn kein Fehler in euch ist, warum solltet ihr dann Angst haben? Liebt selbst jene, die euch schmähen. Dieses Ideal erwartet Swami wenn er sagt: „Mein Leben ist meine Botschaft.“ Wenn ihr euer Leben strikt an meinen Idealen ausrichtet, werdet ihr euch auf die gleiche Ebene erheben. Entwickelt deshalb gute Eigenschaften und helft jenen, die in Not sind.

Gute Menschen haben ein heiliges Ende

Mutter Easwaramma pflegte von Brindâvan zu Goginenis Haus zu gehen. Auch am Tage ihres Ablebens ging sie den weiten Weg zu ihrem Haus und zurück. Nach ihrer Rückkehr trank sie eine Tasse Kaffee. Sie pflegte pan (eine Mischung aus Betelblatt, Betelnuss und Kalk, die von den Indern zur Anregung der Verdauung gekaut wird - Anm.d.Ü.) zu nehmen. In früheren Tagen pflegte auch ich pan zu gebrauchen. Sie zerstieß die Betelnuss in einem Mörser und aß sie Stück für Stück. Plötzlich schrie sie: „Swami, Swami, Swami!“ Ich rief zurück und sagte: „Ich komme, ich komme, ich komme.“ Sie rief: „Komm schnell, komm schnell!“ Als ich unten ankam, ergriff sie meine Hände und sagte: „Du bist in der Lage, allen Menschen auf der ganzen Welt in jedem Ausmaß zu helfen. Aber Kinder brauchen mehr Hilfe. Du musst sie transformieren. Du musst sie nicht zu Gelehrten machen. Mache sie gut und tugendhaft.“ Während sie dies sagte, legte sie meine Hände auf ihre Augen und entschlief. Sie hatte einen friedvollen Tod (anâyata marana). Was mehr kann man sich im Leben ersehnen als einen wunderbaren Tod?

Körper kommen und gehen. Der Unwissende ist gefangen im endlosen Kreislauf von Geburt und Tod; immer und immer wieder erleidet er den Schmerz, im Mutterleib zu sein (punar api jananam punar api maranam; punar api jananî jatare sayanam). Geburt und Tod sind für den Menschen natürlich. Man braucht sich darüber keine Sorgen zu machen. Ich rief den Fahrer. Der Körper wurde in einen Lieferwagen gelegt und nach Prashanti Nilayam überführt. Ich schickte Ramabrahmam mit dem Körper mit. Er war ein sehr guter Mensch. Er führte alle ihm übertragenen Aufgaben persönlich aus. Ramabrahmam bat mich, zur Durchführung der letzten Riten nach Prashanti Nilayam zu kommen. Aber ich erklärte ihm entschieden: „Dies ist eine Angelegenheit, die zur äußeren Welt gehört und ich habe keine Verbindung mit dieser. Ich habe sie hier gesehen und hier gesegnet. So magst du diesen Körper für die letzten Riten nach Prashanti Nilayam bringen.“ Ramabrahmam führte meine Anweisungen gewissenhaft aus. Gokak und Bhagavantam kamen und informierten mich, dass die Kurse abgesagt wären. Ich fragte sie, warum. Sie sagten, es wäre wegen des Ablebens von Swamis Mutter. Ich sagte: „Was bedeutet es, wenn sie tot ist? Die Jungen hier sind alle lebendig und so müssen die Kurse weitergehen.“ Gokak war verblüfft. Er kündigte an, dass die Kurse durchgeführt würden.

An jedem Tag des Kurses ging ich zu Unterrichtsbeginn in das Klassenzimmer. Die Studenten waren beunruhigt, ob Swami jetzt kommen würde oder nicht. Ich ging an jenem Tag zum Klassenzimmer. Als ich eintrat, begannen alle Kinder zu weinen. Ich fragte: „Warum grämt ihr euch? Jeder, der geboren ist, muss irgendwann sterben. Es gibt also nichts, worüber man sich grämen sollte.“ Anschließend wurden die Kurse planmäßig durchgeführt. Aufgrund dieses Selbstvertrauens und dieser Unerschrockenheit war ich in der Lage, alles gemäß meinem Entschluss geschehen zu lassen.

Der Vater dieses Körpers hatte ebenfalls einen leichten Tod. Ich hatte gerade in Prashanti Nilayam einige Menschen für ein Interview ausgewählt, als er dorthin kam. Ich fragte ihn, warum er gekommen sei. Er antwortete: „Swami, ich habe dir etwas zu sagen.“ Ich sagte ihm, er solle warten, bis das Interview beendet sei. Aber er meinte, es sei eine dringende Angelegenheit. So rief ich ihn und fragte ihn nach dem Grund seines Kommens. Er wickelte etwas Geld aus dem Knoten seines dhoti (Bezeichnung für ein traditionelles Untergewand, das kunstvoll um die Beine geschlungen und von Männern getragen wird - A.d.Ü.) und sagte mir: „Swami, dies ist mein gesamtes Geld. Von diesem Geld solltest du am zehnten Tag die letzten Riten für mich in angemessener Weise durchführen.“ Ich schalt ihn sanft mit den Worten, wieso er über seinen Tod spräche, als wisse er alles über ihn. Er ging zurück und kaufte vier Beutel Reis für diesen Zweck. Reis war in jenen Tagen sehr billig. Man konnte einen Beutel Reis für ca. 20 Rupien erhalten. Außer Reis kaufte er noch etwas braunen Zucker und andere Dinge für die Riten. Nachdem er zu Hause angekommen war, spielte er einige Zeit mit seinem Enkel. Dann rief er seine Frau. In jenen Tagen riefen die Männer ihre Frau niemals mit ihrem Namen. Sie pflegten sie mit ,hey, hey’ anzusprechen. Er sagte ihr: „Ich habe gerade vor kurzem Swami gesehen. Ich habe jetzt keine Sorgen.“ Dann bat er sie, ihm etwas Wasser zu trinken zu bringen. Als sie ihm Wasser gab, tat er seinen letzten Atemzug.

Gute Menschen haben einen guten Tod. Welche Art von Tod? Einen friedvollen Tod. Wie war das für die Eltern dieses Körpers möglich? Sie teilten meine Heiligkeit und lebten ein heiliges Leben. Ich selbst habe meine Eltern gewählt. Meine Wahl ist immer richtig. Deshalb hatten meine Eltern ein so glückseliges Leben. Jeder muss seinen Eltern dienen. Wenn sie krank werden, solltet ihr ihnen mit vollkommener Hingabe dienen.

Nicht durch das Durchführen von Bußübungen
oder das Aufsuchen von Pilgerstätten, noch durch
das Studium heiliger Texte wird jemand befähigt,
den Ozean des weltlichen Lebens zu überqueren.
Das letztendliche Ziel des Lebens ist nur zu erreichen,
indem man guten Menschen dient.

(Vers in Sanskrit)

Ein so heiliges Ende ist nur möglich für Menschen, die es sich auf diese Weise verdient haben.

Verkörperungen der Liebe!
Alle, die ihr euch hier versammelt habt, müsst heute ein Versprechen abgeben. Lebt ein gutes Leben. Seid bereit, anderen zu helfen. Liebt Kinder, respektiert die Älteren, respektiert alle gemäß ihrem Stand in der Gesellschaft. Es gibt keinen besseren Lebensweg als den, gemäß dieser Prinzipien zu leben. Prägt euch diese Prinzipien fest in euer Herz ein. Handelt so, dass ihr eure Eltern damit erfreut. Nur dann wird euer Leben Erfüllung finden. Ihr singt an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten Bhajans (Lieder zum Lob und Preis Gottes in seinen verschiedenen Aspekten - A.d.Ü.). Aber das bloße Singen von Bhajans ist nicht genug. Wesentlich sind Betragen und Verhalten.

Bhagavan beendete seine Ansprache mit dem Bhajan: „Hari bhajana bina sukha shanti nahim...“

Aus Bhagavans Ansprache zum Easwaramma-Tag am 06. Mai 2002 in der Sai Ramesh Krishan-Halle in Brindâvan
(Sanathana Sarathi Juni 2002)

(Das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei der Sathya Sai Vereinigung e.V. , Dietzenbach)


    

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